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Kategorien-Archiv: Theater

Premiere „Gundermann: Alle oder keiner“ im Schauspielhaus Dresden

01 Sonntag Nov 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Musik, Theater

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Jung, wild, energiegeladen voller Pläne und Ideen: Gerhard Gundermann (Jannik Hinsch) rockt den grauen Tagebaualltag.


Sanft, rau, ruppig, kämpferisch, unbequem: Das widerspruchsvolle Wesen Gundermanns verkörpern gleich sechs „Gundermänner“ im Schauspielhaus Dresden. Fotos: Sebastian Hoppe

„Immer wieder wächst das Gras…“

Mit viel Witz und Widerspruchsgeist kommt das Leben und Schaffen des Baggerfahrers und Liedermachers Gerhard Gundermann auf die Bühne in der Musik-Revue „Gundermann: Alle oder keiner“, die heute, am 1. November, um 19.30 Uhr vorerst zum letzten Mal im Schauspielhaus Dresden zu sehen ist.

Der Bühnenvorhang ist sandfarben wie die Tagebaulandschaft einst in Hoyerswerda.
„Hoywoy, du blasse Blume auf Sand…“, besingt Gerhard Gundermann die Stadt, die „laut, heiß, staubig und verbaut war.“ Wohin der 1955 in Weimar geborene Liedermacher 1967 umzog. Wo er im Braunkohletagebau als Hilfsarbeiter anfing, ranklotzte und sich vom Hilfsmaschinisten bis zum Baggerfahrer hocharbeitete. Nebenher brachte er sich das Gitarre spielen bei, ab 1972 schrieb er erste eigene Lieder.

Das Klischeebild vom „singenden, klingenden Baggerfahrer“ mochte Gundermann gar nicht und er wollte auch „kein Vorzeigeprolet“ sein. Er sah sich „zwischen Songschreiber und Regisseur, der mit seiner Hände Arbeit das Brot für seine Familie verdiente.“ Ein Satz von ihm aus jener Zeit ist fatalerweise heute aktueller denn je:
„Man muss sich weit verbiegen, um Kultur zu machen“, erlebte er zu DDR-Zeiten. Dann lieber ein Konzert absagen als zu betteln und Kunst zu machen, war seine Devise.

In Gundermanns Liedtexten kommt sein Wesen, voller Ecken und Kanten, wunderbar zum Ausdruck. Mal sanft, mal ruppig, zärtlich, rau, leise, kraftvoll, wehmütig und friedvoll haben sie bis heute nichts verloren von ihrer Poesie und Sprachkraft.

Ebenso facettenreich und ambivalent wie sein Leben und Schaffen voller Ideale, Eigensinn und Widerspruchsgeist, Erfolge und Fehlschläge kommt auch die Inszenierung „Gundermann: Alle oder keiner“ – eine Revue über Helden, Gras und Kohle“ von Tom Kühnel auf die Bühne im Schauspielhaus Dresden. Heute am 1. November, um 19.30 Uhr zum vorerst letzten Mal vor dem erneuten Lockdown ab 2. November. Dann bleiben Theater und viele andere Kultureinrichtungen einen Monat lang geschlossen.

Doch wie singt Gundermann so schön in einem Song, der zur Premiere als Zugabe gespielt wurde: „Immer wieder wächst das Gras, wild, hoch und grün…“

Im Stück treten gleich sechs „Gundermänner“ auf, mit Gitarre in Jeans und Fleischerhemd, mit blonder Langhaarperücke und großer Kassen-Brille, die zusammen und einzeln großartig und mitreißend musizieren von Rock, Blues, Chanson bis Techno, sich gegenseitig befragen, anstacheln, zornig, gelassen und nachdenklich auf die Vergangenheit zurückblicken und auch witzig-ironisch in die Zukunft schauen. Mit einer skurrilen, kämpferischen Insekten-TV-Talkshowrunde, die als „Radikalgrüne“ und „Ökoterroristen“ auftreten, wo es um die Zukunft der ehemaligen Lausitz-Tagebaureviere  mit Ausstieg aus der Kohle und den Streit um den Einsatz erneuerbarer Energien geht. Reichlich Beifall für eine Aufführung nah am Gundermann-Original und mit einfühlsam eigenen, originellen und berührenden Interpretationen seiner Lieder. Ein Abend, der Gundermann gewiss gefallen hätte und hoffentlich bald wieder auf die Bühne kommt.

Text (lv)

Mehr Text zur Inszenierung folgt.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Premiere „Der Zauberberg – Eine Visite“ nach dem Roman von Thomas Mann im Schauspielhaus

01 Sonntag Nov 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Was als Kur und Zeit zur Besinnung gedacht war, wird zum nackten Überlebenskampf für Hans Castorp (Philipp Grimm) in der Inszenierung „Der Zauberberg“ nach Thomas Manns berühmtem Roman im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Abgeschirmt vom Leben

In eindringlichen, starken und beklemmenden Bildern und Szenen erzählt und stellt die Inszenierung „Der Zauberberg – Eine Visite“ nach dem Roman von Thomas Mann spannend existenzielle Fragen nach dem Lebenssinn, Gesund- und Kranksein und Umgang damit und spiegelt genau die aktuelle Corona-Situation. Doch nun muss das Schauspielhaus Dresden wie viele andere Kultureinrichtungen ab 2. November wieder schliessen wegen des erneuten Lockdowns.

Auf einem riesigen Podest gestapelte Fässer aus Metall fallend polternd in die Tiefe bis an den Bühnenrand. Gestalten in weißen Schutzanzügen und Masken reichen sich die Fässer und entsorgen sie wie Sondermüll. Eine Sirene ertönt. Der Geruch von Desinfektionsmitteln hängt in der Luft. Die Gestalten öffnen ihre Schutzanzüge und sind auf einmal schick gekleidete Damen und Herren in einem Lungenheilsanatorium. Ein junger Mann kommt aus dem Zuschauersaal auf die Bühne. Hans Castorp ist aus Hamburg nach Davos gereist, um seinen lungenkranken Cousin Joachim zu besuchen. Bald merkt er, hier oben ist eine andere Welt mit eigenen Regeln, die Zeit verrinnt unmerklich, es gibt keine Jahreszeiten. Alles kreist um die Patienten. Die immer mehr den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren.

Entrückt, fern, surreal und nah an der Gegenwart zugleich kommt das Stück „Der Zauberberg – eine Visite“ nach dem Roman von Thomas Mann in einer Spielfassung von Stefan Bachmann und Carmen Wolfram, unter Verwendung von Texten von Sibylle Berg unter Regie von Daniela Löffner auf die Bühne im Schauspielhaus Dresden. Die Premiere war im September und eröffnete die neue Spielzeit. Am Sonnabend war die vorerst letzte Zauberberg-Aufführung vor dem erneuten von der Bundesregierung verordneten Lockdown zur Eindämmung des Corona-Virus ab 2. November.

Als Hans Castorp, zwischen Neugier, Staunen und Entsetzen hin und her gerissen, großartig verkörpert von Philipp Grimm, sich seinem Cousin Joachim (resigniert: Simon Werdelis) zur Begrüßung nähert, ertönt eine Stimme aus dem Off: „Sicherheitsabstand von 1,50 Meter einhalten !“ Joachim sagt: „Es ist gar keine Zeit hier, auch kein Leben…“

Die Patienten sitzen auf Fässern, alle husten. Joachim behauptet mit Zigarette im Mund, er rauche nie. Hans hört ihm rauchend zu und fragt: „Was ist denn eigentlich die Zeit?“ Wie will man etwas messen, von dem man gar keine Vorstellung habe, nichts Greifbares, erwidert ein Patient. Ähnlich verhält es sich mit dem Corona-Virus.

Eine Frau zieht eine Pistole. Sie ist schon im dritten Jahr hier oben und hat es satt, zu kuren. Eine andere beschwichtigt sie und fragt in die Runde, ob jemand Schokolade will. Die anderen greifen zu, von Lachen und Husten geschüttelt. Ihr Tagesablauf ist nach den immer gleichen Routinen geregelt: Sie schütteln alle gleichzeitig ihre Sprayflaschen und sprühen sich in den Mund, gefolgt von Fiebermessen und der nächsten Untersuchung. Abends hüllen sie sich, weiter oben oder unten auf den Stufen des Podests sitzend, in ihre gestreiften Wolldecken ein und hören Harfenklängen bei gedämpftem Licht zu. Hans fühlt sich ein bisschen heiß und frostig, aber gesund, seit er hier oben ist. Und fragt, was das denn für eine Erkältung sei. „Ein Katarrh“, antwortet ein älterer Mann. Es gebe unschuldige und schuldige Infektionen.

