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Kategorien-Archiv: Theater

Heute abend: Lola Blau – das Erfolgs-Musical von Georg Kreisler im Kulturbahnhof Radebeul

15 Samstag Apr 2017

Posted by Lilli Vostry in Musik, Theater

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Sie liebt das Leben, das Theater und die Musik. Strahlend blau wie der
Himmel ist ihre Stimmung und sie übersieht die dunkel aufziehenden Wolken,
die anfangs als pikiert-stichelnde Stimmen aus dem Off kein gutes Haar an Menschen von anderswo, Zugereisten, lassen. Da sind die Japaner, die giftige Blumen mitbringen, die Jugoslawen mit ihren seltsamen Bräuchen, gebärfreudige Türkinnen, die „Neger“, die sich unheimlich schnell vermehren und Juden, die nicht satt werden und nur Wasser, Buttermilch und Blut trinken. Davon erzählt Georg Kreisler eingangs in einer bösen Satire „Was mich ärgert“ über Ängste und Vorurteile gegenüber Ausländern, die nach Österreich kommen, bevor Lola Blau die Bühne betritt in seinem zeitlos-spannenden Erfolgs-Musical für eine Darstellerin. Hinreißend und ergreifend spielt, singt, tanzt, taumelt und entzückt die Sängerin Iris Stefanie Maier in der Titelrolle ihr Publikum mit Chansons im flotten Wechsel zwischen Lachen und Weinen, Komik und Gänsehaut, gefühlvoll, galant und augenzwinkernd begleitet von Uwe Zimmermann am Klavier in dieser Aufführung (Regie: Ute Raab) der Landesbühnen Sachsen in Radebeul im Kulturbahnhof Radebeul-Ost.

Damit wurde Anfang April zugleich eine neue Spielstätte für das Theater mit rund 60 Plätzen eingeweiht. Passend zum Stück ist alles in Traum-Blau gehalten, Spielpodest, Kostüme, Vorhänge und Zuschauerstühle. Man sitzt gemütlich und bühnennah beieinander, als Tische dienen Teekisten mit gelben Lichterlaternen.

Eine junge Schauspielerin und Sängerin vor ihrem ersten Engagement. Lola Blau kommt mit Koffer auf die Bühne, der bald ihr ständiger Begleiter wird. Sie ist ebenso fröhlich, aufgekratzt wie aufgeregt. Doch es sind auch aufregende, dunkle Zeiten, die sich nicht um ihre Bühnenträume und ihr Lebensglück scheren. Ihr Auftritt wird abgesagt, das Schreiben ist mit „Heil Hitler!“ unterzeichnet und bald darauf muss Lola Blau als Jüdin ihre Heimat Wien verlassen, im März 1938, angefeindet und ohne Aussicht auf eine Stelle.
Von ihrer Lebensreise, der Flucht nach Amerika per Schiff in ein neues Leben mit allen Höhen und Tiefen, Ruhm, Erfolg und der ungestillten Sehnsucht nach Heimat, Ankommen und Geborgenheit erzählt Kreislers Musical, der darin seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen als Emigrant und Künstler in Amerika beschreibt. Die Inszenierung kommt mit wenigen Requisiten, atmosphärischen Geräuschen und einer großartigen Hauptdarstellerin aus. Iris Stefanie Maier spielt dicht an den Zuschauern, zieht außerdem den Pianist und den Souffleur kess und berührend in ihren Bann, die ihren Aufstieg zum gefeierten Star begleiten, sie anhimmeln, solange sie mitspielt und zusehen, wie sie verzweifelt versucht, aufrichtig und wahrhaftig zu bleiben in der glitzernden Scheinwelt. In schneller Folge wechseln Lieder und Texte voller Leichtigkeit, Tiefsinn und Sprachwitz, lässig, lasziv, charmant und bissig schwarzhumorig, heiter und melancholisch, tieftraurig.

