Ausstellung „Bestandsaufnahme“, Teil 2 im Kunstraum Dresden

„Kunst braucht Gunst!“

Arbeiten auf Papier aus dem Kunstbestand des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V. Zu sehen bis 9. Juni.

Die Ausstellung mit dem Titel „BESTANDSAUFNAHME, Teil 2“ – Arbeiten auf Papier aus dem Kunstbestand des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V.“, zeigt im Kunstraum Dresden, am Schützenplatz 1 zurzeit Arbeiten von 41 Künstlerinnen und Künstlern mit 45 Arbeiten: künstlerische Druckgrafiken, Mischtechniken auf Papier, Zeichnungen, Collagen und Fotografien.

Im Jahr 2000 ergab sich eine Satzungsänderung. Der Aufruf des Bundesverbandes Bildender Künstler und des Bundesverbandes Deutscher Galerien „Kunst braucht Gunst!“ wurde in die Tat umgesetzt und Künstlerinnen und Künstlern wurde es gestattet, den jährlichen Mitgliedsbeitrag, der heute 60€ beträgt, in Form von Kunstwerken abzugelten. Mit den Jahren entstand eine umfängliche Sammlung, die Zeichnungen, Gemälde, plastische Arbeiten, künstlerische Druckgrafiken und Künstlerplakate umfasst, ergänzt durch Schenkungen. Mit dieser Ausstellung wird ein kleiner Einblick in den Kunstbestand des Neuen Sächsischen Kunstvereins vermittelt. Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Karl-Heinz Adler, Hubertus Giebe, Andrea Türke, Frank Voigt, Michael Vogler, Gudrun Trendafilov, Reinhard Springer und Dieter Krull. Der stilistische Bogen ist weit gefasst von der linearen Abstraktion bis zur expressiven Figuration. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit der Begegnung mit bekannten und weniger bekannten sächsischen Künstlerinnen und Künstlern.

Öffnungszeiten: Di – Fr 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung

(geschlossen ganztägig: 1.5., 10.5., 24.5., ab 17 Uhr: 18.4., 25.4., 2.5., 8.5., 9.5.)

Weitere Termine innerhalb der Ausstellung

Montag I 16.04.2018 I 17:00 Uhr
Führung durch die Ausstellung – um Anmeldung wird gebeten!
Freitag I 04.05.2018 I 19:00 Uhr

Gesprächsrunde „Kunstsammler im Gespräch“
Sonntag I 27.05.2018 I 11:00 Uhr

Gesprächsrunde „Kunstorte im ländlichen Raum – eine Begegnung“

Änderungen und Erweiterungen des Rahmenprogrammes der Ausstellung vorbehalten.

Neuer Sächsischer Kunstverein e.V.

In Tradition des Sächsischen Kunstvereins von 1828 – im April 1990 neu gegründet –

Text: NSKV

Schützengasse 16 – 18
01067 Dresden
Tel.: 0351 – 4943383
www.saechsischer-kunstverein.de

Premiere „Wie dressiere ich meinen Mann“, Teil 2 im Boulevardtheater


Foto: Boulevardtheater

Humorvolle Tipps im Beziehungsdschungel

Ein witzig-ungenierter Abend für Frauen und Männer mit Kati Grasse und Robert Jentzsch nach dem Bestseller von Katja Kessler im Boulevardtheater Dresden.

Mit Ring oder ohne, hart oder weich, treu wie ein Rauhaardackel, wild-verwegen, mopsig oder muskelbepackt. Keiner kommt ungeschoren davon in “Wie dressiere ich meinen Mann“. Teil 2 des humorvollen Beziehungsprogramms mit Kati Grasse und Robert Jentzsch hatte jetzt Premiere im Boulevardtheater.

In einem Käfig auf der Bühne im kleinen Saal zwitschert ein Vogel, dem sie Medizin gibt, ein Placebo gegen Männerschnupfen. Doch wie soll Frau ihren Mann am besten, artgerecht halten? In Käfig-, Boden- oder doch lieber Freilandhaltung? Davon erzählt witzig, offen und ungeniert dieser Abend für Frauen und Männer nach dem Bestseller von Katja Kessler, „An dem Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren.“ Die Schauspielerin und Sängerin Kati Grasse gibt singend und spielend lustvoll, launig, lässig und mitfühlend reichlich Tipps zur Männerdressur, zu Liebe, Sex, Aufzucht und erläutert sie sogleich am lebenden Objekt – ihrem Pianisten Robert Jentzsch.