Immer mehr und verhängnisvoller wird Hans Castorp in den Sog des luxuriösen Kurbetriebs hinein gezogen, auch wenn er sich mal kurz über den eiskalten Tee beschwert. Die Patienten ergeben sich dem Müßiggang, feiern fröhlich zusammen Fastnacht mit Verkleidung, närrischen Masken, auch der Mann im Rollstuhl trägt ein Hütchen und hämmert auf ein Fass ein, bevor er wieder trostlos vor sich hin dämmernd vornübergebeugt dasitzt.

Ansonsten reden, streiten und philosophieren einige der Patienten ausgiebig in spannendem Disput über existenzielle Fragen wie Lebenssinn und Tod, Gesund- und Kranksein, über die Verbindung von Körper, Geist, Seele und Würde des Menschen und Menschen, die in Krankenhäuser gingen, um der Forschung und Wissenschaft zu dienen. Ratio, Verstand und Gefühl widerstreiten heftig in den Gesprächen. Krankheit sei menschlich, gehöre zum Menschsein und gebe ihm Würde, sagt der Mann im Rollstuhl und steht kurz auf.

Ein Mann, ein grüblerischer Denker (Matthias Reichwald) rät Hans Castorp immer wieder, diesen Ort zu verlassen bevor es zu spät ist. Aus den drei Wochen, die Castorp bleiben wollte, werden Jahre. Sein Aufenthalt kommt ihm vor wie „ein langer, ewiger Traum und man muss sehr tief schlafen, um so zu träumen.“

Ein Sehnsuchtstraum auch die Liebesszene mit Schutzfolie-Wand zwischen dem Liebespaar. Hans umarmt mit übergestreiften Folieärmeln eine Frau in schwarzer Unterwäsche aus dem Sanatorium, beide Körper umwickelt von der künstlichen Hülle, darunter lustvoll keuchend alles Trennende aufgehoben. „Die Liebe und der Tod sind fleischlich beide. Daraus erwächst ihre Größe, Schrecken und Magie“, erkennt Castorp.

Sein Cousin Joachim will weg aus dem Sanatorium, schnallt sich eine Tonne wie eine Sauerstoffflasche auf den Rücken, schwer atmend. Er schafft es nicht mehr. Zuletzt steht das Stufengerüst fast menschenleer, von Neonröhren erhellt. Hans Castorp betrachtet, umringt von Gestalten in Schutzanzügen, fasziniert ein Eiskristall, das mit seiner „eisigen Regelmäßigkeit“ schöner sei als eine Blume. Er zieht sich aus bis er nackt dasteht, sein Körper zittert und schwitzt zugleich. Die Maskierten reiben ihn mit Eis ab und er fragt sich immer verzweifelter, warum er hergekommen sei. Er balanciert auf den Fässern, fällt herunter und weiß nicht mehr wohin. Die andere Welt unterhalb des Zauberbergs ist ihm abhanden gekommen.

Neben den Patienten aus dem Sanatorium kommen TalbewohnerInnen zu Wort, die von ihren Nöten, Alltagstrott und plötzlich hereinbrechenden Katastrophen erzählen. Eine ältere Frau (Ursula Schucht) spricht bitterkomisch über Altern, Verfall und ihre Einsamkeit. Eine Frau in weißer Bluse und schwarzem Rock (Christine Hoppe) schaut barfuß sehnsuchtsvoll in die Ferne und träumt wiederholt davon, im Boot auf dem Fluss zu fahren mit dem Mann ihrer Träume. „Wenn ich weiß, wie jede Sekunde meines Lebens aussieht, dann muss ich ja nicht dabei sein“, sagt sie kühl. Ein Landwirt (Holger Hübner) lässt seinen Frust heraus, er hätte so viel zu tun im Stall, dass er nicht bemerkte, dass seine Frau weg war und es ihr schlecht ging. Auf das Masken tragen werde steng geachtet, aber wenn die Tiere verrecken im Dorf, interessiere es keinen, sagt er wütend. Die Textauszüge stammen aus Sibylle Bergs 2004 entstandenem Roman „Ende Gut“, der vor dem Hintergrund einer Pandemie spielt. Mit ihrem Text „Guten Morgen westliche Welt“ endet die Aufführung, wo wie im Schlusskapitel des Zauberbergs ein Pfleger den Patient Europa auf die Couch legt, der starr vor Angst mit glorreicher Vergangenheit sei und wohl glaube, die alten Zustände ließen sich wieder herstellen, und fragt in Sorge um seine Zukunft, was mit ihm los sei.

Ein starker, anspruchsvoller Stoff und ein Theaterabend, der den Schauspielern und dem Publikum viel abverlangt, im Wechsel von wortreichem Nachdenken und lang gedehnter Zeit, in der fast nichts geschieht. Ein Stück, das unbequeme Fragen stellt und in eindringlichen, starken Bildern von der Verletzlichkeit, vom Verdrängen der Vergänglichkeit, von Ohnmacht und vom Aufbegehren des Menschseins erzählt. Es bleibt zu hoffen, dass diese haargenau in die Corona-Zeit passende Aufführung bald wieder auf die Bühne kommt.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Premiere „Ein Meter Fünfzig“ – eine Theaterphantasie mit Abstand von Rainald Grebe im Schauspielhaus

29 Donnerstag Okt 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Theater

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Nicht zu bremsende Spielleidenschaft: Ahmad Mesgarha und Anna-Katharina Muck glänzen witzig-komisch bis dramatisch und unverdrossen in der Inszenierung „Einmeterfünfzig – eine Theaterphantasie mit Abstand“ von Rainald Grebe im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

„Es heilt nur Menschen, wo Menschen sind“

Die Aufführung „Einmeterfünfzig“ – eine wunderbar komödiantische und zugleich wehmütige Vorschau auf die neue Spielzeit im Staatsschauspiel Dresden ist heute, am 29. Oktober, 19.30 Uhr zum vorerst letzten Mal im Schauspielhaus Dresden zu sehen. Wegen erneutem Lockdown ungeachtet der genehmigten Hygienekonzepte sollen die Kultureinrichtungen ab 2. November wieder schließen.

„Was ist schöner als ein tobender, ausverkaufter Saal“, sagt eine Stimme aus dem Off. „Von Hundert auf Null“, eine andere. „Manchmal ist 1,50 Meter viel zu viel… Wir sollten auch nachdenken, für wen wir das Theater machen“, sagt eine Frauenstimme. „Hier im Haus wartet keiner. Das war schon komisch. Besonders abends“, fügt eine andere hinzu. Die O-Töne am Anfang der Vorstellung aus der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr sind nicht vorbei, sondern wieder erschreckend nah.

Nachdem die neue Spielzeit im Herbst gerade begonnen hat, sollen die Theater und andere Kultureinrichtungen erneut schließen aufgrund neuer Maßnahmen aus der Politik zur Eindämmung des Corona-Virus. Ab 2. November sollen sie in Kraft treten. Obwohl bisher kein Fall von Corona-Infizierten aus Theatern bekannt geworden ist und mit genehmigten Hygienekonzepten gearbeitet wird.

Eine seltsame, geisterhafte Situation. Neben Sitzreihen mit schwarz verhangenen Stühlen sitzen Pappfiguren neben den Zuschauern im halbleeren Theatersaal. Symbolisch für die Misere und all diejenigen, die nicht mehr ins Theater kommen. Eigentlich wollte Rainald Grebe ein Stück über den legendären Lügenbaron von Münchhausen auf die Bühne bringen. Doch dann kamen die Corona-Einschränkungen.  So heißt die witzig-absurde, der Misere voll Spiellust trotzende Inszenierung nun bezeichnenderweise „Einmeterfünfzig – Eine Theaterphantasie mit Abstand“ von Rainald Grebe.

