Premiere „Fräulein Else“ nach Arthur Schnitzler an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Viermal Else wie sie leibt und lebt. Inszenierungsfoto mit: Veronika Petrovic, Julia Rani, Sandra Maria Huimann, Maria Sommer (v. l.) Foto: Carsten Beier

Reizvolles Spiel mit Rollenbildern

Das Stück „Fräulein Else“ nach Arthur Schnitzler ist auch bei der 10. Langen Nacht der Dresdner Theater am Sonnabend, dem 20. April auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul zu sehen. 22 Theater in und um Dresden laden die Besucher zwischen 16 und 23 Uhr zu einer bunten Mischung aus S chauspiel, Oper, Musical, Tanz, Puppentheater und Lesungen ein und zeigen im Stundentakt jeweils 30-minütige Kostproben aus ihrem Repertoire. Begonnen im Schauspielhaus Dresden, dort liegen auch Programmhefte aus, mit Abschlussparty dort ab ca. 23.15 Uhr bis zum Theaterhaus Rudi mit After Show Party mit Tam Tam Comony ab 22 Uhr. Karten gibts jeweils vor Ort.

Im warmen Bühnenlicht tanzen übermütig vier Frauen auf die Bühne. Ihre Körperschatten zeichnen sich auf der weißen Wand ab. Sie bewegen sich um ein Gehäuse, eine Art Salon, Versteck oder Käfig mit Ritzen zum Hineinlunsen, geheimnisvoll und etwas unheimlich. Eine von ihnen mit brünettem, halblangen Haar, roten Lippen  und geschminktem Bijoubärtchen und schulterfreiem, schwarzweiß geblümten Kleid und Glacéhandschuhen (stolz, verletzlich, im Zwiespalt ihrer Gefühle: Sandra Maria Huimann) verliest einen Brief ihrer Mutter aus Wien, der sie mitten in den Ferien im Süden ereilt. Ihr Vater steckt in Geldnöten und nur seine Tochter Else könne ihn vor dem Kriminal retten, wenn sie den ebenfalls im Kurort weilenden Kunsthändler Herr von Dorsday um Geld bittet. Sie will ihrem Vater helfen, doch ist bestürzt über die Bedingung Dorsdays: Er leihe ihr das Geld, aber nur, wenn er sie eine Viertelstunde nackt ansehen könne.

Auf der Grundlage von Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“, die er 1924 veröffentlichte als inneren Monolog einer 19-jährigen Frau aus gut bürgerlichen Verhältnissen und das Problem der materiellen Abhängigkeit von Frauen thematisierte, entstand eine Stückentwicklung unter Regie von Jan Meyer mit vier Schauspielerinnen. Die Premiere war im Januar auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Mit Textpassagen von Schnitzler, ergänzt um eigene Sichtweisen und Erfahrungen kam ein spannendes, berührendes wie provokantes Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit über alte und neue Frauenrollen-Bilder, den Umgang mit Körperlichkeit, Nacktheit und  weiblichen Wünschen und Identität in einer immer noch männlich geprägten Gesellschaft auf die Bühne.

Gleich viermal Else war zu erleben mit all ihren Träumen, Ängsten, Zweifeln, Begabungen und Eigenarten. Vier verschiedene Frauentypen sprechen, agieren, ergänzen sich und überlegen, was zu tun ist. Ob sie das anstößige Angebot annehmen oder nicht. Da ist die brave, adrette, romantische Dame im weißen Kleid  mit Sonnenschirmhut (Maria Sommer), die sinnlich, verführerische und mutige, die es mit dem Geldgeber und Angreifer aufnehmen will (Julia Rani), die kluge und sensible (Sandra Maria Huimann) und die elegant, burschikos kokette mit männlichen und weiblichen Attributen spielende Frau im Nadelstreifenanzug, weißem Hemd, schwarzer Schleife und hochgestecktem rötlichen Haar (Veronika Petrovic). In jeder von ihren steckt auch ein Teil der anderen. Viele Facetten von Frausein.

Zuerst lehnen sie das Geld-Angebot empört ab. Sie seien nicht käuflich! Im nächsten Moment rennen sie aufgeregt, kichernd umher und träumen, was mit dem Geld alles anfangen könnten, studieren, reisen, sich einen Geliebten nehmen und nackt auf dem Marmorboden liegen… Sie spielen verschiedene Möglichkeiten und Szenarien durch. Das Spiel mit Blicken, keusch, naiv, reizvoll und wütend, sich nicht für Geld zu verkaufen. Dann wieder steht Else, die wohlbehütete Tochter (Sandra Maria Huimann) wie erstarrt vor Angst und Abneigung, ausgeliefert den männlichen Blicken, an der Wand. Die anderen Darstellerinnen stehen um sie herum und legen besitzergreifend die Hände um ihren Körper und taxieren dessen Wert. Grotesk-komisch die Szene, in der die Frauen sich vor einen weißen Sarg stellen und vorstellen, Else wäre tot, um der Misere zu entgehen oder den Skandal, wen man mehr bedauern würde, ihren Vater oder den Kunsthändler, die durch ihren Tod in schlechten Ruf gerieten. Wie es ihr geht ist egal.

Dann drehen sie den Spieß um. Else (Julia Rani) steht als Mann auf dem Sarg wie einem Podest, den intensiven Blicken und abfälligen Sprüchen der Frauen ausgeliefert, die ihm sagen, was er machen soll  und erfährt selbst wie es ist, mit Blicken ausgezogen zu werden. Die Frauen erzählen auch von eigenen Erfahrungen, wenn jemand näher kommt als gewollt oder abends allein an der Haltestelle zu stehen. Dann gehen die Frauen in die Offensive und wollen sich wild entschlossen nicht nur Dorsday nackt zeigen. sondern auch allen anderen in der Hotelhalle. Dann sind sie damit nicht allein. Huimann sagt, sie ziehe sich jetzt aus, bewegt die Fingerspitzen in den langen weißen Glacéhandschuhen, doch lässt ihr Kleid an. Ein sinnliches Spiel mit der Vorstellungskraft des Zuschauers und es gibt ihr die Macht über ihren Körper zurück. Sie entscheidet, wie weit sie geht.

Zum Schluss rücken die anderen Frauen an sie heran, bilden einen Kreis um sie wie um sie zu schützen und rufen erstaunt „Else“! Es bleibt offen, ob sie sich nackt zeigt. Viel Beifall gab es vom Publikum für einen ambitionierten, emotionsreichen Theaterabend mit viel Stoff zum Weiterdenken.

Text (lv)

Termine: 20.4., 19, 20 und 21 Uhr bei der Langen Nacht der Theater.

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

Kunstort & Ort für kreatives Miteinander & Schule des Sehens: das Einnehmerhaus Freital


Die neuesten Arbeiten aus der Druckwerkstatt zeigt Bettina Liepe, die Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital und Leiterin des Kurses Druck und Collage. Freude an Kreativität und am Selbergestalten bei den Besuchern fördern, liegt ihr und dem Verein am Herzen.

„Dieses Haus ist ein Schatz“

Mit Ausstellungen und kreativem Miteinander in Kursen von Buchbinden, Drucken bis Töpfern für groß und klein lockt der Kunstverein zunehmend mehr Besucher ins Einnehmerhaus in Freital.

Ein Auge kreist um rankende Pflanzen. Blumen sprießen vielgestaltig und eine Figur umschließt ein Herz. Es sind Kaltnadelradierungen, die gerade eine künstlerische Freizeitgruppe der Diakonie Freital spontan gedruckt hat im Einnehmeherhaus. Auf dem Tisch im Erdgeschossraum liegen kleine Acrylglasplatten mit schwarzen Linien und Formen, eingeritzt mit einer Reißnadel. Beim vorigen Treffen entstanden die Vorzeichnungen. Bettina Liepe zeigt eine Mappe mit den Bildern, die sie mit der Gruppe an der Druckpresse herstellte. „Das tut den Teilnehmern sichtbar gut“, sagt sie, seit einem Jahr Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital. Arbeiten anderer Kursteilnehmer hängen an den Wänden. „Wir wollen Neugier und Interesse an Kreativität und Freude am Selbergestalten fördern bei den Besuchern. Denn wer sich intensiver auf den künstlerischen Prozess einlässt, ob Drucken, Malen oder Töpfern, der beginnt auch ein anderes Verständnis für Kunst zu entwickeln“, so Bettina Liepe.

