Dinnershow „Palais-Revue“ im Kurländer Palais


Reizvolle Stimmen: „The Pearlettes“ Foto: PR


Comedy und Kuriositäten: Conférencier Sammy Tavalis. Foto: Erhard Dauber

Palais Revue – die glamouröse Dinnershow im Kurländer Palais

Man nehme Musik, Artistik, ein Gourmet-Menü und engagiere einen Conférencier, der all diese Zutaten mit Charme und Esprit zu einem Ganzen fügt. Das ist das Rezept für die unterhaltsame Palais-Revue, welche die Gäste vom 23. November 2018 bis zum 6. Januar 2019 im prächtigen Festsaal des Kurländer Palais in Dresden erwartet.

Multitalent Sammy Tavalis begleitet als Conferencier durch den Abend und verblüfft ganz nebenbei mit Comedy und musikalischen Kuriositäten. Das musikalische Zepter schwingen die Damen von „The  Pearlettes“. Sie begeistern das Publikum nicht nur mit Evergreens und feschen Hits von den 30ern bis in die 50er, sondern ziehen es auch mit Tanzeinlagen und ihrer wunderbar femininen Ausstrahlung in den Bann.

Mit Lea Roth kann man die mehrfache Deutsche Meisterin im Pole Dance bewundern. Andrey Spatar vollbringt Handstände mit unfassbarer Leichtigkeit, und die Luftakrobatin Bianca Capri dreht sich voller Anmut mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit am Vertikalsein über den Köpfen der Gäste. Dazu wird an den schick eingedeckten Tischen ein exklusives Gourmet-Menü serviert.

Text: Sabine Mutschke

Ort: Kurländer Palais, Festsaal, Tzschirnerplatz 3 -5 in Dresden

Showbeginn: 19.30 Uhr, sonntags: 18.30 Uhr

www.palais-revue.de 

Preisverleihung Festival für Junge Regie Fast Forward


Die Gewinner des Preises der Jury 2018: das Ensemble Animal Architecte und Staatsschauspiel-Intendant Joachim Klement im Hintergrund (hintere Reihe re.)
Foto: Sebastian Hoppe

Vom rätselhaften Versuch etwas festzuhalten

Für seine szenische Reflexion über den flüchtigen Moment und wie wir ihn bewahren können, erhielt das Ensemble Animal Architecte den Preis der Jury und den Publikumspreis als beste Inszenierung beim Festival für junge Regie, Fast Forward in Dresden.

Am letzten Tag des europäischen Festivals für junge Regie, Fast Forward, fand am 18. November die Preisverleihung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden statt. Die Jury verlieh bei der achten Ausgabe des Festivals den Fast Forward Preis der Jury 2018 an „Durée d’exposition. Un spectacle hybride de Animal Architecte”. 

Konzept und Regie stammen von Camille Dagen. Zusammen mit ihrem 2017 gegründeten Ensemble Animal Architecte verwandelt sie den fotografischen Prozess der Belichtungszeit auf der Bühne zu einem poetischen und philosophischen Spiel um Präsenz und Wirklichkeit, Gedanke und Gefühl, Ordnung und Poesie. Im Labor der empfindlichen Oberflächen entstehen zarte und verblüffende, extrovertierte wie introvertierte Momente um den rätselhaften Versuch, etwas festzuhalten.

Der Preis der Jury des europäischen Festivals für junge Regie Fast Forward besteht in einer Regiearbeit am Staatsschauspiel Dresden.

Die Begründung der international besetzen Jury, der in diesem Jahr Isla Aguilar, Barbara Burckhardt, Paweł Łysak  und Joachim Klement angehören: „‘Dureé d’exposition‘ von Animal Architecte ist eine szenische Reflektion über den flüchtigen Moment – über all das, was vergeht: die Zeit, das Theater. Das Leben. Das wir so oft vergessen hinter unseren Bildschirmen, in unserer Zukunftsfixiertheit.

Wie finden wir sie wieder,  die Gegenwart, in der wir leben? „Be here“ ist das Motto des Abends, an diesem einen Ort, mit diesen beiden wunderbaren Schauspielern ihrer selbst,  Helène Morelli und Thomas Mardell. Ein Performer, der nicht singen kann, dafür aber Schnürsenkel mit einer Hand zusammenbinden, eine Performerin, die nicht auf Befehl weinen kann oder sich ausziehen will, dafür aber singen kann, und wie!

Es gibt Begrenzungen. Sie setzen den Rahmen, wie bei jedem Foto, diesem Ausschnitt von Welt, der versucht, den Moment für immer zu fixieren. Die Wahrheit des Moments aber liegt in jenem Dazwischen, das in der analogen Fotografie „Belichtungszeit“, Durée d’exposition, heißt: bevor das Bild sichtbar wird im Fixierbad.

Zehn Stationen zur Entstehung eines guten analogen Fotos verwandelt Camille Dagen in szenische Momente, die konkret werden, als das Thema gesetzt ist, der Auslöser gedrückt: Trennung. Mit Racine dürfen wir in den klassischen Kanon eintauchen, mit Céline Dion in die Schmerzen der Populärkultur. Die Performer können und dürfen sie selber sein und eine Rolle spielen, hineinfallen und sich herausschälen.

