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Kategorien-Archiv: Poesie

Neue Natur- und Katzen-Lyrik

28 Sonntag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Frühlingsabend

Der Himmel ein riesig graublaues
Aquarell nach dem Regen
ein paar rosige und helle Schimmer
am Saum die Sonne brach noch einmal hervor

vor dem Fenster fährt der Bus
vorbei in dem ich und das kleine Fellwesen
in der blauen Box saßen eine Woche Zittern
und Hoffen
schau ihm hinterher
gibt kein Zurück mehr

ich sitze an der Balkontür
seh den Streifen Licht am Himmel
die grauweiß getigerte inspiziert an den
Pflanztöpfen
das frische Grün wo Du vorher standest
die Zweige noch leer

und springt auf den Tisch räkelt sich hin
und schaut wo Du bleibst
fegt davon und wieder zurück
immer noch leer der Platz
träumt still vor sich hin

die kleinen Sonnen auf der Wiese
schlafen die Blätter eingerollt und die
vielen Gänseblumen wo wir saßen
leuchten wie Sterne

4.4.2024

Rhabarberzeit

Die Magie der zart grünen rosigen Stangen
weckt mein Verlangen
feinfaserig die Stiele
gelöst in Stücke federleicht
Frühlingsduft in jeder Pore
weckt Wohlbehagen aus Kindertagen
im hohen Gras liegen an nichts sattsehen
auf verschwiegenen Wiesen
warme Hände spüren
butterweich vom Teig
vom Rühren
geschwungene Formen
öffnen vertiefen sich
fließen ineinander

die grauweiß getigerte sieht
ungerührt zu vom Balkon aus
ein weißer Falter fliegt mir zu
ich weiß das bist du
Aromen kitzeln den Daumen
mit jedem Stück
kehrt die Vorfreude auf
Rhabarberkuchen mit Eischnee
und Puderzucker überzogene
Küsse zurück

LV
13.4.2024

Sonniges Wesen
(Für Lina)

Ich zähl die Tage
nicht mehr
die durch mein Leben
rinnen
nicht auf und ab halten
all die Licht und Schattengeister
kommen und gehen

gestern Abend tobte ein Sturm
zitterte um die Blütenbäume
heute Mittag reißt ins graue
Wolkenschiff ein Leck
die Sonne bricht hervor
ein weißer Vogel fliegt
am Fenster vorbei
was war ist weg

doch du bist überall
dein sanftes Lächeln
und Staunen über alles
was blüht sprießt fliegt
über mir und dir
der nachtblaue Himmel
voll rosa Wolken
springst nun mein weißschwarzes
Fellknäuel weiter da vertreibst meine Schwermut
wir bleiben uns nah

LV
16.4.2024

Katz und Maus

Die Pfoten des roten Katzentiers
zucken wild
als es die weiße Katze
mit der Maus traulich sieht
Na los, leg deine Krallen ran
herrscht er sie an
sonst schnapp ich mir
das süße Ding
die weiße Katze zittert vor Schreck
und hält das Mäuslein von ihm fern
nicht alle haben sich zum Fressen gern

LV
28.4.2024

Lebensgeister/William Shakespeare
(Für Lina)

I
Mir fielen die Worte wieder ein:
Wir halten ihr Herz und ihre Atmung an
helfen nur nach
sagten sie nach der Untersuchung
Es war die richtige Entscheidung
nach der Einschlafspritze
Sie lässt mich nicht los
ihr Lebensrest das letzte Lebensfünkchen
schwelt in mir weiter

II
Der Name stand über einem Foto
im Netz mit zwei Katzen
eine weiß die andere grau
wie Romeo und Julia
lagen die kleinen Fellknäuel
vornüber mit großen Augen
auf dem Pflaster
auf dem weiten fast menschenleeren Platz
hinter ihnen das Theater

LV
28.4.2024

 

Wolkenschafe

Sie ziehen weiter mit den Wolken
am Himmel
ohne Stillstand
vielmehr stete Bewegung
und Beständigkeit
watteweiche Tupfer
auf der Wiese am Fluss
grasen sie kitzeln die Erde
neigen sich tief zu ihr
sanftmütig in der Herde
ab und zu ein Mäh schallt
weithin mit den Vogelstimmen

am Ufer gegenüber die Gefiederten
spitzen die Schnäbel im Sand
nach Essbarem Apfelstücke
bleiben liegen die Weißbrotscheiben
holen die Raben
flattern wild mit den Tauben
ein Junge zeigt aufgeregt eine weiße
hin zu den hingeworfenen Sonnenblumenkernen
die sie mögen

Wildgänse fliegen kreischend auf
an der weißen Herde vorbei
ziehen sie am Fluss entlang
der nie ruht alles spiegelt

LV
28.4.

Wonnetag

Das Licht wandert
über das Meer aus Sternblumen
das empor wächst am alten Hafen
seh es von weitem
dort sitzt heute schon jemand
auf dem Stein inmitten unzähliger Sterne
ohne hinzusehen starr der Blick aufs Display
ziehe weiter mit dem Fluss
auf einer Anhöhe im Gewirr der Gräser
die sich biegen wiegen wieder aufrichten im Wind
im Gezweig wildes Gezwitscher und Lüste hinterm
Blättervorhang blinzelndes Sonnenlicht breitet sich
aus
zerfließt in Wonne auf dem Fluss
über mir die hinreißend leichten Flügelschwünge der
Wasservögel
das erste Mal barfuß im Gras verankere ich mich
neu
an diesem ersten Maientag