Der abwechselnd im Käfig mit Kopfhörern sitzt und herumwerkelt, ab und zu ein Wort wie „Nein“! oder „Genau!“ ruft, ihr ungewollt Recht gebend, und heraus gelassen vor gestreiftem Hintergrund am Piano mit gefühlreicher Begleitung glänzt und mal ruhig-gelassen und mit trockenem Humor konternd zeigt, dass ihm all das nicht einerlei ist. Begonnen beim alles andere als nur romantischen Liebesleben von Schwänen, Schwalben und Pinguinen, reden sie genauso Tacheles über Ehe, Treue, Eifersucht, Seitensprünge, erotische Fantasien, sein bestes Stück, Gehen oder Bleiben. Untermauert durch Statistik, laut der gerade mal 52 Prozent aus Liebe heiraten, 27 Prozent um sich fortzupflanzen, neun Prozent aus religiösen und der Rest aus steuerlichen Gründen.

Mit viel Herz, Komik und Power durchlebt und besingt Kati Grasse mit warmer intensiver Stimme, mal stark und verletzlich die Höhen und Tiefen der Zweisamkeit. Mal isst sie genüsslich eine Banane zum Lied „Dschungel der Begierde“, dient ein Ei als Rassel in einer wortspielerischen „Ode an die Fruchtbarkeit“. Dem übermütigen, frisch verliebt mit dem Wind reiten folgt das leise Lied „Bitte geh nicht fort“, das einst Marlene Dietrich sang. Dem herrlich ironischen Song „Ab morgen sind wir tolerant“ von Georg Kreisler ein Duett mit ihrem Pianisten, auch eine Art Glückscredo: „Wir sagten nie ein Leben lang, nur bis irgendwann…“. Hand aufs Herz: Die Zuschauerinnen dürfen eine „Männerschwackeliste“, eine Checkliste mit 20 Fragen ausfüllen, um zu sehen wo sie gerade in puncto Liebesglück stehen. Viel Beifall für einen gewitzt-beziehungsreichen Theaterabend.

Text (lv)

Nächste Vorstellungen: 28.4. und 18.5.

„Anarchie im Weltraum“ – Science Fiction-Lesung in der Veränderbar

Die große weise Dame der amerikanischen Science Fiction, Ursula K. LeGuin, entwurfsstarke Visionärin komplexer Welten und alternativer gesellschaftlicher Modelle ist, in hohem Alter stehend und bis zum letzten Tage aktiv, am Anfang diesen Jahres in ein neues Energielevel übergetreten.
Ihre richtungsweisenden Werke aber bleiben und die nächste Folge von „AUFGESCHLAGEN – das Dresdner Forum zum Buch“ widmet sich vollumfänglich ihr und drei im mehrfachen Sinne ausgezeichneten Klassikern. Alle Interessenten sind hierzu herzlichst eingeladen.AUFGESCHLAGEN – das Dresdner Forum zum Buch
17.4.2018,  20.00 Uhr

Veränderbar, Görlitzer Straße 42, Hinterhaus

Die Welt der Ursula K. LeGuin

In dieser Ausgabe von Aufgeschlagen ehren wir die große amerikanische Autorin, die im Januar diesen Jahres starb und vor allem mit dem Hainish-Zyklus ein Werk hinterlässt, dessen Bedeutung hier in Deutschland noch immer verkannt wird. Ihr Verdienst besteht vor allem darin, das Genre Science Fiction konsequent als Laboratorium menschlichen Seins und Zusammenlebens zu nutzen, und damit Themen wie Feminismus, Ökologie oder Anarchie spielerisch der Prüfung in einer spekulativen Welt zu unterziehen.

Unsere Rezensenten Kristin Anacker, Eric Piltz und Jörg Stübing stellen die 3 zentralen Romane des Hainish-Zyklus vor: „Die linke Hand der Dunkelheit“, „Das Wort für Welt ist Wald“ und „Freie Geister“.