Camille Dagen, die 26-jährige Regisseurin, die auch Tanz und Schauspiel, Literatur und Philosophie in Paris und Straßburg studiert hat und uns hier ihre erste Arbeit nach dem Studium gezeigt hat, bündelt in ihrem „Hybriden Spektakel“ viele Kompetenzen. Eine kluge dramaturgische Setzung und die Lust an vielen Facetten des zeitgenössischen Theaters von der Lecture Performance  bis zur Einbeziehung des Zuschauers, vom Minimal Acting zur großen Geste, von E bis U schenken uns kostbare Momente im Hier und Jetzt.

Der letzte Schritt aber, die Verwandlung des latenten Bildes in das sichtbare, fällt aus. Die Performer schütten das Fixierbad über ihren Köpfen aus. Entwickeln müssen wir das Bild selber. Es ist in unseren Köpfen, in jedem vielleicht ein anderes. Nur dort lässt er sich festhalten, der flüchtige (Theater-)Moment, den diese Inszenierung feiert.“

Auch die Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, ihren Festival-Favoriten zu küren. Der Gewinner des Publikumspreis 2018 ist ebenfalls die Inszenierung  „Durée d’exposition. Un spectacle hybride de Animal Architecte”.

Mit der Preisverleihung am 18. November endete die zweite Dresdner Ausgabe von Fast Forward. Vier Tage und Nächte war das Publikum zu Theater, Künstlergesprächen und Party ins Staatsschauspiel Dresden eingeladen. Das Programm 2018 wurde von Charlotte Orti von Havranek kuratiert.

Neue Inszenierungen von „Fast Forward“-Gewinnern

In der Spielzeit 2018/2019 sind am Staatsschauspiel Dresden mehrere Produktionen ehemaliger „Fast Forward“-Gewinner*innen zu sehen. „Operation Kamen“ in der Regie von Florian Fischer feierte seine Uraufführung am 20. Oktober 2018, es werden die Premiere von „Kabale und Liebe“ in der Regie von Data Tavadze am 9. Februar 2019 und die Uraufführung von  „In meinem Namen“ in der Regie von Wojtek Ziemilski am 6. April 2019 folgen.

Im Rahmenprogramm, das u. a. Studierende verschiedener europäischer Theaterhochschulen nach Dresden einlädt, kooperierte „Fast Forward“ mit dem Studiengang Bühnen- und Kostümbild der Hochschule für Bildende Künste Dresden, welcher auch für die Ausgestaltung des Festivalzentrums verantwortlich zeichnete. Zwei der acht Festival-Gastspiele wurden im Labortheater der HfBK in der Güntzstraße gezeigt. Weitere Spielstätten waren neben dem Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden, das zugleich Festivalzentrum war, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste und Semper Zwei der Semperoper.

Text: Gertrud Aringer/Staatsschauspiel Dresden

www.staatsschauspiel-dresden.de

Premiere „Sternstunden der Menschheit“ – Ein intergalaktisches Vergnügen in Merlins Wunderland


Sternstunde der Pantomime mit Rainer König & Matthias Krahnert in Merlins Wunderland

Verführerisch: Pole-Akrobatin und Burlesquetänzerin Cara Julienne


Mondlandung mit russisch-amerikanischer Besatzung und Weltraumhund Laika


Heiße Musik auf der Bühne und nach der Show zum Mittanzen


Die intergalaktische Weltraumbesatzung: Die Musiker Ludek Lerst, Peter Till,
Sängerin Jasmin Graff, Cara Julienne, Dieter Beckert, Rainer König mit Sonnenkranz und Matthias Krahnert. Fotos: Lilli Vostry

Kosmisches Vergnügen in Merlins Wunderland

Die Neuauflage der Dinnershow „Sternstunden der Menschheit“ bringt die schönsten, komischsten, denkwürdigsten Momente im ersten, immer noch unnachahmlichen Restaurant-Theater Dresdens auf die Bühne. Angekommen auch im heutigen, multimedialen Wunderland.

Eine Reise zurück zu den Anfängen und gleichzeitig Aufbruch zu Neuem, damit überrascht das Programm „Sternstunden der Menschheit – eine galaktische Dinnershow“, die zum 20-jährigen Jubiläum im Restaurant-Theater
„Merlins Wunderland“ Premiere feierte. Mit der Mischung aus kulturellen und kulinarischen Leckerbissen, Musik, Tanz und dem gemeinsamen Essen an langen Tafeln war „Merlins Wunderland“ damals Vorreiter in Dresden und führt dieses Konzept erfolgreich weiter.