„Man muss keine Schwellenangst haben, sind es doch oft innere Stimmen und Ängste, die sagen, ich kann das nicht oder verstehe das nicht“, weiß sie selbst. „Doch wenn man es einmal probiert und etwas selber macht, dann geht wie eine Tür auf. Für viele ist es auch ein wichtiger Anker in ihrem Leben, dass man sich regelmäßig trifft, etwas gemeinsam und jeder für sich tut, gemütlich beisammensitzen und sich nebenher unterhalten kann. Das macht großen Spaß.“ Diese Gemeinschaft und Miteinander weiter zu stärken, liege dem Kunstverein im Einnehmerhaus besonders am Herzen. „Es ist ein Ort, um Kunst zu erleben, aber auch ein Haus der schöpferischen Begegnung und eine Art Schule des Sehens, wo jeder praktische sinnliche Erfahrungen sammeln kann“, so Bettina Liepe.

Daher bietet das Einnehmerhaus nicht nur regelmäßig wechselnde Ausstellungen bekannter und neuer, zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler vorwiegend aus der Region, sondern auch viele Kursangebote für Interessierte vom Kind bis zum Senior in dem schmucken Fachwerkhaus an der Dresdner Straße 2 in Freital. Der Wochenplan ist gut gefüllt. Täglich locken hier nachmittags und abends ein oder mehrere feste Zirkel vom Erdgeschoss bis zum Dachatelier. Begonnen beim Schnitzen und der Arbeit im Fotolabor montags, gleich vier Kursen dienstags mit Töpfern, Klöppeln, Buchbinden, Druck und Collage, einem weiteren Töpferkurs mittwochs, Malen donnerstags sowie nochmals Klöppeln und Textilgestaltung freitags.

Drei bis acht Teilnehmer kommen im Schnitt in die Kurse. Damit alle Interessierte Platz finden, ist Voranmeldung beim Kunstverein erforderlich. Neu ist das Buchbinden mit der Künstlerin, gelernten Buchbinderin und Autorin Carla Schwiegk aus Tharandt dienstags aller 14 Tage, von 15 bis 17 Uhr. Dazu braucht es keine Vorkenntnisse und es gibt keine Altersgrenze. Die jüngste Teilnehmerin war sechs Jahre, das  älteste Kunstvereinsmitglied und Teilnehmer beim Buchbinden über 90 Jahre alt. „Dort lernt man verschiedene Bindetechniken kennen, kann Papierschöpfen ausprobieren und kleine Schächtelchen aus Papier gestalten“, so Bettina Liepe. Eine schöne Möglichkeit auch für Familien, mit Kindern oder Enkeln etwas zusammen zu kreieren. Sie freut sich, dass die Mal­- und Zeichengruppe mit dem Künstler Matthias Jackisch in den letzten Monaten nach der Corona-Pause wieder gut besucht wird. Im Dachatelier arbeitet ein Teil der Gruppe mit rund zehn Teilnehmern an einem langen Tisch gegenständlich nach Objekten, Stillleben und die anderen frei aus der Vorstellung mit Stiften, Pinsel und Farbe. Jeder bringt sein Material mit. Als Bildhauer habe Matthias Jackisch auch noch einen anderen Blick auf die Dinge.

Bettina Liepe ist Architektin von Beruf. Sie hat bei Jackisch im Malkurs angefangen und zeichnet bereits seit ihrer Kindheit. Seit 2017 fährt sie regelmäßig zu Workshops, in denen sie sich neue künstlerische Techniken aneignet, an die Freie Akademie Augsburg. Sie zeigt eine eigene, farbige Grafik mit dem Titel „Connected“ (Verbunden). Eine Intagliografie sei das, der Reiz liege dabei in der Grenzüberschreitung zwischen Malerischem und Grafischem, bei der sich Licht und Schatten, Figürliches und Abstraktes mischen. Ihr Mann teilt ihre grafische Leidenschaft. Von ihm stammt eine Kaltnadelradierung mit einer Landschaft und blauem Mond. „Die Räume und das Potenzial in diesem Haus sind ein Schatz, den der Kunstverein hebt und weiter nutzt in der Mischung aus traditionell Vorhandenem und neuen Möglichkeiten“, sagt Bettina Liepe. Sie leitet den Druck- und Collagekurs und lässt sich für die „Samstagskinder“ immer etwas Neues zum Selbermachen einfallen an jedem letzten Sonnabend im Monat, von 10 bis 12.30 Uhr. Bald soll es auch wieder Raku-Keramikworkshops geben. Der Kunstverein im Einnehmerhaus wird gefördert durch den Kulturraum Elbtal – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge. Doch die Betriebskosten muss er aus eigenen Einnahmen erwirtschaften und die Projekte leben von Spendenmitteln. Zwei höhenverstellbare, vielseitig nutzbare Tische für die Kursarbeit wurden aus Vereinsmitteln für 500 Euro Ende 2022 angeschafft. „Wenn die Besucher sagen, es ist schön hier und sich wohlfühlen und die Teilnehmer im Kurs am Ende strahlen, bin ich auch glücklich“, sagt Bettina Liepe. Neue Mitglieder und Unterstützer sind dem Kunstverein im Einnehmerhaus jederzeit willkommen.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Do und Sa 10 bis 17 Uhr, Fr und So 14 bis 17 Uhr
Tel.: 01525 – 2161414

http://www.kunstvereinfreital.de


Vorliebe für die Vielfalt an Drucktechniken: Bettina Liepe mit Arbeiten von Kursteilnehmern, einer eigenen, farbigen Grafik „Connected“ (Verbunden) und mit einer Kaltnadelradierung von ihrem Mann, mit Landschaft und blauem Mond.

Ausstellung „Der Duft der Kontraste“ von Anna Ameno & Matthias Baumgart in der Galerie mit Weitblick Radebeul

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Zusammenspiel von Farb- und Bewegungsfreude: Anna Ameno in ihrer Ausstellung „Der Duft der Kontraste“ in der Galerie mit Weitblick in Radebeul.
Vor der Ausstellungseröffnung gab es Tanz & Musik mit Saxofonklängen von Matthias Baumgart. Von ihm sind Skulpturen und Metallkunst zu sehen.

Farbreiches Zusammenspiel von Natur- und Körperformen

Betörende Malerei mit Blumen und Früchten trifft auf Metallkunst unbd Skulpturen in der Ausstellung „Der Duft der Kontraste“ von Anna Ameno und Matthias Baumgart in der Galerie mit Weitblick Radebeul.

Inmitten von zart rosa Magnolienblüten sitzt ein Rabe mit offenem Schnabel im Blütenrausch. Neben den Seerosen steht ein Saxofon auf einem Sockel. Musik und Malerei, Metallkunst und Skulpturen treffen leicht, beschwingt, in tänzerischen Posen aufeinander in der Ausstellung „Der Duft der Kontraste“ von Anna Ameno und Matthias Baumgart derzeit in der Galerie mit Weitblick, Obere Bergstraße 13, in Radebeul.
Zur Ausstellungseröffnung überraschten sie die Besucher außerdem mit Tanz in einer Mischung aus Pantomime und Ausdruckstanz bei sommerlichem Wetter im Hof vor der Galerie.