Auf dem Bahnhof in Basel wartet Lola vergebens auf ihren Freund Leo, der bereits in einem Lager inhaftiert ist. Auf dem Schiff nach Amerika singt sie zuerst für die Reichen und Schönen, frivol und witzig-frech über deren Welt und Borniertheit und dann im Zwischendeck für die Armen und Glücksuchenden wie sie. In Amerika tritt sie in Konzerthallen und Clubs auf, steht ganz oben auf der Erfolgsleiter auf dem Klavier im blauen Glitzerkleid und Soldatenkäppi, singt banale, unterhaltsame Schunkelliedchen und dann vorm Mikro im weißen Pelzmantel und schwarzen Oberteil mit mal hoher, kieksiger und mal rauchig tiefer Stimme, ein bisschen wie Marylin und Marlene, von ihrer Sehnsucht nach Liebe und Angenommensein wie man ist. Eine tolle Verwandlungskünstlerin. Die einem Verehrer, seinem satten, kalten Lächeln, die geschenkten Rosen hinterher wirft. Sie weiß, dort wird sie, egal wie gut sie ist, immer eine Fremde bleiben. Sie betäubt ihren Kummer mit Alkohol, lallend singend, buchstäblich blau auf dem Klavier liegend. Dann ein Anruf von Leo, dem verschollenen Liebsten aus Wien. Sie kehrt zurück, findet alles verändert und doch auch gleich, in der Geschichtsversessenheit und Arroganz gegenüber Neuem, der Welt außen vor. Deftig-komisch Lola Blaus Parodie über starres Festhalten an Traditionen und Selbstgenügsamkeit, mit Tortenstück in einer Hand und Pickelhaube auf dem Kopf. Die Freiheit wird zu Grabe getragen, in der Nähe von Don Quijote, dem Phantasten und verzweifelt gegen Windmühlenflügel Kämpfenden. Zuletzt zieht Lola Blau den Fenstervorhang hinter der Bühne auf und geht hinaus in die Nacht. Abschied oder Neubeginn? Das darf jeder für sich entscheiden. Begeisterter Beifall und Bravorufe für einen ebenso anspruchsvollen wie kurzweiligen Theaterabend, der Mut macht sich einzumischen und nicht alles hinzunehmen wie die Welt ist.

Nächste Aufführungen: 15. und 27.4., 19.30 im Kulturbahnhof Radebeul-Ost und am 14.6., 20 Uhr im Haus des Gastes/Rathen.

Foto: Hagen König

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„Wir kommen“ – Uraufführung nach dem Roman von Ronja von Rönne im Kleinen Haus

10 Montag Apr 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Fotos: Matthias Horn

Im Meer der Möglichkeiten

Über Träume und die Angst, sie an die Realität zu verlieren, erzählt tragikomisch das Stück „Wir kommen“ nach dem Roman von Ronja von Rönne im Kleinen Haus.

Was oder wen wollen wir heute retten? Nach Afrika reisen, die Not dort fühlen und Selfies mit großäugigen schwarzen Babys machen. Oder sich für Obdachlose engagieren oder nach New York als Straßenkünstler die große Freiheit erleben?
Von der panischen Angst und Suche der heutigen Generation nach Glück, Erfolg und Lebenssinn in einem Meer von Möglichkeiten erzählt das Stück “Wir kommen“ nach dem Roman von Ronja von Rönne. Die Berliner Autorin wurde für ihr Debüt als neue – junge, freche – Stimme deutschsprachiger Gegenwartsliteratur gefeiert.
Die Uraufführung in der Bühnenbearbeitung von Tea Kolbe und Julia Fahle war am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Die runde Bühne ist umgeben von Gitterstäben, die sich umdrehen lassen zu Spiegeln. Dort sitzt eine junge Frau, Nora (souverän im Gefühlszwiespalt zwischen Träumen und Realität: Antje Trautmann) allein mit ihren vielen Spiegelbildern im Hintergrund und weiß nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Sie macht Yoga gegen die Lethargie und schreibt dem Rat ihres Therapeuten folgend Tagebuch gegen ihre Panikattacken. Sie kritzelt mit Kreide auf den Boden: „Ich sitze in meiner Wohnung. Wenn ich rausgucke, ist da Stadt. Der Himmel schmutzig von Vogelschwärmen. Gerade ist eine Uhrzeit…“ Erinnerungsbilder steigen auf an die Zeit und großen Pläne mit ihrer Schulfreundin Maja (Lucie Emons), wild und zart wie ein Schmetterling, als das Leben wie ein großes Abenteuer war und sie furchtlos mit Taschenlampen durch die Nacht zogen. Nora glaubt nicht, dass sie tot ist.

Als neue Begleiterin taucht die Panik auf (stark als eindringliche Ratgeberin: Hannelore Koch). Sie lässt Nora keine Ruhe, klopft an, tritt immer näher an sie heran, kommentiert trocken lakonisch ihr Leben, hört ihr zu, widerspricht, lacht, ist besorgt, auch traurig und geschafft. Nora zieht ihren blauen Pullover über den Kopf und Maja schlägt mit den Füßen gegen die Spiegel und mit dem Kopf gegen die Wand. Die Panik leidet mit und feiert mit Nora und ihren Freunden Partys, die sie heilen sollen von ihrer Apathie und Gleichgültigkeit, in einem Knäuel aus Körpern und Händen. Nach dem Motto: “Solange wir Zuschauer haben, läuft die Show!“
Nora lebt zu viert mit Karl, Leonie und Jonas in einer polyamourösen
Beziehung, ein „engmaschiges soziales Netz mit gewissen Vorzügen.“

Doch welche Rolle sie darin spielt, ist nicht so klar, entgegnet ihr die Panik. Auch die gemeinsame Fahrt ans Meer ändert nichts am Gefühl der Einsamkeit. Nora wünscht sich, „zu ertrinken und aus dem Meer gerettet zu werden, in eine warme Decke gehüllt und eine Tasse Tee von Jonas.“ Dann wäre es egal, ob sie einen kreativen Job habe oder ein Kind wolle. Das Konzept der Gemeinschaft  geht nicht auf, da es nie eins gab. Alleinsein ist keins. „Wir sind vier Egoisten, die sich aneinander klammern  und eigentlich hassen…“, stellt sie ernüchtert fest.