Die Schauspieler sitzen vor der Bühne. Zwischen Kantinenstimmung und Warten auf den langersehnten Auftritt erzählen, singen und spielen sie abwechselnd Ausschnitte aus Stücken, die wegen der Corona-Situation abgesagt oder verschoben werden mussten. Begleitet mit melancholischen Klängen am Cello und Piano von zwei Musikern (Jens-Karsten Stoll und Dietrich Zöllner). Immer wieder fährt ein Megaphon von der Bühnendecke grell tönend: „Halten Sie Abstand!!“ Manchmal blinkt ein rotes Warnlicht auf, wenn die Schauspieler sich ein paar Zentimeter zu nahe kommen.

Eine Schauspielerin mit Visier vor dem Gesicht (Birte Leest) teilt eifrig die KollegInnen für die Proben ein. Irgendwann platzt ihr der Kragen, dass all die Mühen der Probenarbeit umsonst gewesen sein sollen und sie fragt in einem leidenschaftlichen Gefühlausbruch, was denn eigentlich der Begriff „systemrelevant“ bedeute und für die Kultur etwa nicht zutreffe?!

Die Bühnentechnik mit ihrem riesigen Räderwerk bewegt sich auf und ab, auf die Leinwand projiziert zu Spieluhrklängen. Der Sternenhimmel funkelt aufs Schönste von der Bühnenwand. Ein Schlagzeug bricht donnernd in die wehmütige Atmosphäre ein. Die Schauspielerin Anna-Katharina Muck tritt als Venus im blauen Kleid aus einer Muschel und singt ein Lied über das „Spiel im Dunkel…“, das Dunkles ins Licht holt.
Drei Schauspielerinnen singen wie Sirenen, ein Spielmann zerreißt den Bogen.

„Die Probleme beginnen alle mit dem Mensch! Weil wir atmen…“, verkündet einer. Auf einem rollenden, bunt blümchengeschmückten, eingezäunten Podest, das heile Welt vorgaukelt, taucht unversehens ein körperlich behinderter Mann auf, der weiß, dass er hier Spielverderber ist und zugleich auf das Mitgefühl der anderen setzt.  „Sie sehen mit der Geburt beginnt schon die Gefahr des Todes“, sagt Klaus-Dieter Werner.

Ihre Spielleidenschaft lassen die Schauspieler sich dennoch nicht nehmen. Ein junger Schauspieler stürmt auf die Bühne mit zwei Degen. Kämpfen, lieben, leiden… mit ganzem Körpereinsatz für das Publikum, dafür gibt er alles.

Voll abgründigem Humor eine Szene aus der noch bevorstehenden Inszenierung „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“, ein Stück über einen Tanzmarathon, der Ruhm und Geld verspricht, gebrochene Leiber und Träume hinterlassen wird und in den 1930er Jahren spielt. Die Darsteller tragen dick aufgeblasene Hüllen und tanzen wie Aufziehfiguren ununterbrochen auf der Stelle. Einer nach dem anderen fällt um, der letzte zappelt noch im Liegen mit den Beinen in der Luft.

Anna-Katharina Muck will ihr Kostüm aus ihrer Glanzrolle der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht versteigern. „Was, nur 30 Euro für ein Bühnenleben?! Das war eine meiner besten Rollen“, ringt sie fassungslos nach Luft. Das sei 20 Jahre her, doch die Wände vergessen doch nichts.  „Ich kauf`s mir selber und hungere mich rein“, sagt sie sarkastisch. „Es heilt nur Menschen, wo Menschen sind“, zitiert sie Johanna.

Höhepunkt des Theaterabends ist der Auftritt von Ahmad Mesgarha in seiner legendären Rolle als Frank`n`Furter aus der Rocky Horror Show mit Federboa, Strapsen und schwarzem Mieder, der sich als extravaganter Star aufspielt und Anna-Katharina Muck steht mit vielsagendem Blick daneben und bietet ihm trocken humorvoll Paroli in einer Szene aus dem Stück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?“. Köstlich komisch-romantisch schweben beide als Romeo und Julia als reifes Paar in großen Seifenblasenbällen auf der Bühne umher und schmachten sich liebevoll an. Und in schneller Verwandlung als altes Liebespaar Philemon und Baucis hocken sie nebeneinander, rührend, weise, nachdenklich. Wenn es nicht anders geht, gehen die Schauspieler ihrem Spieltrieb in einem Legofiguren-Spiel, festgehalten in Videoaufnahmen nach. Und Abstand hin oder her. Zum Schluss rennt ein junges Schauspielerpaar schreiend auf die Bühne und nun ja, küsst sich.
Reichlich Beifall für eine wunderbare Aufführung voller Theaterzauber trotz Abstand.

Text (lv)

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Premiere „Wunderblock – eine Trilogie der Erinnerung“ im Kleinen Haus

29 Donnerstag Okt 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Theater

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„Wunderblock I: Roswitha“ – die Unverzagte
„Wunderblock II: Dörte“ – die Lebenslustige
„Wunderblock III: Thomas“ – NichtmehrStotterer
Fotos: Sebastian Hoppe

Echtes Leben auf der Bühne

Drei Menschen. Drei Stücke. In „Wunderblock I  – III – eine Trilogie der Erinnerung“ von Miriam Tscholl nehmen Roswitha, Dörte und Thomas die Zuschauer mit in ihre ganz persönliche Welt mit allen Höhen und Tiefen, mit mal witzigen, wehmütigen, offenherzigen, schönen, traurigen und nachdenklichen Momenten in einem Theaterprojekt der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Es ist ein Wagnis und Experiment zugleich: Menschen erzählen auf der Bühne ihre Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen, sie agieren allein oder zu zweit. Ein besonderes Theatererlebnis für Akteure und Zuschauer gleichermaßen sind die Aufführungen „Wunderblock I – III – eine Trilogie der Erinnerung“ von Miriam Tscholl, die als ein Projekt der Bürgerbühne Premiere hatten im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Für das Theaterprojekt bewarben sich über 50 Interessierte, aus denen
sie drei auswählte. Der Titel spielt an auf die Notizen zum “Wunderblock“
von Siegmund Freud, der in der vielschichtig beschriebenen Wachstafel ober- und unterhalb der Folie mit ihren Wischspuren ein Modell vom menschlichen Gedächtnis sah. Davon angeregt, interessierte die Regisseurin und ehemalige Leiterin der Bürgerbühne Miriam Tscholl, wie diese Leben sich zu einer Biographie fügen. Welche Ereignisse hinterlassen Spuren, verändern und prägen eine Person und ihren Lebensweg? Aus langen Interviews mit den Protagonisten entstanden die Textvorlagen. Die drei Stücke – „I: Roswitha“, „II: Dörte“ und „III: Thomas“ –  sind Teil eines Ganzen. Jedes ist in sich abgeschlossen, lässt aber in den sehr verschiedenen Lebensgeschichten dennoch Verbindendes entdecken, wenn man alle Aufführungen anschaut. Es fühlt sich zunächst seltsam an, wie offen und selbstverständlich Roswitha Bach, Dörte Kleinbeckes und ihre Mutter Gudrun und Thomas Brockow dem Publikum die Tür in ihr Leben öffnen, das sie von kleinauf bis heute betrachten und reflektieren über ihre Träume und Traumata, Glück und Unglück, Freude, Schmerz, Enttäuschungen und Erfahrungen. Ebenso neugierig, gespannt und staunend erlebt man, wie die sprunghaft zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelnden Erzählteile sich sortieren, verknüpfen zu einem roten Lebensfaden und Zusammenhänge sichtbar werden.

Die Kulisse bleibt immer die gleiche. Ein Wohnzimmer. Der Inhalt des Kühlschranks, der Fensterausblick und die Gegenstände an den Wänden wechseln mit dem Mensch, der dort auftritt und die Zuschauer in seine ganz persönliche Welt mitnimmt für eine Stunde. Den Anfang macht Roswitha, der man ihre 72 Jahre nicht ansieht. Sie trägt ein geblümtes Kleid und Strickjacke und summt vor sich hin, während sie strickt und erzählt über ihre Familie, die sie früh verlor, ihre Einsamkeit, sexuellen Missbrauch, verpasste Chancen und neuen Lebensmut. Eine Uhr tickt und ein Wecker klingelt. Zeit für die Tabletten. Und für eine „Puddingpause“. Wie einst als junge Frau bei den Diakonissen. Sie isst genussvoll und erzählt mit ruhiger Stimme schöne und traurige, entsetzliche Dinge. Manchmal lacht sie, heiter und bitter zugleich. Begleitet von Cellospiel. Ergriffen hört man ihr zu, fühlt mit und wünscht sich, dass ihr großes Herz und warmes Lächeln die Schatten besiegen. Ein grandioser Schlussmoment, als Roswithas Wunsch sich erfüllt, einmal eine „Nussknacker“-Aufführung zu erleben. Der steht in Ballettrock und Pelzkappe auf dem Tisch und spielt hingebungsvoll Geige für sie.