Anna Ameno bewegte sich in schwarz-weißem Pierrot-Kostüm mit Fächer und Gesichtsmaske zu den frei improvisierten Saxofonklängen von Matthias Baumgart. Staunend, grazil stieg sie aus dem  grasbewachsenen Brunnen heraus, die Arme tastend und ausbreitend wie Flügel. So fein, farbenfroh bewegt und nuancenreich wie ihre Körpersprache sind auch ihre Bilder. Im Kontrast von hell und dunkel leuchtende, opulent betörende Stillleben mit Blumen und Früchten umgarnen den Betrachter auf Leinwänden in Ölfarben und farbigen Aquarellen. Vor den Bildern stehen auf kleinen Tischen edle Metallschalen mit Äpfeln, Zitronen und Weintrauben und in der Raummitte ein Tablett mit metallglänzenden Kerzenleuchtern, geschaffen von Matthias Baumgart. Zwei bunte Papageien sitzen umgeben von Blattwerk. Eine afrikanische Frau trägt ein orangenes Tuch auf dem Kopf. Eine Taube aus Holz sitzt am Fenster auf einem Zweig. Die Friedenstauben fliegen nicht mehr, steht in weißer Schrift auf dem Sockel. Unter einem Bild mit zwei Mohnblüten und Knospen reckt sich eine zarte Frauenfigur aus Bronze, Tänzerin, die Hände auf ihren Körperrundungen, die Oberfläche halb aufgeplatzt und das Innere freilegend. Eine weibliche Figur aus Stein, die Körpermitte offen und die Arme um den Kopf geschmiegt, erhebt sich wie ein kraftvoller „Schrei“, so der Titel der Skulptur. Eine Paar-Figur in dunklen Holztönen wächst aus einem Stamm hervor.

Es ist die erste gemeinsame Ausstellung von Anna Ameno und Matthias Baumgart. Sie stammt aus Meißen, ist gelernte Porzellanmalerin, erhielt als Kind Tanzunterricht an der Palucca-Schule in Dresden, ist freiberuflich als Tänzerin und in Theaterprojekten tätig und beschäftigt sich seit 2019 wieder intensiv mit Malerei, besonders liebt sie Blumenmotive und Porträts. Matthias Baumgart wurde in Obernauendorf bei Freital geboren, besuchte dort die Musikschule und beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Malerei, Linolschnitt, Holz- und Sandsteinarbeiten. Später kam die Metallverarbeitung hinzu. Er ist gelernter Schlosser, Metallbauer und spielt als Saxophonist und Gitarrist in verschiedenen Bands.

Die Ausstellung ist noch bis 25. August zu sehen in der Galerie mit Weitblick. Dort gibt es außerdem ein Puppenspiel „Fräulein Rosenzeh“ für klein und groß am 28. April, 17 Uhr zu erleben mit der Schauspielerin Annette Richter mit fröhlich buntem Bühnenbild und Figuren von Annette von Bodecker und musikalisch begleitet am E-Piano von Christian Mögel.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa und So 14 bis 18 Uhr

http://www.doro-malerei.de


Farbenfroher BilderGenuss: Die Künstlerin und Galeristin Dorothee Kuhbandner arrangierte die opulenen Blumen- und Obststillleben in der Ausstellung und überreichte den Künstlern Blumen zur Ausstellungseröffnung.

Premiere „Mamma Medea“ von Tom Lanoye im Schauspielhaus Dresden


Eine Geschichte voller Licht und Schatten: den antiken Mythos um Medea, die liebende, zornige, aufbegehrende Frau, Mutter und Kindesmörderin holt die Inszenierung „Mamma Medea“ in einer Fassung von Tom Lanoye eindrucksvoll, berührend, beklemmend und bilderstark in die Gegenwart im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Ein Schritt über die Grenze befreit oder tötet

Vom Gefühl des Fremdseins und Umgang mit Fremden erzählt das Stück „Mamma Medea“ nach dem antiken Mythos von Euripides als bilderstarke, fern-morbide und zeitgenössische Tragödie mit grotesken Passagen unter Regie von Lilja Rupprecht im Schauspielhaus Dresden.

Eine Treppe, umrahmt von Säulen, führt nach oben ins Nichts. Unten stehen zwei Männer in weißen Gewändern und weiß geschminkten Gesichtern wie lebende Tote, geisterhaft, aus einer fernen Zeit und zitieren einen Text „Vor dem Schritt“ von Thomas Melle zur Einstimmung auf das Stück „Mamma Medea“ von Tom Lanoye. Es geht um Grenzen, außen und innen und das Gefühl der Fremdheit, vor sich selbst und anderen. Und Grenzen zu überschreiten, im Außen oder die in dir drin. „Unsichtbar, tödlich, da drüben, paar Meter… Vielleicht wird es ganz leicht. Es ist nur ein Schritt, eine Tat. Wird sie vielleicht deren Leben befreien oder es zerstören…“

Oben auf der Treppe, ins Licht der Scheinwerfer gerückt, steht Medea (stolz, schön und entschlossener Blick: Henriette Hölzel). Sie trägt ein graues Kleid aus Flicken, das Oberteil eng geschnürt und die roten Arme gebunden, die Hände mit Binden umwickelt und das Haar unter einem grauen Tuch verborgen. Unten steht Jason (trocken humorvoll: Matthias Reichwald), der charismatische Fremde, in schwarzer Jacke, breitschultrig, heldenhaft, tatendurstig und direkt, salopp bis poltrig im Ton, in Alltagssprache. Er rennt, reist um die Bühne im Eiltempo durch die Zeit. An seiner Seite Frontis und Melas, die Söhne von Medeas Schwester Chalkiope (sorgenvoll-gramgebeugt: Christine Hoppe), die mit Jason nach Kolchis zurückkehren, in ihre Heimat und um das Goldene Vlies zu holen für Zeus, den obersten Gott der Griechen. Dort trifft Jason auf Medea, beide fühlen sich voneinander angezogen, ein dunkler Rest Unsicherheit bleibt. Ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, denn in ihrer Heimat droht dem Fremden der Tod. Medea hilft Jason mit ihren Zauberkräften, stärkender Medizin aus Heilkräutern beim Bestehen der Prüfungen und beim Raub des Vlieses, wird dadurch zur Verräterin an Land und Familie, flieht mit ihm und heiratet ihn.

In seiner Heimat scheitert die erhoffte Thronbesteigung. Das Paar lebt mit seinen Kindern im Exil im griechischen Korinth. Medea wird selbst zur Fremden und soll ausgewiesen werden. Jason geht fremd und will ehrgeizig eine neue Existenz aufbauen und dazu eine Jüngere, Kreusa, die Tochter des Königs Kreon von Korinth heiraten. Medea fühlt sich betrogen und verraten, sie hat für Jason alles aufgegeben und weiß, mutterseelenallein, nicht wohin mit sich und ihren Kindern. Eine verhängnisvolle Liebesgeschichte, die Schatten und Not von Anfang an begleiten, die viel begehrt, fordert und verlangt vom anderen, das Feuer immer neu zu schüren sucht, sich wehrt, widersetzt und schutzlos dem anderen ausgeliefert, wütend, verletzt, blind auf Rache sinnt und grausam endet.

Der berühmte, antike Mythos um Medea, die liebende, zornige und aufbegehrende Frau, Mutter und Kindesmörderin aus Verzweiflung nach der Trennung ihres Mannes Jason kam nach Euripides` Drama Medea in einer zeitgenössischen Fassung von Tom Lanoye aus dem Flämischen von Rainer Kersten übersetzt als bilderstarke Tragödie mit ironisch grotesken Passagen unter Regie von Lilja Rupprecht auf die Bühne. Mitte Februar war die Premiere der Inszenierung im Großen Haus des Staatsschauspiel Dresden.

Die Gesichter von Medea und den anderen Figuren sind kalkweiß, wie bröckliger Putz, der Staub der Geschichte liegt auf ihnen. Ihre Lippen sind rot und blutverschmiert später ihre Hände. Im Stück geht es um den Umgang mit Fremden, den Kampf verschiedener Kulturen ebenso wie den Kampf der Geschlechter, zwischen Mann und Frau, immer noch aktuell und erschreckend brisant die Auseinandersetzungen bis in die heutige Zeit  angesichts der neuen, gerade vom EU-Parlament beschlossenen Gesetze, welche die Asylverfahren in Europa verschärfen und die Grenzen dichter machen sollen vor Flüchtlingen.