Die Geschichte wird unter Regie von Tea Kolbe von drei Schauspielerinnen erzählt und gespielt im Wechsel von traurigen und komischen, langsamen und schnellen Szenen auf, vor und hinter der Drehbühne, ringsherum rennend und sie anschiebend, atemlos und gehetzt mit der Zeit. „Wir sind die wohlbehütetste und depressivste Generation von allen. Wir verarbeiten den Krieg unserer Großeltern und den eisernen Vorhang“, fasst Ronja von Rönne die Situation zusammen. Eine Generation, die sich einerseits engagieren und die Welt retten will und sich andererseits selbst nicht zu helfen weiß, schon an Alltagsdingen scheitert. Immer in Angst, die falschen Entscheidungen, die falschen Leute zu treffen, die neuesten Trends und das Lebensglück zu verpassen. Manches in dieser Geschichte, was damals wirklich passierte, bleibt rätselhaft-vage in der Inszenierung. Maja verabschiedet sich mit einem Lachen und Zorn über die anderen, die sich ans Leben klammern. Und am Ende ist es Nora, die sich dem Leben stellt samt allen Ängsten, Unsicherheiten und Träumen. Herzlicher Beifall für einen berührenden Abend voller Frauenpower und Mut, nicht immer den nächsten Schritt zu wissen.

Die nächsten Vorstellungen: 15., 16. und 21.4., 20 Uhr im Kleinen Haus

 

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Homohalal: Bitterböse Parodie zur Flüchtlingspolitik im Kleinen Haus

04 Dienstag Apr 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Fotos: David Baltzer

Von Schein und Sein der Integration von Flüchtlingen erzählt die schwarzhumorige Komödie des Syrers Ibrahim Amir – nicht umsonst in Dresden uraufgeführt.

Sie sprechen gut deutsch, sind gut gekleidet und tragen alle blondes Haar. Doch unter der Fassade brodelt es heftig in der Komödie
“Homohalal“ des Syrers Ibrahim Amir.

Der faule Zauber von vermeintlicher Integration einstmals Geflüchteter fliegt schnell auf in dieser bitterbösen, schwarzhumorigen Inszenierung von Laura Linnenbaum, die im Kleinen Haus des Staatsschauspiels in Dresden ihre Uraufführung erlebte. Der in Wien lebende Autor Ibrahim Amir arbeitete zwei Jahre lang in Workshops mit Flüchtlingen und Aktivisten zusammen, aus dieser Arbeit entstand das Stück „Homohalal“. Da gibt es keine Tabus, wird kein Klischee ausgelassen über Flüchtlinge und Deutsche, Willkommenskultur, echte und unterlassene Hilfe. Da wird kräftig parodiert und Klartext geredet über Wünsche, Werte und raue Wirklichkeit. Das Stück suggeriert eine andere Realität, als sei alles bestens. Es spielt im Jahr 2037.

Videobilder mit glücklichen Hochzeitspaaren flimmern eingangs über den Bühnenvorhang. Dann tritt ein junger Syrer auf, Rouni Mustafa, der jetzt in Dresden lebt und seine Geschichte erzählt. Immer wieder, routiniert, amüsiert und wütend. Er ist es leid, immer wieder über das zu sprechen, was er vergessen will. Doch keiner fragt, was für ein Mensch er ist. „Ich spiele euch was ihr wollt. Was soll ich euch spielen?“, fragt Rouni ins Publikum.

Er taucht in verschiedenen Rollen auf: als Hamlet, Unruhegeist und Jamals Freund Michi, der der blinden Gewalt des Vaters gegen Schwule zum Opfer fällt. Es ist nur ein Konflikt in einer Kette offener Fragen und alter Wunden, die jäh hervorbrechen beim Wiedersehen einer Gruppe von Freunden und Geflüchteten von einst. Sie treffen sich wieder auf der Trauerfeier für den einstigen Weggefährten Abdul, der vor 20 Jahren in die Stadt kam und angeblich Selbstmord beging.

