Premiere „Blut am Hals der Katze“ von Rainer Werner Fassbinder im Societaetstheater


Menschen wie Schaufensterpuppen, doch allen fehlt etwas. Mittendrin Phoebe Zeitgeist, die von einem fremden Stern auf die Erde kommt, um die Sprache der Menschen verstehen zu lernen. Ein grotesk-komischer Figurenreigen von Fassbinder auf der Bühne im Societaetstheater Dresden.

Ein Gruselkabinett verlorener Träume

Sie alle sind auf der Suche nach Liebe, Erfolg und Glück, doch mehr im Unglück verbunden. Der einsame Geschäftsmann, die lebensfrohe Sekretärin, die traurige alte Frau, der ruppige Motorradfahrer, die vom Aussteigen träumende Prostituierte, der coole Frauenheld und die farbige Powerfrau in der Inszenierung „Blut am Hals der Katze“ zu Fassbinder-Texten im Societaetstheater Dresden.

Phoebe Zeitgeist kommt von einem fremden Stern auf die Erde, um eine Reportage über die Demokratie der Menschen zu schreiben. Doch sie versteht deren Sprache nicht, obwohl sie die Worte gelernt hat. Das führt zu skurril-komischen bis dramatischen Situationen, mit denen die Außerirdische konfrontiert wird bei ihren Begegnungen. Die Inszenierung „Blut am Hals der Katze“ zu Texten von Rainer Werner Fassbinder, der dieses Jahr seinen 75. Geburtstag hätte, der Compagnie Freaks und Fremde hatte am Freitagabend im Societaetstheater Dresden Premiere.

Die erste Aufführung von Heiki Ikkola als Intendant des Hauses kam zusammen mit Sabine Köhler als Spiel mit lebensgroßen Puppen in der Ko-Regie von Jörg Lehmann auf die Bühne. Die lebensprallen sozialen Milieu-Geschichten von Fassbinder, einem Seismograph deutscher Befindlichkeiten, lassen tief blicken hinter die  Wohlstandsfassade der alten Bundesrepublik in den 1970er Jahren und viele der gestellten Fragen sind immer noch gültig und ungelöst wie große soziale Unterschiede, Ablehnung und Gewalt gegen Fremde. Sternenhimmel und bunte Lichter und Großstadtgeräusche bilden die Kulisse.

Phoebe trägt ein Kleid und Kosmonautenkappe und steht auf einem Drahtgestell als stille Beobachterin. Ihr Körper leuchtet auf, wenn sie Menschen trifft und sie wiederholt die Worte mit kühler Stimme, ohne Mitgefühl und Seele, konzentriert zusammengefasst, so dass sie eine noch intensivere, nachdrückliche Wirkung entfalten. Aus dem Halbdunkel heben die Spieler die Figuren auf ein schwarzes Podest, dazu klettert Heiki Ikkola auf eine Leiter oder sie treten wie zufällig zu ihnen auf der Bühne. Ein Motorradfahrer mit Helm mustert Phoebe, macht ihr Komplimente und pöbelt sie an, als sie schweigt und fühlt sich provoziert, wenn jemand komisch schaut oder eine Frau lacht, ihn angeblich auslacht.

Eine Frau in rosa Korsage und blondem Bubikopf räkelt sich wie eine Schaufensterpuppe selbstverliebt auf dem Ladentisch. Im roten Schaufenster empfängt sie ihre Kunden. Darunter ein älterer Mann in weißem Hemd und Krawatte, der wie ein Hund kläfft und kriecht und sich auspeitschen lässt von ihr. Seine eigene Frau schlägt er, wenn sie nicht gehorcht und bringt sie im Streit um. Sie kippt samt Stuhl hintenüber, ist buchstäblich kopflos und er entsetzt, das wollte er nicht und setzt ihren Kopf wieder auf den Hals, und sie lächelt ihn an: „Ach, mein Dickerchen…“

Alle Figuren haben irgendwie miteinander zu tun, mit ihnen betritt man ein Gruselkabinett aus verlorenen Träumen und sie versetzen die Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle. Von Neugier, direkt, offenherzig berlinernd, laut, schroff, grell, düster bis tragikomisch und tieftraurig sind die Begegnungen Phoebes mit den Menschen, die ihnen zusieht, zuhört und speichert ihre Sorgen, Ängste und Wünsche. „Wenn eins unglücklich ist, dann muss es halt reden. Sonst bleibt nichts“, sagt Fassbinder. Das tun die Figuren in diesem Stück schonungslos zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Verzicht, Älterwerden und Tod. Viel Beifall und viel Stoff zum Nachdenken.

Text + Foto (lv)

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Gastspiel „Prinz Eselohr“ mit dem Figurentheater Ambrella im Museum für Sächsische Volkskunst


Der Prinz trägt eine Krone und eine lustige Schnecke am Ohr. Was sich wohl dahinter verbirgt… Foto: Puppentheater Ambrella

Mit dem Herzen sehen

Die Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e. V. laden zur Familienveranstaltung ein am Samstag, 10. Oktober um 15.30 Uhr zur Aufführung „Prinz Eselsohr“ mit dem Figurentheater Ambrella aus Hamburg im Museum für Sächsische Volkskunst mit Puppentheatersammlung Dresden.