Eine Besonderheit ist das “interaktive Menü“. Das heißt, die Gäste bedienen sich gegenseitig und kommen so am Tisch gleich miteinander ins Gespräch, beim Austeilen der Suppen aus Kesseln. Der Hauptgang kommt in großen Schalen auf den Tisch. Von Suppe und Beilagen gibt es gerne Nachschlag, auch das ist einmalig im Metier.
Das urige Scheuneambiente verwandelt sich in der neuen Dinnershow flugs in ein Raumschiff, mit dem zwei Urgesteine von Merlins, der Musiker und Brachialromantiker Dieter Beckert an der E-Gitarre und Musikmaschinist Peter Till samt sprechendem Bordcomputer Zusi gemeinsam mit dem Publikum durch Raum und Zeit fliegen. Sie beamen sich mit multimedialer Technik ins Weltall und erleben auf dem Flug zur Erde, witzig-temporeich inszeniert und trocken humorvoll von Beckert kommentiert, die Höhen und Tiefen menschlichen Forscherdrangs.

Vom „Sündenfall“ über die alkoholische Gärung, den Kampf um den Südpol bis zur Entdeckung der Elektrizität. Dargestellt von zwei „Astroclowns“,  den Pantomimen Rainer König und Matthias Krahnert, die albern bis aberwitzig hangeln, springen und schweben von einer Bühne zur anderen und mitten über die gedeckte Tafel. In rasantem Rollenwechsel sind sie als Menschenaffen, Adam, Kosmonauten bis zum Klon-Schaf zu sehen. Als verführerische Eva umgarnt die Pole-Akrobatin Cara Julienne vor paradiesischer Landschaft die zwei Verehrer und prompt ist es vorbei mit Frieden und Gemütlichkeit. Witzig-verrucht räkelt sie sich später in einer Burlesque-Tanzeinlage im Sektschaumbad. Mit originellen Gesangsparodien und Steptanz begeistert die Sängerin Jasmin Graff. Köstlich die Szene mit der Mondlandung des ersten Kosmonauten, des Amerikaners Neil Armstrong und der ersten Frau im All, Valentina Tereschkowa und dem Weltraumhund Laika in stolz heroischen Posen mit zündender Ostfolklore. Besinnliche Momente gibt es auch wie das Lied „Reichtum der Welt“ von Holger Biege über das Fragile des Planeten Erde, gesungen von Dieter Beckert.

Mit Hingabe spielt der „Goldene Geiger aus Prag“ Ludek Lerst Ohrwürmer wie „Am Fenster“ von City . Den Gaumen erfreut ein herzhaftes Drei-Gänge-Menü mit Kartoffelsuppe, Sauerbraten und Quarkkeulchen. Das Team um Küchenchef Andreas Kirsch bietet auch Alternativen für Vegetarier, Veganer und Allergiker an. Nach dem ko(s)mischen Vergnügen im Wunderland kann man im Restaurant-Theater noch ausgelassenen das Tanzbein schwingen.

Text + Fotos (lv)

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Premiere „Die Zauberflöte“ in der Staatsoperette Dresden


Verirrt im Reich der Nacht: Richard Samek (Tamino) und Maria Perlt (Königin der Nacht) 


Traum und Wirklichkeit: der Vogelfänger Papageno (Christian Grygas) zappelt im Liebesnetz eingefangen von Papagena (Eva Zalenga) Fotos: Stephan Floß

Wunderinstrument als Kompass

Von der Suche nach Liebe, Licht und Weisheit und der Versöhnung der Gegensätze in einer Welt voller Widersprüche erzählt die Neuinszenierung von Mozarts bekanntester Oper „Die Zauberflöte“ in der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Mitte.

Eine leuchtend blaue Pyramide mit Sonne, Mond und Fabelwesen ragt in den
Bühnenhimmel. Sie wandelt ihr Inneres mal zum lichtvollen Tempel der Liebe und Weisheit, mal zum dunklen, alles verschlingenden Abgrund. In einer Welt voller Widersprüche und Wandlungen wirkt die Zauberflöte wie ein Kompass. Sie betört, warnt und schützt mit der Zauberkraft der Musik und zieht alle in ihren Bann. Einmal mehr in der Neuinszenierung von Mozarts bekanntester Oper, die am Sonnabend in der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Premiere hatte.

Wie kaum ein anderes Werk erzählt die Zauberflöte voll musikalischer Leichtigkeit, Heiterkeit und Tiefe von den Geheimnissen und Gegensätzen im Leben und in der Natur und der Sehnsucht, sie zu vereinen. Der altägyptische Kult um Isis, die Sonnenmutter und Mondgöttin, Göttin der Liebenden und der Toten, die Rituale der Freimaurer und der Machtanspruch der Königin der Nacht, die den Sonnenkreis allein besitzen will, begegnen sich reiz- und spannungsvoll, farbenfroh und fantasievoll-witzig in Bühnenbild und Kostümen in der Inszenierung von Axel Köhler.