LV
1.5.2024

Die Früchte des Lebens

Ein wenig kafkaesk
vor seinem Schloss
back ich einen Kuchen
als Wegzehrung wenn der Landvermesser
durch die Niederungen irrt
keiner nichts vermisst
Gebt der Erde ihren Früchten
mehr Gewicht
streut Puderzucker auf die Wunden
des Lebens wärmt Euch am Teig
auf dem Rhabarber und Erdbeeren
saftig zerschmelzen im Tanz
der Aromen auf der Zunge
haltet Euch ans Licht
die Kunst der Trennung
Eiweiße und Eigelbe
aus der Schale lösen
ihren Saft und Dotter auffangen
schaumig schlagen
kommen wieder zusammen
unter der Eischnee Kuchenhaube
mit gerösteten Mandelblättchen
und Puderzucker
zerfließt im Mund
das allerschönste Gedicht

LV
4.5.2024

Regen

Rinnt rausch strömt
im Grünmeer vor dem Fenster
Langersehnte Frische
spült nicht weg
die Schatten in mir
der Regen fällt zu dir
in die Erde
und ich kann dich nicht
schützen nicht mehr
sie umhüllt dich
du liegst still da
und immer noch wach
bei mir Tag und Nacht
seh dich als du nicht
aus deiner Höhle
wolltest
und ich nicht einfach
zusehen konnte was wird
du wolltest bleiben
ich musste dich losreißen
hast den Blumenkasten
samt Erde umgerissen im Wintergarten
schwarze frische Erde blieb liegen

gestern flog ein kleiner weißer Falter
vor mir her immer wieder bei den
Pflanzen auf dem Balkon
wo du gern saßest streichst weiter
um mich
die grauweiß getigerte legte eine grüne
Stoffmaus und einen Federball unters Sofa
als kämst du gleich wieder

LV
5.5.2024

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry
(Weitere Fotos folgen.)

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BilderAlbum & Neue Lyrik: Scherben & Blaue Stunde & Wolkenflügel & mehr

11 Montag Mär 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches

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Scherben

Als ich für die ersten Frühlingszweige
heute frisches Wasser holte
zerbrach die Vase
hell und leicht klang es
Wasser floss über Scherben
größere und kleine hellrote Hügel
aus Glas

schnitt mich inwendig
wie der Abschied von Dir
dünn das Blut wie Wasser
im viertelvollen Röhrchen
zeigte mir die Frau im weißen Kittel
du fauchtest sie kurz an
lagst still bei mir

auf einem Bild flieg
ich übers Meer
mit den Scherben

LV
8.3.2024
Der Scherenschnitt „Fliegen über`s Meer“ von Christiane Latendorf stammt von 2003.

Bilder
(Zum Frauentag)

Deine Bilder male
ich in Gedanken weiter
mit Worten
aus Liebe zu sich selbst
wen noch
gelebt geliebt gestritten
nie genug
reizend aufreibend
alles ausreizend

endloses Schweben
Schlittern
Zittern
Ausrutschen
Aufstehen
Weitergehen
Vor sich selber
Geradestehen
Was zählt

LV
8.3.2024

Schöne Erinnerung. Jade & Lina im Frühlingszauber, März 2021.

Blaue Stunde

Scheint als ob die Sonne
wartet
ihre letzten Strahlen streifen
mein Gesicht
den ganzen Tag schien sie
auf den Platz der Felligen
der blieb leer

ein Flatterwesen fliegt
auf einen Baum
vor der Haustür
am Fluss die Wasservögel
alles wie immer
die Luft sehr mild
die Balzrufe wild

ein heller Streifen am Horizont
hinter den Scherenschnittbäumen
zur blauen Stunde
steht die blaue Box im Flur
Jade steckt vorsichtig ihren Kopf
an den Rand springt kurz hinein

ihr steht der gleiche Gang
bevor wie der kleinen schwarz weißen
wird die grauweiß getigerte es überstehen
morgen werd ich es wissen

LV
3.3.2024

Wolkenflügel

Große weite Schwingen
im Graublau des Himmels
hinten ein schmaler Streifen Licht
Vögel kreisen über den Lichtflecken
am Fluss wie gern flög ich
mit euch schwerelos leicht
endlos getragen vom Licht

LV
3.3.2024

Was bleibt
(Für Lina)

Ein letztes Streicheln
der Wind strich über dein Fell
ein Bach rauschte leise
neben der Wiese in der frischen Erde
rot sonnenfarbene Primeln für dich und Lola
im Gras schimmerten Muscheln
erdfarben und perlmutt
sie liegen bei der Kerze
ein paar Kratzspuren am Regal
weiße und dunkle Haare
auf Kissen
ein kleines Fellbüschel
das ich in der Hand hielt
als ich dich zu fangen versuchte
du wehrtest dich mit Leibeskräften
gegen die Tabletten

ein kleines zartes Fellbündel
ich trug hielt wusch dich
hielt dich im Arm
sonst sprangst du immer weg
ließest dich kurz streicheln
manchmal auch das seidenweiche weiße Bauchfell
schnurrtest um so lauter
liebtest Pflanzen und den Geruch
von meinen Schuhen
hast mir vom Sofa aus
beim Schreiben zugesehen
und vor dich hingesehen
still und tretelnd die Decke
mit den Pfoten
wolltest mit mir und Jade weiter gehen

nun träumst du hoch bei den Sternen
gestern Abend sahen wir zu dir
in den nachtblauen Himmel

LV
22.2.2024



Da waren sie noch zusammen: Jade & Lina. Und meine erste Katze Lola.

