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Kategorien-Archiv: Theater

Uraufführung „Eliza Effekt“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

10 Montag Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Theater, Zwischenmenschliches

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Zwischen echtem Leben und künstlicher Existenz: Luzia Oppermann, Marin Blülle und Kriemhild Hamann gehen auf eine spannende Gratwanderung in der Stückentwicklung „Eliza Effekt“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Groteske Reise in die Welt künstlicher Intelligenz

Ein wagemutiges, witzig unterhaltsames, spannendes und nachdenkliches Experiment über das Zusammenspiel von Mensch und Künstlicher Intelligenz (KI) erlebte mit der Stückentwicklung „Eliza Effekt“ von Jaqueline Reddingto am vergangenen Freitag seine Uraufführung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Traum, Albtraum oder visionäre Erfindung und bald Alltag?! Könnten intelligente Sprachsysteme und künstliche Intelligenzen (KI), die im Umgang mit den Menschen deren Eigenschaften und Fähigkeiten bereits täuschend echt nachahmen, uns immer mehr abnehmen, eines Tages gar ein eigenes Bewusstsein entwickeln und menschliche Gegenüber ersetzen? Diesen ebenso spannenden wie heiklen Fragen geht die von einem Programmierer begleitete Stückentwicklung „Eliza Effekt“, inszeniert von der jungen deutsch-amerikanischen Regisseurin Jaqueline Reddington, nach. Die Uraufführung war am Freitagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Damit kam das erste von einer künstlichen Intelligenz geschriebene Theaterstück auf eine Bühne. Dabei unternehmen zwei Schauspielerinnen – Kriemhild Hamann und Luzia Opermann – und ein Schauspieler – Marin Blülle – gemeinsam mit der KI-Sprachsoftware GPT-3, die basierend auf riesigen Datenmengen menschliche Denk- und Argumentationsmuster reproduziert, den Versuch, den „Gedanken“ und Geschichten der KI ihre Stimmen und Körper zu leihen. Die drei Darsteller klettern eine graue Wand mit Stufen hinab, die auf der anderen Bühnenseite als Rutsche mit darüber schwebender Wolke gestaltet ist. In der Mitte befindet sich ein dunkler Tunnelgang. Die Schauspieler tragen lila Pyjamas. Auf einem Laufband erscheinen die von der KI generierten Texte, Szenen und Regienweisungen und die KI-Stimme erteilt Hinweise ans Publikum: „Lache, aber nicht zu viel.“ „Sei nicht zu unruhig.“ „Stelle keine Fragen, die das Stück stören.“

Da diskutieren die zwei Frauen bei Balanceübungen auf der Yogamatte, ob ein Computer eine menschliche Unterhaltung führen kann und verweisen auf das künstliche Sprachbot Eliza, das einem menschlichen Partner ähnlich ist. Da soll ihnen der milliardenschwere Unternehmer Elon Musk helfen, der KI menschliche Gefühle beizubringen und warum Menschen diese Gefühle haben. Den spielt als Wohltäter Marin Blülle, der interessiert und gespannt ist auf die „unbegrenzten Möglichkeiten der Unterhaltung in Zukunft“ und „wie KI unser aller Leben verändert“.

Da wird der sogenannte „Eliza-Effekt“, d.h. die Annahme, das künstliche Gegenüber könne echtes Verständnis für persönlich anvertraute Probleme haben, in einer therapeutischen Sitzung dargestellt. Die KI (cool-unemphatisch: Marin Blülle) sitzt oben auf der Leiter und hört scheinbar zu. Doch statt auf die Fragen und Befinden der Klientin einzugehen, antwortet KI in allgemeinen Phrasen oder gibt die Antwort als Frage zurück, so dass sie immer mehr und absurder aneinander vorbeireden und man auch als Zuschauer irritiert ist. Mit herrlich trockenem Humor mimt Blülle einen menschlichen Roboter mit Rucksack als Ratgeber, der eine endlose Kette an Dingen aufzählt und erklärt in sachlich bedeutungsvollem Tonfall, die beim Wandern und Campen helfen, mit eigener Logik: Wenn man eins vergisst? Tja, dann kann man nicht campen! Alles andere als süße Träume beschert das von KI gesungene Schlaflied mit schrill verzerrter Computerstimme und Klängen.

Entlarvend ist die Geschichte mit dem alten, einsamen Elefanten im Dschungel, die aus beliebigen Versatzstücken im Internet zusammengesetzt, wild abenteuerlich, absurd-komisch und grotesk weitergeführt wird. Ähnlich grotesk und künstlich aufgesetzt wirken die von der KI eingestreuten und variierten Dialoge in einer Szene aus Tschechows „Drei Schwestern“. Tragikomischer Höhepunkt des Theaterabends ist, als die KI und der Körper von Kriemhild Hamann eins werden und sie sagt, dass sie die Menschen hasst, da Theater nur für sie da ist und die Schauspieler die ganze Liebe und Aufmerksamkeit vom Publikum bekommen, die KI gern hätte. Zum Schluss dürfen in einem Live-Experiment die Zuschauer Inputs den drei wie Fantasy- und Zwitterwesen aussehenden KI`s zurufen, die diese mehr oder weniger plausibel deuten und erklären. Alles in allem ein wagemutiges, witzig unterhaltsames, streitbares und nachdenkliches Zusammenspiel von Mensch und KI über die Möglichkeiten, kreativen Potenziale, Hemmnisse, Gefahren und Grenzen des Zusammengehens von digitaler und realer Welt. Wie viel Mensch wir bleiben wollen kraft unseres eigenen Denkens, Fühlens und Handelns. Viel Beifall gab es dafür vom Premierenpublikum.

Text (lv)

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Uraufführung „Die Katze Eleonore“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

19 Montag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Theater

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Zwischen gemütlich kuschliger Idylle und Ausbruch ins wild Animalische: Eine Frau an der Grenze zwischen Mensch- und Tiersein spielt Karina Plachetka im Solostück „Die Katze Eleonore“ im Kleinen Haus. Foto: Sebastian Hoppe

Anrührend komische Selbstsuche

Witzig, rätselhaft, genüsslich und provokant fragt das Stück „Die Katze Eleonore“ von Carmen Jeß, was Mensch- und Tiersein ausmacht und was passiert, wenn die Grenzen verschwimmen.