Es waren einmal eine Königin und ein König. Die wünschten sich von Herzen ein Kind. Da schickte die Königin eines nachts ihren Gemahl zu den Feen in den Wald – und tatsächlich wurde ihnen noch im selben Jahr ein Prinz  geboren. Die Feen wünschten dem Kind Schönheit und Anmut, Verstand und Aufrichtigkeit. Die letzte Fee aber schenkte ihm Eselsohren, „… damit er nicht hochnäsig wird!“.

Da wurden im Schloss alle Türen und Fenster verschlossen und keiner durfte den Prinzen sehen. Nur der Barbier erfuhr von dem Geheimnis, doch das wurde ihm fast zum Verhängnis.

Spiel: Heike Klockmeier
Regie und Musik: Dietmar Staskowiak
Dramaturgie: Hella Müller
Figuren und Szenografie: Jürgen Maaßen

Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten bitten die Veranstalter um Reservierung unter post@puppentheaterfreunde.de
Evtl. Restkarten sind an Theaterkasse ab 1/2 Stunde vor Vorstellungsbeginn erhältlich.
Veranstaltungsort: Museum für Sächsische Volkskunst Dresden, Köpckestr. 1, 01097 Dresden

Text: Alexandra Löser

Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e.V.
Stauffenbergallee 9, Garnisonkirche, Eingang D,
01099 Dresden
Tel.: 0176/21060355 (Löser); 0351/32964740 (Thiel)
post@puppentheaterfreunde.de
www.puppentheaterfreunde.de

Konzert mit Konstantin Wecker in der Freilichtbühne Junge Garde

Lieder zwischen Zärtlichkeit und Zorn

Der Liedermacher Konstantin Wecker gab ein Konzert zum Auftakt der Jazztage Dresden in der Freilichtbühne Junge Garde vor reichlich eintausend Zuschauern.

„Komm  wir gehen mit der Flut und verwandeln mit den Wellen unsre Angst in neuen Mut“, heißt eine Liedzeile von Konstantin Wecker. Er hat die seltene Gabe, Liebes- und politische Lieder großartig zu vereinen. Lieder zwischen Zärtlichkeit und Zorn, Leidenschaft, Sanftheit, Zweifel und Mut, bekannte und neue, sang er am Klavier und nahm das Publikum mit auf eine Reise durch seine nunmehr 50-jährige Bühnenlaufbahn bei seinem Konzert in der Freilichtbühne Junge Garde im Rahmen der Dresdner Jazztage 2020.

Von den Anfängen als junger Mann mit „sadopoetischen Gesängen“, erotisch doppeldeutig wie: „Der Duft der Linde und das feuchte Gras machten ihn bald wieder prall…“ und das bekannte Lied „Genug ist nicht genug“. Worte die sich nur allzugern auch Banker, Spekulanten und Börsianer zu eigen machen, aber ganz anders gemeint sind, so Wecker. Er dachte hingegen an das pure Leben, Rosenblüten, Weisheit und Liebessuchende. Über ein „Lied für Oma“, das über Luxussanierung in den 1970er Jahren in München erzählt, von der Vertreibung aus ihrem Zuhause  und dem Haus der Kindheit erzählt („70 Winter sind mit dir dort zum Frühling geworden…“), doch alte Häuser sind unrentabel und neue moderne Gebäude oft gesichtslos.

Mal poetisch, liebevoll, mal ganz direkt, ungeniert, spöttisch, selbstironisch und eindringlich, Mut machend und den Widersprüchen des Lebens begegnend und strotzend sind seine Liedtexte und Schilderungen aus seiner Autobiographie und seinen Romanen, in denen es auch viel um Musik und die Kraft der Stimme geht.

Heute am 2. Oktober, ab 20.30 Uhr gibt es ein Livestream-Konzert auf Youtube mit Konstantin Wecker und weiteren Musikern zu erleben.

Mehr Text zum Konzert folgt.

Text + Fotos (lv)

http://www.jazztage-dresden.de

Erlebniswanderung mit der Volkshochschule Dresden


Die letzten Sonnenstrahlen erhaschen und die ersten bunten Herbstfarben entdecken: Dazu ist auf mehreren Erlebnistouren mit der Volkshochschule Dresden Gelegenheit vom 1. bis 4. Oktober. Fotos: Lilli Vostry

Wanderwochenende der besonderen Art

Volkshochschule Dresden startet 100 km Erlebniswanderung

Rund 285 km lang sind alle Wanderrouten rund um die Stadt Dresden und das umliegende Elbtal. Und wohl zu keiner Jahreszeit sind diese so malerisch in alle Farben getaucht wie im goldenen Herbst. Vielfältige Einblicke in die Natur und Kultur der Erlebnisregion Dresden und einige herrliche Aussichten warten beim Kurs der Volkshochschule Dresden auf Entdecker. Bei einem langen Wanderwochenende können sportliche Wanderer, Walker und Freizeitläufer die schönen Touren entdecken. Die Erlebniswanderung findet statt vom Donnerstag, 1. Oktober, bis Sonntag, 4. Oktober.