Da erinnert man sich an alte Zeiten, Kämpfe und Liebesromanzen, streitet erbittert, betet gen Mekka und explodiert die Urne von Abdul auf der Bühne. Da wird geraucht, getrunken und kommen reihum unbequeme Wahrheiten ans Licht. Da beklagt seine Exfrau Albertina (Anna-Katharina Muck) die kulturellen Differenzen ihrer Ehe, trifft die lebenslustige und spirituell bewanderte Barbara (Elzemarieke de Vos) auf ihren Exliebhaber, den sittenstrengen Said aus dem Irak (Matthias Luckey),  der seinen schwulen Sohn Jamal (Thomas Kitsche) beinah umbringt, während der andere, Jussef (Valentin Kleinschmidt) islamistische Parolen ruft. Ausgerechnet Saids schicke, gebildete  Frau Ghazala (Annedore Bauer) greift am Ende zur Waffe in übertriebenem Sicherheitswahn, bis sie zugemauert ist. Herzlicher Beifall und viel Stoff zum Nachdenken über echte Integration.

Nächste Termine: 4. und 13.4., 19.30 Uhr; 1. und 9.5., 19.30 Uhr

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Medea: Bitter-komische Rache einer Außerirdischen im Schauspielhaus Dresden

19 Sonntag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

≈ 2 Kommentare

Fotos: Matthias Horn/Staatsschauspiel Dresden

Medea und ihre Kinder tauchen aus einem Ufo auf dem Bühnenrund auf und werden grausame Rache nehmen an den Menschen, die ihnen Schutz und Zuflucht verweigern. Eine intensive, streitbare Aufführung.

Bevor Medea selbst die Bühne betritt, ist vor dem tiefroten Vorhang das Getuschel und Gezischel der einheimischen Frauen in Korinth über die Fremde und das ihr widerfahrene Leid zu hören. Erst im Unglück erkennt sie, was es heißt, kein Vaterland mehr zu haben. Die Tragödie von Euripides, aus dem Griechischen übersetzt von Simon Werle, hatte gestern Premiere im Schauspielhaus Dresden.

Ein weißer magischer Kreis mit dem Buchstaben „M“ auf dem Vorhang steht für den Mythos um Medea. Für die schöne und rebellische Frau, Mutter, Zauberin, Heilkundige und Kindsmörderin. Letzteres wird sie aber erst in der Fassung von Euripides, wo Medea grausame Rache an ihrem untreuen Mann Jason nimmt, dem sie half das goldene Vlies zu erobern und der sie später allein und heimatlos mit ihren Kindern zurückließ.

Ein Chor von drei Männern spielt die Frauenrollen wie im alten Griechenland üblich, begleitet von drei Musikern mit mal düster-bedrohlichen Klängen, mal gebetartig mahnenden Gesängen, kuscheligem Schlageridyll und wild rockigem Sound. Die Männer tragen schwarze Sachen, weiße Masken vorm Gesicht und Kopftücher, sie flüstern und gestikulieren als Frauen von Korinth viel sagend über das rätselhafte Wesen Medeas. Außerdem treten sie als Herrscher und Helden auf, die Medea nacheinander aufsuchen, sie zu beschwichtigen versuchen, ihr mit Verbannung drohen und Teil ihres Racheplans werden.

König Kreon (Benjamin Pauquet) begegnet ihr mit Furcht und Verachtung, während ihre Kinder sich hilfesuchend an ihm festklammern. Jason (Sebastian Wendelin) ist ein bequemer, eitler Mann und gewiefter Taktiker, der durch die Heirat mit Kreons Tochter Macht erlangen und aus seinen Kindern Königssöhne machen will. Dem missmutigen kinderlosen König Aigeus (Sascha Göpel) verspricht Medea ein Mittel dagegen, wenn er ihr Asyl gewährt.

Medea und ihre Kinder tauchen in der klang- und bilderreichen, bitter-komischen Inszenierung von Christina Rast wie Außerirdische aus einem schwarzen, über der Bühne schwebenden Gehäuse auf, das wie ein Ufo aussieht mit gleißenden Scheinwerfern. Ihr weißes, unter dem Tüll rauchschwarzes Brautkleid zerknüllt sie und schlingt es um ihren Leib, kommt nicht davon los. In weißem Mieder und Hosen erhebt Medea, die Paula Dombrowski abwechselnd kühl-überlegt, zornig und stolz verkörpert, verzweifelt umher rennend im schutzlosen Bühnenrund, Klage gegen ihren Mann Jason. Sie reißt ihre schwarze Langhaar-Perücke ab, unter der raspelkurzes Haar verborgen ist und ihre Härte unterstreicht. Sie schleift ihn verächtlich am Handgelenk umher, er pariert mit akrobatischem Körpereinsatz. Sie begehren und bekämpfen sich verbittert.

Eine Gruppe von Kindern, die mal Uniformen und Gewehre tragen, mal Blumenkränze und weiße Kleider, begleiten Medea, beschützen sie und leiden stumm mit ihr. Die Vielschichtigkeit, Widersprüchlichkeit und Magie dieser tragischen Frauenfigur, die hasserfüllt auf eine männerdominierte, sozial ungerechte Umwelt reagiert, ist leider kaum zu spüren in dieser Aufführung, die mehr plakativ als tiefschürfend das Thema Fremdenfeindlichkeit darstellt. Die Spielkulisse mit der Aufschrift „Willkommen“ und Schildern wie „Heimat“, „mein Ich“ und „mein Ausland“ bleibt Fassade.