In Teil zwei stehen Tochter und Mutter zusammen auf der Bühne. Dörte verkörpert mit ihrer prallen Körperfülle pure Lebensfreude und Sinnlichkeit, das ganze Gegenteil ihrer Mutter, die der Tochter im Hintergrund zuschaut, laut staubsaugt und sie immer wieder zurechtweist: “Dörte, dein Schild hängt hinten raus !“ Dörte ist Mitte 40, kinderlos und tut was ihr gefällt. Schönheitsideale sind ihr egal, sie isst gern und viel und hat Spaß am Sex. Sie erzählt wie es im Swingerclub war, wo sie ihren Schatz fand. Sie lacht, tanzt und stellt ihrer Mutter provozierende Fragen, warum sie so ernst und prüde ist, beide reden über ihre Beziehungen und tragische Verluste. Toll, amüsant und beeindruckend sind diese unverschämt ehrlichen Mutter-Tochter-Gespräche, mit denen sie sich wieder näher kommen.

In Teil drei erzählt Thomas Brockow, Mediziner und Musiker, selbstbewusst und unterhaltsam über seine Reiseabenteuer als Student und seine Erfahrungen mit dem Stottern, dem Hängenbleiben der Worte, geht den Gründen nach und spielt mit seiner Sprechstörung. Seine langsam bedächtige Stimme, ernsthaft und komisch zugleich vortragend, erinnert ein wenig an Loriot. Ob das nun Zufall oder Absicht ist. Es kommt gut an beim Publikum. Auch sein Spiel an Keyboard und Gitarre von Swing, Blues, zarten Mozart-Sonaten bis zu lebhaft vibrierendem Jazz und tiefe, vielsagende Blicke, die anziehend auf Frauen wirken. Er kennt die befreiende Wirkung sowohl von Musik als auch Sexualität, welche die unsichtbare Wand der Sprechbarriere auf wundervolle Weise durchbreche. Er weiß aber auch, dass es eine eingeübte Bühnenshow ist und ein Monolog, den er kennt, anders als die Realität mit ihren unvorhersehbaren Situationen, immer wenn Stress und Emotionen dazukommen, fällt ihm das Sprechen schwer, gerät er ins Stottern. Doch Thomas weicht nicht mehr aus. Die unsichtbare Wand zwischen ihm und dem Gegenüber ist durchlässiger geworden, er selbst nahbarer. Alle drei Aufführungen stecken wie eine Wundertüte voller Überraschungen, Erkenntnisse, wecken eigene Erinnerungen und machen Lust auf weitere Lebenserzählungen auf der Bühne. Für alle drei gab es reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

Nächste Vorstellungen:

„Wunderblock I: Roswitha“, 29.10., 19.30 Uhr;
„Wunderblock II: Dörte“, 30.10., 19.30 Uhr;
„Wunderblock III: Thomas“, 31.10., 19.30 Uhr.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Premiere „Blut am Hals der Katze“ von Rainer Werner Fassbinder im Societaetstheater

12 Montag Okt 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Theater, Zwischenmenschliches

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Menschen wie Schaufensterpuppen, doch allen fehlt etwas. Mittendrin Phoebe Zeitgeist, die von einem fremden Stern auf die Erde kommt, um die Sprache der Menschen verstehen zu lernen. Ein grotesk-komischer Figurenreigen von Fassbinder auf der Bühne im Societaetstheater Dresden.

Ein Gruselkabinett verlorener Träume

Sie alle sind auf der Suche nach Liebe, Erfolg und Glück, doch mehr im Unglück verbunden. Der einsame Geschäftsmann, die lebensfrohe Sekretärin, die traurige alte Frau, der ruppige Motorradfahrer, die vom Aussteigen träumende Prostituierte, der coole Frauenheld und die farbige Powerfrau in der Inszenierung „Blut am Hals der Katze“ zu Fassbinder-Texten im Societaetstheater Dresden.

Phoebe Zeitgeist kommt von einem fremden Stern auf die Erde, um eine Reportage über die Demokratie der Menschen zu schreiben. Doch sie versteht deren Sprache nicht, obwohl sie die Worte gelernt hat. Das führt zu skurril-komischen bis dramatischen Situationen, mit denen die Außerirdische konfrontiert wird bei ihren Begegnungen. Die Inszenierung „Blut am Hals der Katze“ zu Texten von Rainer Werner Fassbinder, der dieses Jahr seinen 75. Geburtstag hätte, der Compagnie Freaks und Fremde hatte am Freitagabend im Societaetstheater Dresden Premiere.

Die erste Aufführung von Heiki Ikkola als Intendant des Hauses kam zusammen mit Sabine Köhler als Spiel mit lebensgroßen Puppen in der Ko-Regie von Jörg Lehmann auf die Bühne. Die lebensprallen sozialen Milieu-Geschichten von Fassbinder, einem Seismograph deutscher Befindlichkeiten, lassen tief blicken hinter die  Wohlstandsfassade der alten Bundesrepublik in den 1970er Jahren und viele der gestellten Fragen sind immer noch gültig und ungelöst wie große soziale Unterschiede, Ablehnung und Gewalt gegen Fremde. Sternenhimmel und bunte Lichter und Großstadtgeräusche bilden die Kulisse.

Phoebe trägt ein Kleid und Kosmonautenkappe und steht auf einem Drahtgestell als stille Beobachterin. Ihr Körper leuchtet auf, wenn sie Menschen trifft und sie wiederholt die Worte mit kühler Stimme, ohne Mitgefühl und Seele, konzentriert zusammengefasst, so dass sie eine noch intensivere, nachdrückliche Wirkung entfalten. Aus dem Halbdunkel heben die Spieler die Figuren auf ein schwarzes Podest, dazu klettert Heiki Ikkola auf eine Leiter oder sie treten wie zufällig zu ihnen auf der Bühne. Ein Motorradfahrer mit Helm mustert Phoebe, macht ihr Komplimente und pöbelt sie an, als sie schweigt und fühlt sich provoziert, wenn jemand komisch schaut oder eine Frau lacht, ihn angeblich auslacht.

Eine Frau in rosa Korsage und blondem Bubikopf räkelt sich wie eine Schaufensterpuppe selbstverliebt auf dem Ladentisch. Im roten Schaufenster empfängt sie ihre Kunden. Darunter ein älterer Mann in weißem Hemd und Krawatte, der wie ein Hund kläfft und kriecht und sich auspeitschen lässt von ihr. Seine eigene Frau schlägt er, wenn sie nicht gehorcht und bringt sie im Streit um. Sie kippt samt Stuhl hintenüber, ist buchstäblich kopflos und er entsetzt, das wollte er nicht und setzt ihren Kopf wieder auf den Hals, und sie lächelt ihn an: „Ach, mein Dickerchen…“

Alle Figuren haben irgendwie miteinander zu tun, mit ihnen betritt man ein Gruselkabinett aus verlorenen Träumen und sie versetzen die Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle. Von Neugier, direkt, offenherzig berlinernd, laut, schroff, grell, düster bis tragikomisch und tieftraurig sind die Begegnungen Phoebes mit den Menschen, die ihnen zusieht, zuhört und speichert ihre Sorgen, Ängste und Wünsche. „Wenn eins unglücklich ist, dann muss es halt reden. Sonst bleibt nichts“, sagt Fassbinder. Das tun die Figuren in diesem Stück schonungslos zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Verzicht, Älterwerden und Tod. Viel Beifall und viel Stoff zum Nachdenken.

Text + Foto (lv)

http://www.societaetstheater.de

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Gastspiel „Prinz Eselohr“ mit dem Figurentheater Ambrella im Museum für Sächsische Volkskunst

08 Donnerstag Okt 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Theater

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Der Prinz trägt eine Krone und eine lustige Schnecke am Ohr. Was sich wohl dahinter verbirgt… Foto: Puppentheater Ambrella

Mit dem Herzen sehen

Die Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e. V. laden zur Familienveranstaltung ein am Samstag, 10. Oktober um 15.30 Uhr zur Aufführung „Prinz Eselsohr“ mit dem Figurentheater Ambrella aus Hamburg im Museum für Sächsische Volkskunst mit Puppentheatersammlung Dresden.