Auf insgesamt vier Tagesetappen erwandern die Teilnehmer rund 100 km Strecke rund um Dresden. Verpflegungspunkte auf dem Weg bringen bei jeder Etappe eine Möglichkeit zum Ausruhen und sorgen für das leibliche Wohl und neue Energie. Gemeinsam geht es dann vom Zielpunkt mit dem ÖPNV zurück in die Volkshochschule Dresden in der Annenstraße. Hier wartet an drei Abenden ab 16 Uhr ein breitgefächertes Programm, das den Tag beispielweise mit Faszientraining oder einem gesunden Essen abrundet. Für das notwendige Wissen sorgen Sportwissenschaftlerin Dürt Gräf, Physiotherapeutin Claudia Langner sowie die Ernährungsberaterin Gunda Schrock, die einigen Teilnehmern sicher schon aus ihren Koch- und Ernährungskursen für Groß und Klein bekannt ist.

Die Touren beginnen an allen Tagen um 8 Uhr, ab 16 Uhr startet das Abendprogramm. Im Teilnehmerbeitrag sind die Vorbereitung der einzelnen Wanderetappen, die Betreuung und Verpflegung während der Wanderungen, ein Ticket für den ÖPNV, alle drei Abendseminare, Wasser und Tee sowie eine Teilnahmeurkunde inbegriffen. Auf Anfrage ist es möglich, auch einzelne Etappen oder Abendseminare zu buchen. Die Teilnehmer müssen lediglich feste Lauf- beziehungsweise leichte Wanderschuhe, wettergerechte Laufbekleidung, einen kleinen Rucksack, ihre Trinkflasche, Duschsachen, Sportsachen sowie Wechselsachen mitbringen.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur persönlichen Anmeldung gibt es in der Geschäftsstelle immer dienstags und donnerstags von 9 Uhr bis 13 Uhr und 14 Uhr bis 18 Uhr auf der Annenstraße 10. Montags bis freitags jeweils von 9 Uhr bis 13 Uhr ist dies ebenso telefonisch möglich unter 0351 254400 sowie rund um die Uhr auf der Homepage.

Text: meeco Communication Services

Weitere Infos: www.vhs-dresden.de

BilderAlbum: (Un)mögliche Wünsche, Wunder & Weisheiten beim Radebeuler Weinherbst

Ein Stück vom Paradies

Reichlich Kultur- und Naturzauber für kleine und große Besucher gab es auf den Streuobst- und Elbwiesen in Altkötzschenbroda beim Radebeuler Weinherbst.

Auf dem Dorfanger war es stiller als sonst. Aus einigen Höfen klangen vereinzelt Stimmen und Klänge. Kinder musizierten entlang der Wein- und Leckereienstände, dicht umringt wie immer. Doch es überwog eher andächtiges Schauen, Spazieren und Genießen als reges, lautstarkes Getümmel. Dennoch war der Besucherstrom beachtlich. Weiter unten auf den Streuobstwiesen in Altkötzschenbroda lockten Wandertheater und Musik unter dem Motto: „Flieg, Phoenix flieg!“ Er erhob auch unverzagt und lichtvoll seine Flügel zu Neuem.

Nach dem grau verregneten Beginn des Radebeuler Weinherbst – angelehnt an das bisherige Herbst- und Weinfest & Internationale Wandertheaterfestival, das corona-bedingt nun unter anderem Namen und Konzept mit stadtweiten Veranstaltungsorten stattfindet – blieb es am Sonntag trocken und am späten Nachmittag schaute sogar die Sonne hervor und erfreute kleine und große Besucher noch mehr. Äpfel und Birnen, reichlich verstreut im Gras, verlockten zum Aufsammeln mit ihrem besonderen Aroma. Aus kleinen Zirkuswagen duftete es nach Kaffee und Kuchen. Die Wiese verwandelte sich in einen Abenteuerspielplatz für die Kinder. In der Theaterarena mit Strohballen als Sitzen auf der Streuobstwiese wurde erst mal ordentlich geschrubbt, bevor der Wischmob als Zepter geschwungen wurde für alle möglichen und unmöglichen Wünsche im Stück „Die Prinzessin auf der Erbse“ frei nach dem Märchen von Andersen. Dabei kommen sich ein Typ namens Erbse und eine Frau Linse, die gern Prinzessin wäre, immer wieder in die Quere in diesem witzig-clownesken Schau- und Puppenspiel von Flunker Produktionen. Er überlegt, was passiert, wenn die ganze Welt blau wäre. Wenn alle winken oder klatschen würden…

In eine eigene, fantasiereiche Welt lockte diesmal an Stelle des Labyrinths ein LABratorium mit Skulpturengarten auf der Elbwiese in Altkötzschenbroda, gestaltet von Richard von Gigantikow (alias Reinhard Zabka) und seinem Künstlerteam als Projekt des Kunst der Lüge e.V. Die Besucher wandelten auf einem fantastischen Weg durch hölzerne Skulpturen und Weisheiten, klein und groß konnten aus Holzpaletten selber etwas bauen und auf mit allerlei Getier und Fabelwesen bemalten Holzbänken verweilen, Musikanten lauschen und sich abends an Feuerschalen wärmen.