Die Veranstaltung wird wie immer freundlich moderiert von Anja Stephan. Eintritt frei!

Eine Veranstaltung des artderkultur.e.V in Kooperation mit Büchers Best.

Wir freuen uns auf ein volles Haus. Scotty, Energie !

www.facebook.com/events/368650293655471/

Eröffnung der Ausstellung „Fatima – Augenblicke in Dresden“


Fotos: Heike Jack

Interkulturelles Kunstprojekt und Ausstellung

Die Ausstellungseröffnung mit Musik ist am 11. April, um 16 Uhr im Kulturrathaus auf der Königstraße 15.

Zur Vernissage musizieren die Kinder gemeinsam mit dem Dresdner Musiker Paul Hoorn, den sie schon in ihren ersten Dresdner Tagen im Camp kennen gelernt haben. Es erklingen internationale Kinderlieder.

Fatima, viele andere Kinder und deren Familien haben in Dresden ihre neue Heimat gefunden. Auf Fotos sehen wir, wie sie sich in den letzten drei Jahren verändert haben. In ihren Zeichnungen zeigen die Kinder ihren ganz eigenen Blick auf ihre besondere Geschichte und ihr neues Zuhause. Die Ausstellung ist die Fortsetzung der im September 2015 in der Galerie Holger John gezeigten Impressionen aus dem Flüchtlingscamp. Zeit ist vergangen, die Fragen in den Augen der Kinder bleiben. Die Ausstellung erzählt die Geschichten der Kinder und ihrer Familien. Wo kommen sie her und wie war ihr Weg? Wie leben sie heute? Sie erzählt von großem Leid, aber auch von Hoffnung, Glück und Dankbarkeit.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft mit Zeichnungen des Dresdner Künstlers Holger John, die (ausnahmsweise) farbig ausgemalt werden dürfen.

Bis Anfang Juni sind alle Dresdner, Gäste der Stadt und natürlich Kinder mit ihren Schulklassen eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und über die Geschichten zu sprechen. So sollen Freundschaften gefestigt sowie Verständnis und Empathie füreinander verstärkt werden.

Ausstellung geöffnet vom 11. April bis 8. Juni 2018
Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 8-16 Uhr

Idee, Konzeption & Ausführung Heike Jack (Kontakt jack@kulturperlen-agentur.de) in Zusammenarbeit mit der Galerie Holger John

Zschoner Mühle: Noch mehr Kultur im Mühlentheater


Fotos: Peter Skaba

Natur & Theatergenuss

Peter Röttig alias Skaba ist seit kurzem Bewohner der Zschoner Mühle. Er möchte mit Unterstützung des Müllerpaares die Kleinkunstbühne der Mühle im Zschonergrund 2 wieder mehr ins Dresdner Bewusstsein rücken. Dazu soll das Angebot des „Theaterchens“ erweitert werden. Im Mühlentheater mit ca. 80 Plätzen öffnet sich ab sofort der Vorhang für Theater, Kabarett, Lesungen, Lieder und Geschichten aus nah und fern. Zum Lauschen und Innehalten ist die Spielstätte mit urigem Flair, auf dem Gelände der einzigen noch erhaltenen Wassermühle in Dresden, abseits vom Großstadtrubel auch bestens geeignet. Natur- und Kulturgenuss pur können Besucher hier erleben, vor der Vorstellung durch den romantischen Zschonergrund spazieren und sich im Mühlenrestaurant stärken. Das Restaurant bietet bis 18.30 Uhr Essen an und nach der Vorstellung gibt es noch Gelegenheit für Wein und nette Gespräche.

Text (lv)

www.peterskaba.de

http://www.zschoner-muehle.de

14.4., 19 Uhr im Mühlentheater:

„Die Zeit verlangt`s“ … ist der Name des Best of – Programms der wundervollen Dame des politischen Kabaretts des Ostens. Klar, pointiert, äußerst unterhaltend und (selbstverständlich) professionell zeigt Gisela Oechelhäuser die Facetten unseres Lebens nach diversen Umbrüchen in Biographien und Regionen.

