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Neuer Besucherrekord bei der Leipziger Buchmesse
20 Sonntag Mär 2016
Posted in Literatur
20 Sonntag Mär 2016
Posted in Literatur
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18 Freitag Mär 2016
Anfangs verlief ich mich immer wieder in den großen Hallen. Und vieles lief an mir vorbei. Bücher gab es massenweise und Autorenlesungen am laufenden Band. Man sah sie kaum. Ich eilte hin und her, von einer Leseinsel zur nächsten. Meist waren sie schon belagert von Schaulustigen, Zuhör- und Fragehungrigen. „Und wo lesen Sie am liebsten?“, schwang als Frage weithin sichtbar auf Stoffbändern in der gläsernen Kuppelhalle. Überall, lautet meine Antwort. Andere schlüpfen gern in die Rollen ihrer Lieblingsfiguren. Scharenweise wunderliche Gestalten aus der Manga- und Comicwelt, die ihre eigene Messe feierten, schlenderten umher am Eröffnungstag des Bücherfestes und fotografierten sich gegenseitig.
Bücher fangen mit den Lesern an zu leben.
Doch wer soll all die vielen Bücher jemals lesen? Die immer neuen und die älteren mit Gebrauchsspuren, die in heillosem Durcheinander in die Regale gestopft auf der zeitgleich stattfindenden Antiquariatsmesse auf ein neues Leseleben warten? Wer hat schon die Zeit oder nimmt sie sich. Voll bepackt mit einem Stapel Bücher unter dem Arm kehrte eine junge Frau von den Regalen zurück. „Ich muss mich entscheiden!“, sagte sie und breitete die Bände auf dem Boden aus. Sie zählte ihr Geld. Zwanzig Euro. Die Bücher die mit durften, legte sie auf eine Seite und die anderen beiseite. Diese Auslese blieb mir glücklicherweise erspart. Ich fand nichts trotz der Bücherfülle! Nach langem Suchen entdeckte ich endlich einen Gedichtband, doch den von Ingeborg Bachmann hab ich bereits und Rilke und Hesse auch. Eine Biographie über Thomas Bernhard gab es leider nur auf englisch und nach seinem Buch „Auslöschung“ war mir gerade nicht zumute. Ein Buch wollte aber unbedingt zu mir: „Närrisches Prag“ von Lenka Reinerová vom Aufbau-Verlag, aus dem Jahr 2005 und sehr gut erhalten für sechs Euro. Da will ich schon lange mal wieder hin und innen lag auch noch ein Schmusetiger-Lesezeichen und noch besser, ein Zeitungsartikel über Egon Erwin Kisch, den rasenden Reporter. Dann nichts wie hin sobald das Buch gelesen ist!
Ich ließ mich weiter treiben im Strom der literarischen und anderen Neuheiten wie Hirameki, farbigen Tuschflecken auf Papier, die man bekritzeln kann, Strich für Strich in Zeichensprache, mit dem, was man in ihnen sieht bis eine Figur zum Vorschein kommt. Der Kreativ-Bestseller von den Künstlern Peng &Hu ist bei Kunstmann erschienen. Ich sammelte ein was mir begegnete an Anregungen, verteilte meine wortgarten-Flyer auf Verlags- und Imbisstischen und in der Blogger-Lounge, die am ersten Messetag nachmittags noch fast leer war. Fast zum Schluss landete ich doch noch in einer Lesung, geschafft und glücklich. Eine Frau und ein Mann lasen auf der Leseinsel „Junge Verlage“ jeweils vier Gedichte. Kerstin Becker aus ihrem neuen Gedichtband „Biestmilch“, in dem sie mit unbändiger, rauer und zärtlicher Wortkraft und Tiefe auf Orte der Kindheit blickt. Dominik Dombrowski las Verse aus seinem neuen Band „Fermaten“, die metapherreich und voll geheimnisvoller Sprachschönheit eine ganze Lebenszeit an einem einzigen Tag vergegenwärtigen. Erschienen sind beide Bücher bei der Edition Azur in Dresden.