Zwei

Zwei breiten ihre Zweigarme aus
suchend schmiegsam biegsam
tänzelnd verästelt ins Helle
verbinden umarmen
spiegeln sich in der Tiefe
des Sees
Eis zieht gefrorene Kreise
weiter und weiter durch dünne Häute
verwoben beide in der Mitte
klar erkennbar ihre Konturen
fließen zusammen

LV
17.1.2024
Das Gedicht entstand zum Foto „Elbaue“ von
Steffen Lipski

Baumgeschöpfe

An der Elbaue
Sich wiegende
biegende
verschwiegene Baumgeschöpfe
in Zweigen verflochten
das Flüstern des Wassers
wie in einem Spiegel
aufgefangene Tiefen
wankende Höhen
fließendes Sein

LV
1.3.2023
Das Gedicht entstand zum Foto
„Die Elbaue“ von Steffen Lipski

Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Das Forum „Die Unabhängigen“ auf der Leipziger Buchmesse 2024

11 Montag Mär 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene

Das Forum »Die Unabhängigen« der Kurt Wolff-Stiftung  ist vom 21. bis 24. März 2024 zum siebten Mal auf der Leipziger Buchmesse zu finden.

An vier Messetagen werden bei 49 Veranstaltungen zahlreiche Autor:innen,
Herausgeber:innen, Übersetzer:innen und Verleger:innen vor Ort sein. Im Zeitraum von 10.30 Uhr bis 18 Uhr (am Sonntag bis 17 Uhr Uhr) finden halbstündige Lesungen zu Neuerscheinungen, die Verleihung des Kurt-Wolff-Preises, des Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik, Podiumsdiskussionen und Empfänge statt. Mit über 43 Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Podiumsgästen aus ganz Europa wird der Blick in diesem Jahr erneut darauf gerichtet, was uns als Gesellschaft bewegt und welche ästhetischen Maßstäbe Literatur setzt. Organisiert wird das von Carolin Callies kuratierte Projekt von der Kurt Wolff Stiftung und der Leipziger Buchmesse. Das
Programm findet live in Halle 5 E 313 statt und wird zudem via Livestream online zu verfolgen sein.

Darüber hinaus geht es am Buchmesse-Samstag (23. März) mit ›Die Unabhängigen. Spätausgabe‹ für einen Abend runter vom Messegelände in den Westflügel der Schaubühne Lindenfels. Dort lesen ab 19:30 Uhr neunzehn Autor:innen auf zwei Bühnen aus ihren Romanen, Lyrikbänden und Sachbüchern – wie beispielsweise Laura Leupi, Tom Schulz oder Francis Seeck.

›Die Unabhängigen‹ auf dem Messegelände

Das Programm rund um die Neuerscheinungen bildet auch in diesem Jahr wieder die literarische Vielfalt und die hohe Qualität der unabhängigen Verlage ab. Viel gelesene Autor:innen wie Artur Becker, Frauke Buchholz, Dilek Güngör, Thomas Lehr oder Jochen Schimmang präsentieren ihre neuesten Publikationen. Mit Alexander Kamber, Theresa Patzschke, Sophia Lunra Schnack oder Nora Schramm finden sich aber auch spannende Debütant:innen mit ihren Erstlingen auf dem Forum. Thematisch richten sich in diesem Jahr sowohl einige Romane als auch Sachbücher auf die klima
tisch veränderte Zukunft aus: Seien es dystopische Entwürfe von Helwig Brunner (›Flirren‹) oder Lilly Gollackner (›Die Schattenmacherin‹) oder aber pragmatische Anregungen für die Gegenwart wie die von Marko Hanecke (›Nachhaltig drucken. Gestaltung umweltgerechter Druckprojekte‹).

Feministische Blickwinkel auf Wirtschaft und Gesellschaft sind in zahlreichen Publikationen präsent: Über ›Feministische Ökonomiekritik‹ geht es Anne Engelhardt und Sandra Sieron; um ›Empowerment, Entwicklung, Erneuerung. Ohne Frauen geht es nicht voran‹ in dem vom Christa Randzio-Plath herausgegeben Band – und um Zeugnisse inhaftierter Frauen in Belarus in der von Cordelia Dvorák zusammengetragenen Sammlung ›Wenn du durch die Hölle gehst, dann geh weiter‹.
Auch der Lyrik wird wieder eine Bühne gegeben: Dabei lesen Odile Kennel, Sandra Burckhardt oder Nora Zapf aus ihren neusten Lyrikpublikationen. Den lyrischen Sammelband des russischen Dichters und Liedermachers Bulat Okudschawa stellt der Herausgeber Ekkehard Maaß zusammen mit Wolf Biermann vor.

Zahlreiche internationale Autor:innen kommen wieder zur Leipziger Buchmesse. Mit dabei sind auf dem Forum ›Die Unabhängigen‹ Alhierd Bacharevič aus Belarus, Amadú Dafé aus Portugal, Rimantas Kmita aus Litauen, Danny Ramadan aus Kanada, Kuzey Topuz aus der Türkei, David Unger aus Guatemala oder Andreas Viestad aus Norwegen. ›Alles außer flach!‹ ist das Motto des dies jährigen Gastlandes Niederlande und Flandern. Das Forum darf dazu die Graphic Novel-Autorin Judith Vanistendael sowie den Schriftsteller Eric de Kuyper begrüßen.

Auch Podiumsdiskussionen sind erneut Bestandteil des Forums ›Die Unabhängigen‹. Zum Thema ›Bücher, die wissen, wo sie stehen – Furchtlos mit Büchern handeln‹ organisiert die Initiative ›Verlage gegen Rechts‹ eine Diskussion mit Buchhändler*innen der Buchhandlungen drift, heiter bis wolkig und ROTORBOOKS. Unter dem Titel ›Über Bücher sprechen: Unabhängige Literaturpodcasts heute‹ sprechen Carolin Callies, Nefeli Kavouras, Ludwig Lohmann und Anselm Neft über
die Frage, was Literaturpodcasts für die Sichtbarkeit von Literatur leisten können.

Traditioneller Höhepunkt im Forum ›Die Unabhängigen‹ ist am Messe-Freitag um 13 Uhr die Verleihung des Kurt-Wolff-Preises, der in diesem Jahr an den AvivA Verlag (Hauptpreis) und an mikrotext (Förderpreis) geht. Der Hauptpreis ist mit 35.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 15.000 Euro. Die Laudatio hält die Schriftstellerin, Übersetzerin und Verlegerin Zoë Beck.