Der Konflikt und grausame Racheakt Medeas wird in traurig-komischer Szenerie vor allem auf der persönlichen Ebene der beiden Gegenpole Mann – Frau ausgetragen zulasten der Kinder, die stumm und Popcorn essend in der Mitte sitzen und ihren meist abwesenden Vater ignorieren. Und ironisch zugespitzt, wenn Medea mit naiv verstellter Stimme sich Jason scheinbar geschlagen gibt und heile Familienidylle vorgaukelt. Bis zum düsteren Höhepunkt, wenn unter ihrem weißen Rock immer neue kleine Kindersoldaten zum Vorschein kommen.

Medea ringt bis zuletzt mit ihren zwei Söhnen, die sich wehren im sie umschlingenden Todeskampf, quälend lang für den Zuschauer. Um schließlich nackt im grellen Scheinwerferlicht des Ufos wieder in die Ferne zu entschwinden. Vereinzelte Buh-Rufe für das Regieteam und viel Beifall für die Schauspieler und Kinderdarsteller gab es vom Publikum zur Premiere.

Nächste Vorstellungen: 21. und 27.3. und 6.4., 19.30 Uhr

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Länderabend Indien an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

16 Donnerstag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Lebensart, Tanz, Theater

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Eine tänzerische Reise durch Indien und Eindrücke über dieses Land mit der Schauspielerin Julia Rani erleben Besucher dieser Veranstaltungsreihe der Landesbühnen Sachsen am 17. März, um 20 Uhr in der Gaststätte Goldene Weintraube in Radebeul.

Schauspielerin Julia Rani lädt im ersten Teil dieses Abends in den Balllettsaal zu einer tänzerischen Reise durch Indien ein. Im zweiten Teil geht es zurück in die «Goldne Weintraube», wo ein typisch indisches Gericht angeboten wird und Julia Rani im Gespräch über die ferne Welt Indiens zu erleben ist.

Seit ihrem sechsten Lebensjahr beschäftigt sich Julia Rani mit dem klassischen südindischen Tanzstil Bharata Natyam. Ausgebildet wurde sie von Padmashri Chitra Visweswaran – einer der prägendsten Tänzerinnen dieses Tanzstils im 20. Jahrhundert – an der Tanzakademie Chidambaram Academy of Performing Arts in Madras. Bei Aufritten in Indien und in Deutschland, wie z.B. bei der zentralen Jubiläumsfeier anlässlich der 50-jährigen Unabhängigkeit Indiens im Haus der Kulturen in Berlin sowie im Fernsehen, erwies sich Julia Rani als klassische Interpretin des Bharata Natyam, die sich durch besondere Ausdrucksstärke auszeichnet.

Der klassische südindische Tanz Bharata Natyam basiert auf einer mehr als 2000 Jahre alten Geschichte. Neben seiner komplexen Rhythmik, seiner hoch entwickelten Gebärdensprache und überaus kunstvollen Mimik ist er ein Tanzstil, der Körper, Geist und Seele involviert.

Text + Foto: Landesbühnen Sachsen

Nächster Länderabend: Südkorea, 8.3., 20 Uhr

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Natur in meinen Augen – Neue Ausstellung im Kunstkeller

07 Dienstag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Fotografie, Theater

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Das „Seitensprung-Ausstellungs-Projekt“  der Galerie für zeitgenössische Aktfoto-Kunst im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15 in Dresden steht unter dem Titel:

„NATUR – IN MEINEN AUGEN“ mit Fotografie von Ralf Lehmann.

Vernissage: Dienstag, 7. März, 20 Uhr. Zu erleben ist zur Eröffnung außerdem eine eindrucksvolle, erotische Tanzperformance.

Wer jedoch auf Aktfotografie im Kunstkeller nur ungern verzichtet – in Raum Vier wird er dennoch auf seine Kosten kommen…

Der Eintritt ist an diesem Abend, wie immer zu Vernissagen, frei.

Geöffnet hat die Galerie ab 19.15 Uhr.

Mini-Bühne

Mit dem Stück des italienischen Kultautoren und Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo: „SEX? ABER MIT VERGNÜGEN!“,  eröffnet die Frühjahrsspielzeit im Kunstkeller am Freitag, 10. März, 20.30 Uhr.

Platzreservierung empfohlen über: http://www.erotic-art-dresden.de/veranstaltung25.htm

oder Tel.:  0162 682 93 79

Foto: Fundus Ralf Lehmann, in der Ausstellung nicht vorhanden…

 

 

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Der Graf von Monte Christo: Wahnwitziger Rachefeldzug im Schauspielhaus Dresden

06 Montag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Um Liebe, Leid und Rache und deren Sinn geht es im Stück „Der Graf von Monte Christo“ nach dem Roman von Alexandre Dumas im Schauspielhaus Dresden.