Als ich mit voller Tüte mit den Verlagsprogrammen und Bücherempfehlungen für Frühjahr und Sommer innerlich aufblühend nachhause kam, las ich wenig später im Internet von einem schlimmen Unfall an diesem Tag. Es geschah ganz in meiner Nähe. Kurz bevor ich losfuhr zur Buchmesse nach Leipzig, betrat eine Frau, 51 Jahre, die Bahngleise und wurde von einem Zug überfahren. Es sei Suizid gewesen, den polizeilichen Ermittlungen zufolge. Die Strecke zwischen Pieschen und Bahnhof Neustadt war stundenlang gesperrt. Da unser Zug schon weg war, fuhren wir auf anderem Weg über Hauptbahnhof nach Leipzig. Die Sonne strahlte wie lange nicht, blauer wolkenloser Himmel. Was trieb die Frau zu dieser Tat, dass kein Lichtstrahl mehr sie davon abhielt?
Hätte ein Buch sie retten können? Überlege ich mit Blick auf meine volle Büchertipp-Tüte. Können Bücher Leben retten? Den Leser dazu bringen, etwas zu tun oder nicht zu tun. Ist das zu viel verlangt? Oder glaubte und traute sie den Worten, den Menschen und dem Leben nicht mehr? Der Gedanke macht mich traurig, dass es für sie nichts als unnützes, trostloses, totes Papier war. Während ich diese Zeilen schreibe, wird es draußen schon wieder hell, singen die ersten Vögel und fahren die ersten Autos vorbei. Die Bücherkataloge liegen griffbereit auf dem Küchentisch.
Später lese ich: An den ersten beiden Buchmesse-Tagen kamen laut Veranstalter bereits 75 000 Besucher (2015: 71 000) und präsentieren über 2 250 Aussteller ihre Angebote. Noch bis Sonntag.
Macht was draus.
Bis zum nächsten Mal!
Eure Lara Finesse
15 Dienstag Mär 2016
Posted in In eigener Sache
Worte geben Träumen Wurzeln um von ihnen zu erzählen (Lilli Vostry)
* Texte für Leute mit Ideen, über Projekte und Veranstaltungen
* KünstlerPorträts, Katalogtexte, Reden zu Vernissagen
* Presse- und PR-Texte – auch auf diesem Blog
* Ghostwriting/Lebensgeschichten festhalten
Bei Interesse wenden Sie sich gern an mich (Preise auf Anfrage)
15 Dienstag Mär 2016
Posted in Musik
Die Dresdner Retro-Combo The Deadlines lädt erneut zum schwungvollen Tanz im Stil der 1960er-Jahre. Im Neustädter Retro-Lokal Bautzner Tor pflückt das Quartett einen bunten Blumenstrauß aus den Ohrwürmern unserer Großeltern sowie aus eigenem Liedgut. Der Eintritt in den Mai ist natürlich frei!
Was: Tanz in den Mai mit den Deadlines
Wann: 30. April, 21 Uhr (Einlass 19 Uhr)
Wo: Bautzner Tor, Dresden
Wieviel: Eintritt frei
Früher war auch nicht alles besser. Nur die Musik!Was waren das für Zeiten, als die Schmalztollen im Rock’n’Roll-Rhythmus zuckten und Surf-Gitarren sich ans Wellenreiten machten, als die Hüften kreisten und der Twist in die Füße fuhr wie nix Gutes.
Diesen Zeiten und ihrem Sound sind die vier Dresdner von The Deadlines auf der Spur. Tagsüber arbeiten sie als Kulturredakteure bei der Sächsischen Zeitung, in ihrer Freizeit frönen sie mit Leidenschaft der Musik.
Ohne Schmalz, aber mit Schmackes knöpfen sie sich den Rock’n’Roll vor von “King” Elvis, Glenn Glenn und Ricky Nelson. Ohne Rettungsweste gehen sie ab auf den Surfbrettern der Beach Boys, der Ventures und der Ostberliner Sputniks. Ohne Hemmungen stoßen sie vor in die Gefilde des Sixties-Beat zur Spencer Davis Group, den Beatles und den Shadows. Und ohne Scham knallen sie auch eigene Songs dazwischen.
