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Kategorien-Archiv: Poesie

Neue Lyrik. Holunderzeit & Lichtblick & wild umherwandernde Träume & Herzblumenleuchten & Kind Sein

31 Sonntag Mai 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Poesie

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Holunderzeit

Vor grauschwerer Wolkenherde
wachsen holla
tausende Blütensterne in die Höhe
einige pflückte schon der Wind
mit heftiger Gebärde
verstreut die Lichtschimmer
auf steinigem Boden und weicher Erde

ziehen die Blütenpracht und der magische Duft
winzige Flatterwesen und Glückskäfer an
die Unterschlupf finden oder versonnen vom Zauber
diesen kosten wollen

der sich weithin holunder sonnenwärts
kaum greifen lässt
die schönsten Früchte hängen immer oben
da reicht keine Leiter hin

doch dem Traum sich nähern
heran wagen über sich
hinaus wachsen
treibt an

den Gang hinter das Geländer
der Uferböschung steil abwärts
ein paar Blütendolden angeln
begleitet von einem dunklen Augenpaar
Neugier und Verlangen im Blick
sammle ich noch mehr

geb die schönsten Blüten her
und erklär wie daraus Gelee wird
dem Mädchen das mir zusieht
ihr Papa isst so gern Marmelade

LV
27.5.2020

__________________________________

Lichtblick

Letzte Nacht lag
ich wach und hörte dem Regen zu
er rann flüsterte streichelte
floss zu mir herüber
das Wasser stieg
und stieg
fast bis zu den Bäumen
in denen die Vögel sangen
am Morgen im Rausch
der Regensinfonie

stand ich in der Frische
am Fenster und sah dich
ein winziges Herzblumenleuchten
umwuchert von Gräsern
wogend im Wind
überstrahlt alles

Verlorene ich vermisse mich
schrieb einer im Netz
ich bin bei mir
doch habe mich
noch nicht gefunden

LV
23.5.2020

Haus der Liebe

Durchs Dachgebälk
leuchtet der Himmel
Fenster und Türen
starren ins Leere
im Haus der Liebe

keiner geht
ein und aus
die Außenhaut
verfallen begehren
wild umher wandernde
Träume Einlass

Nimmersatte Poeten
Herzriesen Zwerge und Vagabunden
fliegende Fische im herabtriefenden
Blumenwasser

ziehen ihre Kreise
in den Untiefen wuchernder Unkrautblüten
tauchen nach verborgenen Schätzen

an die Wand geschmiegt hält sich
Klimts Liebespaar
in einer letzten Umarmung
auf bröckligem Grund
hinter dem Baugerüst

LV
25.10.2012,
(angeregt von Wandgemälden an einem Abrisshaus an der Antonstr./Nähe Albertplatz.)

_____________________________________________________________________

Kind Sein

Sie hält kurz inne
vor dem Fenster schwirren
Kinderstimmen
sie hängt Wäsche auf
das Sonnenkleid
das sie einmal trug

ihre Finger sind klamm
sie wartet auf einen Anruf
ein Wort ein Zeichen
Warten auf Godot
wer ist das

Der Eine der nie kommen wird
weil es ihn nicht gibt

Sie tritt ans Fenster
die Kinderstimmen haben sich entfernt

Sie denkt an das Kind
das alle anlächelte
bevor es in den Wald ging
keiner es hörte

LV
14.6.2018

Herzblumenleuchten

Gerade noch verschlossen
in der Knospe
Flüstern innen
wie ein vergessener Brief
der heraus will
und nicht weiß an wen

trifft mich inniges Leuchten
unzähliger Herzblumen
lege mich zu ihnen ins hohe Gras
nah am Fluss dunkel von Gewitterwolken
und einsam krächzenden Raben
berührt vom zarten kecken wilden
und anmutigen Zittern Beben und Schweben
vor mir
der kleinen Blütensegel im Wind
hin und hergeworfen
öffnen sie ihre Blätter weiter

aus einer roten Blüte
schaut ein Wesen mit Krönchen
fast hätte ich es übersehen
bereit zum Herzsprung
nach langer Nacht
küsst du mich wach
aus erstarrten Träumen