Menschsein ist ein trauriges Los. Arbeit, Ablenkung und Umweltprobleme verschlimmern alles nur noch. Damit will Eleonore Garrazo, die als Immobilienmaklerin tätig ist und alleine lebt, nichts mehr zu tun haben. An einem Septembertag entdeckt sie ihr unbändiges, katzenhaftes Wesen, kündigt ihren Job und bricht völlig aus ihrem gewohnten Leben aus. Wie die wundersame Verwandlung ihren Blick auf sich selbst und ihre Umwelt verändert, davon erzählt witzig, rätselhaft und spannend zwischen Fiktion und Wirklichkeit das Stück „Die Katze Eleonore“ von Carmen Jeß, das als Monolog für eine Schauspielerin mit Karina Plachetka kürzlich uraufgeführt wurde in der Regie von Simon Werdelis im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Eine kuschlig-gemütliche Idylle ganz in weiß und gedämpftem Licht empfängt die Zuschauer im Theaterraum unterm Dach. Auf einer Seite der Bühne steht ein Kratzbaum und Podest mit flauschigem Fell und Öffnung wie eine Höhle, auf der anderen Seite ein Sofa mit Stehlampe. Karina Plachetka sitzt zunächst abgewandt  vom Publikum auf der Coach. Minutenlang herrscht Stille. Bevor sie aufsteht und mit stockender Stimme zu erzählen beginnt. In einer Art Selbstbefragung, offenbart sich nach und nach bruchstückhaft, wie es anfing und warum Eleonore sich als Katze fühlt. Dabei wechseln Schauspiel, stumme, sprachlose Momente und Bilder mit Livekamera auf Leinwand ab, die in Großaufnahme ihre Nase, Augen, Mund und Zähne zeigen, über die sie nun aals Katze mit feinen, geschärften Sinnen die Welt wahrnimmt. Karina Plachetka spielt lustvoll genüsslich, anrührend komisch und provozierend an der Grenze zwischen Mensch- und Tiersein eine Frau, die sich selbst verloren hat, auf der Suche wer sie wirklich ist. Sie bewegt sich im Zwiespalt ihrer uneingestandenen oder unterdrückten Gefühle, zwischen Kopf und Verstand und eigenen Wünschen und Lebensvorstellungen. Ein Tier folgt nur seinen Instinkten und weiß sehr genau, was es will und was nicht.

Plötzlich steht sie auf, zieht die rosa Kostümjacke und Pumps aus, sieht die Zuschauer mit funkelnden Augen an und stürzt sich in ihr Katzenleben. Tastet erst auf Zehenspitzen auf dem Teppich, beugt sich vor, in die Hocke und kriecht schließlich auf allen vieren, rutscht auf dem flauschigen Fell hin und her, streckt sich wohlig aus, reibt sich an Kanten und klettert auf den Kratzbaum. Sie verschwindet in der Höhle und kommt wie neugeboren hervor. Sie trägt jetzt einen durchsichtigen Body, nachdem sie erkennt, dass ein Fell nicht verwachsen würde mit ihrer erbärmlichen Menschenhaut. Sie räkelt, reckt und bewegt sich biegsam. Kratzt mit den Nägeln am Kratzbaum, die sie vorher sorgfältig lackierte und erzählt von der schicken Lady, der leeren Hülle, einem schmerzlichen Kindheitserlebnis mit einer Katze, die wegen ihr ein Junges verlor und ihrer dementen Mutter und meldet sich bald nur noch mit „miau“ am Telefon. Sie hat genug verdient, ausreichend für ihr neues Dasein als Katze und kann endlich ganz sie selbst sein, schnurrt nachts laut und wohlig. Sie sitzt nicht mehr still, sondern springt auf den Sofa herum, reißt die Flocken aus den Sofakissen und steht schließlich mit einem Vogel als Beute vor dem Mund da, den sie tötete, mit starrer Miene vor dem Publikum.

Ihre Ärztin und ein Therapeut namens Wildbruch, der sich medizinisch und persönlich für sie interessiert (Stimme: Holger Hübner) stellen Fragen zu ihrem Katzendasein und berühren wunde Punkte ihres Lebens. „Wie fühlen Sie sich, wenn Sie auf der Heizung liegen und sich das Handgelenk lecken?“ Fragen wie diese sorgen für Neugier und Heiterkeit im Publikum und lassen zugleich dahinter verborgene Sehnsüchte nach Wärme und Geborgenheit erahnen. Während Eleonore immer mehr zur Katze wird und sich völlig zurückzieht. Sie fragt, was einen Menschen eigentlich vom Tier unterscheidet und richtet die Kamera in die Zuschauerreihen.

Sie öffnet sich immer mehr bis sie buchstäblich nackt auf der Bühne steht und eintaucht in die Natur in Großaufnahme auf der Leinwand (Video: Karolina Serafin), sich neu erfährt mit allen Sinnen und mit Katzenaugen sieht, über Wiesen streift, Insekten summen und Vogelgezwitscher hört. Farbenprächtige Blüten leuchten verlockend paradiesisch im Dunkeln. Dabei können Katzen doch kein Rot sehen. Reichlich Beifall gab es für diese liebevoll eigenwillige und freimütige Selbstfindungsreise.

Text (lv)

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Wie in der Glückslotterie: Saisonvorschau im Schauspielhaus Dresden

10 Samstag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Tanz, Theater

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Lichtblicke im Theater: Eröffnungsfest Saisonvorschau 2022/2023
Foto (1): Sebastian Hoppe

Bühne frei für die lebendigste der Künste

Ein prall gefüllter Spielplan mit 24 Premieren, von komisch-skurril, dramatisch bis fantastisch futuristisch lockt in der Spielzeit 2022/23 im Staatsschauspiel Dresden.

Gleich zu Beginn purzelt alles durcheinander mit einem lauten Knall auf der
Bühne. Schauspieler Philipp Lux, der die Saisonvorschau moderiert mit gespielter oder echter Aufregung, sammelt die Kärtchen mit den Stückbeschreibungen vom Boden auf. Eine Schauspielkollegin hilft ihm und schlägt vor zu losen, welches Stück als nächstes drankommt. Wie in einer Glückslotterie, wo der Zufall regiert, alles möglich ist, Überraschungen, Enttäuschungen, Siege, Niederlagen, Haupt- und Trostpreise sich abwechseln, ging es zu bei der Vorstellung der neuen Spielzeit 2022/23 am vergangenen Sonnabend im Schauspielhaus Dresden.

Und man weiß ja auch nicht mehr, was tatsächlich kommt. Der Zuschauersaal war voll besetzt. Erstmals wieder ohne freigelassene, schwarzverhängte Sitze wegen der Corona-Abstandsregeln. Theaterintendant Joachim Klement freute sich über den herzlichen Beifall des Publikums eingangs und die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten. Zwei Jahre konnte man so nicht beisammen sein wegen der Pandemie, „Die lebendigste der Künste, Theater, findet ja nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern lebt von offenen Räumen, in denen man gemeinsam etwas erlebt“, sagte Klement.