Auf einem Holzturm am Eingang stand: „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“ Ein paar Meter weiter ragten unter einem roten Zeltdach rostige Rohre wie Kanonen himmelwärts. Dazu der Spruch: „Der beste Dünger ist der Schatten des Gärtners.“

Ein Stück weiter ist die Folk- und Weltmusikwiese. Auf der in warmes Licht getauchten, offenen Zeltbühne spielte am Sonntag abends die Band „Hasenscheiße“ aus Potsdam, deren Name – von ihrem Ursprung zweier gitarreschrammelnder Jungs auf einer „hasenbeköttelten“ Wiese herrührend –  ebenso außergewöhnlich klingt wie ihre wild-frechen, witzig nachdenklichen Großstadt-Songs, aber auch Lieder über Lust und Leid des Landlebens. Für mich d i e  Entdeckung dieses Radebeuler Weinherbstes! Poesie, Tiefgang, Sprachkraft und Ironie der Texte erinnern zuweilen an Brecht, Heine und Morgenstern. Musik für Kopf und Bauch, die sofort in die Beine geht. Von Rock, Punk, Reggae bis Swingjazz reicht die mitreißende Mischung mit E-Bass, Akkordeon, Percussion und mehrstimmigem Gesang, die viel Zuspruch fand. Kleine und große Besucher, junge und ältere tanzten und hüpften fröhlich ausgelassen zu den hinreißenden Klängen unter freiem Himmel. Endlich mal wieder.

Der Sänger von „Hasenscheiße“ trat immer wieder heraus aus dem Zelt und tanzte mit den Zuschauern. Ihre Musik entfacht Feuer, Lebensfreude, Kraft und Leichtigkeit zugleich. Da wird in einem Song die Trauerweide zur Kokospalme, werden die Leinen losgemacht beim unbeschwerten „Dampferjazz“ mit Möwenrufen und geht es zurück auf Los. Da gibt es ein Lied für alle „Großstadtverrückten“, die nicht auf Natur verzichten wollen und sich ein Floß bauen und als Zugabe den lebensfrohen Ohrwurm „Always Look on the Bright Side of Life“ der britischen Komikergruppe Monthy Python.

In einer Liedzeile fragt der Sänger von „Hasenscheiße“: „Hey, wo liegt das Paradies/im Diesseits oder Jenseits/oder doch in Nachbars Garten…“?

Ein Stück vom Paradies war in diesem Moment auf den Streuobstwiesen in Altkötzschenbroda greifbar nahe. Wo Natur- und Kulturgenuss noch unmittelbar verbunden und erlebbar sind. Der Nachthimmel später war sternenübersät. Stiller Zauber.

Text + Fotos (lv)

http://www.flunkerproduktionen.de
http://www.hasenscheisse.com#

Vorschau

LABYlysium – Kunst- und Kulturaktionen an der frischen Luft und bei freiem Eintritt, täglich von 13 – 19 Uhr auf dem Burgplatz Leipzig. Vom 3. bis 11. Oktober 2020.

„LABYlysium erzählt von Hoffnungen, Visionen und Umbrüchen der labyrinthischen Wiedervereinigung und koppelt diese Erfahrungen an das heutige Leben zurück“, kündigt Veranstalter Reinhard Zabka an. Er ruft die Besucher auf: „Bringt ein eigenes alternatives Einheitsdenkmal mit.“ Träger des Projekts ist der Kunst der Lüge e.V., der im Lügenmuseum Radebeul ansässig ist.

http://www.luegenmuseum.de

Wein- und Kulturgenuss & Hoffnung im Zeichen des Phoenix beim Radebeuler Weinherbst

Lebensfreude pur.  Das Straßentheater Teatro Due Mondi bei seiner fantastischen Parade in farbenfrohen Kostümen bezauberte mit seiner südamerikanischen „Fiesta“  auf dem Dorfanger in Altkötzschenbroda die Besucher des Radebeuler Weinherbstes.


Geheimnisvoll. Eine Mischung aus barockem Mysterienspiel, Maskentheater und Puppen-Slapstick war die Aufführung „Zeit, Du Callboy der Ewigkeit“ von Flunker Produktionen am Sonnabend in der Streuobstwiesen-Arena. Darin gehen ein Maki und eine Schildkröte dem Mythos um die Erschaffung von Tod und Zeit auf die Spur. Fotos: Veranstalter/Radebeuler Weinherbst

Momente der Freude für Künstler, Winzer und Publikum

Fröhliche und ausgelassene Stimmung trotz durchwachsenem Wetter. Weinherbst Radebeul zeigt die Durchführbarkeit von Veranstaltungen auch unter Pandemie-Bedingungen.

Zahlreiche Besucher feierten am Wochenende im gesamten Radebeuler Stadtgebiet trotz durchwachsenem Wetter das Zusammenspiel aus Wein, Musik und Theater. Das neue, dezentrale Veranstaltungsformat, bei dem das Fest in die gesamte Stadt hineingetragen wurde, konnte erfolgreich umgesetzt werden. Die Besucher haben dabei neue Veranstaltungsorte entdeckt und bekannte Straßen und Plätze in neuem Licht kennengelernt. Sowohl die Radebeuler Weingüter als auch die Veranstaltungsgelände in Radebeul Ost und West waren gut besucht. Die zulässige Maximalbesucherzahl wurde dabei nicht erreicht, sodass zu keiner Zeit Gäste abgewiesen werden mussten.