LV
6.6.2020

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16. Kunst: offen in Sachsen: Dosierte Kunst-Improvisationen im KlangLabor. Poesie & Apfelkuchen & Tanzbilder

28 Donnerstag Mai 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Tanz

≈ 2 Kommentare


Wort & KlangGebilde: Aerdna Harp an der Harfe und Lilli Vostry, Inhaberin von meinwortgarten bringen wieder sphärische Klänge und Gedichte zusammen zu Gehör. Foto: Kathrin Krüger-Mlaouhia

Klang-Wort-Mal-Tanz-Bild

Verschiedene Künste treffen aufeinander in besonderem Ambiente am 30. Mai, von 12 bis 18 Uhr im KlangLabor, Lommatzscher Staße 6 in Dresden. Es beteiligt sich beim „16. Kunst: Offen in Sachsen“, bei dem Künstler sachsenweit ihre Ateliers und Kunsträume für Besucher öffnen über Pfingsten vom 30.5. bis 1. Juni.

Wortklänge, Klangmalerei, Tanzbilder und Musik in Bewegung erfüllen den Raum, verbinden und regen sich gegenseitig an. Dazu lädt unter dem Motto „Dosierte Kunst-Improvisationen“ Andrea Dorschner, Inhaberin des KlangLabors in Dresden wieder Neugierige und Kulturinteressierte am Sonnabend ab mittag ein.

Zu sehen ist eine Ausstellung mit Dosenkeramik von Karin Dorschner und farbenfrohe Musikerbildnisse von Christopher Simpson.

Außerdem sind Einzelaufführungen um 12, 14 und 16 Uhr. Den Reigen verschiedener Künste eröffnen Aerdna Harp (Andrea Dorschner) mit Harfenspiel und Lilli Vostry mit eigenen, neuen und älteren Gedichten, in denen es um den Zauber des immer neu Anfangens, Wandlungen in der Natur und im Leben geht.

14 Uhr ist Musik und Malerei für alle angesagt.

16 Uhr Tanz und Musik mit Tanzkunst Anna Ameno, Matthias Baumgart am Saxofon und Aerdna Harp an der Harfe.

Die Beteiligten freuen sich über reges Interesse und Kommen.

Text (lv)

Das ganze Programm steht unter http://www.kunst-offen-in-sachsen.de


Musiker Matthias Baumgart und Tänzerin Anna Ameno

WortKlänge und TanzBilder

Neue und ältere, noch unveröffentlichte Gedichte las Lilli Vostry, freie Autorin und Inhaberin von meinwortgarten.com beim Kunst: offen in Sachsen am 30.5. im KlangLabor Dresden. Anschließend gab es eine Musik- und Tanzperformance mit Anna Ameno, Matthias Baumgart an der E-Gitarre und Aerdna Harp an der Harfe. Fotos: AD und LV

Mittags war es noch ruhig am gestrigen Sonnabend im KlangLabor. Bereits ab 10 Uhr luden Künstler wieder sachsenweit in ihre Ateliers und Ausstellungsräume ein. Doch Kunst ist wohl eher nichts für Frühaufsteher. Und die Sonne strahlte gar so schön und verlockend zu Beginn des Pfingst-Wochenendes.

Doch unser Warten wurde belohnt. Am frühen Nachmittag schauten die ersten Besucher herein. Inge Tometschek und ihr Mann aus Langebrück, die sich ein beachtliches Atelier-Besuchs-Programm ungeachtet ihrer Gehbehinderung vorgenommen hatten. Sie erzählte, dass weitaus weniger Künstler als sonst dieses Jahr beim „Kunst: offen in Sachsen“ mitmachen. Statt sonst vier Seiten seien es diesmal gerade mal eine reichliche Seite künstlerische Angebote für alle drei Tage. Vielleicht auch wegen der Corona-Einschränkungen und Unsicherheit.

Sie lauschten interessiert und aufmerksam eine Stunde lang unserer musikalischen Gedicht-Lesung, was sowohl ihnen als auch uns viel Freude bereitete. Hinterher kamen wir ins Gespräch, zu den Gedichten und Frau Tometschek erzählte, dass sie im Oktober wieder einen Kunstmarkt in Langebrück veranstaltet und dort werden auch Bücherschätze getauscht. Eine schöne Idee. Werde es mir anschauen.