Da trifft der naiv-lebensunerfahrene Prinz Tamino, ganz in Weiß (Richard Samek), der mit Hilfe der Zauberflöte unversehens zum mutig-standhaften Helden wird, auf den lebenslustigen Vogelfänger Papageno (närrisch-klug: Christian Grygas), der im bunten Fransenkostüm mit Panflöte und magischer Glockenspiel-Kugel das Dunkle verbannt. Das ungleiche Duo begibt sich auf den gefahrenreichen Weg zur Erkenntnis durch das Reich der Königin der Nacht (düster-funkelnd: Maria Perlt), die aus einem aufgerissenen Schlangenmaul steigt. Sie verspricht Tamino ihre Tochter Pamina, in deren Bildnis er sich unsterblich verliebt hat. Wenn er sie aus der Gefangenschaft ihres Gegenspielers Sarastro, Anführer eines Geheimbundes der Eingeweihten, die blaurote Fantasieuniformen tragen (mit tiefer warmer Bassstimme: Holger Steinert) befreit. Sein Diener Monostatos (Andreas Sauerzapf), ein zwielichtiger Typ mit weißem Haarzopf und schwarzer Maske, versucht Pamina ebenfalls für sich zu gewinnen.

Bevor die Liebenden sich finden, müssen sie viele Prüfungen bestehen. Begleitet werden sie von drei Knaben, die ihnen Rat erteilen, mal cool boxend ihre Männlichkeit beweisend, mal als Pfadfinder und als Köche Brot und Wein verteilend. In Sarastros hehrem Weisheitstempel werden die Neulinge in einen dunklen Raum geführt, der Finsternis ausgesetzt, einer Feuer- und Wasserprobe zur Reinigung ihrer Seelen unterzogen.

Doch härter als alles andere trifft Pamina (gefühlvoll: Annika Gerhards) Taminos Schweigen, wie er stumm und starr vor ihr steht, und sie an seiner Liebe zweifelt. Ergreifend komisch anzusehen hingegen, wie Papageno ungeduldig den ganzen Zuschauerraum nach seinem ersehnten Vogelweibchen absucht, sich beinah umbringt und sogar eine alte Frau heiraten will, die sich dann aber als entzückende Papagena (Eva Zalenga) entpuppt und ihn kurzerhand mit seinem Netz einfängt. In stetem Wechsel zwischen vergnügt, übermütig, ehrfürchtig feierlich und unbeschwert kam das höchste der Gefühle auf die Bühne in zauberhaftem Zusammenspiel zwischen Sängerensemble, Chor und Orchester der Staatsoperette (musikalische Leitung: Andreas Schüller) und Sarastro betonte in seinem Lied: „In diesen heil`gen Hallen kennt man die Rache nicht…“  Viel Beifall und Bravos gab es vom Publikum zur Premiere.

Text (lv)

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Trauerrednerin Andrea Zimmermann begleitet Menschen beim Abschiednehmen

Alles hat seine Zeit. Im Leben und in der Natur. Trauerrednerin Andrea Zimmermann hilft beim Abschiednehmen. Foto: © Steffen Füssel

Etwas gemeinsam tun tröstet
mehr als Worte

Die Trauerrednerin Andrea Zimmermann begleitet Menschen beim Abschiednehmen mit selbst gestalteten Ritualen, die Halt und Kraft geben. Ein Beitrag zum Volkstrauertag am Sonntag.

Ein sonniger Herbsttag. Auf einer Wiese unter einem Baum, übersät von Licht- und Schattenflecken, packt Andrea Zimmermann ihre schwarze Mappe aus. Sie enthält ihre Reden und Notizen, mit denen sie Trauernde beim Abschiednehmen begleitet, außerdem eine Halstablette mit ätherischen Ölen für die Stimme und ein Taschentuch. Auch wenn sie weiß: „Trost kann man mit Worten nicht wirklich geben. Doch sie tun gut, wenn Angehörige sich verstanden fühlen und der verstorbene Mensch gewürdigt wird“, weiß Andrea Zimmermann. „Denn da ist etwas abgerissen mit dem Tod, das schwer zu begreifen ist und erst im Kopf und Herz ankommen muss.“

Sie kennt das Gefühl von Unsicherheit und Hilflosigkeit, wenn man plötzlich mit einem persönlichen Verlust oder schwerer Krankheit in der Familie oder im Freundeskreis konfrontiert wird. Wenn man nicht weiß, wie man dann sowohl dem Betroffenen als auch den Angehörigen in der schweren Zeit danach begegnet. „Wichtig ist, sich Zeit zum Abschied zu nehmen und eine Form dafür zu finden. Am besten ist, wenn die Angehörigen noch selber etwas tun können, um nicht ganz der Trauer ausgeliefert zu sein“, sagt Andrea Zimmermann. Vieles nehmen die Bestatter den Trauernden ab, aber das sei nicht immer hilfreich.

Halt und Trost geben können gemeinsame Rituale, indem beispielsweise jeder Trauergast am Friedhofseingang eine Kerze bekommt und aufstellt für den Verstorbenen. Man kann aber auch Erde und Blüten aus dem eigenen Garten ins Grab streuen oder persönliche Dinge mitgeben. Oder in eine Schale Blumenzwiebeln pflanzen, die im Lauf des Jahres aufblühen. “Es gibt auch Menschen, die die Urne selbst töpfern oder den Sarg bemalen, um bewusst etwas zu gestalten über den Schmerz des Verlustes hinaus“, erzählt sie. Andrea Zimmermann trägt eine Kette mit einer Silbermünze und eingravierter Spirale, die ihre Mutter von einer Reise mitbrachte und an sie erinnert. Die Münze steht als Symbol für die Überfahrt mit dem Fährmann ins Jenseits. „Jeder Mensch ist einmalig, jeder Abschied auch“, sagt die Trauerrednerin.