Trotz des teilweise ungemütlichen Wetters konnten die Menschen gemeinsam Kultur und Wein genießen. Die positiven Erfahrungen der im Sommer erprobten Radebeuler LebensArt konnten damit in einen größeren Maßstab übertragen werden. Auch das Sicherheitskonzept der Veranstalter hat sich bewährt. Die Besucher wurden durch ein spezielles Erfassungssystem aktuell gezählt und haben sich auf dem Gelände stets verantwortungs- und rücksichtsvoll verhalten. „Unser Mut, neue Wege zu beschreiten, um auch unter schwierigen Rahmenbedingungen Kultur für viele Menschen erlebbar zu machen, wurde belohnt. Radebeul hat einmal mehr Kultur und Genuss auf unverwechselbare Weise verbunden und im Zeichen des Phoenix Hoffnung gegeben.“, so Kulturamtsleiterin Dr. Gabriele Lorenz.

Bereits am Freitagabend waren alle Veranstaltungsorte sehr gut besucht. Der Samstag begann aufgrund des Dauerregens zwar verhalten. Jedoch konnten die an den Nachmittagen ausgefallenen Theateraufführungen in Radebeul Ost und West in den Abendstunden nachgeholt werden und schenkten auch zu späterer Stunde noch Momente der Freude. Auch die Konzerte in den Weingütern konnten trotz Regenwetters stattfinden oder in den späteren Abend hinein verlegt werden. So zeigten sich denn auch die Winzer in den Weingütern und Straußwirtschaften mit dem Besucheraufkommen des Wochenendes sehr zufrieden. Ebenso positiv fielen die Rückmeldungen der teilnehmenden Künstler aus. Mit Spielfreude und Energie drückten sie ihre Freude darüber aus, in diesem schwierigen Jahr endlich eine Möglichkeit zu haben, vor Publikum aufzutreten.

Ein Höhepunkt für zahlreiche Besucher war das Konzert des Liedermachers Wenzel am Samstagabend. Gefühlvoll und mitreißend besang er die schönen und traurigen Seiten des Lebens und sorgte mit seinem Herbstlied für einen emotionalen Tagesabschluss. Das Teatro Due Mondi verwandelte den Dorfanger von Altkötzschenbroda in eine große Fiesta und entführte die Zuschauer in ihr karnevaleskes Spiel. Traditioneller Höhepunkt für viele Weinfest-Fans war eine Fahrt mit dem Theaterkarussell von Georg Traber in Radebeul Ost. Zur Musik von Adaya verzauberten die Schweizer Artisten kleine wie große Fahrgäste gleichermaßen. Am Sonntagnachmittag besuchte auch Barbara Klepsch, sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, als Schirmherrin das Veranstaltungsgelände in Altkötzschenbroda. Hier konnte sie sich direkt vor Ort einen Eindruck von der Umsetzung des Veranstaltungskonzeptes verschaffen und sich von der Durchführbarkeit von Veranstaltungen auch unter Pandemie-Bedingungen überzeugen.

In den sozialen Medien drückten zahlreiche Besucher ihre Zufriedenheit und Dankbarkeit aus. „Es war anders, aber schön.“, heißt es da unter anderem. „Wir haben für ein paar Stunden einfach normal und glücklich einen schönen Abend genießen können.“

Der Radebeuler Weinherbst war mit seinem neuen Konzept somit sehr erfolgreich. Besonderer Dank gilt allen Partnern, Künstlern, Helfern und Besuchern, die durch ihre Unterstützung und ihr verantwortungsvolles Verhalten zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.

Text:  Ina Dorn

PR- & Marketingverantwortliche
Großveranstaltungen & Tourismus

Amt für Kultur
Altkötzschenbroda 21
01445 Radebeul

Tel. 0351 / 83 11 624

Mehr Informationen:

www.weinfest-radebeul.de 
www.facebook.com/weinffestradebeul

Zu Besuch im Weingut Karl Friedrich Aust in Radebeul & Livemusik zum Weinherbst


Wein genießen unmittelbar am Weinberg. Karl Friedrich Aust stellt schon die Stühle bereit.

Herrliche Aussicht und Genuss mit Bacchus

Das Weingut Aust eröffnete einen neuen Ausschank mit edlen Tropfen und Leckereien mit Panoramablick auf die wunderbare Lößnitzlandschaft. Beim Radebeuler Weinherbst an diesem Wochenende spielen hier mehrere Musiker und Bands. Am Sonntag: ab 14.30 Uhr, Frédéric Bouchon – Chanson; 16 Uhr, Ezé Wendtoin – Singer/Songwriter und 17 Uhr, Kapela Timingeriu – Balkan, Gypsy.