Nachmittag kamen zwei junge Männer, der eine von ihnen Sozialarbeiter und der andere Heavy Metal-Fan, die sichtlich angetan vom freien, expressiven und experimentellen Spiel von Aerdna Harp (Andrea Dorschner) an der E-Harfe waren. Sie empfahlen uns weitere Musikorte, wo Musiker sich auch spontan zu Sessions zusammenfinden.

Viel Zeit, Muße und Offenheit für neue Angebote brachten zwei Zuhörerinnen mit, die unsere komplette Gedicht-Lesung mit Harfenspiel und eine Tanzperformance erlebten, wobei der Musiker Matthias Baumgart an der E-Gitarre und Aerdna Harp erstmals zusammenspielten, mit mal energisch treibenden, mal sanft fließenden Klängen, die Anna Ameno in assoziative Tanzbilder verwandelte zwischen Stille und Bewegung, in sich hinein hören und aus sich heraus gehen. Wir erfuhren von den Zuhörerinnen, wie es ihnen gefiel, erhielten Anregungen für weiteren Feinschliff am Programm – wie weniger Ansagen, mehr die Texte für sich sprechen lassen, abgestimmt mit dem Harfenspiel – saßen und aßen zusammen selbst gebackenen Apfelkuchen zu Kaffee, Tee und Wein bis abends.

Nicht zu wissen wer kommt und so unmittelbar Resonanz auf das eigene Tun zu erhalten, erlebt man nicht so oft und es macht Mut für weitere solcher Angebote im Zusammenspiel verschiedener Künste im KlangLabor.

Weitere Veranstaltungen des 16. Kunst: offen in Sachsen  am 31. Mai und 1. Juni stehen unter http://www.kunst-offen-in-sachsen.de

Text (lv)

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Neue Lyrik: Rhabarber – Ein Gedicht aus dem Backofen & Im Rausch der Regensinfonie

20 Mittwoch Mai 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, Lebensart, Poesie

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Rhabarber

Intensivrote und zartgrüne
feste Stangen
wie Fernrohre der Blick
nach innen gerichtet

offenbaren nach dem Schälen
feinfaserig zerteilt und aufgelöst
in weiche Stücke beim Kochen
ihre eigenwillige Süße

die mich als Kind schon faszinierte
wenn ich meiner Großmutter in ihrer
geblümten Schürze zusah
wie aus den unscheinbar sperrigen Stielen
solch köstliches Kompott entstehen kann

in dem die Säfte der Natur
und feine Fäden verschmelzen
zu einem rosa fruchtigen Brei
betörender Duft kitzelt die Nase

die Aromen tanzen auf der Zunge
wie es Worte nicht vermögen
in ihrer unwiderstehlichen Mischung
aus herb sauer und frühlingssüß
auf ofenwarmem Teig
zur Feier des Lebens

LV
16.5.2020
geschrieben vor dem Backen und vor der Premiere meiner ersten Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ im KlangLabor Dresden

Fotos (lv)

Lichtblick

Letzte Nacht lag
ich wach und hörte dem Regen zu
er rann flüsterte streichelte
floss zu mir herüber
das Wasser stieg
und stieg
fast bis zu den Bäumen
in denen die Vögel sangen
am Morgen im Rausch
der Regensinfonie

stand ich in der Frische
am Fenster und sah dich
ein winziges Herzblumenleuchten
umwuchert von Gräsern
wogend im Wind
überstrahlte alles

Verlorene ich vermisse mich
schrieb einer im Netz
ich bin bei mir
doch habe mich
noch nicht gefunden

LV
23.5.2020

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Premiere der Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Harfenspiel im KlangLabor Dresden

19 Dienstag Mai 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, Kultur, Lebensart, Musik, Poesie

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Wort & KlangZauber: die Musikerin Aerdna Harp an der Harfe und die Autorin Lilli Vostry bei der Premiere ihres Programms „Vom Zauber endloser Anfänge“ am 16. Mai im KlangLabor, Lommatzscher Straße 6 in Dresden. Foto: Kathrin Krüger-Mlaouhia

Poetische Wolken und Töne
aus dem All

Lilli Vostry und Aerdna Harp stellten erstmalig ihre Wort- und Klanggebilde im KlangLabor Dresden vor.