Bildermächtig, berührend, beklemmend, eindringlich und erschütternd in der Ausweglosigkeit des Konflikts und Unversöhnlichkeit der Beteiligten fesselt einen diese Inszenierung, stellt viele Fragen und lässt den Zuschauern viel Raum für eigene Deutung und Nachdenken.

Im zweiten Teil der Aufführung sind Medea und Jason als modernes Paar, allein, mit ihren Kindern und der Rivalin und gegenseitigen Schuldvorwürfen zu sehen. Kleidung, Kissen und Müllsäcke liegt bunt verstreut auf der Bühne wie Zwischenstationen von Flüchtenden. Eine Sirene tönt schrill. Medea trägt jetzt ein helles, schulterfreies Kleid, selbstbewusst und gibt nicht klein bei. Enttäuscht, verlassen und verletzt von ihrer großen Liebe bleiben ihr nur Klagen. Sie nennt ihn feige und einen Hampelmann, der die Karre in den Dreck fuhr. Sie sei hysterisch, kontert er. Die Leute kennen sie nicht, sie mache ihnen Angst! Behauptet Jason, in weißem Hemd mit hohem Kragen und schwarzer Hose. Er fühlt sich von ihr in die Enge gedrängt. Sie will ihm ihre Kinder nicht als Beute da lassen. Er beteuert, es werde ihnen an nichts fehlen in der Familie und mit ihrer neuen Mutter.

Ihre zwei Kinder tauchen vor ihnen auf, spielen auf der Treppe und ahnen nichts von der Gefahr. Auf einer Leinwand hinter ihnen sieht man Projektionen, ein Wirrwarr aus schwarzen Linien wie Gewitter, flackendes Licht und Flammen. Dazu stumpf hämmernde Schlagzeug-Klänge. Medea steht ungerührt da mit ihrem eigenen Schmerz und Wut als er vor ihr hilflos steht und weint. Erst als Jason so hilflos, schwach und verletzlich sich zeigt, wird das ganze Drama offensichtlich. Beide sind Opfer und Täter zugleich und haben jeder eine Verantwortung für das was passiert. Sie stehen sich gegenüber, im Halbdunkel erkennbar ihre Körperumrisse. Da sie keine Lösung finden, schreiten beide zu der unfassbaren Tat. Medea und Jason führen ihre Kinder hinaus und hinter der weißen Leinwand fallen Schüsse. Kein Schrei.

„Wo die Worte versagen, wo die Sätze entgleisen. Wo die Silben in alle Richtungen schießen. Geh jetzt, geh. Hinein ins Sperrgebiet deiner eigenen Fremde. Da vorne, tödlich, paar Meter, tief innen.“ Zitieren die zwei geisterhaften Gestalten vom Anfang den Schlussmonolog von Thomas Melle. Viel Beifall vom Premierenpublikum für eine Inszenierung, die unter die Haut geht und nicht so schnell loslässt mit ihren vielen offenen Fragen.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Nächste Termine: 11. und 30.4., 19.30 Uhr im Schauspielhaus Dresden.

Ausstellung „Kunstbrücke“ im Lügenmuseum Radebeul


Achtung Kunstbaustelle: Der rotweiß bemalte Stuhl steht nebst weiteren Installationen von Reinhard Zabka in der neuen Ausstellung „Kunstbrücke“ im Lügenmuseum Radebeul. In dem Projekt geht es um die Vernetzung von Künstlern und Kunstorten beidseits der Elbe.

Ein fantastischer Figurenkosmos

Gestalt- und zeichenreiche Arbeiten auf Papier von 21 Künstlern zeigt die Ausstellung „Kunstbrücke“, die Kunstorte beidseits der Elbe vernetzt, im Lügenmuseum Radebeul.

Bunte Fische, blaue Mondraketen und andere kuriose Flugapparate auf Rädern
und mit langen Antennen schwirren auf den Wänden und stehen startklar im Raum. Lustige Tier­- und Fabelwesen und Außerirdische strecken ihre Fühler aus und schauen neugierig auf die Erdenwelt. „Aliens Welcome“ steht in roten Buchstaben am Eingang zum Lügenmuseum in Radebeul, gleich daneben mit rot-weißem Absperrband bemalt eine Tafel mit der Aufschrift „Kunstbrücke“ auf der Staffelei. Die Aliens stammen noch von der letzten Ausstellung. Nun lockt ein neuer, fantastischer Figurenkosmos für die Besucher zum Staunen, Schmunzeln, Wundern und Träumen in der Ausstellung, die gestern am Freitagabend im Saal vom Lügenmuseum an der Kötzschenbrodaer Straße 39 eröffnete. Großformatige, farb- und zeichenreiche Natur- und Stadtlandschaften auf Papier hängen ungerahmt, frei im Raum. Alles was das Leben lebens- und liebenswert macht und was es am Blühen hindert, ist dort form- und gestaltreich versammelt.

Zu sehen sind Arbeiten von 21 Künstlerinnen und Künstlern, bekannten und neuen, umgeben von allerhand witzig-skurrilen, summenden, ratternden, blinkenden und bewegten Dingen im Auf und Ab des „Welttheaters“, zusammengetragen von Reinhard Zabka, dem Betreiber dieses besonderen Kunstmuseums und künstlerischen Leiter des Projekts „Kunstbrücke“. Vor zwei Jahren erhielt dieses einen Preis für die Vernetzung von Künstlern und links- und rechtselbischer Kunstorte im Rahmen der Kunstförderung im ländlichen Raum. „Solche Kunstorte sind wichtig für die kulturelle Versorgung, für das Produzieren und den Austausch der Künstler untereinander und die Erschließung neuer kreativer Potenziale und Mittel“, sagt Reinhard Zabka. Die Bilder entstanden im November 2022 bei Aktionstagen mit Performances in einem leerstehenden Ladengeschäft in Riesa mit anschließender Ausstellung. Jetzt werden sie noch einmal im Lügenmuseum als Sommerausstellung gezeigt. Gefördert wurde dieses Gemeinschaftsprojekt verschiedener Kunstorte von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Landkreis Meißen und der Großen Kreisstadt Radebeul. Da ragen rot signalfarben Installationen mit filigranen Figuren in die Höhe, stehen Kunstobjekte und Stühle ohne Sitzfläche rot-weiß bemalt wie eine Baustelle, Gefahrenzone oder schützenswertes Gut in der Ausstellung.

Da hängen die wildfarbigen Tüpfelbilder von Klaus Liebscher an der Wand. Neben luftig bewegten Linienschwüngen wie wehende Tücher und Papierseiten festgehalten von Franziska Kunath steht kunstvoll verwobene Kalligrafie und Wortpoesie in schwarzen Buchstaben von Silvio Colditz. Figürliches und Pflanzliches verbindet Anita Rempe in ihrer Arbeit. Eine dunkle Sternschnuppe und Raketen fallen aus dem Himmel auf eine dichtbesiedelte Landschaft mit weißem Riesenvogel, unter dem Panzer rollen in einer Zeichnung von Dorota Zabka. Vis-a-vis zu einer Ansicht der Radebeuler Weinhänge in erdbraunen, urwüchsigen Farbtönen von André Uhlig ist eine witzig-ironische Figurenlandschaft, die Worte „Wir“ und „Heimat“ umkreisend, von Holger John, Künstler und Galerist in Dresden, zu sehen. Da ragen Leitern über Spinnennetze und Fischgräten hinaus in die Welt, klaffen Löcher neben einer Flasche mit Hochprozentigem, schweben Geldscheine und Domino-Spielsteine und ein Peace-Zeichen bewehrt mit Nägeln und streckt eine schwarze Gestalt mit Geweih auf dem Hut und Flügeln am Mantel mehrere Arme, Pinsel und Farbpalette oder Münzteller, gleichzeitig aus.