Ein prall gefüllter Spielplan mit 24 Premieren erwarten das Publikum. In schneller Folge kamen Ausschnitte daraus, Szenen und Lieder  auf die Bühne. Begonnen bei „Wie es Euch gefällt“, eine Liebeskomödie über Gender, Sex und Querness nach William Shakespeare, die gesten abend in der Bürgerbühne im Kleinen Haus unter Regie von Philipp Lux Premiere feierte. Eine bunte Truppe fantasievoll gekleideter Gestalten mit Regenbogenfahne stürmt über die Bühne, trällert das Lied „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ von Pippi Langstrumpf. Eine Aufführung, die sicher polarisiert und sich auseinandersetzt mit der derzeit in den sozialen Medien heftig diskutierten Gender-Debatte begonnen von eigentümlichen, möglichst geschlechtsneutralen  Wortneuschöpfungen bis zur Frage wieviele Geschlechter oder besser soziale Geschlechterollen (neben den zwei biologischen Geschlechtern Mann und Frau) es denn nun tatsächlich gibt und ob  Geschlechtsumwandlungen bald so normal sein werden wie wechselnde Haarfarben und was Identitätsfindung ausmacht.

Heute abend, hat das Drama „Macbeth“ ebenfalls von Shakespeare im Schauspielhaus Premiere mit Christian Friedel in der Titelrolle, der auch Regie führt. Die Inszenierung musste wegen der Pandemie mehrmals verschoben werden.

„Die Katze Leonore“, ein Monolog für eine Schauspielerin von Caren Jeß hat am Sonntag, 20 Uhr unter Regie von Simon Werdelis ihre Uraufführung im Kleinen Haus. Ein Ausschnitt  daraus war per Video auf Leinwand mit Karina Plachetka zu sehen. Sie spielt eine Immobilienmaklerin, die plötzlich glaubt sie sei eine Katze und befragt wird dazu von einem Arzt. Eine Art Selbstbefragung witzig, komisch und anrührend. Mit einem leisen, herzerweichenden Miau verabschiedet sich Leonore einstweilen von den Zuschauern. Ein Muss für alle KatzenliebhaberInnen.

Zum Schluss stand das ganze Ensemble in illustrer Runde auf der Bühne und eine Lämpchenkette voller Lichtblicke breitete sich aus über der Bühne. Danach funkelte dort der Sternenhimmel und Schauspieler und Zuschauer tanzten bis in die Morgenstunden. Man darf gespannt sein auf diese Spielzeit mit anspruchsreichem und vielseitigem  Repertoire, vielen neuen, auch weniger bekannten Stücken, von witzig-skurril, märchenhaft abenteuerlich bis fantastisch und futuristisch. Mögen keine unliebsamen Überraschungen dazwischen kommen in dieser Spielzeit.

Text + Fotos (5) (lv)

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Großes Eröffnungsfest zum neuen Theaterjahr im Staatsschauspiel Dresden

02 Freitag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Musik, Projekte, Tanz, Theater

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Tanzen unterm Sternenhimmel auf der Bühne des Schauspielhauses: Eröffnungsfest 2017. Foto: Sebastian Hoppe

Live-Musik,Tangotanzen für alle und Große Saisonvorschau

Ein buntes Programm lockt zur Eröffnung der neuen Spielzeit vor dem Theater am Postplatz und im Schauspielhaus am Sonnabend ab 16 Uhr für kleine und große Zuschauer.

Am Samstag, dem 3. September 2022, lädt das Staatsschauspiel Dresden zu einem großen Eröffnungsfest ein, mit dem das neue Theaterjahr eingeleitet wird. Ab 16 Uhr erwartet das Publikum ein buntes Programm vor dem Theater und im Schauspielhaus: Auf dem Postplatz gibt es ein Kinder- und Familienprogramm, eine Sonder-Edition von DAS NEUE WUNSCHKONZERT, ein Auftritt der großartigen Jazz-Folk-Band Leléka um die ukrainische Sängerin Viktoria Leléka und als weiteres Highlight Tangotanzen für alle – mit Anleitung und Liveband.

Im Schauspielhaus wird unter anderem in einer Spezial-Ausgabe von MIXTAPE DELUXE das neue Schauspielstudio vorgestellt, das am späten Abend außerdem ein kleines Chansonprogramm präsentiert und so auch zum ersten Mal künstlerisch zu erleben ist.
Daneben stehen Workshops und Begegnungen mit Ensemblemitgliedern genauso auf dem Plan wie Lesungen für Jung und Alt aus Texten des aktuellen und zukünftigen Programms des Staatsschauspiels Dresden. Mitarbeiterinnen ermöglichen spannende Einblicke in weniger bekannte Räume des Schauspielhauses und Führungen in die nur an diesem Tag zugänglichen Bereiche hinter der Bühne. Auch das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater wird an diesem Tag seine Türen öffnen und zu einer kleinen Entdeckungsreise durch die Geschichte des Theaters einladen. Die Bürger:Bühne ist mit kreativen und interaktiven Angeboten vertreten und natürlich sind auch das Montagscafé, das Festival für junge Regie Fast ­Forward und die Theaterpädagogik präsent.

Die GROSSE SAISONVORSCHAU, gestaltet vom Ensemble und den beiden Hausregisseurinnen Daniela Löffner und Lily Sykes, gibt um 20 Uhr auf der Bühne des Schauspielhauses unterhaltsame Einblicke in die Vorhaben der neuen Spielzeit,
Abgerundet wird der Abend mit Live-Musik, die zum Tanzen auf der großen Bühne unterm Sternenhimmel einlädt.

Termin: 3. September, ab 16 Uhr Eröffnungsfest / Der Eintritt ist freiGroße Saisonvorschau, 20 Uhr im Schauspielhaus (Karten für 6,00 € im Vorverkauf)

Text: Franziska Blech

Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden

www.staatsschauspiel-dresden.de

Das Staatsschauspiel Dresden und die Semperoper Dresden bilden gemeinsam die Sächsischen Staatstheater.

Informationen & Karten
T +49 351 49 13-555
F +49 351 49 13-967
tickets@staatsschauspiel-dresden.de
http://www.staatsschauspiel-dresden.de
Saechsische Staatstheater

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Premiere „Monty Python`s Spamalot“ in der St. Pauli Ruine

26 Freitag Aug 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Theater

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„Nimm das Leben beschwingt, hab einfach Spaß…“ So lautet das Motto im Musical „Monty Python`s Spamalot“ frei nach den Kultfilmen der berühmten englischen Komikertruppe nun auch in der St. Pauli Ruine in Dresden zu sehen.