Wie darf man sich den Zauber endloser Anfänge vorstellen? Als ein Wunschbild, das nie in Erfüllung geht? Wie Kopfkino ohne Eintrittskarte?

Warum Lilli Vostry, Journalistin und Bloggerin, diesen Titel für ihre erste Lesung mit Musik im KlangLabor in der Lommatszscher Straße 6 in Dresden wählte, wird schnell klar. Ihre Poesie hat etwas Endloses, nicht Fassbares, Vergängliches, das immer neu geboren wird.

Seit vielen Jahren formuliert Lilli Vostry Erlebtes und Empfundenes in lyrischer Form. Sie hat schon mehrere Gedicht-Kalender veröffentlicht, ihre „Wortgebilde“ kann man auf ihrem Blog oder auf Facebook finden. Aber noch nie konnte man sie bei einer öffentlichen Lesung von ihr selbst hören. Die 53-Jährige fand ihre Gedanken viel zu persönlich, um sie so direkt vor fremden Ohren auszubreiten.

Dass sich dies nun änderte, ist Aerdna Harp alias Andrea Dorschner zu verdanken. Die Harfen-Improvisatorin wurde Lillis Freundin in Zeiten der Corona-Einsamkeit. Gemeinsam entdeckten die beiden Frauen, wie gut die Worte der einen und die Klänge der anderen miteinander harmonieren. Aerdna Harp, Inhaberin des KlangLabors, zupft aus ihrer Elektroharfe solch sphärische Klänge, dass man meint, sie kämen direkt aus dem All.

Auf wundersame Weise können sie sich mit den poetischen Wolken Lilli Vostrys vereinigen. Sie lassen gerade aufkommende Gedanken weiterfliegen, lenken sie in eine andere Richtung, lösen sie auf oder machen sie zu einem enormen Stimmungsgewitter. Manchmal wäre es allerdings vielleicht besser gewesen, Gedichte und Töne nicht ineinanderfließen zu lassen, sondern jedem für sich Raum zu geben.

Dennoch war die Premiere – für Lilli Vostry wie für das Publikum – ein gelungen-angenehmer Frühsommerabend. Ein Anfang, dessen Zauber nach Wiederholung ruft. Mit oder ohne Mikro. Mit neuen Gedichten. Oder ohne.
Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die Autorin ist Redakteurin bei der Sächsischen Zeitung in Großenhain.


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„Vom Zauber endloser Anfänge“ – Premiere im KlangLabor Dresden

08 Freitag Mai 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte

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KlangLabor im Freien: Lilli Vostry und Aerdna Harp bei einer Klangprobe auf den Elbwiesen in Dresden

Wort- und Klanggebilde über den Zauber des Augenblicks und
die Wandlungen im Leben

Die Premiere der Gedicht-Lesung mit Musik: „Vom Zauber endloser Anfänge“ ist am 16. Mai, um 18 Uhr im KlangLabor, Lommatzscher Str. 6 in Dresden.

Musik- und Poesieliebhaber sind herzlich eingeladen zu meiner ersten öffentlichen Gedicht-Lesung: “Vom Zauber endloser Anfänge – Wort- und Klanggebilde
von Lilli Vostry (freie Journalistin und Autorin) und Aerdna Harp an der Harfe“. Eigentlich sollte sie am 21. März zu Frühlingsbeginn stattfinden und wird nun infolge der Corona-Regelungen am 16. Mai, um 18 Uhr im KlangLabor, Lommatzscher Str. 6 in Dresden Premiere feiern unter Beachtung der Hygienevorschriften wie Mindestabstand und Mund-Nasen-Schutz.

Zu hören sind ältere und neue Texte, darunter aus den bereits vier veröffentlichten GedichtBilderKalendern, die zwischen 2012 und 2020 entstanden und auch einige Texte zum Leben in Corona-Zeiten.