Sein Roman gehört zu den berühmtesten Werken der französischen Literatur und ist ein Klassiker der Mantel-Degen-Filme. Ganz anders kam der Graf in der Inszenierung von Simon Solberg auf die Bühne. Halb wilde Abenteuergeschichte, halb Politkrimi mit aktuellen Bezügen wie Finanzgeschäfte an der Börse und Poker um einzelne EU-Länder mit millionenschweren Gewinnern und Verlierern, spinnt er den historischen Stoff in die Gegenwart weiter. Als Spielkulisse dienen Metallgestelle, die Schiffe darstellen und abwechselnd in Nebel und südliches Licht getaucht, im Hafen von Marseille eintreffen.

Eine Gruppe Reisender, Seeleute, Gestrandete und Geflüchtete, erscheint im Halbdunkel mit Taschenlampen. Im Hintergrund Meerrauschen und Akkordeonklänge. Abwechselnd erzählen sechs Schauspieler, klangreich begleitet von einem Musiker, MC Hector Berlioz (Sven Kaiser) mit Mikro, temporeich, atemlos, sich gegenseitig übertreffend und reißerisch über Leid und Gewalt. Dramatisch-komisch zugespitzt, mehr surreal als real und weit weg, so dass kaum Mitgefühl mit dem verzweifelten Gefangenen aufkommt. Stattdessen wirkt die schrille Szenerie irritierend und geht man innerlich auf Distanz.

Solberg nimmt die Zuschauer mit auf einen wahnwitzigen Rachefeldzug mit überraschenden Wendungen. In dieser Geschichte über den Seemann Edmond Dantés, der durch eine Intrige seine Braut und seinen Kapitänsposten verliert und 14 Jahre unschuldig auf der Gefängnisinsel Chateau d`If eingesperrt ist. Von einem Mitgefangenen, einem Geistlichen erfährt er von einem vergrabenen Schatz nahe der Insel Elba, mit dem er nach seiner spektakulären Flucht als reicher Mann in seine Heimat zurückkehrt und grausame Rachepläne schmiedet.

Den Graf von Monte Christo spielt Torsten Ranft mit viel Sarkasmus als einen Menschen, der geschunden an Leib und Seele, hart und verbittert geworden, Vergeltung sucht und zuletzt erkennt, dass er im Leid anderer keine Genugtuung findet. Ein anspruchsvoller Theaterabend, einfallsreich mit vielen Film- und Musikzitaten, aber leider überfrachtet mit seiner multimedialen Bilderfülle aus Historie und aktueller Politik und einem Rundumschlag in Sachen Kapitalismuskritik, verpufft vieles bzw. bleiben Zusammenhänge unklar. Das Publikum reagierte mit mäßigem Beifall auf die Inszenierung.

Nächste Vorstellungen: 16. und 29.3., 19.30 Uhr.

Foto: Matthias Horn

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Dr. Jekyll & Mr. Hyde: Spannend-emotionsreiches Doppel-Spiel

05 Sonntag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Das Stück „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ über den ewigen Kampf um das Gute und Dunkle im Menschen hatte am Sonnabend an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul Premiere.

Der Mensch, das Ungeheuer

Von den zwei Seelen in jedem Menschen wusste schon Goethe. Der Arzt und Forscher Jekyll erfindet einen Trank, um das dunkle Begehren und Böse in sich vom Guten zu trennen. Doch sein Doppelgänger reißt ihn immer mehr in einen Strudel aus unbegrenzter Freiheit, Lust, Gewalt und Macht über andere. Davon erzählt das Schauspiel “Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von David Edgar nach dem Roman von Robert Louis Stevenson, das am Sonnabend an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul Premiere hatte.

Auf die Aufführung stimmt im Foyer eine Ausstellung mit wandlungsreichen Spiegelbildern und Texten von Schülern der 9. Klasse/Künstlerisches Profil vom Gymnasium Coswig ein. Die Geschichte spielt im puritanischen, sittenstrengen England des 19. Jahrhunderts. Nah ans Original hält sich die Inszenierung von Axel Köhler, imposant ausgestattet von Stefan Wiel mit viel Zeitkolorit und Atmosphäre in Bühnenbild und Kostümen. Da wechseln die Eleganz eines Landhauses mit geschäftigem Bahnhofstreiben, Kapelle der Heilsarmee und kühlen Kachelwänden im auf und ab tauchenden Versuchslabor mit allerlei Wundermitteln des Dr. Jekyll.