Es waren einmal eine Königin und ein König. Die wünschten sich von Herzen ein Kind. Da schickte die Königin eines nachts ihren Gemahl zu den Feen in den Wald – und tatsächlich wurde ihnen noch im selben Jahr ein Prinz  geboren. Die Feen wünschten dem Kind Schönheit und Anmut, Verstand und Aufrichtigkeit. Die letzte Fee aber schenkte ihm Eselsohren, „… damit er nicht hochnäsig wird!“.

Da wurden im Schloss alle Türen und Fenster verschlossen und keiner durfte den Prinzen sehen. Nur der Barbier erfuhr von dem Geheimnis, doch das wurde ihm fast zum Verhängnis.

Spiel: Heike Klockmeier
Regie und Musik: Dietmar Staskowiak
Dramaturgie: Hella Müller
Figuren und Szenografie: Jürgen Maaßen

Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten bitten die Veranstalter um Reservierung unter post@puppentheaterfreunde.de
Evtl. Restkarten sind an Theaterkasse ab 1/2 Stunde vor Vorstellungsbeginn erhältlich.
Veranstaltungsort: Museum für Sächsische Volkskunst Dresden, Köpckestr. 1, 01097 Dresden

Text: Alexandra Löser

Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e.V.
Stauffenbergallee 9, Garnisonkirche, Eingang D,
01099 Dresden
Tel.: 0176/21060355 (Löser); 0351/32964740 (Thiel)
post@puppentheaterfreunde.de
www.puppentheaterfreunde.de

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BilderAlbum: (Un)mögliche Wünsche, Wunder & Weisheiten beim Radebeuler Weinherbst

28 Montag Sept 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Tanz, Theater, Zwischenmenschliches

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Ein Stück vom Paradies

Reichlich Kultur- und Naturzauber für kleine und große Besucher gab es auf den Streuobst- und Elbwiesen in Altkötzschenbroda beim Radebeuler Weinherbst.

Auf dem Dorfanger war es stiller als sonst. Aus einigen Höfen klangen vereinzelt Stimmen und Klänge. Kinder musizierten entlang der Wein- und Leckereienstände, dicht umringt wie immer. Doch es überwog eher andächtiges Schauen, Spazieren und Genießen als reges, lautstarkes Getümmel. Dennoch war der Besucherstrom beachtlich. Weiter unten auf den Streuobstwiesen in Altkötzschenbroda lockten Wandertheater und Musik unter dem Motto: „Flieg, Phoenix flieg!“ Er erhob auch unverzagt und lichtvoll seine Flügel zu Neuem.

Nach dem grau verregneten Beginn des Radebeuler Weinherbst – angelehnt an das bisherige Herbst- und Weinfest & Internationale Wandertheaterfestival, das corona-bedingt nun unter anderem Namen und Konzept mit stadtweiten Veranstaltungsorten stattfindet – blieb es am Sonntag trocken und am späten Nachmittag schaute sogar die Sonne hervor und erfreute kleine und große Besucher noch mehr. Äpfel und Birnen, reichlich verstreut im Gras, verlockten zum Aufsammeln mit ihrem besonderen Aroma. Aus kleinen Zirkuswagen duftete es nach Kaffee und Kuchen. Die Wiese verwandelte sich in einen Abenteuerspielplatz für die Kinder. In der Theaterarena mit Strohballen als Sitzen auf der Streuobstwiese wurde erst mal ordentlich geschrubbt, bevor der Wischmob als Zepter geschwungen wurde für alle möglichen und unmöglichen Wünsche im Stück „Die Prinzessin auf der Erbse“ frei nach dem Märchen von Andersen. Dabei kommen sich ein Typ namens Erbse und eine Frau Linse, die gern Prinzessin wäre, immer wieder in die Quere in diesem witzig-clownesken Schau- und Puppenspiel von Flunker Produktionen. Er überlegt, was passiert, wenn die ganze Welt blau wäre. Wenn alle winken oder klatschen würden…

In eine eigene, fantasiereiche Welt lockte diesmal an Stelle des Labyrinths ein LABratorium mit Skulpturengarten auf der Elbwiese in Altkötzschenbroda, gestaltet von Richard von Gigantikow (alias Reinhard Zabka) und seinem Künstlerteam als Projekt des Kunst der Lüge e.V. Die Besucher wandelten auf einem fantastischen Weg durch hölzerne Skulpturen und Weisheiten, klein und groß konnten aus Holzpaletten selber etwas bauen und auf mit allerlei Getier und Fabelwesen bemalten Holzbänken verweilen, Musikanten lauschen und sich abends an Feuerschalen wärmen.

Auf einem Holzturm am Eingang stand: „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“ Ein paar Meter weiter ragten unter einem roten Zeltdach rostige Rohre wie Kanonen himmelwärts. Dazu der Spruch: „Der beste Dünger ist der Schatten des Gärtners.“

Ein Stück weiter ist die Folk- und Weltmusikwiese. Auf der in warmes Licht getauchten, offenen Zeltbühne spielte am Sonntag abends die Band „Hasenscheiße“ aus Potsdam, deren Name – von ihrem Ursprung zweier gitarreschrammelnder Jungs auf einer „hasenbeköttelten“ Wiese herrührend –  ebenso außergewöhnlich klingt wie ihre wild-frechen, witzig nachdenklichen Großstadt-Songs, aber auch Lieder über Lust und Leid des Landlebens. Für mich d i e  Entdeckung dieses Radebeuler Weinherbstes! Poesie, Tiefgang, Sprachkraft und Ironie der Texte erinnern zuweilen an Brecht, Heine und Morgenstern. Musik für Kopf und Bauch, die sofort in die Beine geht. Von Rock, Punk, Reggae bis Swingjazz reicht die mitreißende Mischung mit E-Bass, Akkordeon, Percussion und mehrstimmigem Gesang, die viel Zuspruch fand. Kleine und große Besucher, junge und ältere tanzten und hüpften fröhlich ausgelassen zu den hinreißenden Klängen unter freiem Himmel. Endlich mal wieder.

Der Sänger von „Hasenscheiße“ trat immer wieder heraus aus dem Zelt und tanzte mit den Zuschauern. Ihre Musik entfacht Feuer, Lebensfreude, Kraft und Leichtigkeit zugleich. Da wird in einem Song die Trauerweide zur Kokospalme, werden die Leinen losgemacht beim unbeschwerten „Dampferjazz“ mit Möwenrufen und geht es zurück auf Los. Da gibt es ein Lied für alle „Großstadtverrückten“, die nicht auf Natur verzichten wollen und sich ein Floß bauen und als Zugabe den lebensfrohen Ohrwurm „Always Look on the Bright Side of Life“ der britischen Komikergruppe Monthy Python.

In einer Liedzeile fragt der Sänger von „Hasenscheiße“: „Hey, wo liegt das Paradies/im Diesseits oder Jenseits/oder doch in Nachbars Garten…“?

Ein Stück vom Paradies war in diesem Moment auf den Streuobstwiesen in Altkötzschenbroda greifbar nahe. Wo Natur- und Kulturgenuss noch unmittelbar verbunden und erlebbar sind. Der Nachthimmel später war sternenübersät. Stiller Zauber.

Text + Fotos (lv)

http://www.flunkerproduktionen.de
http://www.hasenscheisse.com#

Vorschau

LABYlysium – Kunst- und Kulturaktionen an der frischen Luft und bei freiem Eintritt, täglich von 13 – 19 Uhr auf dem Burgplatz Leipzig. Vom 3. bis 11. Oktober 2020.