Meine Wortgebilde sehe ich wie Wolken, die beständig ihre Form ändern,
in offener Weite die Fantasie anregen und in denen man immer etwas Neues entdecken kann. Die mal unbeschwert, mal bewölkt, von den Wandlungen im Leben, von Licht und Schatten, dem Zauber des Augenblicks und Neuanfangs erzählen.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Herzliche Grüße
Lilli Vostry und Aerdna Harp

Eintritt: 7 Euro… günstiger als eine Kinokarte und viel Kopfkino!

Kontakt für Rückfragen & Anmeldung (da begrenzte Platzzahl)
e-mail: Lilli-Vostry-Journalistin@gmx.de
Handy: 0177 – 524 88 48

Hier ein Gedicht aus dem Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“.

Weisses Tier

Auf der Wiese
hinterm Fluss
im Schatten der Altstadttürme
sitzt ein weiß gehörntes Tier
wie gemeißelt im Gras
gefesselt an die Blicke der Passanten
die rätseln welcher Art es sei
sich weiden am seltsamen Anblick
ohne seine Herde

weit weg
schüttelt das anmutige Tier sein Haupt
in sanften Wellen rudern
gebogene Hörner Zeichen in die Luft
fließt dunkler Sonnenglanz in den Augen

zwischen uns
frisst allen Schmerz auf
fallen unter mattem Wimpernschlag kreisende Fliegen
weiter her über das gesträubte Fell
während hinten im roten Zelt die Musik
ohne das Hörnertier weiterspielt
ein fernes Rauschen
wie lange noch
LV

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Neue Lyrik: Blütenrausch & Pusteblumenzeit

29 Mittwoch Apr 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie

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Bütenrausch

Die Bäume stehen blütenschwer
im Abendlicht fliegen die Blätter
in lautloser Umarmung mit dem Wind
weißes Lächeln im Fallen
stecken Blüten im Gras
voller Farbsprenksel
hält ihr Leuchten an

kleine Hände greifen
nach den Blütenflocken
schütteln sie lachend von den Zweigen
im unbändigen Spiel mit der Fülle
verweht lautlos Schönheit

eine dicke Hummel nähert sich
mit Gebrumm den Blütenwogen
die Blätter verlieren
und weiter wogen
auf einem tieferen Ast sitzt ein Mädchen
halb in der Luft und am Boden
pflückt eine kleine gelbe Sonne
und verreibt die gelbe Farbe auf der Haut

auf der Wiese zeichnet sich mein Körper
ab mit den langen Baumschatten
fließe ich zu ihnen
ein Junge reicht mir tiefrote Blüten
zu all den anderen aufgesammelten
die doch nicht halten
im Arm hält er einen Teddy
strahlend blau wie der Himmel

LV
26.4.2020

Pusteblumenzeit

Grauweiß der Himmel
mit einem Sonnenlächeln
beginnt der Tag
reglos wie das Gefieder
des kleinen Vogels
am Straßenrand
eine Kohlmeise
sie lag einen Flügelschlag entfernt
vom saftigen Grün
unter dem Mauerbogen der Bahngleise

flaumig federleicht wie die Pusteblumen
auf den Wiesen bereit zum Flug
dazwischen vereinzelt Menschen
die ihren Träumen nachhängen
warten angestubst zu werden
bis die Himmelsschlüsselchen fliegen
hin zu den wohlig grasenden Schafen
die ihre Runde am Fluss
weiterdrehen

LV
28.4.2020

Fotos (lv)

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Neue Lyrik: Blütenschnee & Blütezeit & Baustelle & Lächeln & Osterzeit & Aufatmen/Anderswo

29 Sonntag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Poesie

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Blütenschnee

Bäume blühen verführerisch
wissen nichts von den Ausgehverboten
Sonne zieht Versonnene ins Freie
nach innen und außen zu gehen
infiziert von der Schönheit des Moments
flanieren inhallieren inspizieren
sie innig oder leicht verstohlen
des Frühlings Wonne
das Blütenweiß wie von der Rolle
und das reizende Rosé
besonnen stehen die Freigänger unter herab
hängenden Zweigen voller Blütenschnee

die ersten Blätter rieseln ins Gras
ein Rabe sitzt berauscht von Kirschblüten im Geäst
die erste Biene schaukelt im Nektar
Kinder klettern in die Baumkronen
ein anderes läuft mit einem Riesenteddy an den Fluss
zwei küssen sich
das fällt schon auf
die meisten stehen allein oder auf Abstand

sie hält ein unsichtbares Band
auseinander und zusammen
antarktische Kälte und Schnee
verkünden die Nachrichten im Radio
und die Uhren werden auf Sommerzeit gestellt