Die Unabhängigen. Spätausgabe

Zum vierten Mal zieht das Forum ›Die Unabhängigen‹ in die Stadt zur ›Spätausgabe‹. Im Westflügel der Schaubühne Lindenfels beginnt die Veranstaltung mit neunzehn Autor*innen aus Deutschland, Schweiz und Österreich am Messesamstag, dem 23. März 2024, um 19.30 Uhr. Mit dabei sein werden: die Debüts von Laura Leupi und Luca Mael Milsch die Romane von Kathrin Aehnlich, Reda El Arbi, Sebastian Guhr, Julia Hoch, Barbara Kadletz Dominika Meindl, Jürgen Teipel und Meri Valkama; Satirisches und Humorvolles von Matthias Brodowy, Ruth Herzberg und Susanne Riedel, Lyrik mit Jan Volker Röhnert und Tom Schulz sowie Sachbücher von Uta Bretschneider und Jens Schöne (›Provinzlust. Erotikshops in Ostdeutschland‹), Francis Seeck (›Klassismus
überwinden. Wege in eine sozial gerechte Gesellschaft‹) oder Iris Antonia Kogler (›Inside Underdog. Backstage-Notizen‹).

Statistik: Insgesamt sind 61 Verlage beim Forum ›Die Unabhängigen‹ und der ›Spätausgabe‹ beteiligt, darunter 52 Verlage aus Deutschland, sechs Verlage aus Österreich und drei Verlage aus der Schweiz.

Das komplette Programm steht detailliert hier: https://www.kurt-wolff-stiftung.de/dua2024/
Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/@kurtwolffstiftung6170
Kuratorin des Tages- und Abendprogramms: Carolin Callies (Lyrikerin und freie Literaturveranstalterin)

Kontaktdaten:

Kurt Wolff Stiftung, Karsten Dehler
E-Mail: info@kurt-wolff-stiftung.de, Telefon: 0341 / 9 62 71 87
Kontakt: Kurt Wolff Stiftung | http://www.kurt-wolff-stiftung.de | info@kurt-wolff-stiftung.de

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Lesung mit der Dichterin UIrike Draesner im Stadtmuseum Dresden

04 Montag Mär 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Reichhaltige Lyrik über Natur, Kunst, Liebe und Sprache: Die Dichterin Ulrike Draesner liest Gedichte aus 25 Jahren bei ihrer Lesung im Stadtmuseum Dresden. Foto: Ulrike Draesner/PR

Vom Ursprung des Erzählens & Naturstimmen

Ulrike Draesner liest aus ihren Lyrik-Bänden „hell & hörig“ und „doggerland“ am Donnerstag, dem 7. März, 19 Uhr im Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2.

Ulrike Draesner hat ein helles Ohr für Zwischenräume und »subsongs«, die Lieder unter den Liedern – Stimmen, die man gemeinhin nicht hört. In »hell & hörig« zeigt sich das ganze Können der Dichterin: Gedichte aus 25 Jahren, sinnlich, gedankenreich und zugewandt. Souverän werden traditionelle lyrische Formen aufgegriffen, naturwissenschaftliche Kenntnisse integriert. Polyglott, polyamorisch, zeitgenössisch ist Draesners Poesie, deren Originalität sich auch im Umgang mit fremden Sprachen beweist. Dem Wald und seinen Pflanzen gehört ein Kapitel, ein anderes Tieren, ein drittes den Fragen nach Heimat und Migration.

In »doggerland« sucht Ulrike Draesner nach dem Ursprung des Erzählens. Sie macht die Steinzeit hörbar und zeigt, wie nahe sie uns ist. Wie Doggerland: ein Delta von der Größe Deutschlands, Herz Europas am Zusammenfluss von Themse und Rhein, Zentrum der steinzeitlichen Welt. Vor rund 8500 Jahren in einem Tsunami untergegangen, wird dieses Grenz- und Verbindungsland für Ulrike Draesner zum Ausgangspunkt wesentlicher Fragen des Menschseins: Wie bildete sich Gemeinschaft, wer hatte die Idee, Tiere zu zähmen, was machte man mit dem »fremden« Neandertaler? Auch Kunst, Liebe und Sprache mussten erfunden werden.

Die Veranstaltung wird durch die Landeshauptstadt Dresden gefördert. Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V., der Evangelischen Akademie Sachsen und der Museen der Stadt Dresden.

https://literaturnetz-dresden.de/veranstaltungen/ulrike-draesner-die-verwandelten/

Veranstaltungstipp: Jörg Scholz-Nollau

Buchhandlung LeseZeichen

Ladenöffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10 – 13 und 15 – 19 Uhr
Samstag: 10 – 14 Uhr
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

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BilderAlbum & Nachlese: Gedicht-Lesung mit Musik „Augenblicke & Mee(h)r“ von Lilli Vostry & Gabriel Jagieniak im Einnehmerhaus Freital

25 Sonntag Feb 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, In eigener Sache, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Beschwingter Wort- und Klangzauber in allen Farben des Lebens: die Autorin und Lyrikerin Lilli Vostry und der Musiker Gabriel Jagieniak am Akkordeon bei ihrer neuen Gedicht-Lesung mit Musik am Sonnabend im Einnehmerhaus Freital. Herzlichen Dank an Bettina Liepe, die rührige Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital. Foto: Michele Cyranka

Feier des Lebens mit schwungvoller Musik & Poesie

Neuen Wort- und Klangzauber gab es bei der Gedicht-Lesung mit Musik „Augenblicke & Mee(h)r“ mit der Lyrikerin Lilli Vostry und Musiker Gabriel Jag ieniak am Akkordeon, beide aus Dresden, vor lausch- und tanzfreudigem Publikum am Sonnabend im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital.