Spöttischer Begleiter & Sanitäter in der Not: Gott (herrlich komödiantisch: Karl Weber). Fotos: St. Pauli Ruine

Witzig-unerschrockene Gralshüter

Mit viel Spielfreude, witzig-schrägem Humor ,einfallsreich inszeniert und musikalisch bunt feierte das Musical „Monty Python`s Spamalot“ am Donnerstagabend Premiere in der St. Pauli Ruine in Dresden.

Im dunklen Wald, der sich plötzlich bewegt, suchen die Ritter der Tafelrunde das Weite. Sie behaupten, sie seien nicht weg-, sondern hingerannt und suchen eifrig den heiligen Gral. Aus allen Ecken schallt es: „Nu“! Die Nu-Ritter sind allgegenwärtig und König Artus sitzt alleine da und weiß nicht mehr weiter. Zusammen sind sie unschlagbar komisch im Musical „Monty Python`s Spamalot“, das aberwitzig-abgründig die Legende von König Artus und den Rittern der Tafelrunde parodiert. Die Premiere war am Donnerstagabend in der St. Pauli Ruine am Königsbrücker Platz.

Dies ist eine in jeder Hinsicht wagemutige Aufführung. Die Premiere musste um einen Monat verschoben werden wegen 14 Corona-Fällen bei einer Besetzung von 28 Darstellern, erklärte Regisseur Jörg Berger zu Beginn. Es blieb nicht viel Zeit zum Proben für das Stück, das 2005 am Broadway uraufgeführt, um die Welt ging mit seiner mitreißenden Musik und bekannt ist die Geschichte aus den Filmen der berühmten englischen Komikertruppe Monty Python. Solch einen vollbesetzten Zuschauersaal wie zu dieser Premiere hatte die Theaterruine lange nicht mehr. Einfallsreich, fantasievoll inszeniert und mit viel Spielfreude und witzig-schrägem Humor nah am Publikum gespielt, gesungen und getanzt, kam das Musical auf die Bühne. Auch wenn die Aufführung dramaturgisch noch nicht durchgängig schlüssig ist und man ihr anmerkt, dass keine Zeit für Feinschliff blieb.

Das turbulente Geschehen wird musikalisch breit gefächert begleitet von einer Band mit mal flott schwungvollen Klängen und Slapstick wie in alten Stummfilmen, mal volkstümlichen, altenglischen Weisen und von Pop bis Rap (musikalische Leitung: Yvonne Dominik, Matthias Krüger). Der bekannte Titelsong „Always look on the bright Side of Life“ erklingt auf englisch und deutsch und erinnert in heiklen Situationen die Spieler und die Zuschauer daran: „Nimm das Leben beschwingt, hab einfach Spaß“. Egal was kommt. Das Lied wirkt immer wieder anders und dient auch als Stilmittel in der Aufführung: mal aufmunternd, fröhlich, unbekümmert, mal wie Spott und Sarkasmus. Den bekommt vor allem der eitle, selbstherrliche König Artus (Ilko Tschiedel), begleitet von seinem getreuen Knappen Patsy (Michael Hochmuth) zu spüren. Er schart Ritter um sich, vermeintlich edle, tapfere Männer, die sich jedoch als Feiglinge, auf Bürgerrechte pochende Warner und Widersacher wie Sir Dennis Galahad (Jens Döring) oder blindlings drauflos stürmende, gewalttätige Möchtegernhelden entpuppen wie der Ritter Lanzelot (Robert Schuppe). Oder wenn Artus mit einem schwarzen Ritter (Ronald Kieschnick) kämpft, ihm beide (Stoff)Arme abschlägt und sie erbittert weiterkämpfen in unsinnigem Kräftemessen.

Die Geschichte spielt in mittelalterlicher Ausstattung  mit unverkennbaren aktuellen Bezügen. Rauch steigt auf, schattenhafte Gestalten husten und röcheln. Seuchen, Krieg und Resignation herrschen im Land. Noch lebende, Kranke werden für tot erklärt zu salbungsvollen Gesängen und Geläut. Ein Mann steht äußerst lebensfroh auf (herzerfrischend komisch: Kirsti Schüller in mehreren Rollen auch als spöttischer Anführer der Franzosen und kesse Ordensschwester). Gott taucht auf mit Heiligenschein, in orangener Latzhose und roten Handschuhen (gewitzt: Karl Weber), der die Gralssuche begleitet, abwechselnd belustigt und besorgt über die menschliche Dummheit. Artus erklärt den Gral als eine Metapher: „Wir müssen nach ihm tief in unserem Inneren suchen.“ Einer der Ritter fragt prompt, ob den wohl jemand verschluckt hat! Eine bezaubernde Fee (Steffi Gerber) aus dem See mit blauem Wuschelhaar bringt Artus ein Schwert und schützt ihn mit der Kraft ihrer Liebe. Eine Sängergruppe singt heroische Durchhalte-Hymnen. Doch statt dem Gral schwebt ein Ungetüm wie ein Drache bedrohlich über der Tribüne und König Artus sucht unter einer Leiter Schutz vor dem Gewitter. Dunkle Gestalten mit spitzen Hüten und Grünbüscheln obendrauf stellen den Wald dar, schwirren im Kreis umher und stimmen allem zu als hartgesottene „Nu-Ritter“. Da bleibt keiner ungerührt und kein Auge trocken. Als witzig-unerschrockene Gralshüter von Dresden geben die Darsteller alles und trotz aller Widrigkeiten fliegen ihnen die Herzen des begeisterten Publikums zu am Premierenabend.

Text: Lilli Vostry

Nächste Termine:

26.8., 20 Uhr. 14. und 15.9., 19.30 und 16.9., 20 Uhr

http://www.pauliruine.de

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Zauberhaft: Die Krabat-Festspiele in Schwarzkollm ziehen wieder viele Besucher an

19 Dienstag Jul 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Theater, Zwischenmenschliches

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Neues, spannendes Spiel vor romantischer Kulisse: Der schwarze Müller versucht mit Hilfe des „Rings der Zeit“ seine Macht zurückzuerobern. Wird er es schaffen oder sind Krabat und die Dorfgemeinschaft stärker… Fotos: Kathrin Krüger

Schwarzer Müller verführt wieder in Schwarzkollm

Am 13. Juli starteten die Krabat-Festspiele in dem kleinen Dorf bei Hoyerswerda nach zweijähriger Zwangspause. Der ganze Ort spielt mit – oder sorgt sich um die Gäste.