Lilli Vostry
28.03.2020

Blütezeit

Das Grau des Tages zerfällt
in unzählige Lichtsplitter im Fluss
die auf mich überspringen
umher schwirren mit den Schwänen und Möwen
im Futterreigen
das steinige Ufer umrunden

folge dem Ruf der Vögel
im Blütenstrom
unter Bäumen fangen
mich ihre Zweigarme auf
zeichnet die Sonne mir
ihre Zeichen ins Gesicht
verblasst das Blau eines Streifenwagens
der vorbei rollt
an den unberührten Wiesen

LV
2./3.4.2020

Baustelle

Eine schwarze Kabelrolle steht aufgerollt
am Straßenrand
wie ein Steuerrad der Leere
im Treibsand verrinnender Tage

Trittbretter klirren verräterisch
vor dem Haus
wenn jemand in die Nacht
oder den Morgen flieht
weg vor dem grollenden Stillstand
sich selbst ausgesetzt
außer Kraft gesetzt
geschäftig getarnte Bewegung

dazwischen atemberaubende Stille
kein Vogellaut
ab und zu verlegenes Husten
bevor mit den Baggern (es braucht keine Uhr mehr)
in der Früh die Bauarbeiter anrücken
wie die letzten Heroen der Arbeit
während andere Löcher in die Luft starren
ringsum das Leben brach liegt

rattern sie mit ihren Maschinen
dass der Boden zittert
die Bäume tragen Manschetten
Grün wuchert hinter den Absperrungen
Leitern führen in die Tiefe
säuberlich verteilter
gelber und blauer Schubkästen
in denen sich neue Fernwärmeleitungen
schlängeln wie dunkle Bandagen
unterirdisch im Leib der Straße

um die Corona wohl einen Bogen macht
wo sie abgeschottet weiter schuften
die Straße muss fertig werden
damit der Verkehr wieder rollt

LV
3.4.2020
Fotos (lv)

Lächeln

Wir haben uns
nur einen Moment
angesehen
doch es war das schönste
Lächeln der Welt
ansteckend

vor dem Einkaufsmarkt
eine lange Schlange
Wartender
wird Desinfizieren bald
so normal
wie das Amen in der Kirche

werde ich das Lächeln auch>
mit Maske sehen

LV
6.4.2020

Osterzeit

Das Läuten der Kirchenglocken
aus der Ferne mischt sich mit Kinderlachen
auf der öden Fläche vor dem Haus
nur ein Streifen Licht
stehen sie raufen und lachen
herzerschütternd
wie lange nicht
überfällt mich dieses Lachen
reißt ein Stück Schale auf
aus dem ein gelbes Etwas will

Wir spielten gern Verstecken
in Kindertagen im Hof mit seinen
vielen Winkeln
versteckten die Ostereier
an den unmöglichsten Stellen
warm lau kalt heiß
ließen wir die anderen wissen
lachten boxten heulten zuhause
in die Kissen
später spielten wir Verstecken
mit uns und anderen

Die Blüteneier aus Plast von früher
und lustig bemalte mit ausschwärmenden
Hasenpaaren schweben an
frühlingsfrischen Zweigen
die Hasenfamilie aus Holz steht
kugelrund verziert und unversehrt
auf dem Stubenbuffet

LV
10.4.2020

Aufatmen/Anderswo

Ausgeliefert sich selbst
auf einmal zu viel gewordene Zeit
nicht irgendwo
im Anderswo
Einfach sein

Auffangen im Blütenweiß
zufällige Blicke
im Moment
aufatmen

Anderswo

Kann sein
alles hört auf
von einem Moment
zum anderen
ein Paar steht an einem Grenzzaun
ein letzter Kuss
das unsichtbare Virus trennt sie
Blicke halten
auf einmal zu viel gewordene Zeit

LV
5.4.2020
(geschrieben für den DSFo-Wettbewerb, Lesezeichenpoesie zum Thema „BeGegnerIn“, 4. Platz in der Publikumsgunst von acht Beiträgen.)