27.4., 19 Uhr im Mühlentheater:

Erotische Märchen und Geschichten
„Kapriolen der Liebe“ mit der preisgekrönten Erzählerin Kerstin Otto

Warum die Liebe blind ist. Wie man die richtige Frau findet und dem einen Mann begegnet. Oder warum alles so ist wie es ist. „Kerstin Otto verzaubert ihr Publikum durch lebendige und warmherzige Erzählkunst. Sie versteht es, ihre Zuhörer in wundervolle Welten zu entführen. Balsam in dieser hektischen Zeit!“

Karten online buchen unter http://www.theater-muehle.de
Tel.: (0351) – 4210 257, Abendkasse

Barocke Bau-Plastik für das Berliner Schloss im Kastenmeiers

Barocke Szenen von Matthias Körner im Kurländer Palais

Der Chefbildhauer für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses zeigt im „Kastenmeiers“ Bau-Plastik aus nächster Nähe. Zur Vernissage am 8. April, 12 – 14 Uhr sind Kunstinteressierte herzlich eingeladen.                

De Galerie im Restaurant Kastenmeiers zeigt barocke Bau-Plastik von Matthias Körner, ein Berliner Bildhauer mit sächsischen Wurzeln. Er hat sie anhand von Fotos und Bruchstücken für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses neu erschaffen. Diese barocke Bildhauerkunst galt ursprünglich als ausgestorben. Matthias Körner war der Chefbildhauer zum Wiederaufbau des Stadtschlosses. Ihm ist der Nachweis gelungen, dass die barocke Bau-und Handwerkskunst von vor über 300 Jahren stilsicher und auf gleichem Niveau wie zu Zeiten von Pöppelmann oder Schlüter vorgetragen werden kann.

Sein künstlerisches und handwerkliches Können war ausschlaggebend für die Entscheidung des Bundestages, die berühmte barocke Fassade des Berliner Stadtschlosses originalgetreu wieder zu errichten. Das Schloss soll 2019 eröffnet werden.

In der Galerie im „Kastenmeiers“ kann man rund 20 Beispiele dieser barocken Bau-Plastik aus nächster Nähe bewundern – eine besondere Gelegenheit, da die Reliefs und Fresken am Berliner Schloss später nur aus der Entfernung zu sehen sind.

Es sind Gipsmodelle und Bozzetti von preußischen Barockszenen, Flügelfragmenten und Löwenköpfen – alles Unikate, die der Künstler mit seinem Bildhauerteam als Vorlagen für die finalen Plastiken aus Sandstein neu erschaffen hat. Die Umsetzung in Sandstein erfolgt übrigens in Zusammenarbeit mit den Sächsischen Sandwerken.

Dies ist bereits die 52. Ausstellung im „Kastenmeiers“ seit der Eröffnung im Herbst 2010. Die barocken Szenen sind bis 7. Juni im Kurländer Palais, Tzschirnerplatz 3 – 5 nahe der Frauenkirche zu sehen.

Text + Fotos:  Sabine Mutschke

http://www.kastenmeiers.de

Premiere „Betreutes Denken“ in der Herkuleskeule


Foto: Hans-Ludwig Böhme

Auf der Suche nach einem schönen Ort

Die Kabarettisten Nancy Spiller und Alexander Pluquett zeigen spielfreudig in bissig satirischen Texten von Philipp Schaller echte und scheinheilige Betroffenheit über soziale Not und Unrecht im Programm „Betreutes Denken“ in der Herkuleskeule im Kulturpalast.

Sind sie nun Traumreisende, Flüchtende oder unverdrossene Neuland-Entdecker? Mit Fanfarenklängen aus der Trompete und Fernrohr halten die zwei Kabarettisten Nancy Spiller und Alexander Pluquett vom weißen Bug eines Dampfers Ausschau nach einem Ort, wo es schön ist. „Schöne Menschen, die viel lachen, die aber wirklich etwas verändern wollen. Da will ich hin…“, erklären sie zu Beginn ihres Programms “Betreutes Denken“. Es vereint die besten Texte von Philipp Schaller und Lieder u.a. von Funny van Dannen, Stefan Klucke und Georg Kreisler. Die Premiere war am Donnerstag abend in der Herkuleskeule.