Fernab von Folklore und Verkleidung, allein mit ihren Stimmen und Gitarren, lassen Iris Hellmann und Tom Vörös die 50er- und 60er-Jahre wieder lebendig werden. Oliver Reinhard am Bass und Marcus Krämer am Schlagzeug geben den Beat dazu. Da ist alles echt. Und so wird der Name im Handumdrehen Programm: Tanzen bis zur Deadline!
Iris Hellmann (Gesang/Gitarre)
Tom Vörös (Gitarre/Gesang)
Oliver Reinhard (Bass)
Marcus Krämer (Schlagzeug)
Text, Foto und Video: The Deadlines
15 Dienstag Mär 2016
Posted in Bildende Kunst
Von Kathrin Krüger-Mlaouhia |
| In seinem großformatigen Bilderzyklus „Störung“ setzt sich Sebastian Bieler mit der Welt-Entwicklung auseinander. |
| Fünf Wochen hatte sich der Großenhainer Künstler Sebastian Bieler zurückgezogen. Er arbeitete an seinem neuen Bilderzyklus „Störung“. Fünf Wochen intensives Malen, unter anderem auch in der Siebdruckwerkstatt der Kombi Nünchritz – und herausgekommen sind neun Bilder, mit denen sich der Großenhainer jetzt bei überregionalen Galerien empfehlen will. „Ich habe in den letzten drei Jahren 120 freie Arbeiten geschaffen, die noch keiner gesehen hat“, so Bieler. Sie sind alle galerietauglich – genau wie die großformatigen neuen Werke. Damit möchte der diplomierte Künstler, der von 2000 bis `06 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studierte mit dem Schwerpunkt Malerei und Grafik, den Einstieg in den Kunstmarkt schaffen. Auch wenn er es derzeit selbst noch für aussichtslos hält. Mit „Störung“ trifft er den Zeitgeist auf eine Weise, die wehtut. Denn die Arbeiten Blau-weiß-Blau, Schwarz-Rot-Gold oder Rot-Weiß zeigen beim genauen Hinsehen nicht nur durch Graffiti, mit Acrylfarbe und Sprühlack verfremdete Nationalflaggen wie die deutsche oder türkische. Sie thematisieren „das globale menschliche Versagen in Beziehungsfragen“. „Wir haben alle mehr oder weniger Beziehungsstörungen in uns, die Unzufriedenheit produzieren“, sagt Bieler. Daraus resultiert persönliche und/oder politische Unsicherheit. In seinem Bilderzyklus hat er dafür eine abstrakte Darstellung gefunden. Spitze Zacken und chaotische Formen sehen aus, als wäre da gewaltige Energie hineingefahren.
Farbe als politisches Statement Sebastian Bieler will sich nicht platt oder simpel ausdrücken, sondern über die Farben. Sie sind sein politisches Statement. Darin verarbeitet er, was an aktuellem Geschehen über ihn hineinbricht. Was er darin an menschlicher Tragik erkennen und nachvollziehen kann – auch aus eigener Leidensgeschichte. „Als Künstler will ich Schmerzen zeigen, auch wenn sie immer wieder abgewehrt werden, weil sie wehtun“, sagt der 35-jährige Großenhainer. Die großflächigen Bilder sind mit Siebdruck, Graffiti und Acrylfarbe hergestellt. Das zuletzt geschaffene Bild – es ist zufällig Italien gewidmet – hat darüber noch drei große chromfarbene Stempel aufgedruckt – die Störung der Störung. „Das war der Höhepunkt meiner konzentrierten Arbeit, der Abschluss einer intuitiven, auch meditativen Zeit.“ Hoffnung gibt es in diesen Bildern noch nicht – vorerst soll der Betrachter die Störungen nur aushalten. Wieder Kursleiter bei „KreaTiefgang“ Doch Sebastian Bieler hat schon den nächsten Bilderzyklus im Auge: Er wird sich mit den Träumen beschäftigen. Und seine Figur der „Kleinen Leiden“ wieder aufgreifen. Thematisch geht es für ihn mit dem Inhalt der Störungen dabei konsequent weiter. So will er neue Ernsthaftigkeit in sein Werk bringen, will sich ein neues Auftreten als freier Künstler geben. Auftragsarbeiten nimmt er aber weiter an. Auch beim Komplex-Workshop „KreaTiefgang“ über Himmelfahrt wird er wieder als Kursleiter im Albert-Treff dabei sein. http://www.sebastianbieler.de Bildunterschrift: Sebastian Bieler in seinem Atelier mit den „Störungs- Bildern“. Foto: Anne Hübschmann |