Die Zeit ist wie lose Uhrzahnräder aus den Fugen und geht wandlungsreiche Wege wie in einer gewundenen Schneckenhaus-Treppe in einer symbolstarken Zeichnung von Lea Sadowski. Ein blauer Erdball mit dunkel galoppierendem Reiter und Hochspannungsmasten, aus dessen Mitte ein Pinsel mit gelber Farbe emporsteigt vor glühendem Hintergrund, schwebt auf einem Bild von Christopher Simpson aus dem Künstlerhaus Wehlen. Als nächstes plant Zabka ein „Freiluftatelier“ mit Künstlern auf dem Dorfanger von Serkowitz hinter dem Lügenmuseum anlässlich des 100-jährigen Stadtjubiläums von Radebeul im Mai. Leider wurde eine Förderung über das Programm „Demokratie leben“ vom Landkreis Meißen abgelehnt. „Was wir machen, ist ja gelebte Kultur und Demokratie und passt wohl nicht in ihre Schublade. Weil wir die Kommode sind“, sagt Reinhard Zabka mit dem ihm eigenen Humor. Um so wichtiger ist das Zusammengehen mit weiteren Kunstorten und Kreativität auch beim Erschließen von Finanzierungsmöglichkeiten.

Text + Fotos (lv)

Geröffnet: Sa und So, Ferien und Feiertage jeweils 13 bis 18 Uhr

http://www.luegenmuseum.de

Ausstellung „Landschaften, Frauen, Tod und TV“ von Hans Scheib im Einnehmerhaus Freital


Der „alte Spaßmacher“ als lachender Tod, umgeben von zarten und kraftvollen Frauenfiguren: Geschaffen hat sie der Bildhauer Hans Scheib.


Expressiv klangreiche Improvisationen gab es von Musiker Peter Koch am Cello zur Ausstellungseröffnung im Einnehmerhaus.

Ein lachender Tod und die Freuden des Lebens

Witzig-abgründig, sinnlich und unerschütterlich lebensbejahend sind die Figuren, Zeichnungen und Grafik in der Ausstellung „Landschaften, Frauen, Tod und TV“ von Hans Scheib derzeit im Einnehmerhaus Freital.

Mit weit aufgerissenen Augen, roter Nase im bleichen Schädel und weißen Knochenhänden auf dem Umhang, umflossen von blauen Kreisen und dunklen Kreuzen, steht die bemalte Holzskulptur des „alten Spaßmachers“ als lachender Tod mitten im Raum. Zu seiner Seite zwei Frauenfiguren. Eine mit blauem Haar, blasse Haut, filigran und mit versunkenem Blick und die andere aufrecht, selbstbewusst mit ihren Reizen umgehend, die rot betont sind auf dem von blättriger Farbe und Lebensspuren durchzogenen Körper. Zu sehen sind sie in der Ausstellung „Landschaften. Frauen. Tod und TV“ mit Figuren, Zeichnungen und Grafik von Hans Scheib, einem der renommiertesten Holzbildhauer in Deutschland. Eröffnet wurde die Schau am vergangenen Sonnabend mit viel Besucherresonanz im Einnehmerhaus Freital, Dresdner Straße 2.

Sein Einnehmer, ebenfalls ein grinsender Tod, steht schon länger gleich hinter dem Eingang im Einnehmerhaus und nimmt die Kunstliebhaber nicht nur monetär für sich ein. Aus farbig bemaltem Holz und mit fast etwas erschrockenem Blick erinnert er an die verfließende Lebenszeit und verkörpert die ganze Tragikomik des Seins. Der Tod kann sich selbst nicht entkommen. Nun kam der Künstler Hans Scheib selbst mit seinen Arbeiten hierher. “Wir freuen uns sehr über diese tolle Ausstellung und dass ein ganz großer Künstler in unserem kleinen Einnehmerhaus zu Besuch ist“, sagte Bettina Liepe, die Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus zur Ausstellungseröffnung. Die Ausstellung war schon vor einem Jahr geplant, doch es hat nicht geklappt auch aus gesundheitlichen Gründen. Das Gehen fiel Hans Scheib sichtlich schwer, gestützt auf einen Rollator und sprechen konnte er nicht aufgrund seiner Erkrankung. Begleitet von seiner Frau Anna Cumin freute er sich ebenso über das große Besucherinteresse, unten ihnen viele bekannte Künstler und Gleichgesinnte im Geist wie Ralf Kerbach, Peter Graf und Eckhart Kempin.

Die expressiv, klangreichen Improvisationen, abwechselnd helle, warme und dunkle, raue, knarrende und dissonante Klänge am Cello von Musiker Peter Koch aus Dresden stimmten wunderbar auf die Ausstellung ein. Diese versammelt Arbeiten von Hans Scheib aus dem Zeitraum von 1991 bis 2022, darunter kleine Bronze- und Steingussfiguren, Aktzeichnungen auf schwarzem Grund, Kaltnadelradierungen und Aquarelle, die in der Form und Darstellung konkret, offen und vieldeutig zugleich sind. Schönes und Erschütterndes, Reizvolles und Vergängliches, Lebenslust und Leid sind nah beieinander in Hans Scheibs lebensgroßen, großartigen Figuren und Zeichnungen von witzig-abgründig, sinnlich, keck, zart, verletzlich bis komisch-grotesk. Von Lust, Leidenschaft und Macht besessene Frauen, die anziehend und halb nackt da stehen.

„Er liebt Frauen und feiert das Weibliche in aller Form von klassisch antik, mädchenhaft modern bis expressiv und ob junge oder reife Frauen, bei ihm dürfen sie geheimnisvoll und rätselhaft wie eine Sphinx bleiben“, sagte die Laudatorin Clivia Bahrke über Scheibs Werke. Faszinierend in ihrer reduzierten, eigenwilligen Formsprache sind auch seine Aquarelle wie der kahle Pflaumenbaum, die stachlige Weide und die Ansichten norwegischer Landschaft mit Bergen, Meer und Inseln von weißem Papier umflossen, luftig, leicht und weit in Grün-, Blau­- und Violettönen. Außerdem zeigt Scheib ironische Kaltnadelradierungen von Politikern, einzeln und mehrere, im Amt und privat. Wie „E.H. in B.“ mit zerfurchtem Gesicht. Helmut Kohl kraftstrotzend. Fäuste ballende „Partner“ und ein vieldeutiger Fingerzeig von Angela Merkel. Franziskus und Donald, machtvoll und demütig der Kirchenmann. Und stolzgeschwellt dirigierende Gesten im Blatt „Wir sind Papst“ von 2011.

Hans Scheib ist ein Meister der Bildhauerei und Grafik, seine Werke sind ernsthaft bis spöttisch und unerschütterlich lebensbejahend trotz aller Kümmernisse und Schatten. Er wurde 1949 in Potsdam geboren, wuchs in Ostberlin auf und studierte nach einer Schriftsetzer-Lehre dann Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste bei Walter Arnold von 1971 bis 1976. Seitdem arbeitet Scheib als freischaffender Künstler in Berlin Prenzlauer Berg bis zu seiner Ausreise mit seiner Frau und zwei Töchtern 1985 nach Westberlin, um der Enge des staatlichen Kulturbetriebs zu entkommen. Seit 1978 sind seine Werke auf deutschen und internationalen Ausstellungen zu sehen. 1995 bekam Hans Scheib den Kunstförderpreis der Akademie der Künste Berlin. „Das Besondere an seinen Figuren ist, dass sie zeitgemäß mit ihrer Expressivität sind, obwohl ihre körperliche Anatomie inmer noch erkennbar ist und dass er sie in Farbe kleidet“, sagt der Maler und Grafiker Eckhart Kempin, der Scheib von der Kunsthochschule in Dresden kennt und inzwischen 83-jährig immer noch voller Schaffensfreude ist. Die Ausstellung von Hans Scheib ist noch bis 22. Juni im Einnehmerhaus Freital zu sehen. Dort ist auch ein umfangreicher Werkkatalog „Kalte Nadel“ von ihm mit Vorzugsgrafik erhältlich.