Andere liefern die Munition, die beiden streiten mit den Waffen des Humors. Sie wollen dem Wahnsinn unserer Zeit, der täglichen Informationsflut im Internet und den immer neuen Krisenherden in der Welt entkommen und fragen, worüber man denn überhaupt noch lachen kann und darf?! Humor soll nicht ausgrenzen, niemandem wehtun… Doch dann wäre das Kabarett zahnlos und überflüssig. So wird in diesem ebenso spielfreudigen wie bissig satirischen Programm kein aktuelles Zeitthema noch Tabu ausgelassen unter Regie von Mario Grünewald. Die Witze machen weder vor Schwaben, Sachsen, Polen, Frauen, Juden oder Behinderten noch den Kabarettisten selbst halt. Es finden sich auch immer ein paar Zuschauer, die über „unmögliche“ Witze lachen, stellt Nancy Spiller fest. Während Alexander Pluquett mitfühlend einen ernst dreinschauenden Mann, Uwe umarmt: „Besser?!“

In schnellem Rollenwechsel und stimmungsreich von Schlager- bis zackigen Tangoklängen begleitet am Piano von Thomas Wand im bunten Hawaianzug, zeigt das Kabarettisten-Duo echte und scheinheilige Betroffenheit über soziale Not, Unrecht und Leid hierzulande und in der Welt. Als reiches Paar bei einer Charity-Veranstaltung „Promis gegen Hunger“ reden sie zuerst salbungsvoll wie vor einer Kamera und dann Klartext über die armselige, innere Leere überdeckende Maskerade. Als Volksliedstars Marianne und Michael mit Leuchtmikros nehmen sie sarkastisch deutsche Waffenlieferungen in Kriegsgebiete und Spendenaktionen von deutschen Unternehmen, die von Kinderarbeit in Indien, Afghanistan und Afrika profitieren, auf die Schippe. Sie ernten außerdem viel Beifall für ihre Satire über zwei abgestumpft-behäbige Bereitschaftspolizisten, die aufklären über eine Kampagne „Sachsen gegen Rechts – aber richtig!“ und „Selbstüberwachung“ von den Protestierern fordern. Komisch-absurd die Szene über die vertagte Lust auf Kinderwunsch mit Eltern im Pflegealter dank „Social Freezing“, Eizellen einfrieren. Wortakrobatisch, rasant und immer unsinniger und undurchsichtiger werden der Kreislauf von Geld und Besitz, Haben, Kennen und Brauchen hin und her gedreht.

Statt im besungenen Sehnsuchtsort Samoa landen die Kabarettisten als Touristen irgendwo am Mittelmeer, wo eine rätselhafte „schwarze Wand“, ein Tsunami, Atompilz oder Massen von Flüchtlingen immer näher rücken. Und sorgen sich: „Wenn die nun mit uns machen, was wir mit denen machen?!“ Viel Beifall für einen den Sinn für das Schöne, Echte schärfenden Theaterabend. Es ist auch eine Rückkehr von Philipp Schaller an seinen Ursprungsort als Kabarettautor, den sein Vater Wolfgang Schaller auf der Bühne mit offenen Armen empfing. In der Herkuleskeule wird der Sohn des bis vor kurzem künstlerischen Leiters auch mit seinem Soloabend „Mit vollen Hosen sitzt man weicher“ am 14. Mai zu Gast sein.

Text (lv)

P.S.: Ein Dankeschön an Rita Gretschel die mir ihren Stift lieh, wer weiß was sonst aus diesem Text geworden wäre…

http://www.herkuleskeule.de

Premiere The Black Rider im Kulturkraftwerk Mitte: Gruselspaß mit Zauberkugeln


Fotos: TJG

Gruselspaß mit Zauberkugeln

Witzig-unterhaltsam und klangreich schillernd entführt das Musical mit Musik von Tom Waits in die verlockend-trügerische Idylle zwischen Wald, Wild, Heim und Herd.

Ohne Zauberkugeln hat Wilhelm kein Jagd- und Liebesglück. Daher geht er einen Teufelspakt ein im Musical „The Black Rider” im Kulturkraftwerk Mitte. In einer ersten Koproduktion der Staatsoperette Dresden und des Theater Junge Generation kam dort das bekannte Musical von William S. Burroughs, mit Musik und Gesangstexten von Tom Waits und Robert Wilson frei nach Carl Maria von Webers Oper “Der Freischütz“ auf die Bühne.