Die Sonne strahlt unter der Wolkendecke hervor. Die Glücksgöttin Fortuna lächelt mit goldenen und himmelblauen Schwingen am Eingang des Weingutes Aust in Radebeul den Besuchern zu. Die zwei Musenfiguren beflügeln auch dessen Inhaber Karl Friedrich Aust. „Ich möchte einen langgehegten Traum verwirklichen und hier draußen einen Ausschank für Speisen und Getränke einrichten“, sagt er.

Die Weinstube Aust und der historische Gartensalon bleiben bis Jahresende geschlossen. „Wir verlagern unser Angebot in wunderbarer Lage. Es ist die beste Lösung, den derzeitigen Herausforderungen zu begegnen“, sagt Winzer Aust. Dafür wird ein rustikaler Holzpavillon auf der schönsten Liegewiese unmittelbar am Weinberg stehen – mit Panoramablick auf die romantischen, südlich mediterranes Flair verströmenden, steil ansteigenden Terrassen.

Hier inmitten der ältesten sächsischen Weinanlage mit dem „Radebeuler Goldener Wagen“ befindet sich das Weingut Aust in der Oberlößnitz. Tische und Stühle hat Aust schon bereitgestellt. Direkt neben den Rebstöcken können Wanderer, Wochenendausflügler und Weinkenner erlesene Tropfen und kulinarische Leckereien a la carte probieren. Eine der beliebtesten Sorten bei Aust ist der „Bacchus“. “Es ist ein Riesenvergnügen, den Wein fünf Meter weiter, wo er wächst, zu genießen. Regionalität pur“, freut er sich schon auf den neuen Weinjahrgang. Die derzeitige wirtschaftliche Krise sieht der Winzer auch als Chance.

“Da man dieses Jahr wenig reisen kann, überlegen wir jetzt, wie wir die sächsische Weinbaulandschaft als Ausflugsziele für Touristen noch mehr nahe bringen können.“ Er hoffe auch, dass viele Gastronomen es schaffen und regionale Angebote wieder mehr Zuspruch finden. Er hat gerade einige in Dresden besucht und mit Wein beliefert. „Das hilft und bestärkt einen auch, dass man nicht allein dasteht.“ Seit 1998 baut Karl Friedrich Aust das Weingut weiter aus, das er von seinen Eltern übernommen hat. Sein Vater starb früh, als er vierzehn war, so dass seine Geschwister und er seiner Mutter im Weingut  mithalfen. Die Traminer-Terrassen im Weinberg mochte er schon als Kind, erzählt Karl Friedrich Aust, die Aromatik der Beeren, den Geschmack und den Duft der Blüten. Das Weingut, auch als „Meinholdsches Turmhaus“ bekannt, haben seine Eltern seit 1975 aufwendig restauriert.

Seit 19 Jahren schon führt Karl Friedrich Aust das bauliche Kleinod unter seinem Namen weiter, eröffnete im Erdgeschoss des Turmhauses die Weinstube mit Außenterrasse und vor zwei Jahren der Gutsladen, wo regionale Weine und Produkte erhältlich sind. Außerdem Schmiedekunstarbeiten seines Bruders Hans Philipp Aust und Bilder seiner Schwester, der Malerin und Grafikerin Cordelia Friederike Curling-Aust. Ihr Mann ist ebenfalls Künstler. Auf dem Gut befindet sich seit 2005 ihre Malschule mit Kursen für Kinder und Erwachsene. Zurzeit porträtiert sie die Kleinen auf Anfrage. Im Gutsladen gibt es auch das Buch „Ein Weingut in der Oberlößnitz – Seine Geschichte und Geschichten“, das seine Mutter Elisabeth Aust schrieb. Sie war als Restauratorin tätig und sein Vater Ulrich Aust als Architekt und „Dresdner Zwingerbaumeister“.

Insgesamt zehn Sorten, zu 80 Prozent Weißwein und 20 Prozent Rotwein, reifen im 6,5 Hektar großen Weingut Aust. Diese hegt und pflegt der Inhaber mit viel Liebe und Begeisterung zusammen mit seinen sieben Mitarbeitern und zwei Lehrlingen. Auch wenn die Eisheiligen dieses Jahr Anfang Mai mit heftigeren Nachtfröste als sonst den jungen Weinreben zusetzten und es Einbußen bei der Ernte im nächsten Jahr geben wird. “Jetzt trinken und stoßen wir erst einmal an mit dem Wein vom letzten Jahr und machen das Beste daraus. Ich bin Optimist“, sagt Karl Friedrich Aust. Und Fortuna beflügelt ihn himmelblau strahlend, einen Traubenzweig hoch haltend auf dem Weinflaschen-Etikett. Der Gartenausschank im Weingut Aust hat von Donnerstag bis Sonntag geöffnet ebenso wie der Gutsladen von 11 bis 18 Uhr.

Text + Fotos (lv)

Kontakt:
http://www.weingut-aust.de


Zeit zum Genießen. Edler Weißburgunder & Grauburgunder Cuvée, der nach Birne und Mirabelle schmeckt und sich besonders eignet als Speisebegleiter zu allen Meeresfrüchten.