„LABYlysium erzählt von Hoffnungen, Visionen und Umbrüchen der labyrinthischen Wiedervereinigung und koppelt diese Erfahrungen an das heutige Leben zurück“, kündigt Veranstalter Reinhard Zabka an. Er ruft die Besucher auf: „Bringt ein eigenes alternatives Einheitsdenkmal mit.“ Träger des Projekts ist der Kunst der Lüge e.V., der im Lügenmuseum Radebeul ansässig ist.

http://www.luegenmuseum.de

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Wein- und Kulturgenuss & Hoffnung im Zeichen des Phoenix beim Radebeuler Weinherbst

28 Montag Sept 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, Kultur, Lebensart, Musik, Poesie, Theater, Zwischenmenschliches

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Lebensfreude pur.  Das Straßentheater Teatro Due Mondi bei seiner fantastischen Parade in farbenfrohen Kostümen bezauberte mit seiner südamerikanischen „Fiesta“  auf dem Dorfanger in Altkötzschenbroda die Besucher des Radebeuler Weinherbstes.

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Geheimnisvoll. Eine Mischung aus barockem Mysterienspiel, Maskentheater und Puppen-Slapstick war die Aufführung „Zeit, Du Callboy der Ewigkeit“ von Flunker Produktionen am Sonnabend in der Streuobstwiesen-Arena. Darin gehen ein Maki und eine Schildkröte dem Mythos um die Erschaffung von Tod und Zeit auf die Spur. Fotos: Veranstalter/Radebeuler Weinherbst

Momente der Freude für Künstler, Winzer und Publikum

Fröhliche und ausgelassene Stimmung trotz durchwachsenem Wetter. Weinherbst Radebeul zeigt die Durchführbarkeit von Veranstaltungen auch unter Pandemie-Bedingungen.

Zahlreiche Besucher feierten am Wochenende im gesamten Radebeuler Stadtgebiet trotz durchwachsenem Wetter das Zusammenspiel aus Wein, Musik und Theater. Das neue, dezentrale Veranstaltungsformat, bei dem das Fest in die gesamte Stadt hineingetragen wurde, konnte erfolgreich umgesetzt werden. Die Besucher haben dabei neue Veranstaltungsorte entdeckt und bekannte Straßen und Plätze in neuem Licht kennengelernt. Sowohl die Radebeuler Weingüter als auch die Veranstaltungsgelände in Radebeul Ost und West waren gut besucht. Die zulässige Maximalbesucherzahl wurde dabei nicht erreicht, sodass zu keiner Zeit Gäste abgewiesen werden mussten.

Trotz des teilweise ungemütlichen Wetters konnten die Menschen gemeinsam Kultur und Wein genießen. Die positiven Erfahrungen der im Sommer erprobten Radebeuler LebensArt konnten damit in einen größeren Maßstab übertragen werden. Auch das Sicherheitskonzept der Veranstalter hat sich bewährt. Die Besucher wurden durch ein spezielles Erfassungssystem aktuell gezählt und haben sich auf dem Gelände stets verantwortungs- und rücksichtsvoll verhalten. „Unser Mut, neue Wege zu beschreiten, um auch unter schwierigen Rahmenbedingungen Kultur für viele Menschen erlebbar zu machen, wurde belohnt. Radebeul hat einmal mehr Kultur und Genuss auf unverwechselbare Weise verbunden und im Zeichen des Phoenix Hoffnung gegeben.“, so Kulturamtsleiterin Dr. Gabriele Lorenz.

Bereits am Freitagabend waren alle Veranstaltungsorte sehr gut besucht. Der Samstag begann aufgrund des Dauerregens zwar verhalten. Jedoch konnten die an den Nachmittagen ausgefallenen Theateraufführungen in Radebeul Ost und West in den Abendstunden nachgeholt werden und schenkten auch zu späterer Stunde noch Momente der Freude. Auch die Konzerte in den Weingütern konnten trotz Regenwetters stattfinden oder in den späteren Abend hinein verlegt werden. So zeigten sich denn auch die Winzer in den Weingütern und Straußwirtschaften mit dem Besucheraufkommen des Wochenendes sehr zufrieden. Ebenso positiv fielen die Rückmeldungen der teilnehmenden Künstler aus. Mit Spielfreude und Energie drückten sie ihre Freude darüber aus, in diesem schwierigen Jahr endlich eine Möglichkeit zu haben, vor Publikum aufzutreten.

Ein Höhepunkt für zahlreiche Besucher war das Konzert des Liedermachers Wenzel am Samstagabend. Gefühlvoll und mitreißend besang er die schönen und traurigen Seiten des Lebens und sorgte mit seinem Herbstlied für einen emotionalen Tagesabschluss. Das Teatro Due Mondi verwandelte den Dorfanger von Altkötzschenbroda in eine große Fiesta und entführte die Zuschauer in ihr karnevaleskes Spiel. Traditioneller Höhepunkt für viele Weinfest-Fans war eine Fahrt mit dem Theaterkarussell von Georg Traber in Radebeul Ost. Zur Musik von Adaya verzauberten die Schweizer Artisten kleine wie große Fahrgäste gleichermaßen. Am Sonntagnachmittag besuchte auch Barbara Klepsch, sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, als Schirmherrin das Veranstaltungsgelände in Altkötzschenbroda. Hier konnte sie sich direkt vor Ort einen Eindruck von der Umsetzung des Veranstaltungskonzeptes verschaffen und sich von der Durchführbarkeit von Veranstaltungen auch unter Pandemie-Bedingungen überzeugen.

In den sozialen Medien drückten zahlreiche Besucher ihre Zufriedenheit und Dankbarkeit aus. „Es war anders, aber schön.“, heißt es da unter anderem. „Wir haben für ein paar Stunden einfach normal und glücklich einen schönen Abend genießen können.“

Der Radebeuler Weinherbst war mit seinem neuen Konzept somit sehr erfolgreich. Besonderer Dank gilt allen Partnern, Künstlern, Helfern und Besuchern, die durch ihre Unterstützung und ihr verantwortungsvolles Verhalten zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.

Text:  Ina Dorn

PR- & Marketingverantwortliche
Großveranstaltungen & Tourismus

Amt für Kultur
Altkötzschenbroda 21
01445 Radebeul

Tel. 0351 / 83 11 624

Mehr Informationen:

www.weinfest-radebeul.de 
www.facebook.com/weinffestradebeul

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„Flieg, Phoenix flieg!“ Weinherbst & Wandertheater in Radebeul

24 Donnerstag Sept 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Tanz, Theater

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Zauberhaft: Das beliebte Theaterkarussel von Georg Traber dreht sich dieses Jahr auf der Hauptstraße.


Humorvoll: Arnold Böswetter ist bekannt für seine frech-charmanten Auftritte, was er hier wohl der Weinkönigin Theresa Zwicker zuflüstert… Fotos (3): Claudia Hübschmann


Poet, Provokateur, Improvisator, Clown und Zauberer: Der Liedermacher Hans Eckhardt Wenzel & Band spielen am 26.9., um 20 Uhr auf der Folk- und Weltmusikwiese in Altkötzschenbroda. Foto: S. Buschow

Theater und Wein in ganz Radebeul  – Weinherbst präsentiert sich mit Wandertheater und Musik

Vom 25. bis 27. September findet in Radebeul der Weinherbst statt. In der Tradition des Herbst- & Weinfestes wurde für die diesjährige Veranstaltung eine neue, dezentrale Form gefunden, bei der erstmalig das gesamte Stadtgebiet ins Geschehen einbezogen wird.

Angelehnt an den mystischen Feuervogel wird unter dem Motto „Flieg Phoenix, flieg!“ aus Traditionellem und Bewährtem heraus etwas Neues geschaffen, um den Radebeulern und Gästen auch in diesem Jahr Möglichkeiten der Freude und des Genusses zu bieten. Schirmherrin der Veranstaltung ist die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch.

Drei Tage lang können die Besucher zwischen Radebeul Ost und Radebeul West über gemütliche Weinboulevards flanieren, handgemachter Musik lauschen und verschiedenste Theateraufführungen bestaunen. „In eben solchen Momenten der Freude finden die Menschen trotz Abstand zueinander und genießen all das, was ihre Stadt und unser Land gleichermaßen ausmacht.“, so die Staatsministerin.