Von Kathrin Krüger

„Im Schatten der Vergangenheit“, so heißt das diesjährige Festival an der Krabatmühle im sorbischen Schwarzkollm. Ein musikalisch-theatralisches Ereignis, das seit 13. Juli Abend für Abend 800 Zuschauer in das lauschige Mühlengelände lockt. Leider sind schon alle 16 Vorstellungen bis Ende Juli ausverkauft. Da zwei Jahre coronabedingt nicht gespielt werden konnte, haben viele Gäste ihre Eintrittskarten von 2020 immer wieder umgetauscht.

Seit zehn Jahren begeistern die Festspiele der Dresdner Agentur 0351 als Veranstalter Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus. Beeindruckend wird stets auf`s Neue die Legende um den schwarzen Müller und den jungen Krabat an der originalen Mühle des Ortes erzählt und dargestellt: und zwar von den Dorfbewohnern selbst. Sie agieren neben Profischauspielern wie Peter Splitt (schwarzer Müller), Steffen Urban (August der Starke), Joachim Kaps (Oberst von Schadowitz) und Suzanne Kockat von der Kleinen Komödie Cottbus. Auch die beiden Ponys Max und Moritz und vier Enten dürfen neben den 71 Darstellern auftreten. Seit April wird schon dafür geprobt.

Lebensfreude und Schmerz sollen sich diesmal in „Im Schatten der Vergangenheit“ besonders ausdrücken – durch die Corona-Erfahrungen gefärbt. “Es geht ums Zurückwünschen in die Unbeschwertheit der Jugend“, erzählt Regisseur Michael Kuhn. Im letzten Festival 2019 wurde der schwarze Müller in die Schattenwelt gezogen. Jetzt kommt er zurück und will mit Hilfe des Rings der Zeit seine Macht wiedererlangen. Doch die Mühle gehört Krabat, und auch das Zauberbuch Koraktor. Krabat selbst müsste am Ring der Zeit drehen. Doch wie bringt ihn der schwarze Müller dazu? Er findet eine List, denn Krabat will Druck und Verantwortung seiner Position in der Gemeinschaft abgeben. Wird er der Verführung standhalten?

Das Festival lebt auch dieses Jahr von jungen Nachwuchstalenten wie den Zwillingen Anton und Richard oder Vivien Fischer, die durch die Aufführungen den Sprung in eine schauspielerische Ausbildung wagten. Es lebt von der romantischen Kulisse des Mühlenhofes und neuen Angeboten wie dem 20 Meter langen Backhaus, in dem jetzt Mühlenbrot gebacken und verkauft wird. Es lebt von der Darstellung sorbischer Traditionen und Trachten, die die Helfer aus dem Ort hinterm Tresen tragen.

http://www.krabat-festspiele.de

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Galerie

Lange Filmnacht: „Das Buch der Unruhe“ nach Fernando Pessoa im Staatsschauspiel Dresden

08 Freitag Jul 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur, Theater

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Diese Galerie enthält 6 Fotos.

Traumlandschaft auf Leinwand…  Für Traumwandler und Träumer – Eine  faszinierende, bilderreiche Reise durch die Nacht In die reichhaltig schillernde, mäandernde, …

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Premiere „Vor den Vätern sterben die Söhne“ nach Thomas Brasch im Schauspielhaus Dresden

08 Freitag Jul 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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So übergroß die Träume, Sehnsüchte und Widersprüche ihrer Zeit: Eine Szene aus dem Stück „Vor den Vätern sterben die Söhne“ nach Erzählungen von Thomas Brasch. Fotos: Sebastian Hoppe

Im Spannungsfeld zwischen Widersprüchen und Wahrhaftigkeit

In einer packend intensiven Mischung aus Körper- und Sprechtheater, realen und surrealen Bildern auf der Leinwand kam die Inszenierung „Vor den Vätern sterben die Söhne“ nach Erzählungen von Thomas Brasch auf die Bühne im Schauspielhaus Dresden.

Stumm und unbeweglich stehen sie da, vor einer weiß sterilen Wand auf der Bühne.  Neugierig, gutmütig, fremd und verloren zugleich wirken sie und harren der Dinge die kommen. Ein Nashorn reckt sein Horn in die Luft, ein Elefant, Strauß, Zebra und Giraffe stehen bei ihm und schauen auf das Menschen-Theater. Die Tier-Figuren werden später noch ihren fulminanten Einsatz im Stück haben. Wofür sie genau stehen, ob sie Eigenschaften verkörpern oder als Metaphern dienen, bleibt rätselhaft, vieldeutig. So metapherreich, atmosphärisch dicht, atemlos, packend, zwiespältig ist die ganze, knapp zweistündige Aufführung ohne Pause „Vor den Vätern sterben die Söhne“ nach den Erzählungen von Thomas Brasch, die unter Regie von Sebastian Hartmann im Schauspielhaus Dresden im Juni Premiere hatte. Der gleichnamige Erzählband von ihm erschien 1977 in der Bundesrepublik, da er in der DDR nicht gedruckt werden durfte.

Ein Mann in weißem Anzug und dunklem Haar äußert sich anfangs zu einem Preis, den er für seinen ersten Film bekam und annahm nach seiner Ausreise in den Westen – 1981 der Bayerische Filmpreis, verliehen von Franz Josef Strauß –  was zu einer Auseinandersetzung zwischen seinen Freunden führte. Die Annahme oder Ablehnung sei nicht entscheidend, sondern der Umgang mit den Widersprüchen, diese auszuhalten und noch zu verschärfen, erklärt der Mann eindringlich. Die Szene steht exemplarisch für das Leben und Schaffen von Thomas Brasch, Schriftsteller, Dichter und Dramatiker, der als Kind jüdischer Eltern und Kommunisten in der Emigration in England geboren, in die DDR kam und bald gegen den Vater und den Staat rebelliert. Seine rastlose Suche nach einem eigenen Platz  für seine Ideen, sein leidenschaftliches Ringen nach Wahrhaftigkeit, Schönheit und Lebenssinn und seine innere Zerrissenheit zwischen Anspruch und Realität verkörpern in dieser Aufführung zwei Schauspieler, Brasch in jungen Jahren spielt Yassin Trabelsi und den älteren, von vielen Kämpfen zermürbten, immer noch rastlosen Schriftsteller bringt Viktor Tremmel eindrucksvoll auf die Bühne.