Mit durchweg großartigen Schauspielern, spannend-emotionsgeladen, gruslig und mit leisem Humor kam das Stück über das Doppelleben des Dr. Jekyll und seiner Schattenseite auf die Bühne. Unheimlich gut verkörpert Moritz Gabriel dessen zwiespältiges Wesen in schnellem Rollenwechsel. Als tagsüber freundlicher, hilfsbereiter Arzt und nachts animalisch getriebener Wüstling mit wild-offenem Haar, Sonnenbrille, schwarzem Umhang und Zylinder. Er täuscht alle, leidet und ringt mit seinem Spiegelbild immer in der Angst, erkannt zu werden als Hyde, als menschliches Ungeheuer. Als Jekyll, der über Hyde immer mehr die Kontrolle verliert und mit ihm verschmilzt, begehrt er zunächst auf gegen Etikette, Heuchelei und Scheinheiligkeit. Er agiert mal spöttisch, höhnisch bis hemmungslos gewaltbereit gegen Straßenkinder mit Bauchläden, arglose Frauen und einen ignoranten Parlamentsabgeordneten.

Nur ungern überlässt Jekylls Schwester, deren Selbstbewusstsein nur Fassade ist (Sophie Lüpfert) ihrem Bruder das Porträt des geliebt-gehassten Vaters und seine medizinischen Aufzeichnungen. Sie fotografiert und glaubt, man könne die Wahrheit im Gesicht eines Menschen wie in einem Spiegel sehen, der einen auch andersherum zeigt. Bruder und Vater ähneln sich sehr in ihren Neigungen. Zuletzt wird sie ihrem Sohn verbieten, die „gefährlichen“ Aufzeichnungen zu lesen als seien Wissen und Forschung schuld an verhängnisvollem menschlichen Verhalten und Handeln. Da wird über das Zusammenwirken von Gehirn, Geist und Seele des Menschen, seine niedere und höhere Hälfte und Instinkte, Verstand, Anstand und Gewissen lebhaft debattiert von Jekyll in gutsituierter, ergrauter Herrenrunde.

Da verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse, Wahrheit und Selbsttäuschung, verdrängten Wünschen und Sehnsüchten. Nur so kann Mr. Hyde sein hinterhältiges Spiel mit dem doppelzüngigen Anwalt und besten Freund Utterson (Matthias Henkel), dem entsetzten Arztkollegen Lanyon und dem hasserfüllt über die Schlechtigkeit der Menschen wetternden Pastor (in mehreren Rollen Thomas Förster) treiben. Der Traum von einem neuen Leben im Haus von Dr. Jekyll, der die misshandelte, trotz allem lebenslustige Annie (Cordula Hanns) als Hausmädchen bei sich aufnimmt, wird für sie zum Albtraum. Anrührend komisch, wie sein Diener Poole (Grian Duesberg) ihm trotz der düsteren Verwandlung weiter aufrichtig menschlich begegnet. Fazit: Gutes und Böses im Menschen gehören zusammen und wie stark beides wird, muss immer neu verhandelt werden. Herzlicher Beifall für einen Theaterabend, der einen tief im Inneren berührt und nicht loslässt mit der Frage: Wer man eigentlich wirklich ist.

Foto: Hagen König/Landesbühnen

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

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Premiere: Dr. Jekyll & Mr. Hyde an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

03 Freitag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Das Schauspiel von  David Edgar nach Robert Louis Stevenson ist am 4. März, um 19 Uhr an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul zu sehen.

Was könnte schrecklicher sein, als das Böse, das in uns selbst wohnt? In seiner 1886 erschienenen Erzählung ging Robert Louis Stevenson dem inneren Zwiespalt und den Abgründen der menschlichen Seele auf den Grund.

Der gütige, menschenfreundliche Dr. Jekyll entwickelt im London des 19. Jahrhunderts einen Trank, der es ihm ermöglicht, einen Teil seines Ichs abzuspalten und in ihm all das auszuleben, was er sich sonst aus moralischen Gründen verbietet. So wird der zynische, sadistische Mr. Hyde zum Leben erweckt, der aggressiv und perfide grausame Verbrechen begeht.

Das Ausleben unterdrückter Lüste verschafft Jekyll das beglückende Gefühl großer Freiheit und er wird abhängig von der Verwandlungsdroge, über die er schon bald die Kontrolle verliert. Trotz des Gegenmittels, das er entwickelt hat, um als Dr. Jekyll menschlich zu handeln und Hydes Taten abzumildern, gewinnt Mr. Hyde die Oberhand und entwickelt in Jekylls Körper ein gefährliches Eigenleben …

Auch in der packenden und schillernden Bühnenbearbeitung David Edgars steht die Problematik der Aufspaltung der Persönlichkeit und des freien Willens im Mittelpunkt, die in den letzten beiden Jahrhunderten Wissenschaftler der Philosophie, Psychologie und Biologie nicht losgelassen hat und heute zu einer zentralen Frage der Hirnforschung geworden ist.

Wie kann ein Miteinander gelingen, das die Bedürfnisse der anderen respektiert, ohne eigene Sehnsüchte zu unterdrücken?