13 Sonntag Mär 2016
Posted in Bildende Kunst
Spontan, impulsiv und klar umrissen spiegeln die Bilder den schnellen Zeitstrom, setzen aber zugleich reizvolle Kontraste und laden zum Innehalten ein. Die Ausstellung „Der schwarze Strich – Landschaft & Akt“ stellt Arbeiten des Radebeuler Künstlers Edgar Kupfer vor in der Galerie mit Weitblick auf der Oberen Bergstraße 13 in Radebeul. Passend zum lebhaften Farb- und Formenspiel der Zeichnungen und Grafiken gab es beschwingte und herzerwärmende Akkordeonklänge mit den Musikern Irina Naudszus und Robert Hennig zur Ausstellungseröffnung. Da strahlt im Titelbild zur Ausstellung das Schloss Schönfeld etwas verwunschen Märchenhaftes aus und ist ein Rückenakt halb im Sprung sitzend in knappen, kantigen Körperkonturen dargestellt. In wenigen, markanten und bewegt fließenden Linien hält Kupfer in seinen schwarzweißen und farbigen Aquatinta-Grafiken in spannendem Wechselspiel von Hell und Dunkel imposante Gebäude, Landstriche und Menschen fest. Das Elbtal mit geschwungener Flussbiegung, die Radebeuler Friedenskirche, alte Bauernhäuser neben Reiseimpressionen aus Italien mit verwinkelten Häusergassen und ihren licht- und schattenreichen Kontrasten. Im oberen Ausstellungsraum sind die Aktzeichnungen wie auf einer Wäscheleine aufgehängt. Da zeigt der Zeichner mit den weiblichen Körperansichten auch ganz verschiedene Emotionen auf den mal luftig-leichten, kraftvoll-energiegeladenen und von feinen Rissen überzogenen Skizzenblättern auf weißem Grund, mit und ohne Interieur aufs Papier geholt mit Bleistift, Zeichenkohle und Aquarellfarben. Edgar Kupfer wurde 1967 in Dresden geboren und ist in Radebeul aufgewachsen. Er begann als Elfjähriger zu zeichnen und orientierte sich an Comics und Buchillustrationen. Später kamen Farbtuschzeichnungen, Collagen und Grafiken hinzu. Von ihm stammen auch die Illustrationen zum Gedichtband „Fragmente dieser Tage“ von Jens Kuhbandner als eine der ersten Veröffentlichungen im Notschriften-Verlag Radebeul, der im Juni sein 20jähriges Bestehen feiert. Viele kennen „Eddi“ aus dem ehemaligen Café Noteingang als rührigen Mitarbeiter in der kulturellen Sozialarbeit. Diese Arbeit setzt Edgar Kupfer nun im 2013 eröffneten NotArt-Kreativraum auf der Kötzschenbrodaer Straße 60 in Radebeul fort. Dort steht eine Druckpresse. Außerdem bietet er Aquarell- und Kunstschmiede-Kurse und Aktzeichnen an. Die Ausstellung ist noch bis 31. Mai zu sehen. Geöffnet: Sa und So von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung, Tel.: 0174 – 147 12 70

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13 Sonntag Mär 2016
Posted in Bildende Kunst
In den Osterferien (vom 25.3. – 3.4.) ist das Lügenmuseum im alten Gasthof von Serkowitz in Radebeul, Kötzschenbrodaer Straße 39, täglich von 13 – 18 Uhr geöffnet.