„Mehr oder Weniger?!“ Perspektiven für die Zukunft der Kultur in Dresden

Neue Ideen zur Förderung der Freien Kulturszene gefragt

Für Sonntag, den 27. September 2020, um 11 Uhr laden das Bündnis #WOD und das Netzwerk Kultur Dresden herzlich ins Große Haus des Staatsschauspiels zur Matinée ein: „MEHR oder WENIGER?! Perspektiven für die Zukunft der Kultur in Dresden“.

Im Jahr 2020 wurde und wird viel Geld aufgewendet, um die Kultur der Stadt zu erhalten. In vielen Reden und Statements wurde deren Rolle für das Gemeinwesen betont. Um beizutragen, die städtischen Kassen via Umwegrentabilität der Kultur aufzufüllen und natürlich auch um Künstler*innen zu unterstützen, wurde kurzfristig eine künstlerische Bespielung der Innenstadt ermöglicht und finanziert. Das waren und sind sehr wichtige Ansätze.

Was mit Bezug auf die Kultur 2020 richtig ist, sollte auch für 2021 das Handeln leiten, oder?

Was aber ist die Realität?

Zunächst scheint es gerecht, wie vom Oberbürgermeister angekündigt, in allen Bereichen der Stadtverwaltung 12% der Sachkosten zu kürzen. Doch die Berechnung ist komplexer und führt bei städtischen Kultureinrichtungen zu deutlich höheren Kürzungen.

Und die Förderung für freie Kulturinstitutionen läuft in der Stadt generell unter Sachkosten, auch wenn die Geförderten davon Miete, Betriebs- oder Personalkosten zu begleichen haben. Zudem ist dies der Bereich, der seit Jahren extrem unterfinanziert ist. Nachzulesen im Papier: Fair in Dresden, Herausgeber: Landeshauptstadt Dresden.

Vor dem Hintergrund der vom Oberbürgermeister postulierten Kürzung auch im Kulturbereich diskutieren:

*Annekatrin Klepsch, Zweite Bürgermeisterin, Beigeordnete für Kultur und Tourismus des Stadt Dresden als Vertreterin des Oberbürgermeisters
*Carena Schlewitt, Europäischen Zentrums der Künste Hellerau, Intendantin
*Lydia Hempel, Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V., Geschäftsführerin
*Anne Pallas, Landesverband Soziokultur Sachsen e.V., Geschäftsführerin
*Torsten Tannenberg, Sächsischer Musikrat e.V., Geschäftsführer
Moderation: Frank Richter
Natürlich sind die Besucher*innen zu eigenen Statements eingeladen!
*
Die Veranstalter freuen sich auf Ihr und Euer Kommen! Bitte kostenfreie Zählkarten an der Theaterkasse bestellen bzw. abholen. Wegen der Kontaktbeschränkungen können nur 200 Personen teilnehmen!

Text/Info: Frank Eckhardt/riesa efau. Kultur Forum Dresden

Ausstellung „Die oberflächliche Sicht der Dinge“ von André Ismer im „Kastenmeiers“


„Dieser Augenblick“


Stadtsilhouette von Dresden

Farbreiche Blicke hinter die Fassade

Der Dresdner Künstler André Ismer stellt vom 27. September bis 27. November im „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais. Taschenberg 3 in Dresden aus. Die Vernissage ist am Sonntag von 13 bis 15 Uhr.

Ob ein Akt oder ein Porträt, ob Ansichten von Dresdens Stadtsilhouette oder ein Statement zum Zeitgeschehen mit Wladimir Putin oder Barack Obama – die vertikalen Strukturen seiner Bilder sind ein Markenzeichen des Dresdner Künstlers André Ismer. Mit einer ausgeklügelten Technik gliedert er seine Motive in vertikale Streifen, verschiebt und versetzt scheinbar Vertrautes bis zur Verfremdung. Glatte Flächen werden aufgebrochen und überlassen es dem Auge, die Strukturen zu ordnen und neue Ansichten und Einsichten zu gewinnen.

Gesehenes wird aufgelöst und neu formatiert. Zur Vernissage am 27. September von 13 bis 15 Uhr im Beisein des Künstlers sind Kunstfreunde herzlich eingeladen. Sie wird musikalisch umrahmt durch die Musikerin und Sängerin Tini Bot. Dies ist nicht nur die neunte Ausstellung im Restaurant am neuen Standort, sondern gleichzeitig Nummer 72 seit Beginn dieser Tradition im Herbst 2010 im Kurländer Palais.

Die Ausstellung ist vom 25. September bis 27. November zu sehen. Eine Besichtigung unabhängig von einem Restaurantbesuch ist täglich zwischen 15 Uhr und 17 Uhr möglich. Die Hygieneregeln sollten dabei eingehalten werden. Das Restaurant hat von 17 Uhr bis 23 Uhr geöffnet.