Text + Fotos (lv)
Weitere Fotos zur Ausst. folgen.

Geöffnet: Do + Sa 10 bis 17 Uhr, Fr + So 14 bis 17 Uhr


Bittender, flehender, fast ängstlicher Blick: der Einnehmer von Hans Scheib steht schon länger gleich hinter dem Eingang im Einnehmerhaus Freital, erinnert die Besucher an die verfließende Lebenszeit und daran, die schönen Dinge nicht zu vergessen.

Neuer Galerieraum & Schaumalen bei Kunst & Eros


Noch mehr sinnenfrohe Kunst: Galeristin Janett Noack im neuen Galerieraum gegenüber dem jetzigen in der Kunsthandwerker-Passage, Hauptstraße 15, in Dresden.

Sinnenfrohe Kunst bei den Kunsthandwerker-Tagen

Noch mehr sinnenfrohe Kunst in die Kunsthandwerker-Passage! Unter diesem Motto eröffnete zu Jahresbeginn ein zusätzlicher Ausstellungsraum der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden.

Durch die großen Schaufenster gegenüber der Galerie kann man einen Blick
auf neue Malerei, Grafik und Plastiken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler vorwiegend aus der Region werfen. Darunter großformatige, farbintensive figürliche Arbeiten, Frauen und Paare, von Juan Miguel Restrepo, Gudrun Trendafilov, Rita Geißler, Anita Voigt, Steffen Fischer und Leo Lessig. Wände und Mobiliar strahlen porzellanweiß, Bilderrahmen und Fußboden in hellen Holztönen. Dort werden demnächst in einer kleinen Kabinettausstellung feine, meisterhafte Zeichnungen des Künstlers Maximilian Hagstotz aus der Porzellanmanufaktur Meißen zu sehen sein. Im Sommersalon zeigt die Galerie Kunst & Eros neue Werke von renommierten- und gefragten Nachwuchskünstlern. Mit dabei sind Konstanze Feindt-Eißner, Viktoria Graf, Nadine Wölk und Olaf Stoy und viele weitere Künstlerarbeiten liegen in Mappen aus.

„Sehr gefragt sind derzeit die sehr akribischen Kugelschreiberzeichnungen der jungen Künstlerin Nadine Wölk, die einen Nerv der Zeit trifft, in dem sie Momente und Alltagssujets auf der Straße aufgreift und ihre Sicht auf die Erotik zeigt. Eine Frau, die lasziv eine Zigarette raucht auf der Brühlschen Terrasse oder selbstversunken im Wasser treibend“, sagt die Galeristin Janett Noack. „Jeder Künstler wird zum Sommersalon wie letztes Jahr wieder ein Gedicht vortragen, das sie besonders inspiriert hat.“ Eröffnet wird die Gruppenaussstellung am 24. Mai, 19.30 Uhr mit einem Sommerkonzert des „Rio Mar Tango Trio“. Außerdem lädt sie zusammen mit einer Tanzschule zum Tango tanzen im Innenhof vor der Galerie ein, um die Kunsthandwerkerpassage im Sommer mehr zu beleben.

„Jeder kann mitmachen, Anfänger ebenso wie Paare, die schon länger tanzen“, so Janett Noack. Die Galerie Kunst & Eros feiert dieses Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Die Galeristin hält es mit dem Spruch von Yoko Ono: „Make Love not war!“ (Macht Liebe, kein Krieg!). “Ich bin sehr glücklich, das Thema Kunst und Eros als Schwerpunkt der Galerie gewählt zu haben, was anfangs mutig war, da es einige Berührungsängste gab“, sagt die gelernte Porzellanmalerin. Doch sie will „niemanden schockieren. Es geht um die Anziehung zwischen zwei Menschen auf Kunstebene, auch die Sehnsucht des Künstlers oder Kunstsammlers und die Arbeiten setzen sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander bis zum körperlichen Akt“, sagt Janett Noack. „Ich bevorzuge das vis-a-vis und das Miteinander statt der Bilderflut im Internet.“ Sie sieht derzeit einen „Zeitenwandel. Es passiert viel. Man lernt viele verschiedene Besucher und Künstler kennen durch die Ausstellungen und gleitet auch immer wieder in verschiedene Zeiten“, schätzt die Galeristin an ihrer Arbeit. Vom Touristen, der eine kleine Grafik erwirbt bis zum Sammler, der Nachhaltigkeit in der Kunst sucht und viel Geld ausgibt für ein Gemälde sei alles dabei. Zu den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks, bei denen vom 4. bis  6. April Künstler und Designer in ihre Werkstätten und Ateliers einladen, ist auch Janett Noack dabei. Am kommenden Sonnabend (6. April) von 11 bis 18 Uhr zeigt sie vor den Augen der Besucher das jahrhundertealte Handwerk der Porzellanmalerei in ihrem Atelier in der Galerie Kunst & Eros.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos unter http://www.Kunsthandwerkstage.de

Öffnungszeiten der Galerie:  Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr


Zeit für Muße & Kunstgenuss: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry im neuen Galerieraum bei Kunst & Eros.


Zurzeit sind noch vielfältige Malerei, Grafik und Plastik in der Gruppenaussstellung „Frühjahrssalon“ in der Galerie von Janett Noack zu sehen und erwerben.

Europäische Tage des Kunsthandwerks: Schaumalen mit der Porzellanmalerin Janett Noack in der Galerie Kunst & Eros

Schaumalen

Samstag, 6. April 2024 von 11 bis 18 Uhr

Die Galeristin und Porzellankünstlerin Janett Noack wird die Besucher an diesem Tag in die Welt eines jahrhundertealten Traditionshandwerks, das der Porzellanmalerei einführen und ihnen die Möglichkeit geben, ihr beim Bemalen des Porzellans über die Schulter zu schauen.

Zudem kann die aktuelle Ausstellung »FRÜHJAHRESSALON« in der Galerie besichtigt werden. Die traditionelle Gruppenausstellung zeigt Malerei, Grafik, und Kleinplastik sächsischer Künstlerinnen und Künstler.

Schauen Sie vorbei! 

Text + Foto: Janett Noack & Team

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 802478



WWW.kunsthandwerkstage.de

Der „Freundeskreis Museum Aktfotokunst Dresden“ e.V. belebt den Kunstkeller neu


Aktfotokunst heute in aller Vielfalt: Damit das auch künftig so bleibt, unterstützt ein Freundeskreis um die Vorsitzende Solvig Frey seit Mai 2023 den langjährigen Inhaber und Fotokünstler Volkmar Fritzsche (82) im Museum „aktfotoart“ im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15.

Reizvolle Körperblicke und mehr Sichtbarkeit

Die derzeitige Jahresausstellung „Aktfotokunst heute“ zeigt Arbeiten von zwölf FotokünstlerInnen aus Deutschland und den Niederlanden im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15 in Dresden. Dort gibt es eine öffentliche Gesprächsrunde mit der Dresdner Fotografin Anna Försterling (Aufnahmen von ihr siehe oben) zum Thema: „Körperformen und Vielfalt“ am 12. April, 19 Uhr.

Eine Frau sitzt nackt auf einem Stuhl, ein Bein angewinkelt. Weiter hinten steht ein Mann angezogen, er hält eine weiße Gesichtsmaske vor seiner Körpermitte. Ein anderes Foto zeigt eine Frau, die halb in einem Bilderrahmen steht. Es sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Dresdner Fotografen Matthias Naumann, der erstmals im Kunstkeller ausstellt.

Wer sind wir und wie viel von uns selbst dürfen andere sehen? Davon erzählen die Bilder in der derzeitigen Jahresausstellung „Aktfotokunst heute“, die Arbeiten von zwölf Fotokünstlerinnen und Fotokünstlern vereint im Museum „aktfotoart“ im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15 in Dresden.