Sie hat Geotechnik in Freiberg studiert, arbeitete bis zur Wende im Beruf und wechselte später in einen Natursteinbetrieb, der sich mit der Restaurierung von alten Bauwerken beschäftigt. Dort hat sie jetzt eine Teilzeitstelle. Außerdem ist Andrea Zimmermann seit 2000 als freie Festrednerin und Trauerrednerin in Dresden und Umgebung bis in den mittleren Erzgebirgskreis unterwegs. Sie Ausbildungen zur Trauerbegleiterin und -rednerin im Zentrum für Trauerbegleitung und Lebenshilfe e.V. in Dresden abgeschlossen. Im Vorgespräch mit den Angehörigen bespricht Andrea Zimmermann den Ablauf, die passende Musik und die Rede für die Gedenkfeier. Den Begriff mag sie lieber.

„Denn im Zentrum einer Trauerrede steht das Leben, nicht die Trauer“, so Andrea Zimmermann. Sie rät zu Instrumentalmusik, um den eigenen Empfindungen nachzugehen, etwa dem Klavierstück aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ oder aus dem Film „Les Choristes“. Es werden aber auch Gospellieder, Dixieland oder Schlager von Stefanie Hertel auf Trauerfeiern gespielt. Letzterer auf ausdrücklichen Wunsch einer älteren Dame. Manchmal begleiten Livemusiker den Trauerzug zum Grab. Es kommt auch vor, dass zumeist ältere Menschen sie sich noch zu Lebzeiten als Trauerrednerin wünschen. „Dann weiß ich besser, wie der Mensch war.“

Sie empfindet mit den Trauernden. „Es hinterlässt eine Spur in mir, aber es ist ihre Trauer. Ich kann abends ins Kabarett gehen und wieder lachen“, sagt Andrea Zimmermann. Es geht auch nicht nur traurig zu auf Beerdigungen. „Ich habe auch schon erlebt, dass Leute einen Lachanfall in der Trauerhalle bekamen und ich musste ernst bleiben“, erzählt Andrea Zimmermann. Auch wenn es zunächst befremdlich wirkte, half das Erinnern an frohe Momente und kleine Marotten des Verstorbenen auch ein Stück die Traurigkeit zu vergessen. Das will sie auch erreichen, wieder ein Lächeln hinter den Tränen hervorzulocken und auch das Schöne im Leben zu sehen. Andrea Zimmermann hat auch die Trauerrede für ihre Eltern gehalten und sie sind ihr in der letzten Lebensphase näher gerückt. Ihr Blick auf das Leben hat sich auch verändert.

„Mich hat die Beschäftigung mit dem Tod dem Leben näher gebracht, man wird dankbarer und sensibler. Mich berührt auch das Vertrauen, das ich bekomme und die vielen spannenden Lebensgeschichten, die ich höre“, sagt Andrea Zimmermann. Sie hat inzwischen vier Enkel zwischen zwei und acht Jahren, mit denen sie gern in der Natur ist und sie fährt viel Fahrrad zum Stressabbau. Sie hat eine schöne Inschrift auf einem Grabstein auf einem Dresdner Friedhof entdeckt: “An diesem Grab darf geweint, gelacht und nachgedacht werden.“

Text (lv)

Staatsschauspiel Dresden trauert um Rolf Hoppe


Charakterdarsteller mit Charisma: Rolf Hoppe Foto: HLBöhme


Rolf Hoppe in „Nachtasyl“, 1979. Foto: Erwin Döring


Rolf Hoppe und Daniel Minetti in „Wie es Euch gefällt“, 1980. Foto: Erwin Döring


Rolf Hoppe und Bettina Sörgel in „Lulu“, 1983. Foto: HLBöhme

Abschied von der Lebens-Bühne

Das Staatsschauspiel Dresden trauert um den großen Dresdner Künstler Rolf Hoppe, der am 14. November 2018 im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Seine Schauspielkunst, die er über viele Jahre in unzähligen Rollen und seit 1959 vor allem am Staatsschauspiel Dresden entwickelt hat, war für alle, die ihn erleben konnten, ein prägendes Erlebnis. Seine erste Rolle an unserem Haus war als Frosch in Goethes „Faust 1“ (1959). Bis zum Jahr 1983 war er als Darsteller an 50 Inszenierungen beteiligt. Die Rollen, die er verkörperte, zeigen das breite Spektrum dieses Ausnahmeschauspielers: Der Graf von Gloster in William Shakespeares „König Lear“ (1967), der Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ (1969), die Rolle des Luka in Gorkis „Nachtasyl“ (1979) oder die Titelrolle in Peter Hacks „Senecas Tod“ (1980), um nur einige zu nennen. Unvergessen sind seine Charaktere auf der Bühne, im nationalen und internationalen Filmschaffen.