Schauspieler, Puppenspieler und Sänger bringen ihre bewährten Zutaten ein in die Inszenierung unter Regie von Jos van Kann, der sowohl im Kinder- und Jugendtheater als auch im Musiktheater zu Hause ist. Angefangen beim augenzwinkernd und unterhaltsam in Szene gesetzten Jagdmillieu im dezent modernen Bühnenbild mit eingerahmtem Forsthaus, rotem Balken als Schaukel und Schranke vor den Gefahren des Waldes bis zu witzig-verspielten und poetisch skurrilen Szenen mit Jägern und Wild. Aus dem grün schillernden Vorhang ragen bleiche Tiergeweihe wie Attrappen, auf die Wilhelm (witzig-tollkühn: Moritz Stephan) wie vor einer Jahrmarktsschießbude mit dem Gewehr zielt. Das Wild im Wald ist nicht nur immer schneller als er, es macht sich auch noch über ihn lustig und führt wilde Freudentänze auf vor dem aufgeregt-angstschlotternden Möchtegernjäger.  Der trägt einen schwarzen Anzug und halblanges Haar. Wilhelm ist kein Meisterschütze, sondern ein Meister der Worte und Zahlen. Doch um seine große Liebe, Käthchen (naiv-romantisch: Marie Hänsel) heiraten zu dürfen, muss er einen Probeschuss auf einen fliegenden Vogel abgeben und treffen. So verlangen es Tradition und Käthchens
Eltern.

Da hilft Wilhelm nur „Just a little Devil“, um nicht als Versager oder Feigling dazustehen. Lässt er sich mit Stelzfuß (Marja Hofmann) ein, der mit mal heller Sopranstimme, mal schrill-rockig und jazzig mit Punkfrisur galant-gerissen das Publikum und Wilhelm umgarnt, ihm kunterbunte Zauberkugeln und eine große schwarze für den letzten, entscheidenden Schuss zuwirft. Da erscheinen Wilhelm und Käthchen plötzlich wie verwandelt, als verwegener Jäger mit nacktem Oberkörper, kriegerisch bemalt und Büffelfellkappe und als kesses Westerngirl mit Pistole. Besondere Würze verleihen der Inszenierung die wild und quer durch alle Musikstile galoppierenden Klänge von Opernarien, altenglischen Liedern über Swing bis zu übermütig, schräger Varietéemusik und Jodlern. Viel Beifall vom Publikum.

Text (lv)

http://www.tjg-dresden.de
http://www.staatsoperette-dresden.de

Premiere „Der Bruch“ im projekttheater: Wie entsteht Gewalt, was verhindert sie?

Auf der Suche nach dem eigenen Weg

In ihrem ersten eigenen Stück „Der Bruch“ erzählt die in Paris und Dresden lebende Künstlerin Rania El-Chanati in symbolreich und sinnlich fesselnden Bildern über  kulturelle Identität und Konflikte. Heute am 4..4., um 20 Uhr noch einmal im projekttheater Dresden.

Auf einer grauen Wand ein Stück Himmel. Ein junge Frau boxt mit Fäusten gegen einen Panzer. Immer und immer wieder. Mit dem Finger fährt sie zärtlich auf der Leinwand entlang über die Landschaft, das weiße Häusermeer im hell gleißenden Licht. Sie sieht die Bilder mit den Trümmerbergen der Häuser, mittendrin Helfer in orangenen Westen, die unermüdlich nach Verschütteten suchen. Hier kann sie nicht bleiben. Doch die Bilder der Zerstörung, das Leben der Menschen dort, die ihr nah und fremd zugleich sind, die Stimmen, Geräusche, das Leid und die Sehnsüchte begleiten sie überall hin. Wie entsteht Gewalt, was verhindert sie? Wie sieht kulturelle Identität aus, wenn man nicht nur eine Heimat hat? Davon erzählt in symbolreich, sinnlich fesselnden Bildern und kraftvoll-ergreifender Körpersprache Rania El-Chanati.