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Schönes bleibt: Kleine Komödien

29 Sonntag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie

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Kleine Komödien

Wenn es Engel gibt,
dann lesen sie wohl nicht
unsere Romane
von den enttäuschten Hoffnungen.

Ich befürchte – leider –
auch unsere Gedichte nicht
mit den Vorbehalten gegen die Welt.

Das Geschrei und die Zuckungen unserer Theaterstücke
müssen sie – vermute ich –
irritieren.

In den Pausen ihrer himmlichsten,
das heißt nicht menschlichen Beschäftigungen,
schauen sie sich eher
unsere kleinen Komödien an
aus der Stummfilmzeit.

Mehr als die Jammernden,
die ihre Gewänder zerreißen
und die mit den Zähnen knirschen,
schätzen sie – wie ich vemute –
den armen Teufel,
der einen Ertrinkenden an der Perücke packt
oder vor Hunger

die eigenen Schnürsenkel verspeist.
Vom Gürtel an aufwärts Vorhemd und Ambitionen,
tiefer im Hosenbein aber
die entsetzte Maus.

O ja,
das muss sie köstlich amüsieren.
Der Wettlauf im Kreis
verwandelt sich in eine Flucht vor dem Flüchtenden.
Das Licht im Tunnel
erweist sich als Tigerauge.
Hundert Katastrophen
sind hundert spaßige Purzelbäume
über hundert Abgründe.

Wenn es Engel gibt,
dann sollte sie – hoffe ich –
diese auf dem Grauen schaukelnde Lustigkeit
überzeugen,
die nicht einmal Zuhilf, Zuhilf ruft,
weil alles in der Stille geschieht.

Ich wage anzunehmen,
daß sie mit den Flügeln klatschen
und aus ihren Augen Tränen fließen,
zumindest die des Gelächters.

Wislawa Szymborska
(aus dem Gedichtband „Liebesgedichte“, insel taschenbuch der Literatur-Nobelpreisträgerin von 1996)

Foto (lv)

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Neue Lyrik: Frühlingsanfang… auf dem Aststumpf sitzt wieder eine Taube

27 Freitag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Poesie

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Frühlingsanfang

Ich steh am Fenster
mitten durchs knospende Grünmeer
dringt helles Getöse
einschneidend ins helle Blau
unbeirrt wogt die alte Weide
in ihrem sonnenglänzenden Frühlingskleid
mit weiter Krone himmelwärts
und raunt mir zu:
ich habe den Sturm überstanden
das wirst auch du

im halb abgebrochenen Zweiggeflecht
saßen tagelang noch Vögel
als ihre Hülle herabstürzte umfing die
unfassbare Hülle mich hielt mich einen
Moment vergass ich den Lärm der Welt
Regentropfen hingen an den Zweigen
losgelöst vom Stamm weggeworfen
einige rettete ich zu mir
drei Astgerippe liegen im frischen Gras
in der Dämmerung umarme ich
die moosig schimmernde verwitterte Rinde
mein Herz ist verflochten mit dem der Weide

auf dem Aststumpf in der Mitte
sitzt wieder eine Taube
wie auf einer Felsklippe
gurrt sie unbekümmert in die Welt
der Wind legt sich
die Weide wiegt sich
das Getöse verstummt
die Natur atmet auf

doch ich vermisse die Lieder
der Vögel am Morgen

Lilli Vostry
23.3.2020

Foto (lv)

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Lyrik zur Zeit: Corona

14 Samstag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Poesie

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Corona

Der Himmel grau verhangen
ein Spalt breit Helligkeit am Horizont
dem der Strom der Gedanken entgegen treibt
Halt sucht
da die Welt kopf steht
seit das rätselhafte Virus auftauchte
sie in Beschlag nahm

Kriege und Krisen plötzlich Nebensache
wer reist sich mit anderen trifft oder die
Hand schüttelt erscheint verdächtig

Menschen reißen voreinander aus
grüßen mit den Ellenbogen
ganze Länder abgeriegelt
Infizierte dürfen nicht aus dem Haus
werden sie bald ein Erkennungszeichen
tragen von anderen gemieden