„Ich habe mir alles selbst erfunden, eine Kindheit, eine Persönlichkeit, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, um sie erzählen zu können, die Lüge ist immer interessanter als die Wahrheit.“
Nach diesem Motto von Federico Fellini wurde das Lügenmuseum 1990 als eine kulturelle Überlebensstrategie im ländlichen Raum eröffnet. Der Gründer Richard von Gigantikow, mit bürgerlichem Namen Reinhard Zabka, ließ sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal leiten, denn der Künstler, der sich davor fürchtet sei nicht viel wert. Mit einem eigenen Museum entzieht sich der Künstler den Mechanismen des Kunstmarktes und behält die Deutungshoheit über seine eigene Geschichte. Heute kann diese ehemals verbotene Kunst, zensierte Objekte und Installationen im Lügenmuseum erlebt werden. Die virtuosen „Lügen“ dieser kunstvollen Wunderkammern waren dabei immer als solche zu erkennen.
Wie Wolken mit der Empfindung der Freiheit, ziehen all` die Ideen und Objekte durch die Geräumigkeit des Lügenmuseums. Das Lügenmuseum ist ein die Phantasie beflügelndes Ausflugsziel für die ganze Familie.
Der Dresdner Gnadenchor im Lügenmuseum, Video von Anna Mateur
Internationaler Weltlügenball: Das Lügenmuseum feiert am 1. April, ab 19 Uhr den internationalen Weltlügentag.
132 Jahre Lügenmuseum – es wurde der Legende nach 1884 gegründet.
Zum internationalen Weltlügenball ist alle Welt eingeladen.
Da heißt es wieder offenes Haus, offene Bühne und offenes Buffet, die Gäste sind eingeladen etwas mitzubringen.
Angekündigt hat sich die Fensterscheibenperformance „Extrakt des Lebens“ vom Pappschattira Schaukastentheater.
https://pappschattira.com

Auf einer Schatteninsel am goldenen Dreieck in Thailand
Gleichzeitig lädt Richard von Gigantikow zu seiner Geburtstagsparty 66 ein.
In seinen Installationen konnte der Wandel seiner künstlerischen Eroberungen von der Collage, Assemblage, über das Environment zum Künstlermuseum verfolgt werden, vom Kunstwerk als Sammelobjekt zur Sammlung als Kunstwerk. Als Querdenker und Traumverschwender versuchte er mit seinen temporären Interventionen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle „Kunst“ zu operieren. Die virtuosen „Lügen“ seiner kunstvollen Wunderkammern waren dabei immer als solche zu erkennen. Richard v. Gigantikow
Aktuelle Infos: https://www.facebook.com/reinhard.zabka
13 Sonntag Mär 2016
Posted in Theater
Es ist soweit: »Licht aus« (UA) lautet der Titel der letzten Premiere im alten Haus auf der Meißner Landstraße am 29. April. Das Theater Junge Generation, das zweitälteste Kinder- und Jugendtheater Deutschlands, verlässt nach 67 Jahren das alte Haus und Nachkriegsprovisorium im Dresdner Westen und bezieht seine neuen Spielstätten im Kraftwerk Mitte im Herzen der Stadt – ein in vielerlei Hinsicht deutschlandweit einzigartiges und besonderes Ereignis.
Parallel zum beginnenden Umzug bietet das Theater Junge Generation ab dem 20. Mai seinem Publikum einen besonders umfangreichen
Sommertheaterspielplan mit »Robin Hood« (von Ulrich Zaum, Regie: Ronny Jakubaschk) im Zoo Dresden, der Puppentheater-Premiere »Alarm im
Kasperletheater« (von Nils Werner, Regie: Lorenz Seib) und weiteren Inszenierungen im Sonnenhäusel im Großen Garten sowie mit der Premiere »Hans
im Glück« (von Peter Ensikat nach den Brüdern Grimm, Regie: Marc Wortel) als Tour durch acht Dresdner Freibäder. Ferner wird das Theater im Herbst im
Rahmen der entsprechenden Einschränkungen unter anderem mit mobilen Inszenierungen und theaterpädagogischen Angeboten in Kitas und Schulen
unterwegs sein.