Und auch nach seinem Abschied von der großen Bühne blieb Rolf Hoppe zur Freude der Theaterbesucher in und um Dresden präsent. Auf Schloss Weesenstein bei Pirna gründete er eine Lesebühne – und im Jahr 2002 nahm Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig den Spielbetrieb auf.

Als einer der bedeutenden Schauspieler hat er Generationen von Kolleginnen und Kollegen beeinflusst und sie inspiriert. Das Vermächtnis des großen Menschendarstellers Rolf Hoppe lebt damit weiter.

Rolf Hoppe wurden im Lauf seiner schauspielerischen Karriere viele Auszeichnungen zuteil, unter anderem der Lessing-Preis, der Grimmepreis, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, der Preis der Berlinale und im vergangenen Mai der Deutsche Schauspielpreis.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Text: Gertrud Aringer/Staatsschauspiel Dresden

Fotos aus dem Historischen Archiv der sächsischen Staatstheater.

Staatsschauspiel Dresden, Theaterstraße 2, 01067 Dresden
Telefon +49 351 4913 755
Fax      +49 351 4913 760
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www.staatsschauspiel-dresden.de

Premiere „Fidelio“ an den Landesbühnen Sachsen

Sieg der Liebe und Hohelied der Freiheit  

Die Oper „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven hat am 17. November, um 19 Uhr Premiere in den Landesbühnen Sachsen.

Mit FIDELIO schrieb Beethoven eine politische Oper, in der der Bastillesturm musikalisch nachhallt. Verkleidet als Mann sucht Leonore, die sich Fidelio nennt, in dem Kerker des Gefängnisdespoten Don Pizarro nach Florestan, ihrem freiheitsliebenden Gatten, der seit zwei Jahren verschwunden ist. In letzter Minute kann sie den Mord Pizarros  an einem streng abgeschirmten Staatsgefangenen verhindern, in dem sie schließlich ihren Florestan erkennt.

«Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.» Ungeachtet dieser Forderung in Artikel 1 der UN-Menschenrechtscharta von 1948, die den Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aus Zeiten der Französischen Revolution zitiert, werden auch heutzutage in den erstarkenden Diktaturen dieser Welt unbequeme Kritiker ausgeschaltet und ohne rechtsstaatliche Verfahren in Gefängnissen weggesperrt.

Beethoven, der sich den Idealen der Französischen Revolution auch in postrevolutionären Zeiten verpflichtet fühlte, schrieb mit FIDELIO eine politische Oper, in der der Bastillesturm musikalisch nachhallt: Obwohl die Oper – den restaurativen Verhältnissen der damaligen Zeit entsprechend – in ein Gefängnis führt, siegt Gerechtigkeit über Tyrannenwillkür.

Verkleidet als Mann sucht Leonore, die sich Fidelio nennt, in dem Kerker des Gefängnisdespoten Don Pizarro nach Florestan, ihrem wahrheitsliebenden und mutigen Gatten, der seit zwei Jahren spurlos verschwunden ist. In letzter Minute kann sie durch beherztes Eingreifen den Mord Pizarros an einem streng abgeschirmten Staatsgefangenen verhindern, in dem sie schließlich ihren Florestan erkennt.

Die Oper, die wie ein Singspiel beginnt und als große Oper vom Kerkerdunkel ans Licht führt, mündet im Zusammenhang mit einer Generalamnestie aller Gefangenen – ähnlich wie später die IX. Sinfonie mit ihrem Vokalfinale – in ein Oratorium: Ein «Hohelied der Freiheit».

ES SPIELT DIE  ELBLAND PHILHARMONIE SACHSEN
MUSIKALISCHE LEITUNG:HANS-PETER PREU
INSZENIERUNG: MANUEL SCHÖBEL
AUSSTATTUNG: MARLIT MOSLER

Besetzung:

FLORESTAN, GEFANGENER -SEBASTJAN PODBREGAR / DIRK KONNERTH; LEONORE, DESSEN FRAU UNTER DEM NAMEN «FIDELIO»-STEPHANIE KRONE; DON PIZARRO, GOUVERNEUR EINES STAATSGEFÄNGNISSES –PAUL GUKHOE SONG ; ROCCO, KERKERMEISTER-HAGEN ERKRATH / MICHAEL KÖNIG; MARZELLINE, DESSEN TOCHTER- KIRSTEN LABONTE / ANNA ERXLEBEN; JAQUINO, PFÖRTNER – EDWARD LEE; DON FERNANDO, MINISTER – MICHAEL KÖNIG / JOHANNES LEUSCHNER; ERSTER GEFANGENER – PETER SCHMUHL / YOUNGKWANG BAE; ZWEITER GEFANGENER – STEFAN GLAUSE / HO-GEUN LEE

WACHSOLDATEN, STAATSGEFANGENE, VOLK –OPERNCHOR DER Landesbühnen

Text: Petra Grubitzsch/LB

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0,Kasse: Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; www.landesbuehnen-sachsen.de 

Fides Linien, Erotischer Advent & Perlen der Lust in der Galerie Kunst & Eros


Zauber der Linien: „Lilith“, Papier (Kozo), Garn


Holzschnitte mit Linien wie Fadenstichen. „Nereide“, Papier (Kozo), Garn. Die Ausstellung von Fides Linien „Venus`Flor“ ist noch bis 16. November in der Galerie Kunst & Eros, Hauptstraße 15 in Dresden zu sehen.