Wer hat die Büchse der Pandora geöffnet
aus der alle Übel und Seuchen entwichen
womit Zeus sich einst erzürnt rächte da
Prometheus den Menschen
das Feuer und Wissen brachte

Nehmt die Masken ab
sie engen ein
atmet echtes Leben und weniger virtuell live

Text + Foto (lv)
13.3.2020

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Willkommen in diesem reichhaltigen Garten der Künste – Hier blüht Euch was! Hier wächst vieles, Schönes und Dorniges, Auffälliges und Verborgenes, Seltenes und Seltsames nebeneinander. Hier erfahrt Ihr das Neueste aus der Dresdner Kultur- und Kunstszene in aller Eigenart und Vielfalt. Sitzt man auf der Gartenbank mit namhaften und weniger bekannten Kulturmenschen und Menschen mit Ideen und Visionen aus anderen Lebensbereichen. Zeigen Künstler beim Atelier-Besuch ihre neuesten Werke, bevor sie in der Ausstellung hängen und erzählen, welche Bilder sie nie ausstellen würden. Wird Neues aus der Bühnen- und Bücherwelt vorgestellt, Augen- und Ohrenschmaus weitergegeben. Es gibt ein Traumtagebuch, für die Bilder der Nacht und Lebensträume. Es ist Platz für Poesie und Kurzprosa, Reisereportagen, Beiträge über das Leben mit anderen Kulturen, über Lebensart und Zwischenmenschliches. Es werden WortRaritäten gesammelt und Wort-Rätsel mit geheimnisvollem Inhalt gelüftet. Und nun: Schaut Euch um, entdeckt, genießt und lasst Euch anregen von der Fülle an Kulturgewächsen. Und vor allem: Bleibt schön neugierig und empfehlt meinwortgarten weiter.
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Lilli Vostry

Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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  • Die Sprache des Steins: Ausstellung zum Abschluss des Internationalen Bildhauer-Symposiums auf dem Campus der Fachhochschule Dresden
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  • Ein Abend für Thomas Brasch im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul

Top-Beiträge & Seiten

  • BilderAlbum: Zu Besuch bei dem Künstler Eckhard Kempin im Melli Beese-Haus in Dresden-Laubegast & Neue Ausstellung
  • Ausstellung "Zauberhaft" von Rita Goldschmidt in der Galerie mit Weitblick in Radebeul
  • Premiere "Achtsam morden" - Krimikomödie in der Comödie Dresden
  • Tango in Dresden: "Die Szene ist sehr bunt und offen."
  • Bücher-Frühling: "Lebenssekunden" von Katharina Fuchs
  • Wunderreiche Welt & unbequeme Wahrheiten: dem Lügenmuseum Radebeul droht die Räumung
  • Tief & Hoch - Druckgrafik von 18 Künstlern im Neustädter Barockviertel
  • Sarkastisch & Solidarisch: Bisher schwieg die Kulturszene zur Corona-Politik. Das ändert sich jetzt mit der Aktion #allesdichtmachen von Schauspielern, die für Aufruhr sorgen.
  • Premiere von Monthy Python`s "Nicht der Messias" in der St. Pauli Ruine in Dresden
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Aktuelle Beiträge

  • Opera en miniature: „Abu Hassan“ – Musiktheater mit Puppen im Schloss Lauenstein
  • Letzte Gelegenheit in die fantastische Welt im Lügenmuseum Radebeul einzutauchen
  • „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ – Vielleicht bringt die 25. Vorstellung Glück!
  • Klangwanderung & Konzert mit Agnes Ponizil & Anne Kathrin Wagler an zwei Klavieren beim Musiksommer Bärenstein
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  • Gastspiel „Manche mögen`s heiss“ in Hoppes Hoftheater in Weissig
  • BilderAlbum: Konzert im Milchschafhof Bärenstein & Ausstellungen beim Musiksommer
  • Ausstellungs-Eröffnung: „Wenn Farben Liebe machen“ mit Malerei von Oliver Estavillo in der Galerie Holger John in Dresden
  • Neue Lyrik: Gedichte von Zoe Nora Goerges

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