Für die erste Spielzeit im Kraftwerk Mitte sind elf Premieren geplant, davon fünf Uraufführungen sowie zwei Deutsche Erstaufführungen. Eröffnet wird das
neue Theater Junge Generation mit den Premieren »Ein Märchen« (DEA, von Blexbolex, Regie: Nils Zapfe, Premiere: 17.12.2016), »The Season« –
Das Familien-Musical (DEA, von Socalled, Regie: Moritz Sostmann, Premiere: 17.12.2016) und »Rübe« (UA, von Ulrich Hub, Regie: Ulrich Hub, Premiere:
18.12.2016).
Mit Inszenierungen der Stücke »Schlamm oder die Katastrophe von Heath Cliff« (UA, von Louis Sacher, Regie: Ronny Jakubaschk), »Der Junge mit
dem Koffer« (von Mike Kenny, Regie: Nis Søgaard), »Auerhaus« (von Bov Bjerg) und »Deportation Cast« (von Björn Bicker, Regie: Kalma Streun) setzt
sich das TJG mit aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen und Fragen auseinander. Wichtig ist dem Theater dabei vor allem, dem jungen Publikum
Möglichkeiten zu schaffen, am Diskurs teilhaben und eine eigene Haltung in einer immer komplexer werdenden Welt entwickeln zu können.
Ein, wenn nicht der zentrale Ort der neuen Spielzeit soll der GENERATOR werden, ein Kunstraum zum Experimentieren, in dem die Energie des alten Kraftwerks
die gegenwärtigen Ideen des neuen Theaters befeuern soll. Der GENERATOR als Übertragung der historischen Schaltwarte versteht sich einerseits als
begehbare Installation der TJG-Bühnen- und Kostümbildnerin Grit Dora von Zeschau in Zusammenarbeit mit den Videokünstler Franz Ehrenberg und dem
Klangkünstler Christoph Herrmann. Andererseits wird der GENERATOR unter anderem Schauplatz dreier Uraufführungen werden – Inszenierungen von Ariel
Doron, Ioannis Mandafounis und Joe Parkes, Zielgruppe: ab 16 Jahre. Ferner ist unter dem Titel »I came in like a wrecking ball« ein inszeniertes Partyformat
der freien Gruppe Henrike Iglesias geplant sowie eine Reihe, in der Schau- und PuppenspielerInnen ihre eigenen Konzepte auf der Bühne unter dem Titel
»Tage der Freiheit« umsetzen – die künstlerische Gesamtleitung liegt bei Nils Zapfe, der für die Spielzeit 2016/17 Hausregisseur am TJG ist.
Das Theater Junge Generation befragt und bewegt sich. Dabei möchte es den hohen Ansprüchen, die es, wie auch sein Publikum, an sich stellt,
weiterhin gerecht werden: als zentraler Ort kultureller Bildung, ästhetischer Vielfalt und gesellschaftlichen Diskurses. Es wird an neuer Stelle dezidiert
Räume, Arbeitsweisen und Konzepte öffnen und gleichzeitig ein in der Stadt und weit darüber hinaus möglichst intensiv vernetzter Ort sein, an dem sich
Kinder und Jugendliche wirklich gemeint fühlen. Besonderheiten des Hauses wie das große Puppentheaterensemble, die auf Partizipation zielende
Theaterakademie sowie die anspruchsvollen und fein abgestimmten Angebote für Familien sollen fortgeführt und weiterentwickelt werden.
Text: TJG, Foto: Dorit Günter, „Hans im Glück“, Sommertheater
13 Sonntag Mär 2016
Posted in Literatur
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10 Donnerstag Mär 2016
Posted in Literatur

Eine Live-Lese-DJ-Session mit Solvig Frey, Rüdiger Schlögel und DJ Veyx
Seit Chimo das Mädchen Lila getroffen hat, ist nichts mehr wie vorher. Er ist 19, sie 16. Sie lockt ihn halb im Scherz und Ernst, direkt und unbefangen in ihren Worten und Wünschen, in das ihnen bislang unbekannte Land der Liebe.