„Wie Perlen auf einer Schnur“: Vor den filigran-sinnlichen Bildern der Künstlerin Fides Linien, die dem Betrachter Rätsel aufgeben, woraus die zarten, erdfarbenen und pastellfarbenen Linien auf handgeschöpftem Papier bestehen, gab es in der Ausstellung „Venus`Flor“ eine Lesung mit Solvig Frey und Kristin Rudloff. Passend zu den buchstäblich umgarnenden Figurenwelten mit mythischen und modernen Frauengestalten, lasen sie abwechselnd ebenso lustvoll, feinsinnige, versponnene Geschichten von Frauen. Von Elke Heidenreich bis Sybille Berg, über Glücksmomente wie Perlen, nackte Gier, die Launen der Liebe, Sehnsucht und Kunst, die wilde Muse. Klangreich von Bach bis Piazolla, Walzer und Muzette, begleitet von Danny Leuschner am Akkordeon.

Text + Fotos (lv)

»Erotischer Advent«

Weihnachtsausstellung

23. November bis 26. Januar 2019

in dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Grafik, Malerei und Plastik zeitgenössicher Künstler vorgestellt:
Ainara Torrano · Juan Miguel Restrepo Vales · Michele Cyranka· Frank Ole Haake
Zudem werden neue lust- und liebevoll bemalte Schmuckstücke und Gefäße aus dem edlen Material Porzellan von der Künstlerin und Galeristin Janett Noack gezeigt.

 Veranstaltungstipp zur Ausstellung

»Perlen der Lust« Ein Lyrischer Liederabend

Freitag, 23.11. 2018 · Beginn 19.30 Uhr · Eintritt 10 €

Lauschen Sie den Gefühlen, den erotischen Fantasien in Wort und Lied, die sich wie Perlen der Lust zu einem Diadem aufreihen, sinnlich aufgesetzt von der Schauspielerin Annette Richter und Derek Henderson am Piano.

Es begrüßt Sie an diesem Abend Janett Noack.

Kartenreservierungen werden in der Galerie telefonisch oder per E- Mail empfohlen!

Text + Foto: Janett Noack

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden 

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr
kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Sonderöffnungszeiten am 2. Adventswochenende 8. und 9. 12. von 11 bis 18 Uhr 

Premiere „Sophie im Schloss des Zauberers“ im Schauspielhaus


Das größte Wunder sind wir selber: Sophie erlebt in eine alte Frau verwandelt, dass Liebe und Glück nicht nur von Äußerlichkeiten abhängen. Foto: Sebastian Hoppe

Die Macht der Wünsche

Was passiert, wenn Ängste und Träume wahr werden, davon erzählt das diesjährige Märchenstück für klein und groß „Sophie im Schloss des Zauberers“, das am vergangenen Sonnabend im Schauspielhaus Dresden Premiere hatte.

Wünsche und Zaubersprüche wollen gut überlegt sein. Denn sie können Menschen und Dinge verwandeln, Traurigkeit in Freude, aber auch Glück in Unglück ändern. Das alles erlebt Sophie Hatter, Besitzerin eines kleinen Hutladens und die älteste von drei Schwestern. Damit scheint sie vom Pech verfolgt, doch die zu lösenden Geheimnisse und Abenteuer auf ihrer wundersamen Reise stärken vor allem ihren Glauben an sich selbst. Das Stück „Sophie im Schloss des Zauberers“ nach dem Roman von Diana Wynne Jones kam in der Bühnenfassung von Katrin Breschke und Mina Salehpour als deutschsprachige Erstaufführung am Sonnabend im Schauspielhaus Dresden auf die Bühne.

In eine Traumwelt voller Magie, zauberhafter Klänge, Farben und Bilder entführt mit viel skurrilem Witz und Poesie das diesjährige vorweihnachtliche Stück für die ganze Familie unter Regie von Mina Salehpour im Schauspielhaus. Für Sophie ändert sich alles, als eines Tages eine mächtige Zauberin, die Hexe der Wüste (Tammy Girke) zu ihr kommt, keinen passenden Hut findet, den Laden in die Luft sprengt und Sophie (bezaubernd mädchenhaft und weise zugleich: Ursula Hobmair) in eine alte Frau verwandelt. Mühsam bewegt sie sich mit dem Stock vorwärts durch eine karge, graue Landschaft vom Sturm zerzaust. Eine einsam umherschwirrende, rätselhafte Vogelscheuche (Emil Borgeest) folgt ihr bis zum Schloss von Zauberer Howl (David Kosel). Einem verworfenen, lasterhaften, ungehorsamen jungen Mann mit Rockergitarre. Der liebt es Mädchen anzulocken, angeblich um ihre Herzen zu essen.