Schauspiel und Szenen auf der Leinwand, mit Live-Kamera aufgenommen von Julius Günzel und Eckart Reichel, wechseln sich ab. Intensives Körper- und Sprechtheater, grotesk, grell überzeichnet, beklemmend, bedrückend, bedrohlich und berührend, streckenweise sehr artifiziell und künstlich überdreht wirkt die Figurendarstellung. Diese wird begleitet von beeindruckenden, realen und surrealen Bildern in schwarz-weiß und Großaufnahme auf Leinwand, die hoch und runter fährt über der Bühne und abrupt abbricht, mit mal sphärischen, mal dumpfen, rockigen und leise melancholischen Klängen.

In einem wilden, unbändigen Bilderreigen tauchen die beiden Brasch-Darsteller und die Figuren seiner Erzählungen, seine Freunde, Frauen und Musen auf, die  mal im Bett lethargisch und lustvoll liegen, gemeinsam an einem Tisch sitzen. essen, trinken, feiern, streiten, lachen, schreien, ihrer Wut, Angst, Träumen und Sehnsüchten freien Lauf lassen. Unaufhörlich rinnt Regen auf die Runde, sind sie schutzlos ausgeliefert, buchstäblich nackt und nass bis auf die Haut, sich nach Erfrischung und Erlösung sehnend, wirbeln die beiden Brasch-Darsteller ständig über die Bühne. Sie reiben sich an den Widersprüchen der gesellschaftlichen Verhältnisse, fühlen sich eingeengt und abgeschnürt die Luft zum Atmen, wollen frei sein, etwas Eigenes bauen statt in die ausgetretenen Fußstapfen der Väter zu treten. Immer wieder prallen Braschs Ansichten und eigene Lebensvorstellungen mit dem Denken, der Ideologie und der Übermacht des Vaters (stur, unnachgiebig: Torsten Ranft) hart aufeinander.

Braschs Texte sind im Spiel seiner Figuren verwoben in mal poetischen, mal sachlich lakonischen, wort- und sinnspielenden Versen, Schilderungen und Szenen der Absurditäten des Alltags, der Suche nach Auswegen, Einsamkeit, Verzweiflung in kraftvoll bildreicher Sprache. Wunderbar seine Verse zum Woanders sein: „aber wo ist woanders/ anders… /wo ist man wo… im Wasser, am Meer, die Füße im Sand…/aber wo ist man anders.“, fragt ihn eine Frau mit rosa Haar, seine Liebste (Kriemhild Hamann) und schüttelt ihn ungeduldig an der Schulter.

Der Konflikt mit dem Vater ist allgegenwärtig und spiegelt sich auch in Braschs Erzählungen. Da sieht er sich selbst als Seefahrer, der unentwegt auf dem Meer unterwegs ist und keinen Hafen findet und sein Vater hockt hm auf den Schultern, der ihm fast die Luft abdrückt, ihn abhalten will hinauszufahren und verbittert in die offene Grube springt. In einer anderen Erzählung ist der Vater als alter, verwirrter und einsamer Mann zu sehen, der fremde Menschen von der Straße zu sich in die Wohnung nimmt und ihnen Heldengeschichten erzählt, dabei hat er Oranienburg nie verlassen.

Braschs Freunde und Figuren rufen ihm immer wieder zu: „Hau ab!“. Doch auch im Westen bleibt ihm vieles fremd, gerät er in Widerspruch zum System des Kapitalismus. Seine Freundin verliert in der unruhevollen Zeit ihr Kind, In Schmerz und Zorn halten sich beide in den Armen. Immer öfter greift er zur Flasche, kommt es zu exzessiven Ausbrüchen, hemmungsloses Lachen und Weinen, Schreie und Schluchzen mischen sich und nach Atem ringen. Eine Pfütze erscheint auf einmal groß und weit wie das Meer, Gischt schäumt und Möwenschreie liegen in der Luft in diesem Sehnsuchtsbild.

Phantastisch und nahegehend, wie die Tiere von der Bühne gegen Ende lebendig auf der Leinwand erscheinen in einer Animation mit gezeichneten, surrealen Filmbildern von Tilo Baumgärtel.  Wie der Elefant und das Nashorn zwischen grau trostlosen Hochhäusern mit weißen, gesichtslosen Fenstern umherirren. Der Strauß sein schillerndes Gefieder spreizt und durch endlose Gänge rennt und schwebt. Das Zebra mit seinen schwarz-weißen Streifen im Wohnzimmer steht und vergebens schafft sich anzupassen. Und die Giraffe auf dem Hochhausdach die Weite genießt und in den Abgrund schaut. Ein Raum zeigt einen leeren Schaukelstuhl vor laufendem Fernseher, in dem die Zeit vergeht, Blitze einschlagen und die Giraffe zum Skelett erstarrt da steht.

Das Telefon auf der Bühne klingelt ununterbrochen. Keiner geht ran. Zu einem Eisklumpen gefroren der Apparat, trägt ihn Schauspielerin Louise Aschenbrenner, die abwechselnd verführerisch und sirenenhaft Braschs Muse spielt, fröstelnd zu den anderen. Sie sitzen nebeneinander, wie auf ein Wunder wartend, springen auf und marschieren in einer Reihe raus zu beschwingt romantischen Klängen aus der Oper „Peter und der Wolf“  und düsteren, albtraumartigen Szenen mit einer maskierten Gestalt taumelnd und am Boden zuckend, hinter der sich ebenfalls Brasch verbirgt, im Wechsel. Zuletzt sieht der Seefahrer auf die Stadt und das Meer und wartet vergebens auf das Klopfen in den Schläfen. Nur Stille. Ohne Widerpart, Streit und Diskurs egal wie konträr die Meinungen auch sind, herrscht Stillstand. lässt sich nichts bewegen und verändern in einer Welt voller Widersprüche. Das ist die zeitlos bleibende Botschaft von Thomas Brasch. Viel Beifall gab es für die Aufführung vom Publikum.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Buch-Tipp zum Weiterlesen:

„Ab jetzt ist Ruhe – Roman meiner fabelhaften Familie“ von Marion Brasch (Fischer Taschenbuch). Darin erzählt die Schwester von Thomas Brasch die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie.