Wiedersehen macht Freude. Es war unsere zweite Gedicht-Lesung mit Musik an diesem schönen, lichtvollen Kunstort an diesem Sonnabend im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital. Gabriel Jagieniak begleitete mit beschwingt lebensfrohen Melodien, von Tango bis Walzer, eigenen Liedern und Obertongesang, auch zum Mittönen, meine bilderreiche Poesie. Diesmal stand sie unter dem Motto: „Augenblicke & Mee(h)r“. Es war eine wunderbare, aufmerksame und interessierte Zuhörerrunde. Eine Feier des Lebens in allen Farben, mit allem was gerade da ist. Freude, Traurigkeit, Licht, Schmerz und Zuversicht.

Die Gedichte erzählen über die Kraft und den Fluss der Farben, das Meer immer wieder neu und anders in seiner unermesslichen Weite; die Möwen, Lebenskünstler, Lufttänzer, Gratwanderer, mit den Winden übers Meer Segler und den Menschen immer einen Flügelschlag  voraus. In den Augen-Gedichten geht es um Sehen und Wahrnehmen. Es geht um Träume, Erinnerungen und einen Bilderschatz. Um Wandlungen in der Natur und im Leben. Ich bin froh, dass ich auch mein Abschieds-Gedicht für Lina lesen konnte, ein geliebtes, kleines Fellwesen, das ich vor einer Woche schweren Herzens verabschieden musste. Da laut Tierärztin keine Aussicht auf Besserung bestand. Ich und Jade vermissen die Kleine sehr. Die Zeit mit beiden Katzentieren ist lebhaft, innig, wehmütig und hoffnungsvoll in Gedichten aufbewahrt.

Kunst ist ja auch nicht nur schön. Schönheit, Zerbrechlichkeit und Stärke liegen nah beieinander. Das zeigen gerade die filigranen Skulpturen mit den Rissen in der derzeitigen Ausstellung „Schamotte-Skulptur“ sehr deutlich. Die Arbeiten von neun Künstlerinnen sind noch bis 9. März im Einnehmerhaus, Dresdner Straße 2, in Freital zu sehen. Zur Finissage an diesem Tag gibt es um 15 Uhr ein Gespräch mit den Künstlerinnen in der Ausstellung.

Zum Ende unserer Gedicht-Lesung wurde sogar noch getanzt zu den fröhlich mitreißenden Akkordeonklängen. Dies war meine bereits fünfte Gedicht-Lesung gemeinsam mit Gabriel Jagieniak. Wir freuen uns auf neue, schöne und inspirierende Spiel- und Leseorte in Dresden und Umgebung!
Toll wäre auch mal eine Lesung mit meinen Meeres-Gedichten mit Musik, begleitet von Meerrauschen und Möwenschreien, am liebsten in einem der Seebäder auf Usedom, Ahlbeck und Ückeritz. Vielleicht findet sich auch bald ein passender Verlag für meine Gedichte, Das Jahr ist ja noch jung. Und die Leipziger Buchmesse nah.

Text + Fotos (15) (lv)

Geöffnet: Do und Sa 10 bis 17 Uhr, Fr und So 14 bis 17 Uhr

http://www.kunstvereinfreital.de


Traum- und Kunstwächterin: die Eule stammt von Karin Heyne und ist ein beliebter Blickfang in der derzeitigen Ausstellung im Einnehmerhaus Freital.

Fotos von der Lesung (3): Michele Cyranka


Getanzte Poesie… voll Freude an der Bewegung… anmutig, grazil und kraftvoll die Gesten wie geschaffen zum Zeichnen und Modellieren.
Fundstück auf dem Weg zur Lesung: Sonnenmännlein

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BilderAlbum & Neue KatzenLyrik

18 Sonntag Feb 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches

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Abschied von Lina

Vor der blauen Box
im Flur sitzt Jade
die Schatzhüterin umfasst
das kleine weiss schwarze Fellknäul
mit ihren Pfoten als könne sie
es halten ihr Blick fleht
du standest immer in ihrem Schatten

in der Nacht ein helles Mondsegel
glitt am Himmel entlang
tauchte auf und verschwand
in den Wolken
schwankend Auf und Abgang
lichtvoller Tag die Lebensgeister kehrten
noch einmal zurück
morgens am Futterteller
kämpftest du mit der Fülle
hungrig flackerte neuer Antrieb
Seite an Seite sich anstachelnd
endlich wieder beide Katzentiere

ich zwischen den Fellen
weich warme eingeschworene Gemeinschaft
brach auf wir gingen das erste Mal hinaus
in die Welt draußen
du miautest aufgeregt beunruhigt
verkrochst dich unter einer Bank und
hinter den Aschentonnen
alles neu nah über dir
Bäume Wolken Wind
der Futterteller glänzte in der Sonne

Du liefst ein Stück über die Wiese
vorbei an den ersten Schneeglöckchen
und Gänseblumen bis zur Gartenmauer
ruhtest aus im Gras und frischer Erde
die Sonne strahlte du sahst hinauf zu
schwirrenden Wesen unter dem blauen
Kastendeckel hervor
ein anderes Katzentier schlich von hinten
heran aß von deinem Futterteller
du bliebst ungerührt nah bei mir
legtest deinen Kopf dein weiches Wesen
in meine Hand bis zur weißen Schwanzspitze

das Versprechen dich Jade wieder
zurückzubringen konnte ich
nicht halten
ich würde dir beim Sterben zusehen
sagte die Tierärztin es half alles nichts
mein wundervolles Fellknäul hab dich
gehalten nun kann nichts mehr dich
aufhalten hoch über den Sternen
mir bleiben am Grund der blauen Kiste
Muscheln und Seesterne
ungewohnt still jetzt
finden ich und Jade
uns neu

17.2.2024

Wunderwesen
(Für Lina & Jade)