Vor dem Kultur-Bahnhof und entlang der Hauptstraße präsentieren Artisten, Clowns und Theatergruppen humorvolle und beeindruckende Inszenierungen für Groß und Klein. Herr Arnold Böswetter schenkt seinen Zuschauern im Hof der Weinhandlung Andrich „30 schöne Böswetterminuten“. Das niederländische Theater van de Droom entführt im Hof der Grundschule in die Welt der Commedia dell‘arte. Der Vorplatz des Kultur-Bahnhofs verwandelt sich in eine Theaterarena für faszinierende Akrobatik und unglaubliche Illusionen. Das beliebte Theaterkarussell von Georg Traber dreht sich in diesem Jahr auf der Hauptstraße. Die Fahrgäste sitzen darauf gemütlich an Tischen beisammen, lauschen der orientalisch-keltischen Musik der Sängerin Adaya und schwelgen noch einmal in eigenen Kindheitserinnerungen. Bei stimmungsvoller Straßenmusik können die Besucher zudem die Weine ausgewählter sächsischer Winzer sowie regionale und internationale Speisen genießen.

Zahlreiche Weingüter und Straußwirtschaften öffnen an dem Veranstaltungswochenende ihre Höfe und Gärten. Internationale Musiker laden zu idyllischen Weinbergskonzerten ein. Von New Classic mit der Band Stilbruch über Folk mit den Sons of Settlers bis hin zu Klezmer mit dem Duo Fabry/Hoorn ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Inmitten der malerischen Atmosphäre können die Gäste bei erstklassigen Weinen, frischem Federweißen und kulinarischen Köstlichkeiten verweilen und den Alltag hinter sich zurücklassen.

Als besonderes Highlight wird es im Weingut Haus Steinbach an allen drei Abenden eine Spezialedition des Radebeuler XJAZZ geben. Hochkarätige Musiker wie die Radebeuler Schlagzeug-Legende Günther Baby Sommer lassen das Weingut zu einem Anziehungspunkt für Jazzfans und Musikbegeisterte werden. Tickets für die drei Sonderkonzerte sind an der Abendkasse erhältlich.

Musik und Wandertheater erwarten die Besucher auch in Altkötzschenbroda. Das Teatro Due Mondi zieht mit seiner Fiesta über den Dorfanger, Flunker Produktionen verzaubern mit der „Prinzessin auf der Erbse“ und Straßenkünstler begeistern mit Witz, Charme und Detailreichtum. Auf der Folk- und Weltmusikwiese geben unter anderem Liedermacher Hans Eckardt Wenzel & Band, die Trash-Balladen-Musiker Hasenscheiße oder die Kapela Timingeriu Konzerte in Picknick-Atmosphäre. Vivi Sol und Company spielen bei der abendlichen Feuershow voller Anmut und Eleganz mit dem wohl geheimnisvollsten aller Elemente und laden zum Träumen und Staunen ein.

Alle Angebote finden in diesem Jahr unter freiem Himmel statt. Die teilnehmenden Künstler freuen sich über eine Spende in den Hut.

Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzverordnung gelten für die einzelnen Veranstaltungsbereiche Besucherzahlbeschränkungen. Sollte die maximal zulässige Besucherzahl an einem der Veranstaltungsorte erreicht sein, wird darum gebeten, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, um zu weiteren Alternativ-Orten zu gelangen. Straßenbahnen, Busse und Züge verkehren während des Wochenendes in verstärkter Taktung. Einen Überblick über alle Veranstaltungen erhalten die Besucher in den Programmheften, die kostenfrei an allen Eingängen ausliegen.

Text: Ina Dorn

PR- & Marketingverantwortliche
Großveranstaltungen & Tourismus

Amt für Kultur
Altkötzschenbroda 21
01445 Radebeul
Tel. 0351 / 83 11 624

Mehr Informationen:

www.weinfest-radebeul.de
www.facebook.com/weinfestradebeul
Feuershow mit Vivi Sol & Company laden am Sonnabend, um 21.30 Uhr auf der Folk- und Weltmusikwiese an der Elbe zum Staunen und Träumen ein.

Yoga & Wein im Noteingang e.V. im Weißen Haus, Kötzschenbrodaer Str. 60

Ein besonderes Highlight ist das Yoga und Wein am Sonntag ab 13 Uhr.  Heute, Freitag Abend ab 20 Uhr spielen zwei Punkbands, Teppichbodendisco und Lendenzorn. Beides Bands, die im Keller des Weißen Hauses proben, da es dem Verein wichtig ist, vielen regionalen Künstlern die Chance für einen Auftritt zu geben.

„Für uns trifft auch das Thema des Weinherbstes voll zu. In den letzten Jahren fanden unsere Angebote in der Tonne (Familienzentrum) statt. Dieses Jahr ja undenkbar, somit mussten eigene neue Ideen her. Die Idee, dass Gelände am Notausgang (Weißes Haus) war schnell da und wurde von den Vereinsmitgliedern schnell angenommen“, sagt Kerstin Dähne, die Vereinsvorsitzende vom Noteingang e.V. Radebeul.

Jetzt gibt es hier ein Programm mit viel Musik aus vier Jahrzehnten, dazu am Samstag Techno und Wein. Geplant ist auch der Skate und BMX- Contest, doch wenn der Boden weiterhin nass ist, fällt der Contest aus und es gibt den gesamten Tag elektrische Musik. Text + Fotos: Kerstin Dähne
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Spielzeit-Eröffnung im Festspielhaus Hellerau: Uraufführung des Musiktheater-Stücks „Schlachthof 5“ nach dem Roman von Kurt Vonnegut

24 Donnerstag Sept 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Tanz, Theater

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Multimediales Musiktheater: eine Szene aus der Aufführung „Schlachthof 5“ nach dem Roman von Kurt Vonnegut im Saal des Festspielhauses Hellerau. Foto: Stephan Floss

Musiktheater, Tanz, Filme und Gespräche – Überblick über die neue Spielzeit

Europäisches Zentrum der Künste eröffnet die Saison 2020/2021 heute, am 24. September, um 20 Uhr mit der Uraufführung des Musiktheaters „Schlachthof 5“ nach dem Roman von Kurt Vonnegut (24. -27.9.2020 zu sehen).

Der bekannte russische Regisseur Maxim Didenko entwickelt hier ein multimediales Musiktheaterprojekt an der Schnittstelle von Theater, Tanz, Musik und Performance. Die eigens für das Stück komponierte Musik von Vladimir Rannev wird live von AuditivVokal Dresden szenisch aufgeführt.

Am 2./3. Oktober steht mit „Abschied“ eine weitere Musiktheater-Uraufführung auf dem Programm. Musiker*innen des Solistenensembles Kaleidoskop und des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover interpretieren das Adagio aus Gustav Mahlers 9. Sinfonie klanglich und räumlich neu. Kontrastierend erklingt eine Neukomposition des Amerikaners Ethan Brown.

Zum Jahr der Industriekultur in Sachsen 2020 präsentiert HELLERAU vom 23.10. bis 1.11. beim Festival ARBEIT! Tanz, Performances, Filme, Gespräche und Installationen, die einen inhaltlichen Bogen schlagen von der Industrialisierung bis zur postindustriellen Gesellschaft mit ihrer digitalen Arbeits- und Lebenswelt – mit besonderem Fokus auf Sachsen und Ostdeutschland.

Den 30. Geburtstag feiert TONLAGEN Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik vom 15.4. – 2.5.2021. Auf dem Programm stehen zeitgenössische und experimentelle Musik, neues Musiktheater, Filmmusik und interdisziplinäre Projekte.

Mit „Stadt – Raum – Fluss. Zeitgenössische Perspektiven zur Stadt“ (3. – 13.6.2021) im Rahmen des EU-Projektes MOVING BORDERS beschäftigt sich HELLERAU künstlerisch mit urbanen und ländlichen Lebensräumen.

Und in der 2. Ausgabe von  Watch Out! – Festival für Jung & Alt  (24. – 28.3.2021) werden erneut Stücke von international renommierten Künstler*innen aus den Bereichen Tanz, Theater, Performance gezeigt, die auf zeitgenössische und unterhaltsame Weise für alle Generationen arbeiten.

Zahlreiche Veranstaltungen, die in der Saison 2019/2020 aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, werden nachgeholt. Programme aus dem ursprünglich für Mai 2020 geplanten Festival „Erbstücke“ werden als „Erbstücke Spezial“ über die gesamte Saison verteilt, darunter „Isadora Duncan“ von Jérôme Bel (11./12.12.2020) oder „Tanz in der DDR: Was bleibt?“ von Saša Asentić & Collaborators (DE/RS) (4./5.2.2021).