Text: Landesbühnen Sachsen
Foto: Hagen König: Die Titelrolle als Dr. Jekyll & Mr. Hyde spielt Moritz Gabriel
Inszenierung: Axel Köhler
Ausstattung: Stefan Wiel

Besetzung:

Dr. Henry Jekyll / Mr. Hyde Moritz Gabriel
Poole, Sein Butler Grian Duesberg
Gabriel John Utterson, Rechtsanwalt Matthias Henkel
Katherine Urquart, Ihre Mutter Sophie Lüpfert
Annie Loder, Zimmermädchen Cordula Hanns
Dr. Hastie Lanyon / Sir Danvers Carew / Pastor / Polizist Thomas Förster

 Nächste Vorstellungen:

05.03. , 12.03. und 26.03. 2017, 19:00 Uhr und 31.03., 19.30 Uhr Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul

19.03.2017 Sonntag 18:00 Uhr Großenhain Schloss · Großenhain

24.03.2017 Freitag 19:30 Uhr Kulturhaus Freital · Freital

26.03.2017 Sonntag 19:00 Uhr Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul

07.04.2017 Freitag 20:00, und 06.05., 19.30 Uhr Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul

Auskünfte und Kartenverkauf:  Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH ,

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/ 89 54 214 www.landesbuehnen-sachsen.de

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Spannende Entdeckungen in der Sammlung „Terra mineralia“ in Freiberg

28 Dienstag Feb 2017

Posted by Lilli Vostry in Kultur, Lebensart, Musik, Theater, Unterwegs

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In der Silberstadt Freiberg kann man in die Geschichte des Bergbaus eintauchen und in einer Sonderausstellung in der Mineraliensammlung werden die Besucher zu Detektiven in einem Kriminalfall.

„Glück auf“: So grüßen sich die Freiberger noch heute.
Mit ihrem komplett restaurierten und denkmalgeschützten Altstadtensemble gilt die Stadt am Fuße der Montanregion Erzgebirge/Krusnohori als einer der schönsten Orte Sachsens.
Im Stadt- und Bergbaumuseum am Untermarkt können Besucher Kostbarkeiten aus der Historie der Silberstadt entdecken. Im Besucherbergwerk „Reiche Zeche“ fahren sie wie die Bergleute mit dem Förderkorb 150 Meter hinab in den Schacht und erleben auf geführten Touren eines der bedeutendsten Silberbergwerke Sachsens.

Lebendig wird die bergmännische Tradition jährlich bei den Aufzügen der traditionellen Bergparade zum Bergstadtfest am letzten Juni-Wochenende und während des erzgebirgischen Christmarktes. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist außerdem das Schloss Freudenstein, das als Burg zum Schutz des Silberbergbaus errichtet wurde, mit der Ausstellung „terra mineralia“. Dort sind mehr als 3 500 farbenprächtige Minerale, Edelsteine und Meteoriten von fünf Kontinenten zu bestaunen. Zurzeit gibt es dort eine erlebnisreiche, spannende und interaktive Sonderausstellung, bei der kleine und große Besucher zu Detektiven werden unter dem Titel: „CSI Freiberg. Ein Mordfall in der terra mineralia“ (vom 12. April bis 27. August zu sehen). Die Kleineren ab sechs Jahren helfen Gecko Gustav, einer Eidechse aus Madagaskar und Haustier von Prof. Bauer, bei der Suche nach seinem Stein. An zwölf Stationen der Sonderschau tauchen Touristen und Schulklassen in die Welt der Seltenen Erden, in Bergbau und globalisierte Ressourcennutzung ein.

Mit dem Mittelsächsischen Theater besitzt Freiberg außerdem – seit 1791 – das älteste Stadttheater der Welt. In der warmen Jahreszeit lockt der Theaterzauber auf der neu errichteten Seebühne Kriebstein. Zurzeit umgebaut wird das Wohn- und Werkstatthaus Gottfried Silbermanns, das im Sommer wieder zugänglich sein soll. Vier Orgeln des berühmten Meisters sind in Freiberg erhalten: je eine in St. Petri und St. Jacobi und zwei im Dom mit reicher Innenausstattung. In die Freiberger Historie eintauchen kann man bei einem Stadtrundgang, wo man mehr über Lebenswerk und Lebenswandel des weltberühmten Orgelbaumeisters erfährt, augenzwinkernd ausgeplaudert von seiner geschwätzigen Haushälterin, und bei ihr auch einen echten Freiberger Silberkräuter und ein Stück der legendären Freiberger Eierschecke probieren kann. Spannendes zur Entstehung der Silberstadt und der traditionsreichen Geschichte des Freiberger Biers hält eine Führung mit einem Braumeister mit Verkostung bereit.
Bei den Silbermanntagen 2017 (vom 6. bis 17. September) locken wieder Konzerte mit internationalen Stars der Orgelmusik und Spitzenensembles Musikfreunde aus aller Welt nach Freiberg.

Text: (lv)

Foto: Sammlung „terra mineralia“

Weitere Infos unter http://www.freiberg-service.de

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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