Weissfellig gemischt mit Schwarz
schmal geworden sitzt du vor mir
am halbvollen Futterteller
in der wunderweissen Winternacht
hast du dich noch über ihn
hergemacht
die getigerte saß am Fenster
und bewachte die weiße Pracht
am nächsten Tag fielen die Flocken
vom Himmel direkt auf eure Nasen
und aufs Fell
ihr versuchtet sie zu fangen
habt sie gekostet
immer in Bewegung nichts war zu schnell
nun geht alles langsam

die weißen Pfoten elegant lang
nebeneinander gelegt wartest du
mit mir und der getigerten nun
auf ein Wunder
keck aufgeweckt flink
kein Schrank war dir zu hoch
den Balkonsturz heil überstanden
ein Gaumenriss ein paar Schrammen

letzten Freitag die Schockdiagnose
die roten Blutkörperchen in dir sind rar
nicht mehr genug Sauerstoff
alles fällt schwer
du krallst dich ans Leben
an die Kuschelhöhle aus der ich dich hole
zu den Injektionen bei der Tierärztin

verschlingt astronomische Summen
für ein Fünkchen Hoffnung
Zitterpartie jedesmal
kommst du wieder mit nach Hause
morgen noch einmal zur Blutabnahme
vielleicht ein letztes Mal
du sitzt ein mageres Fellknäul
vor mir angefüllt mit Staunen und Liebe
am Boden es schmerzt dein Fell bald
nicht mehr zu streicheln
du schnurrst als wäre es für immer

ich will dir so gern noch den Frühling
zeigen die ersten Schneeglöckchen
auf der Wiese hinterm Haus

LV
15.2.2024

Lina

Eine schwarze Schnur
mit weißer Spitze
ragt aus der Höhle
drin sitzt ein schwarz weißes
Fellknäul leise schnurrend
aus der Ecke vom vollen Schreibtisch
am Fenster ihrem Versteck
ließ sie sich
schwer weg bewegen
die Balkontür zur Küche steht weit offen
die frische Luft macht mehr
Appetit als Tabletten

nur winzige Happen
doch sie isst wieder
Lina und Jade strecken
sich aus auf meiner Picknickdecke
ich lege mich auf den harten Boden
nah bei ihnen
betrachte die Welt aus Katzenperspektive

schmecke die Luft
wie sie
werfe einen Blick ins Lichtzimmer
Südseite wo die Sonnenstrahlen
allein mit den Möbeln spielen
die roten Tulpen stehen wie eine Eins
das Brathähnchen das meine schwarzfellige
Lola liebte
alles kann warten
außer Lina

LV
10.2.2024

Was bleibt
(Für Lina)

Ein letztes Streicheln
der Wind strich über dein Fell
ein Bach rauschte leise
neben der Wiese in der frischen Erde
rot sonnenfarbene Primel für dich und Lola
im Gras schimmerten Muscheln
erdfarben und perlmutt
sie liegen bei der Kerze
ein paar Kratzspuren am Regal
weiße und dunkle Haare
auf Kissen
ein kleines Fellbüschel
das ich in der Hand hielt
als ich dich zu fangen versuchte
du wehrtest dich mit Leibeskräften
gegen die Tabletten

ein kleines zartes Fellbündel
ich trug hielt wusch dich
hielt dich im Arm
sonst sprangst du immer weg
ließest dich kurz streicheln
manchmal auch das seidenweiche weiße Bauchfell
schnurrtest um so lauter
liebtest Pflanzen und den Geruch
von meinen Schuhen
hast mir vorm Sofa aus
beim Schreiben zugesehen
und vor dich hin gesehen
still und tretelnd die Decke
mit den Pfoten
wolltest mit mir und Jade weiter gehen

nun träumst du hoch bei den Sternen
gestern Abend sahen wir zu dir
in den nachtblauen Himmel

LV
22.2.2024

Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Gedicht-Lesung mit Musik: „Augenblicke & Mee(h)r“ mit Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak im Einnehmerhaus Freital

18 Sonntag Feb 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, In eigener Sache, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Fangespiel mit Buchstaben & Klangzauber: Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak bei ihrer Gedicht-Lesung im vergangenen Jahr im Einnehmerhaus Freital.

Die Würze der Worte

Mit ihrer neuen Gedicht-Lesung mit Musik „Augenblicke und Mee(h)r“ sind die Autorin Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak am Akkordeon am24. Februar, 17 Uhr im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital zu Gast.

Spritzig, frisch, verwegen sind sie, erquicken, entzücken, beglücken, scheuchen wie Hummeln den müden Geist auf und tauchen tief ein in den Honig des Lebens…, heißt es im Gedicht „Worte/Flüssige Nahrung“ über die „süß saftige, nie versiegende Würze der Worte“. Sie werden zu bilderreicher Poesie, begleitet von Klängen in allen Farben des Lebens in der neuen Gedicht-Lesung mit Musik „Augenblicke und Mee(h)r“, mit der Lilli Vostry, Autorin und Lyrikerin und der Musiker Gabriel Jagieniak (Akkordeon und Obertongesang) aus Dresden am 24. Februar, 17 Uhr im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital, Dresdner Straße 2, zu Gast sind. Der Eintritt ist frei, Spenden für den Kunstverein sind willkommen.

In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches, um die Veränderungen und Wandlungen im Leben, Abschiede und besondere Augenblicke. Sie erzählen vom Farbfluss, von Meerfarben, Möwen, Lichtspiegelungen, Augenlicht und Augenschatten, Fangespiel mit Buchstaben, ungestümen Katzen und einem seltsamen Hörnertier.  

Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, auch für die SZ, in Dresden
und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.