Erfreulich vielfältige Blicke, Handschriften und neue fotografische Möglichkeiten der Darstellung in der Akt- und Körperfotografie sind das Besondere im Museum „aktfotoart“, dem einzigen für zeitgenössische Aktfotografie in Deutschland. Der im Mai letzten Jahres gegründete „Freundeskreis Museum Aktfotokunst Dresden“ e.V. ist inzwischen auf 15 Mitglieder angewachsen, unter ihnen Fotografen, Künstler, Modelle und Interessierte. Sie stehen dem Inhaber und Fotokünstler Volkmar Fritzsche (82), der Ehrenmitglied im Freundeskreis ist, zur Seite. Seit 1996 betreibt er den Kunstkeller mit wechselnden Ausstellungen und Veranstaltungen. „Wir möchten das Museum aktfotoart unterstützen in der Außenwirkung, der Öffentlichkeitsarbeit, im Erhalt des Kunstkellers und die zeitgenössische Aktfotografie fördern“, sagt Solvig Frey (57), die Vorsitzende des Freundeskreises. 2005 war sie das erste Mal im Kunstkeller und begeistert, „dass dort ein Ort für Aktfotokunst entstand, der belebt war und viel Zuspruch bei den Besuchern fand.“

Solvig Frey begann mit literarisch-musikalischen Programmen, mit eigenen und fremden Texten und Performances mit verschiedenen Künstlern auf der Kleinkunstbühne im Kunstkeller. Zu ihrem Programm „Das Halbrund der Apfelsine“ war sie auch als Aktmodell zu sehen und inzwischen zeigt sie eigene fotografische Arbeiten wie aus ihrem derzeitigen Projekt „Nackte Kunstbetrachtung“ im Kunstkeller. Der Freundeskreis will das Museum „aktfotoart“ künftig mehr in den Fokus der Dresdner Fotografielandschaft rücken. Angestrebt werde eine Kooperation mit anderen Vereinen, die sich mit dem Medium Fotografie beschäftigen, so Frey. Demnächst soll es auch eine eigene Webseite vom Freundeskreis geben, auf der die Angebote für Gesprächsrunden und Workshops stehen werden. Im Januar fand die erste Veranstaltung noch vereinsintern zum Thema „Akt und Identität“ mit dem Fotografen Georg Knobloch statt.

Die zweite Gesprächsrunde am 12. April, 19 Uhr im Kunstkeller ist öffentlich (mit Anmeldung! Eintritt frei. Spenden willkommen) zum Thema „Körperformen und Vielfalt“ mit der Fotografin Anna Försterling, die ebenfalls aus Dresden kommt. Von ihr hängen auch Bilder in der derzeitigen Ausstellung.

Es geht darum, wie zeige ich Körper, ohne sie zu sexualisieren und wie gehe ich mit Körpermerkmalen um?“, so Solvig Frey, Das Museum „aktfotoart“ hingegen will seine Sichtbarkeit steigern und nutzt dafür soziale Netzwerke ebenso wie das überall ausliegende Veranstaltungsheft für moderne Kunst „Dresden Contemporary Art“. „Wer einmal hier war, ist hochgradig angetan von jung bis alt. Aber es erfährt kaum einer davon“, bedauert Volkmar Fritzsche. „Daher freue ich mich über den Verein und die Ideen, die er einbringt. Es wird ein weicher Übergang in etwas Neues.“ Künftig wirkt der Freundeskreis außerdem als Kuratorteam bei den Ausstellungen mit und wählt mit ihm zusammen die Bilder aus. Nach der Sommerpause vom 1. bis 24. Juli eröffnet die nächste Ausstellung mit zeitgenössischer Aktfotografie am 21. September im Kunstkeller Dresden.

Text + Fotos (lv)

http://www.kunstkeller-dresden.de

Neuer Besucherrekord auf der Leipziger Buchmesse 2024: „Ungebrochene Begeisterung für Literatur“

EIN FEST DES FREIEN WORTES – 283.000 BESUCHER:INNEN FEIERN LITERATUR AUF DER LEIPZIGER BUCHMESSE

Vier Tage lang lebte ganz Leipzig das Lesen: Mit 2.800 Veranstaltungen sorgten die 3.400 Mitwirkenden der Leipziger Buchmesse, der Manga-Comic-Con und des Lesefests Leipzig liest an mehr als 300 Orten für eine Blütenpracht voller Neuerscheinungen, Lesungen, Diskussionsrunden und Workshops. Zu dieser Programmvielfalt haben mehr als 2.085 Aussteller aus 40 Ländern (2023: 2.082 Aussteller aus 40 Ländern) beigetragen. Aber auch die 283.000 Besucher:innen (2023: 274.000 Besucher:innen), die aus ganz Deutschland und der Welt in die Kulturstadt gekommen sind – unter ihnen höchste politische Prominenz aus Deutschland und dem Gastland Niederlande & Flandern – zeigen mit ihrem großen Interesse an der Leipziger Buchmesse, welchen Stellenwert Literatur in all ihren vielfältigen Formen hat.

„Auch 2024 hat die Leipziger Buchmesse gezeigt, wie stark die Kraft des freien Wortes ist, die es gerade in schwierigen Zeiten wie diesen braucht. Europas größtes Lesefest bot einmal mehr eine wunderbare Plattform für wichtige Diskurse, anregenden Meinungsaustausch und erstklassige Unterhaltung – ob auf dem Messegelände oder den vielen Veranstaltungen in der ganzen Stadt“, so Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe.

„Die Leipziger Buchmesse hat sich erneut als ein Ort der Lese- und Demokratiebegeisterung gezeigt“, sagt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Die letzten Tage haben bewiesen, wie vielfältig, lebendig und politisch die Welt des Buches ist. Im offenen Austausch diskutierten Besucher:innen aktuelle gesellschaftliche Fragen und Branchenthemen. Die hohen Besuchszahlen sind der schönste Beweis dafür, dass das Buch nach wie vor ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft ist“, sagt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

„Ich bin hochzufrieden über den großen Zuspruch, den wir hier in den vergangenen Tagen erlebt haben. Das zeigt nicht nur, wie ungebrochen die Begeisterung für Literatur ist, sondern verdeutlicht auch den Wunsch der Menschen, sich auszutauschen und neue Sichtweisen zu entdecken. Hier bekräftigt die Leipziger Buchmesse, dass sie eine starke Plattform für vielfältige Meinungen und Impulse ist. Die Verknüpfung von gesellschaftlichen Themen und der Lust am Lesen schlägt sich auch in einem deutlichen Zuwachs an Besucher:innen und deren Zufriedenheit nieder,“ so Astrid Böhmisch, Direktorin der Leipziger Buchmesse.

 

Den hohen Stellenwert der Leipziger Buchmesse unterstrichen die Besuche zahlreicher hochrangiger Politiker:innen. Zu Gast waren Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, der Ministerpräsident Flanderns Jan Jambon, die Ministerpräsidenten Sachsens und Sachsen-Anhalts Michael Kretschmer und Reiner Haseloff sowie weitere Minister:innen aus Bund und Ländern.

 

Start der Kampagne #DemokratieWählenJetzt
Angesichts zunehmender Angriffe auf demokratische Grundwerte und im Hinblick auf die Wahlen in diesem Jahr, haben der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Leipziger Buchmesse die Initiative #DemokratieWählenJetzt gestartet. Bereits bei der Eröffnung der Buchmesse im Gewandhaus zu Leipzig am 20. März hielten alle Gäste ein Schild mit dem Aufruf in die Kamera. Besucher:innen der Buchmesse konnten sich vor den Fotowänden fotografieren oder filmen und ihr Statement unter dem Hashtag #DemokratieWählenJetzt in den sozialen Netzwerken posten.

 

Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung
Während der Eröffnung wurde auch der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgezeichnet. Er erhielt den Preis für sein Buch „Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität“. Die Laudatio sprach die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz.