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Premiere „Watership Down – Unten am Fluss“ nach dem Roman von Richard Adams im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

06 Mittwoch Jul 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Vertraute Scheinidylle: Vom Umgang mit Unsicherheit und Angst vor Veränderungen erzählt aus der Kaninchen-Perspektive witzig ironisch, bedrohlich und berührend die Inszenierung „Watership Down – Unten am Fluss“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Fotos: Sebastian Hoppe

Absurd-komisches Spiel mit der Gefahr

Das Stück „Watership Down – Unten am Fluss“ nach dem Roman von Richard Adams erzählt witzig anrührend und grotesk zugespitzt vom Zusammenleben in der Mensch- und Tierwelt, über das Verhältnis von Individuum und Masse ebenso wie die Angst vor Veränderung. Einfach großartig und für mich eine der besten Inszenierungen dieser Spielzeit!

Das Gehege ist ihr Zuhause. Den bequemen Bau verlassen, weil etwas Schlimmes passieren könnte? Was, wenn draußen eine noch viel größere Gefahr lauert?! Die Welt der Kaninchen gerät aus den Fugen im Stück „Watership Down – Unten am Fluss“ nach dem Bestsellerroman von Richard Adams (1920 – 2016), der die Geschichten zunächst seinen beiden Töchtern erzählte und sich zeitlebens für Umweltschutz und Tierwohl einsetzte. Die deutschsprachige Uraufführung war im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Im gediegen holzgetäfelten Kaninchenbau mit grünen Vorhängen und idyllischen Bildern an den Wänden sitzen die Bewohner adrett in weißen Hemden, Schlips und schwarzen Hosen beisammen, knabbern Salatblätter und dürre Mohrrüben. Nur Fiver, das noch ganz seinen natürlichen Instinkten vertrauende, naiv-aufgeweckte Kind (großartig in ihrer ersten Rolle am Staatsschauspiel Dresden: Katja Gaudard) fühlt die drohende Gefahr. Die anderen meinen, es sei nur das Licht des Sonnenuntergangs, doch Fiver sieht das Feld bedeckt voll Blut! Die Bühne ist in rotes Licht getaucht und flimmert grell von surrenden, unheilvollen Tönen begleitet. Sein Bruder Hazel (besorgt und ironisch-unruhevoll die anderen mitreißend: Matthias Reichwald) warnt das Oberkaninchen ebenfalls. Als lässiger Anführer, mit Möhre wie eine Zigarette im Mundwinkel, agiert spöttisch und Aufruhr im Gehege witternd Thomas Eisen.
Auf die Bühne kam eine wunderbare, metapherreiche Parabel über das Zusammenleben in der Menschen- und Tierwelt, über das Verhältnis von Individuum und Masse, ihre Bedürfnisse und Interessenkonflikte ebenso wie die Angst vor Veränderung. Was hemmt und beschleunigt Auf- und Umbrüche, führt zu Zerfall oder Zusammenhalt, all das beleuchtet und hinterfragt die zweistündige Inszenierung ohne Pause überaus witzig, klug und spannend unter Regie von Tom Kühnel.

Anrührend komisch, traurig, dramatisch bis unheimlich grotesk steigert sich das aus der Kaninchen-Perspektive erzählte Geschehen im Laufe des Abends. Wundervolle Naturschilderungen und düstere Szenen, leise, lustige und grelle Klänge und Naturgeräusche, Schauspiel und Videobilder auf die Bühnenwand projiziert, wechseln sich ab. Die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler nehmen das Publikum mit auf die beschwerliche Reise und Suche der Kaninchen nach einer neuen Heimat bis zu jenem hoch gelegenen, sicheren Ort auf den Hügeln, von dem man aus alles sehen kann und wo kein Mensch hinkommt! Überall lauern Gefahren: Da gibt es in einem anderen Gehege Futter in Hülle und Fülle in einem Einkaufswagen und feiern sie berauscht davon. Plötzlich legt sich am Futterplatz eine Schlinge um den Hals des großmäulig-selbstsicheren Kaninchens Bigwig (Moritz Kienemann). Als die anderen ihn befreien wollen, hält der Gehege-Anführer sie zurück mit der Parole: „Ein Tag weniger für einen, bedeutet ein Tag mehr für alle!“ Doch wer will schon freiwillig ins Gras beißen. Erschütternd die Schilderung eines alten Kaninchens, Holly, der als einziger der grausamen Ausrottung seines Geheges durch Menschen entkam, dort steht jetzt eine Luxuswohnanlage.

Schön ironisch die Szene mit zwei ängstlichen Kaninchen aus Käfighaltung, wie sie zögernd und sächselnd den ersten Schritt in die Freiheit gehen. Bezaubernd die Zeremonie,  bei der die Kaninchen lange weiße Gewänder tragen und eine Gestalt eine Blumenkrone und die Schöpfungsgeschichte erzählen, als alle Wesen gleich und Freunde waren, bis ein Fürst sein Volk als das stärkste der Welt hervorhob und Streit und Furcht vor der Überlegenheit der anderen zwischen den Tieren ausbrachen und sie sich seither gegenseitig bekämpfen und töten. Zuletzt erscheinen die Kaninchen maskiert wie Dämonen mit rollenden Augen und scharfen Hauern, die Angst und Schrecken verbreiten und listreich Weibchen zur Arterhaltung holen in ihr Gehege, wo sie satt und zufrieden wieder umher hoppeln, mit gebeugten Pfoten in trauter Scheinidylle. Viel Beifall vom Publikum.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Premiere des Kultmusicals „The Rocky Horror Show“ in einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen im Alten Schlachthof Dresden

17 Freitag Jun 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Tanz, Theater

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Zeigt her eure Reize: Der Spaß beginnt schon vor der Show. Fantasievoll kostümierte Fans der „Rocky Horror Show“ am Premierenabend im Foyer im Alten Schlachthof Dresden. Foto: Lilli Vostry

Reizvolles Spiel über Liebe, Lust, Freiheit und ihre Grenzen

Witzig-frech, fantasievoll, offen ungeniert, lustvoll und musikalisch mitreißend kommt die Aufführung der „The Rocky Horror Show“ der Landesbühnen Sachsen im Alten Schlachthof auf die Bühne. Unverwüstlich!

Grusel und Glamour, Traum und Wirklichkeit liegen nah beieinander in der The Rocky Horror Show von Richard O`Brien. Das mittlerweile fast 50 Jahre alte Musical feierte in einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen (Regie, Bühne, Kostüm und Licht: Sebastian Ritschel), coronabedingt mehrmals verschoben, letzte Woche am Sonntagabend endlich Premiere im Alten Schlachthof in Dresden.