Kostprobe:

Worte/Flüssige Nahrung

Wenn sie hervor quellen
schwellen schwelen
hinaus schweben
scharf zärtlicher Zungenschlag
auf oder abwärts schnellen zerschellen
an Vor oder Einwänden
erhellen verfinstern verschütten
oder aufbrechen
sprudeln wie ein Wasserfall
spritzig frisch verwegen
erquicken entzücken beglücken
wie Hummeln den müden Geist
aufscheuchen tief in den Honig
des Lebens eintauchen
hält sie nichts auf
süß saftige nie versiegende
Würze der Worte

LV
5.2.2024

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Schönes bleibt: Bilder & Poesie zum zehnten Jahresgedenken an meine Mutter

25 Donnerstag Jan 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches

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Bilderschatz
(Für meine Mutter)

Halb im Dunkeln Verborgenen
stehen sie
gehe täglich an ihnen vorbei
streife streichle mit Augen und Händen
über die Bilder die wohlverwahrten
das Mädchen mit den Kasperpuppen
in fröhlichen Farben
die leben wie sie
in ihrer Fantasie
das Kind an Mutters Wange
Puppenstubenidylle hatten
wir nie

im Lichtgehäuse der Träume
rüttle ich an morschen Türen
hinter denen keiner mehr aufmacht
in der Nacht
wische den Staub vom Glas
und den Bilderrahmen
hinter denen die Erinnerungen
aus dem Niemandsland gerissen
aus gesichtslosen Schatten
vielfarbig aufleuchten

Text + Fotos: Lilli Vostry
24.1.2024

Bilder: Inge Vostry-Tsafack

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Lebensfreude & Genuss contra Ignoranz beim Gastspiel „Chocolat“ mit Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer & Les Manouches Du Tannes im Schauspielhaus Dresden

04 Donnerstag Jan 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Poesie, Theater, Zwischenmenschliches

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Unfreiwillige Verführung zu Genuss & Lebensfreude: als krass sittenstrenger, lebensfremder Dorfpfarrer und lebensfrohe Genießerin begeisterte das Schauspieler-Paar Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer, begleitet von beschwingten Klängen von Les Manouches Du Tannes die Zuschauer im Schauspielhaus Dresden. Foto: Gia Carlucci Staufer

Genuss für Geist und Sinne

Ebenso reiz- wie spannungsvoll im Wechsel von Lebenslust, Streit über Moral und Werte, Humor und Gänsehaut und beschwingt-fröhlichen Klängen kam „Chocolat“ nach dem Roman von Joanne Harris in einer Aufführung mit Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer und den Musikern von Les Manouches Du Tannes auf die Bühne im Schauspielhaus Dresden.

Schon das Wort klingt verlockend. Es zerschmilzt auf der Zunge wie die Süßigkeit. Sie löst nachweislich Glückshormone und Wohlbefinden aus. Wer wollte ernsthaft etwas dagegen haben?! Doch ausgerechnet im Heimatland von Genuss und feinem Geschmack, in einem kleinen Ort in Frankreich, sorgen die kleinen Schokoladen-Köstlichkeiten für Aufregung, Argwohn, Anfeindung und Turbulenzen. Dabei geht es um weit mehr als nur um „Chocolat“ im Roman von Joanne Harris aus dem Jahr 1959, der als sinnebetörende Romantikkomödie und Märchen für Erwachsene unter Regie von Lasse Hallström im Jahr 2000 ein großer Kinoerfolg war. Mit Juliette Binoche in der Hauptrolle der jungen, alleinerziehenden Mutter, die auf dem Kirchplatz eines südfranzösischen Dorfes in einem leerstehenden, verfallenen Haus eine Patisserie eröffnet, einen kleinen Tempel für feinste Schokoladen. Und damit auf Missfallen beim Dorfpfarrer stößt, der alles unternimmt, ihre Chocolaterie zu verbieten und sie wieder aus dem Ort zu vertreiben.

Eine ebenso reizvolle wie heikle Geschichte mit Blick auf aktuelle Konflikte in der Welt, wo Ablehnung, Ausgrenzung, Hass und Gewalt gegenüber anderen Kulturen und Lebensvorstellungen zunehmen und der Sinn für Schönes, Verbindendes verlorengeht bzw. leidet. Am Neujahrstag kam „Chocolat“ nun als Gastspiel mit Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer sowie Les Manouches Du Tannes auf die Bühne im nahezu ausverkauften Schauspielhaus Dresden. Manche hatten sicher noch den in sinnlichen Bildern schwelgenden Kinofilm „Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“ vor Augen. Ein Wagnis also für das Schauspieler-Paar Kramer und Harald Krassnitzer, die vor allem auf die Lust und Kraft der Worte, wandlungsreiches Spiel der verschiedenen Figuren mittels Stimme setzten und großartig begleitet wurden mit Musik im Stil des Sinto-Gitarristen Django Reinhardt mit mal beschwingten, fröhlichen, sanften, leisen und wehmütigen Klängen des Musikerquartetts um den Akkordeonisten Valentin Butt und den Geiger Roland Satterwhite.   

Die Geschichte gewinnt sogar an Spannung, Dramatik und Biss, da das Schauspieler-Duo sich ganz auf die gegensätzlichen Lebensweisen, Ansichten und Eigenarten der zwei im Mittelpunkt stehenden Figuren konzentriert. Vor sparsamer Kulisse, einem zwischen Chocolaterie und sakralem Kirchenraum hin und her wechselnden Bühnenbild und bunten Lämpchen bei den Musikern, spielt Ann-Kathrin Kramer die selbstbewusste, lebensfrohe Genießerin Vianne Rocher freundlich-gelassen, mit sanfter Stimme und bezauberndem Lächeln, so dass auch der Dorfpfarrer hin und her gerissen ist zwischen ihrer Ausstrahlung und verhexter Verführung mit ihren Schokoladen. Im Film ist es allerdings nicht der Dorfpfarrer, sondern der erzkonservative, sittenstrenge und asketische Bürgermeister Comte de Reynaud, der die Geschicke im Ort lenkt und die Bewohner in seinem Sinne versucht zu beeinflussen. Harald Krassnitzer spielt den Moralapostel zwischen Humor und Gänsehaut grotesk überzogen, wetternd und wutschnaubend, buchstäblich krass überall Laster und Verfall von Bräuchen und Werten witternd und dann wieder wehleidig und verbittert an sich und der Welt leidend. Da Vianne ihren Laden während der Fastenzeit eröffnet, nicht in die Kirche geht und alleinerziehende Mutter ist, offen und frei heraus lebt und mit ihrer herzlichen Art auch noch andere Dorfbewohner ansteckt, sieht er sie zunehmend als Widersacherin.