Sie fragt ihn quer bei ihm auf der Fahrradstange sitzend, ob er unter ihr Kleid sehen will. Er stellt sich vor, wenn er ein Insekt zwischen ihren beiden Dingern wäre. Und fasst mit der Hand ins goldgelbe Gras ihrer Scham. Ihr Haar ist weizenblond.
„als hätten Seidenraupen Goldfäden gekackt“, so heißt die Live-Lese-DJ-Session nach dem Roman „Chimo sagt Lila“. Der französische Autor veröffentlichte das Buch unter demPseudonym Chimo in den 1990er Jahren in Paris. Auf die Bühne kam das intime Tagebuch, das ebenso provoziert wie fasziniert mit seinen offenen, sowohl derb-erotischen als auch poetischen Gefühlsbekundungen in der Sprache der Straße und Jugendlicher, nun in einer Lesung mit Solvig Frey und Rüdiger Schlögel, begleitet von klangreich pulsierenden Sounds von Mario Auerbach aka DJ Veyx im Hintergrund. Die Premiere war im Februar im Projekttheater Dresden. Am Sonnabend war die musikalische Lesung im Club Puschkin zu erleben anlässlich des 20jährigen Bühnenjubiläums von Mario Auerbach alias DJ Veyx mit anschließender Party bis in die Morgenstunden.
Es ist das erste gemeinsame Projekt von Solvig Frey und Rüdiger Schlögel (ehemals Musicaltheater „aquarius“). An zwei Lesepulten stehen eine Frau und ein Mann nebeneinander und geben nur mit ihren Stimmen Lila und Chimo gefühlreich Präsenz, allein und mit dem anderen im Dialog erzählend. Sie fordert ihn spielerisch-lustvoll heraus, bald teilen sie einander immer ungehemmter ihre innersten Wünsche und Fantasien mit, verwischen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, Spiel und Ernst immer mehr. Zuerst sehen sie sich und ihrer Lust im Spiegel zu, dann soll er sie als zusehender Dritter mit der Videokamera filmen, als würde sich dadurch ihr Verlangen endlos wiederholen. Doch ihre Träume überleben nicht die raue Wirklichkeit.
Die zwei Erzähler bewegen sich nicht von der Stelle, was zunächst recht statisch wirkt und ungewohnt. Doch die Geschichte ist sehr lebendig-bilderreich geschildert und schafft damit spannend und reizvoll eigene Bilder- und Gedankenräume für das zuhörende Publikum. Bei der sprachlichen Gestaltung beriet die beiden Darsteller der bühnenerfahrene Autor Philipp Schaller, der selbst Theaterstücke und Satiren schreibt.
Solvig Frey und Rüdiger Schlögel gelingt es eindrucksvoll, die Figuren und ihre Welt plastisch und nacherlebbar werden zu lassen. Chimo sieht sich als „Aufnahmegerät für das was Lila sagt.“ Das Leben verwandelt sich in ihrem Mund und auf so was hat er Hunger wie ein Floh auf einer Glatze, sagt Chimo. Sie heizt seine Fantasie an. „Lila explodiert in meinem Kopf.“ Die direkt-ungenierte Sprache verlangt ein Einlassen auf beiden Seiten. Jenseits oberflächlicher Klischees und allgegenwärtiger nackter Tatsachen in TV und Werbung vertraut diese Lesung allein auf die Wortkraft, Fantasie und eigene Erfahrungen der Zuhörenden. Eine Aufführung, die unter die Haut geht und sich mit dem eigenen Denken und Fühlen reibt und einen so schnell nicht loslässt. Ein Programm, dem man noch mehr dafür offene Spielstätten und neugierige Zuhörer wünscht.
Nächste Vorstellungen:
16. September, 20 Uhr im Theaterhaus Rudi.
20. Oktober, 20.30 Uhr auf der Mini-Bühne im Kunstkeller Dresden, Radeberger Str. 15
Text + Foto (lv)
Kontakt: http://www.solvig-frey.de