Sophie zieht bei ihm ein, will sein Geheimnis ergründen, putzt für ihn und wirbelt den Männerhaushalt gründlich auf, zu dem außerdem Howls qurirliger Zauberlehrling Michael (Sven Hönig) und der wilde Feuerdämon Calcifer (Denis Geyersbach) gehören. Der haust im Kamin und hat einen Pakt mit Howl, den Sophie lösen soll. Calcifer tritt emsig in die Radpedale, Klingelzeichen zeigen verschiedene Ortsstationen an und eine Kurbel öffnet und verschiebt Türen und Schlosswände im Handumdrehen. Da holt ein Wachmann sich Siebenmeilenstiefel und ein Mädchen Zauberpulver, das Wind bringen soll für das Boot ihres Vaters. Der König will mit Howls Zauberkräften Krieg führen und die Hexe der Wüste zerstört fast seine magische Welt.

Die Zuschauer erhalten Armbänder, die im Dunkeln rot leuchten und mit deren Hilfe Sophie, Howl und ihre Freunde die machtgierige Hexe der Wüste besiegen. Die Armbänder werden nach der Vorstellung in andere eingetauscht, wahlweise gibt es  ein gelbes „Anti-Mies-Drauf-Band“ oder ein blaues „Herzensbrecher“-Armband. Begeisterter Beifall für einen wundervollen, herzerfrischenden Theaternachmittag.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Premiere „Alle unter eine Tanne“ in der Comödie Dresden


Alle unter einer Tanne: Da brennt die Luft und manches pikante Familiengeheimnis wird nach der Bescherung gelüftet. Foto: Robert Jentzsch

Wenn der schöne Schein platzt

So viel Heimlichkeit, in der Weihnachtszeit. Das sorgt nicht nur für kribbelige Vorfreude, sondern auch für eine aufregende Bescherung voller unliebsamer Überraschungen in der Weihnachtskomödie „Alle unter eine Tanne“ von Lo Malinke. Die Premiere war am Freitagabend in der Comödie Dresden.

Der Tannenbaum strahlt im Lichterglanz im Wohnzimmer, der Tisch ist gedeckt und das künstliche Kaminfeuer auf dem Bildschirm wird kurz unterbrochen von einer TV-Sendung mit einer Paartherapeutin und Bestsellerautorin, die Tipps für ein entspanntes Weihnachtsfest gibt und das Geheimnis glücklicher Beziehungen verrät: „Wagen Sie die vollkommene Aufrichtigkeit!“ Allein mit ihrem Exmann Robert (wütend-spöttisch: Helmut Schreier) ist das auch kein Problem für die Therapeutin Elli (energisch-abgeklärt: Uta Schorn). Die Beiden streiten und sticheln unentwegt, doch am Heiligen Abend wird traute Familienharmonie im Elternhaus für die drei erwachsenen Kinder inszeniert. Doch der schöne Schein bröckelt immer mehr und ein heilloses Durcheinander bricht aus, als unerwartet Roberts neue Partnerin Chrissi (mit kessem Charme: Heidi Weigelt) hereinplatzt, die nicht länger allein am Weihnachtsabend zu Hause sitzen will.

Und auch Ellis deutlich jüngerer Freund Micha, der vorher ihr Fahrlehrer war
(Thorsten Feller) will nicht länger wie ein Wischmop von ihr in der Küche versteckt werden vor ihrer Familie. Das sorgt für reichlich komische Turbulenzen in dieser schräg-verrückten Weihnachtskomödie nach etwas zähem Beginn in der Regie von Urs-Alexander Schleiff. Die darin gipfelt, dass Ellis Freund seiner vermeintlichen Flamme Chrissi einen Heiratsantrag macht mit einem flugs zugesteckten Ring von Robert. Einen Moment singen alle zusammen andächtig „Stille Nacht, heilige Nacht“, packen Geschenke aus, kurz darauf brennt der Tannenbaum und wird auch manch pikantes Geheimnis der beiden Töchter und des Sohnes offenbart.

Die volle Dosis Familiendrama am Weihnachtsabend kam in unverblümt, direkten Dialogen, humorvoll Klischees und moralische Spießigkeit auf die Schippe nehmend, in geballter Ladung unter Regie von Urs-Alexander Schleiff auf die Bühne. Herzerfrischend ehrlich, lebensfroh, mal stark, weich und verletzlich agieren Uta Schorn und Heidi Weigelt, zwei aus dem Fernsehen bekannte Schauspielerinnen. Sie moderierten auch im Wechsel die beliebte DDR-Unterhaltungssendung „Wunschbriefkasten“. Natürlich gibt es ein Happy End für die Paare zum Fest der Liebe, die sich wiedertreffen an einem Asia-Imbiss mit roten Lampions und fröhlich-gelassen trällerndem Kellner. Viel Beifall.

Text (lv)

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