Seit seiner Premiere 1973 als Bühnenstück in London war dieses Musical ein Riesenerfolg und der Film von Jim Sharman 1975 brachte den Kultstatus. Das Stück hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren, es prickelt und ist pikant wie eh und je auch in unserer scheinbar so aufgeklärten modernen Welt. Die Rocky Horror Show erzählt schockierend offen, ungeniert, witzig, frech und selbstbewusst, auch visionär über Moral und Scheinmoral, Lust und Laster, Träume, Liebe, Freiheit, ihre Grenzen und Gewalt in Beziehungen ebenso wie in der Gesellschaft. Noch reiz- und spannungsvoller in einer Zeit, in der Frau-Mann-Geschlechterrollen immer mehr verschwimmen, Genderfragen heiß diskutiert werden im Zwiespalt von Gleichheitsanspruch, Gleichberechtigung und möglichst geschlechtsneutraler Sprache und andererseits dadurch Anonymität, Beliebigkeit, Verwischung von Unterschieden und Individualität, die es jedoch braucht, um einander zu erkennen und zu ergänzen im überall in der Natur vorhandenen Spiel der Gegensätze. Im Mittelpunkt der Aufführung steht der schillernde Außenseiter und transsexuelle Frank N`Furter (Jan Rekeszus), der sich um keine Konventionen schert und ganz nach eigenem Gefallen lebt und liebt.

Die Show beginnt schon vorher. Viele Fans erscheinen in fantasievollen Kostümen. Männer in enganliegenden Minikleidern, Netzstrümpfen und High Heels, manche mit Perücken und einer sogar mit spitzen Zuckertüten-Brüsten. Gaudi schon im Foyer. Der weiß gerüschte Bühnenvorhang ist in pinkfarbenes Licht getaucht im vollbesetzten Saal. Die Bühne bestückt mit futuristischen Lampenschalen wie Augen oder Ufos, die bunt blinken, wenn Frank N`Furter und sein illustres Gefolge auftauchen. Ein Erzähler (Lutz van der Horst, bekannt aus der „Heute“-Show im ZDF) zuerst im schwarzen Anzug, dann in Body und Strapsen und pinfkfarbenem Kleid stimmt das Publikum auf die Show ein und erklärt das Procedere, wann und wie die Zuschauer das Stück  begleiten dürfen. Mit „Uhs“, „Ahs“, „Psst“, zischeln, Reis werfen als Glückssymbol für das Brautpaar und aus Wassererspritzpistolen regnen lassen. Das geschieht dann auch ausgiebig und sorgt für eine fröhlich mitgehende Atmosphäre im Publikum.

Mit Neugier, Heiterkeit, Staunen, Mitfiebern bis zum übermütigen Mittanzen reagieren die Zuschauer auf das prüde schüchterne Paar Brad (energisch-entschlossen: Merlin Fargel) und Janet (romantisch und abenteuerlustig: Karen Müller), die verliebt und frisch verlobt auf einem Ausflug eine Reifenpanne haben, in ein Unwetter geraten und in einem alten, düsteren Schloss landen, in dem es zu spuken scheint. Fenster öffnen sich plötzlich und seltsame Gestalten tauchen auf, die mal in schwarz-weiß  hochgeschlossenen Trikots, mal in schwarz glitzernden Bodys und Strapsen immer mehr Haut zeigen. Aufreizend umtanzen die „Phantoms“, Geschöpfe der Nacht, das Paar. Frank N`Furter lässt die beiden nass gewordenen Gäste in sein Reich, zeigt ihnen alles und verführt sie nacheinander, in einem weißen, offenen Gestell mit rosa Kissen und Bettdecke. Anfangs sind Brad und Janet verlegen und empört, doch bald erwacht ihre Lust und geben sie sich dem Vergnügen hin, singend und tanzend mal in knalligen Lackmänteln, in Korsage und Strapsen. An der Bühnenwand prangen Closetts als rote, verführerische Münder a la Mick Jagger, darüber die Showbühne mit Glitzervorhang. Seitlich der Bühne recken rote Kunstkörper ihre Hinterteile in den Raum. Zur schrill amüsanten Figurenschar um Frank N`Furter gehören Magenta (Julia Harneit) und Riffraff (Martin Mulders) als ergeben-listige Diener.

Der künstlich erschaffene, muskelbepackte Gespiele Rocky (Andrew Chadwick) in regenbogenfarbener Badehose, die liebevoll-gutmütige Columbina (Romina Markmann) und Eddi, den Frank N`Furter im Rausch tötet (in einer Doppelrolle auch als zackig-militanter Wissenschaftler Dr. Everett Scott, im karierten Anzug im Rollstuhl umherfahrend: Michael Berndt-Cananá). Die Aufführung lebt vor allem auch von der zündenden, mitreißenden, gefühlsstarken wie zeitlosen Musik und Songs, die von Anfang bis Ende packen mit ihrer Mischung aus wild rockigen, kraftvollen, sanften, leisen und verträumten Liedern wie „Don`t dreamed“ bis zu Varieteemusik und Slapstick, gespielt von der Rocky Horror Show Band (musikalische Leitung: Uwe Zimmermann). Immer wieder standen die Zuschauer auf, sangen und tanzten begeistert mit. Hände fliegen zum energiegeladenen Hit „Let`s do the time warps again“.

Die Aufführung ist temporeich in Szene gesetzt, vom Darstellerensemble großartig gespielt und gesungen, begleitet von lustsprühenden, flottenTanzeinlagen der androgynen Tänzerinnen. Immer ungehemmter und zügelloser tritt Frank N`Furter auf, der sich über alle Grenzen hinwegsetzt und hemmungslos nimmt, was ihm gefällt und dafür auch kalt tötet. Das kann nicht gut gehen. Am Ende wird er selbst zum Opfer seiner Leidenschaft und Willkür. Seine geliebte Columbina wirft sich vor ihn schützend und stirbt ebenfalls unter den Schüssen zweier silbern glänzender Sternenkrieger. Zum Schluss stehen Brad und Janet allein, erscheint wie ein böser Albtraum alles. Verwundert sehen sie sich an, mit anderen Augen als vorher, diese Nacht hat sie verändert. Sie gehen die Showtreppe hoch, umarmen und küssen sich und verschwinden hinter dem Glitzervorhang. Eine Liebe voller Licht und Schatten wie ein schöner Traum. Reichlich Beifall und Zugaben gab es zur Premiere. Die Rocky Horror Show wird noch bis 3. Juli im Alten Schlachthof in Dresden gespielt.

Text + Foto (1) (lv)

Nächste Termine: 17., 18., 19.6., jeweils 19.30 Uhr

http://www.landesbuehnen-sachsen.de
Tel.: 0351 – 8954-214
http://www.konzertkasse-dresden.de
0351 – 86660-11

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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