 

„Alles außer flach“ – Gastland Niederlande & Flandern
Den Wert der Demokratie sowie die besondere Verbundenheit zwischen Deutschland, den Niederlanden und Flandern, betonte auch Mark Rutte, der Ministerpräsident der Niederlande, im Rahmen der Eröffnung der Buchmesse: „Für uns ist Deutschland das Land der Dichter, Denker und Komponisten. Ein Land, mit dem wir seit Jahrhunderten enge Beziehungen führen. Gemeinsam müssen wir die europäischen Werte verteidigen, denn Europa ist deswegen so erfolgreich, weil es so offen ist. Wenn wir diese Offenheit verlieren, ist das das Ende, davon bin ich überzeugt.“ Dass ihr Motto Programm ist, haben die Niederlande & Flandern nicht nur an allen Tagen der Buchmesse, sondern auch im Vorfeld bewiesen. Mit ihrer neuen Generation an Autor:innen und Illustrator:innen sowie zahlreichen spannenden Veranstaltungen am Gastlandstand und in Leipzig hinterlassen die beiden Länder einen bleibenden einladenden Eindruck. „Gekommen, um zu bleiben“, könnte auch ein weiteres Motto lauten. Denn die literarischen Projekte, die das Gastland anlässlich der Buchmesse auf die Beine gestellt hat, sollen weitergeführt werden und zu jahrelangen Kooperationen über die Landesgrenzen hinaus führen.

 

Einen Vorgeschmack auf seinen Gastlandauftritt 2025 vermittelte Norwegen unter dem Motto „Traum im Frühling“. Am Donnerstag eröffnete Laila Stenseng, die Botschafterin der Königlichen Norwegischen Botschaft in Berlin, den Stand des zweitgrößten nordischen Landes, der während der folgenden Tage zahlreichen Lesungen norwegischer Autor:innen eine Bühne bot.

 

In und für Europa: ein Lesefest, das seines Gleichen sucht
2.800 Veranstaltungen in 5 Tagen, das kann ein einzelner Mensch gar nicht schaffen – 3.400 gemeinsam aber schon. Autor:innen, Übersetzer:innen, Vertreter:innen der Verlage und des Buchhandels, Expert:innen, Moderator:innen und viele mehr – sie alle haben Leipzig liest auch 2024 wieder zum größten Lesefest Europas gemacht. Und wie sehr solch ein Programm beim Publikum ankommt und nachgefragt wird, haben die 283.000 Besucher:innen von nah und fern eindeutig bestätigt.

 

Preis der Leipziger Buchmesse 2024: Ki-Hyang Lee, Tom Holert und Barbi Marković
Für die 20. Jubiläumsausgabe des Preises der Leipziger Buchmesse wurden 486 Buchtitel eingereicht und 15 nominiert. Die drei begehrten Auszeichnungen mit Nachhause nehmen konnten schließlich Ki-Hyang Lee für ihre Übersetzung von Bora Chungs Erzählband „Der Fluch des Hasen“, Tom Holert für sein Sachbuch „ca. 1972” und Barbi Marković für ihren Roman „Minihorror“.

 

Der wichtigste Community-Treffpunkt Deutschlands feiert Geburtstag: 10 Jahre Manga-Comic-Con
Ein weiteres Jubiläum feierte auch die Convention, auf der sich bekanntermaßen die buntesten Blüten des Leipziger Literaturfrühlings öffnen: die Manga-Comic-Con. 2024 wurde sie zum 10. Mal veranstaltet und mit einer eigenen Ausstellung gewürdigt. Sie zeigt die Höhepunkte der vergangenen Conventions und persönliche Fotos und Anekdoten, die Manga-, Anime- und Comic-Fans im Vorfeld eingesandt haben. Für große Begeisterung sorgten dieses Jahr vor allem die japanischen Ehrengäste wie Gou Tanabe, Satoru Nii und sora. Aber auch für zahlreiche andere internationale Stars wie RJ Baker und Flavia Scuderi stellten sich die Fans gerne während der Signierstunden in die Schlange.

 

Nicht mehr wegzudenken: #buchbar, UVERSE und das Forum Offene Gesellschaft
Nach ihrer Einführung 2023 haben die neuen Formate der Leipziger Buchmesse in den vergangenen Tagen eindrucksvoll bewiesen, dass auch für sie das Motto „Gekommen, um zu bleiben“ gilt: Die #buchbar war stets gut gefüllt mit interessierten Leser:innen, die „ihren“ Autor:innen bei einem Kaffee endlich einmal ganz nahekommen konnten.
Auf dem Jugendcampus UVERSE, der Kreativwerkstatt der Leipziger Buchmesse, herrschte ebenfalls großer Betrieb. Zahlreiche junge Besucher:innen nahmen an den vielfältigen Mitmach-Angeboten im Sinne des Prinzips „Erfahren, Denken, Machen, Verstehen, Wissen“ teil. 18-Jährige konnten auch den Kulturpass der Staatsministerin für Kultur und Medien nutzen, um das Budget für ihren Eintritt auf die Buchmesse und den Kauf von Büchern bei Hugendubel einzusetzen.
Demokratie und Rechtsruck, Krisen und Kriege, Faktencheck und Fake News, Meinungsfreiheit und Menschenrechte – das Forum Offene Gesellschaft bot erneut eine große Bühne für Podiumsdiskussionen mit Expert:innen zu den wichtigen Themen unserer Zeit.

 

Fand viel Gehör: die Poesie der Unzugehörigkeit des Literaturnetzwerks TRADUKI
Für Offenheit und die Stimmen derer, die andernorts nicht gehört werden, setzte auch TRADUKI mit seinem Programm „Poesie der Unzugehörigkeit“ ein starkes Zeichen. Unter den mehr als 40 Autor:innen aus mehr als zehn Ländern trafen die Besucher:innen auf zahlreiche bekannte und auch viele neue Gesichter. In der TRADUKI Kafana und im Café Europa konnte das Publikum erleben, welche kulturelle Vielfalt Südosteuropa bietet. Auch die beliebte Balkannacht im UT Connewitz bot erneut beste Gelegenheit, Literatur und Musik gemeinsam zu feiern – mit dabei auch die frisch gebackene Buchpreisträgerin Barbi Markovićs, die aus ihrem Buch „Minihorror“ las.

 

Ukrainische Geschichten von Widerstand und Identität
Nach wir vor kämpft die Ukraine für ihre Freiheit und ihre Kultur – und muss dabei enorme menschliche Verluste hinnehmen. Die traumatischen Veränderungsprozesse, die sie dabei durchläuft, standen im Zentrum vieler Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse. Mit seinem Besuch der Ukraine-Bühne am Donnerstag zollte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diesem Land, das um sein Überleben kämpft, besonderen Respekt.

 

Wichtige Orientierung für die Branche: das Fachprogramm 2024
Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Social Media standen im Fokus des diesjährigen Fachprogramms. Als Ort der Orientierung und des Austauschs für die Branche hat die Leipziger Buchmesse auch in diesem Frühjahr ihre wichtige Rolle erfüllt. Bei den Preisverleihungen und im Rahmen der vielen Fachveranstaltungen nutzten zahlreiche Autor:innen, Übersetzer:innen, Vertreter:innen der Verlage und des Buchhandels die Gelegenheit, miteinander zu sprechen und sich fortzubilden.

 

Eine der größten Bildungsmessen Deutschlands
Den zweitgrößten Ausstellungsbereich auf der Leipziger Buchmesse bilden nach wie vor die Angebote von Verlagen, Institutionen, Unternehmen und Initiativen rund um Bildung, Schule und Kita. Ob beim GEW-Bildungstag auf der Buchmesse, dem 6. Fachtag Musikunterricht oder dem Didacta-Symposium – zahlreiche Pädagog:innen nutzten die vielfältigen Anregungen von FOKUS BILDUNG für ihre Unterrichtspraxis und nahmen Lösungsansätze mit nachhause mit.

Text: Felix Wisotzki, Pressesprecher Leipziger Buchmesse