Über die Hintergründe der beiden derart konträr aufeinander treffenden Figuren erfährt man in dieser Aufführung leider wenig. So wirkt die Schärfe der Streitigkeiten teils übertrieben, altbacken, platt bis unverständlich. Der Gipfel der Unmoral ist für ihn erreicht, als ausgerechnet am „höchsten kirchlichen Feiertag, am Ostersonntag“ ein großes Schokoladenfest im Dorf stattfinden soll. Ostern sei doch ein Fest der Freude und was an Schokolade so schlimm sei?!, fragt Vianne den Dorfpfarrer heiter-spöttisch und fügt hinzu: „In diesem Ort ist genug Platz für uns beide!“ 

Doch die alte, noch immer lebenslustige Armande und Stammgast in Viannes Chocolaterie, weiß es besser: „Sie vertreiben jeden, der ihnen nicht passt! Passen Sie auf!“, rät sie Vianne. Das Geschehen eskaliert bei einer Geburtstagsfeier der alten Dame, die sie mit ihren Gästen am Fluss Tannes zusammen mit einer Gruppe Umherreisender ausklingen lässt. Dort verliebt sich Vianne in den Zigeuner Roux, den Johnny Depp im Kinofilm „Chocolat“ spielt, der als Figur gar nicht vorkommt in der Bühnenfassung, obwohl dies die Geschichte zusätzlich anheizt. Nachts geht ein Boot von ihnen in Flammen auf, inmitten der im Nachtblau gelb tanzenden Lichter und noch eben fröhlicher Musik. Doch es kommt noch ärger und tragikomischer. Der Dorfpfarrer fühlt sich als Versager, da er die Ehe von Josephine und ihrem prügelnden und trinkenden Ehemann nicht retten kann und bricht wütend, da sie jetzt bei Vianne untergekommen ist, nachts in ihren Laden ein und richtet eine Verwüstung an. Doch stärker als sein Groll ist die Intensität des Duftes und Aromas all der süßen Köstlichkeiten, die ihn überwältigen und hemmungslos kostet er die „verbotenen Früchte“. Köstlich Krassnitzers Schilderung der Szene im Schokoladenrausch, angewidert, verstört, schwärmerisch und begeistert zugleich mit spitzem Mund. Glückselig, schlafend und mit schokoladenverschmiertem Mund in den Auslagen im Schaufenster findet Vianne ihn am nächsten Morgen und weckt ihn.

Sie betrachtet ihn mit gütigem Lächeln und beim großen Schokoladenfest am Schluss wagen der Dorfpfarrer und die charmante Genießerin gar noch ein Tänzchen miteinander zu fröhlich-unbeschwerter Caféhaus-Musik. Zwei wie Feuer und Wasser. Kann das gut gehen?! Zumindest ist es ein leises Hoffnungszeichen für mehr Offenheit, Toleranz und Mitgefühl in einer Welt voller Gegensätze, in der es noch viele Orte gibt, die darauf warten, dass der Wind sich dreht und in der auch Wohlhabende bedürftig sein können. Viel Beifall vom Publikum gab es für dieses sanft, feinsinnig und nachdenklich die Sinne kitzelnde Theatererlebnis.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Lyrik zum Jahresausklang: Lebkuchenliebe & Auf dem Weg & Traumfänger

31 Sonntag Dez 2023

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Genießen, Lebensart, Poesie

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Lebkuchenliebe
(Für A.)

Der Lebkuchenmann aus
deinem Weihnachtspaket
mit einem Herz über dem Auge
lacht mich an
eine Hand fiel schon ab
lacht und will mir Freude
schenken
mag nicht an sein Ende
denken
seh ihn mir immer
wieder an
vielleicht kommt eine neue Liebe
angeflogen
der Lebkuchenmann erinnert
mich daran

LV
29.12.2023

Auf dem Weg
(Für Lola)

Weit draußen gewartet
den Wind im Gesicht
auf diesen Moment
das Lichtermeer hoch über der Stadt
überall Sterne in den Fenstern
und Hauseingängen
und Lichterbäume
mein Weg führt zu Dir
mein Licht tief in der Erde
und nahe bei mir
eingepflanzt zu den roten Blüten
Hyazinthen noch von Blättern
umschlossen die Knospen
in der Wintererde
trägt mich meine Liebe
weiter das ewige Wachse
und Werde

LV
29.12.2023


Auf ein Neues in Freude & Fülle! Allen. die hier lesen…

Traumfänger

Von den Leinen der Traumakrobaten
losgelassen steigen sie in den Himmel
durchsichtig glasklar oder schillernd bunt
langgezogen und kugelrund
Kinder strecken ihre Hände aus
und wollen sie fangen eine Welt für sich
ein Junge wirft sein Stofftier hoch
über einer Seifenblase fliegt es
und fängt es wieder auf
die bunten Blasen schweben weiter
zu den Sandsteinheiligen an der Hofkirche
ein paar winzige Ballons stoßen mich an
fast unbemerkt lautlos
verschwinden sie
wie Träume nach dem Aufwachen
und waren doch da

LV
1.1.2024

     

Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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