Auf dem Musik-Programm stehen neben TONLAGEN 4:3 Kammer Musik Neu (6. – 8.11.2020) mit Shiva Feshareki, Enno Poppe, Robert Henke, einem Konzert zum 85. Geburtstag von Helmut Lachenmann sowie Uraufführungen der Komponistenklasse Dresden und dem Ensemble Contemporary Insights.

Für Bandstand (12./13.2.2021) werden mit dem Musicboard Berlin erstmals zwei Residenzen ausgeschrieben. Darüber hinaus werden über einen Open Call sachsenweit Ideen für Musikvideos gesucht, prämiert und produziert und bei Bandstand präsentiert.

Im Bereich Tanz und Performance ist HELLERAU Koproduzent für zahlreiche Arbeiten, darunter „Last but not last“ von Lina Majdalanie und Rabih Mroué (9./10.10.2020), „Learning Feminism from Rwanda“ von Flinn Works (3. – 6.12.2020), „FLAGS“ von Paula Rosolen & Haptic Hide (4./5.12.2020), „Hexploitation“ von She She Pop (29./30.1.2020), „Wanaset Yodit“ von Laila Soliman (29./30.1.2020) oder „VIRUS“ von Yan Duyvendak (4. – 7.3.2021).

Die Dresden Frankfurt Dance Company (DE) ist in der Saison 2020/2021 mit drei Programmen in HELLERAU zu erleben. Das im Rahmen des Festivals „Appia Stage Reloaded“ 2019 gezeigte „Geometrische Ballett – Hommage à Oskar Schlemmer“ der Berliner Künstlerin Ursula Sax in einer Choreografie von Katja Erfurth wird vom 18. – 20.12.2020 erneut in HELLERAU zu sehen sein.

Innerhalb des Schwerpunktes Digital Art steht bei der CYNETART (16. – 18.10.2020) die Uraufführung VORTEX von Ulf Langheinrich und Maria Chiara de’Nobili auf dem Programm. „Hybrid“, die neue internationale Plattform für digitale Künste, präsentiert im März 2021 unter dem Motto „Cutting Edge Canada“ kanadische Electronic Sound und New Media Artists in Kooperation mit dem Festival und Netzwerk MUTEK.

Verschiedene Künstler*innen der freien Szene zeigen in der Saison 2020/2021 ihre Arbeiten in Koproduktion mit HELLERAU, u.a. Kristin Mente  mit „Ghost Girls“ (28./ 29.11.2020), Charles A. Washington mit „Spinner Light“ von (12. –15.12.2020), Fang Yun Lo mit „Home Away from Home“ (26. – 28.2.2021) sowie „Difference. What difference does it make?” von Wagner Moreira, Sächsische Landesbühnen Radebeul (02./03.07.2021).

Bei einem TANZPAKT-Schwerpunkt im Januar 2021 begegnen sich die TANZPAKT-Projekte aus Hamburg (Tischgesellschaft „Wieder da“ von Antje Pfundtner in Gesellschaft) und Dresden (12 Recherche-Residenzen). Mit dem „Parkour 2021 – Festival der freien Szene“ beendet HELLERAU die Saison am 16./17.7.2021 und präsentiert damit bereits zum dritten Mal die künstlerische Bandbreite der Freien Szene Sachsens in Kooperation mit Partnern aus ganz Sachsen.

Kooperationen, u.a. mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden (21.4.2021 bei TONLAGEN), den Dresdner Musikfestspielen (28. – 30.5.2021) oder dem Staatsschauspiel Dresden bei „Fast Forward“ (12. – 15.11.2020) werden fortgeführt.

Text: Henriette Roth

Leitung Kommunikation | Head of Communication
roth@hellerau.org

T + 49 351 264 62 18 | M +49 173 369 878 3

HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste
European Centre for the Arts
Karl-Liebknecht-Str. 56 | 01109 Dresden

http://www.hellerau.org

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Willkommen in diesem reichhaltigen Garten der Künste – Hier blüht Euch was! Hier wächst vieles, Schönes und Dorniges, Auffälliges und Verborgenes, Seltenes und Seltsames nebeneinander. Hier erfahrt Ihr das Neueste aus der Dresdner Kultur- und Kunstszene in aller Eigenart und Vielfalt. Sitzt man auf der Gartenbank mit namhaften und weniger bekannten Kulturmenschen und Menschen mit Ideen und Visionen aus anderen Lebensbereichen. Zeigen Künstler beim Atelier-Besuch ihre neuesten Werke, bevor sie in der Ausstellung hängen und erzählen, welche Bilder sie nie ausstellen würden. Wird Neues aus der Bühnen- und Bücherwelt vorgestellt, Augen- und Ohrenschmaus weitergegeben. Es gibt ein Traumtagebuch, für die Bilder der Nacht und Lebensträume. Es ist Platz für Poesie und Kurzprosa, Reisereportagen, Beiträge über das Leben mit anderen Kulturen, über Lebensart und Zwischenmenschliches. Es werden WortRaritäten gesammelt und Wort-Rätsel mit geheimnisvollem Inhalt gelüftet. Und nun: Schaut Euch um, entdeckt, genießt und lasst Euch anregen von der Fülle an Kulturgewächsen. Und vor allem: Bleibt schön neugierig und empfehlt meinwortgarten weiter.
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Lilli Vostry

Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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TOP-BEITRÄGE & SEITEN

  • Die Sprache des Steins: Ausstellung zum Abschluss des Internationalen Bildhauer-Symposiums auf dem Campus der Fachhochschule Dresden
  • Restaurace "Babicka" eröffnet mit tschechisch-böhmischer Küche in Pirna
  • BilderAlbum: Bilder & Klänge für alle im KlanGLaboR
  • "Mut schöpfen": Kurzgeschichte & Dialog-Szene "Wenn aus Liebe Gewalt wird"
  • Premiere "Leonce und Lena" nach Georg Büchner auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus
  • Ausstellung "Mittendrin" von Peter Pit Müller & André Uhlig im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz
  • Premiere "Die Laborantin" von Ella Road im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden
  • Premiere "Einige fühlen den Regen, andere werden nass" & Festivaltag mit Stücken von Jugendlichen im Theater Junge Generation
  • Ausstellung "Gotthardt Kuehl. Ein Lichtblick für Dresden" auf Schloss Burgk Freital
  • Ein Abend für Thomas Brasch im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul

Top-Beiträge & Seiten

  • Ostereier verzieren: Sorbische Volkskunst für die Nachwelt bewahren
  • Premiere "Der Raub der Sabinerinnen" in der Comödie Dresden
  • Zirkus um Wildtiere: MDR-Reportage: "Zoff in der Manege - (k)ein Herz für Tiere?"
  • Medea: Bitter-komische Rache einer Außerirdischen im Schauspielhaus Dresden
  • Atelierbesuch bei Kathrin Stadthaus: "Ich fühle mich überall zuhause"
  • Start in die neue Spielsaison im Mittelsächsischen Theater: José Luis Gutiérrez dirigiert das Orchester mit viel Schwung
  • Ausstellung "Mit allen Sinnen" von Michael Hofmann in der Galerie Kunst & Eros
  • Heusers Büchertheke - Lesung aus Juli Zehs Roman "Unterleuten"
  • Premiere "Die Troerinnen" im projekttheater
  • Vorlesetag virtuell: Das Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten" in 13 Sprachen unter dem Motto "Europa und die Welt"

Aktuelle Beiträge

  • Neue Katzen-Lyrik: Im Lichtzimmer
  • Neue Lyrik: Kerzenflamme & Alles aus Liebe
  • Neue Lyrik: Kindheitswege. Zwischen Gestern & Heute
  • Neue Gedichte vom Meer in HerbstFarben
  • Opera en miniature: „Abu Hassan“ – Musiktheater mit Puppen im Schloss Lauenstein
  • Letzte Gelegenheit in die fantastische Welt im Lügenmuseum Radebeul einzutauchen
  • „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ – Vielleicht bringt die 25. Vorstellung Glück!
  • Klangwanderung & Konzert mit Agnes Ponizil & Anne Kathrin Wagler an zwei Klavieren beim Musiksommer Bärenstein
  • Start in die neue Spielsaison im Mittelsächsischen Theater: José Luis Gutiérrez dirigiert das Orchester mit viel Schwung
  • Wunderreiche Welt & unbequeme Wahrheiten: dem Lügenmuseum Radebeul droht die Räumung

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