Über André Ismer

André Ismer, 1976 in Dresden geboren, malt und zeichnet bereits seit frühester Kindheit. Nach einigen Mal-und Zeichenkursen nahm er schließlich am Abendstudium der Hochschule für Bildende Künste teil. Über die Jahre entwickelte er seinen eigenen Malstil, die Vertikalstrukturen. Seit 2007 ist André Ismer als freiberuflicher Künstler tätig und hatte seitdem bereits viele Ausstellungen in Dresden und Umgebung. André Ismer ist ein Heutiger. Das Konkrete wird abstrahiert, bleibt sich aber treu. Dabei werden Streifen auf der Leinwand abgeklebt mit Acrylfarbe übermalt und später wieder gelöst, in verschiedenen Schichten, bis sich Alles zu einem Ganzen zusammenfügt. Durch diese Technik wird das Gesehene aufgelöst und neu formatiert. Die Vertikale wählte sich der Künstler als Grundstruktur. Die Oberfläche wird aufgeteilt in schmale Teilbereiche, aufgebrochen, wie ein Film, der wechselnde Lichtverhältnisse vorführt. Derselbe Gegenstand in unterschiedlichen Zuständen. Die hellen Elemente treten in den Vordergrund, das Dunkle wird finster. Wer mag, kann darin eine Philosophie entdecken.

Text + Fotos: Sabine Mutschke

Weitere Infos zum Künstler:
www.andre-ismer.jimdofree.com

http://www.kastenmeiers.de

Premiere „Schlachthof 5“ nach dem Roman von Kurt Vonnegut im Festspielhaus Hellerau


Multimediales Musiktheater: Beklemmende und bewegende Bilder, Stimmen und Klänge überlagern sich im Fluss der Zeit aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Im Fluss der Zeit zwischen Erinnern und Vergessen

Intensiv, eindringlich, bilder- und klangreich spielt die multimediale Inszenierung „Schlachthof 5“ mit der Wahrnehmung des Zuschauers zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Die Uraufführung war gestern im Festspielhaus Hellerau.

Eine Fülle von Bildern, Stimmen und Tönen auf mehreren Spielebenen zeitgleich lässt die Zuschauer in ihren Drehsesseln hin und her schnellen, die Plätze und Blickwinkel wechseln im Laufe der Aufführung, rings um einen offenen Raum in der Tiefe. Der den Schlachthofkeller im Ostragehege darstellt, wo der Schriftsteller Kurt Vonnegut als junger Soldat zusammen mit anderen amerikanischen Kriegsgefangenen die Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 überlebte. Die Inszenierung nimmt das Publikum mit auf eine surreale, fragile und dunkelkomische Zeitreise zwischen Erinnern, Verdrängen und Vergessen von leidvoller Geschichte.

Die auf Leinwänden übertragenen Echtzeit-Bilder, neben Filmaufnahmen im Freien, in der Natur und die Darstellung tanzender, schwebender und gekrümmt am Boden liegender Körper entfalten eine intensive, eindringliche Wirkung, bei der Raum und Zeit aufgehoben scheinen. Das fasziniert, nur geschieht eben sehr viel gleichzeitig und man hat Mühe, alles wahr- und aufzunehmen. Doch vielleicht ist das auch beabsichtigt von Regisseur Maxim Didenko, dem Visual Design von AJ Weissbard und Videodesgin von Oleg Michchailov. Das Überlagern von Zeit, Erinnern und Vergessen zeigend. Denn von der Wirklichkeit, erst recht unangenehmen Situationen, nehmen wir auch nur einen Bruchteil wahr, filtern, blenden aus und was im Moment am meisten beschäftigt, brennt, bleibt länger haften. Wie das in einem Bernstein gefangene Insekt.

Die Aufführung – Textadaption & Dramaturgie: Johannes Kirsten – inszeniert nicht in Gänze die Geschichte aus „Schlachthof 5“, sondern erzählt bruchstückhaft, teilweise schwer verständlich (nachzulesen die Szenen im Programmheft) und beschränkt sich auf wenige, markante Passagen aus dem Buch mit immer wieder auftauchenden Sätzen wie: „Wie das so ist“, die die ungeheuerlichen Ereignisse begleiten als habe man sich daran gewöhnt.

Es geht nicht übermäßig brutal zu außer wortgewaltig und dunkel dissonant tönend. Auf Emporen und in Glaskabinen im Saal agieren das AuditivVokalDresden unter Leitung von Olaf Katzer & Performerinnen. Die körperlichen und seelischen Folgen des Krieges zeigen die Tänzer drastisch mit verformten, schmerzgekrümmten Gliedmaßen. Sehr bewegend. Als kriegsgefangener und -traumatisierter Billy Pilgrim, der glaubt, dass er auf den Planeten Tralfamador entführt wurde und einen Flugzeugabsturz überlebte, ist der Schauspieler und Sänger Wolf-Dieter Gööck wie in Trance umher taumelnd zu sehen.

Insgesamt veranschaulicht die Inszenierung mehr universell die Gefährdung des Menschen durch die eigene Spezies als speziell auf Dresden bezogen.
Zeitgenössisches Musiktheater, anspruchsvoll und streitbar, das vom Zuschauer einlassen wollen verlangt.

Die Inszenierung „Schlachthof 5“ ist noch bis 27. September, um 20 Uhr im Festspielhaus Hellerau zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Tickets unter Tel.: 0351 – 264 62 46

http://www.hellerau.org


Festspielhaus Hellerau nach der Vorstellung 
Zeitspuren. Im Gelände des Festspielhauses.