Mit ihrem ersten eigenen Stück ist die in Paris und Dresden lebende Künstlerin mit palästinensischen Wurzeln väterlicherseits derzeit im projekttheater in Dresden zu Gast. Nach der gestrigen Premiere mit Zuschauern vor allem aus dem Freundeskreis und ihrer Familie ist ihre Bildercollage mit Liverperformance heute abend (4.4., 20 Uhr) noch einmal zu erleben. Nach der Vorstellung freut sich die Künstlerin auf Gespräche mit den Zuschauern. Rania El-Chanati spielt allein, barfuß, mit einem Rollkoffer als fiktivem Partner, an dem sie sich festhält, sich anlehnt, erschöpft vom langen Fußmarsch durch die glühende Landschaft bis zum Meer. Und der ihre Sachen aufbewahrt. Ein weißes Tuch, in das sie sich hüllt zum Schutz vor Wind und Kälte, das sie über den Kopf zieht und ihren Körper gänzlich verhüllt, aus dem sie sich befreit und rote Handschuhe überzieht, die sie verheißungsvoll in die Höhe reckt zu pulsierenden Trommelklängen. Ihr Gesicht erscheint auf ihren Körper, auf die äußere Hülle projiiziert, dahinter ihr Schatten, der für das rätselhafte, andere Ich steht, das nicht weiß wohin, das sieht, wahrnimmt und aus der Ferne fremde, unverständliche Sprachlaute hört. Begleitet von bunten Lichtern tanzt, schwenkt, schwebt sie einen Moment mit ihrem Koffer selbstvergessen, frei von allen Zwängen.

Sieht Bilder von übermütig hoch auf den Häusertrümmern spielenden, kletternden und über sie hinweg springenden Kindern und Jugendlichen. Doch ihre Unbeschwertheit erreicht sie nicht. Vorbei das Lachen der jungen Frau, die sich die roten Lippen nachzieht auf der Leinwand. Die Musik bricht ab als die junge Frau einen tickenden Gegenstand unter ihrer schwarzen Jacke verbirgt.

Die Bilder sind offen, interpretierbar für die Zuschauer gehalten. Jedes erzählt eine Geschichte. Vor dem Hintergrund des sehr komplexen, vielschichtigen Nahostkonflikts mit alltäglicher Gewalt wegen immer neu aufflammender Grenz- und Gebietsstreitigkeiten im Grenzgebiet von Israel und Palästina, fehlenden Perspektiven für junge Leute und patriarchalen Strukturen einer dominierenden Männergesellschaft. Es geht um Rollenbilder, Einsamkeit und Gefangensein von Frauen und einen Weg daraus für sich zu finden. „Wenn da keiner gegensteuert, verselbstständigt sich das auch mit der Gewalt“, sagt Rania El-Chanati. Das Stück sei ein Versuch, diese Themen zu visualisieren. Sie kennt das zwiespältige Gefühl der Suche nach Zugehörigkeit von ihren Reisen. Durch ihren arabischen Namen und Aussehen sei ihre deutsche Herkunft nicht gleich ersichtlich und bei den Palästinensern sei sie keine von ihnen und spreche auch kein Arabisch. „Ich frage mich, was palästinensische Identität eigentlich ist und finde darauf keine Antwort.“

Text + Fotos (lv)

Premiere „Erniedrigte und Beleidigte“ von Dostojewski im Schauspielhaus Dresden


Fotos: Sebastian Hoppe/Staatsschauspiel Dresden

„Habt Ihr noch was?!“

Leidenschaftliches, spielbesessenes Theater, das schmerzhaft-komisch die Abgründe der menschlichen Seele auslotet, erntete ebenso viele Bravo- wie Buhrufe bei der Premiere von Dostojewskis Stück „Erniedrigte und Beleidigte“ unter Regie von Sebastian Hartmann im Schauspielhaus Dresden.

Wozu die Aufregung?! Die Inszenierung „Erniedrigte und Beleidigte“ nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski unter Regie einschließlich Bühnenbild von Sebastian Hartmann polarisiert, bekam ebenso viele Bravo- wie Buh! Geld zurück!-Rufe nach der Premiere am Gründonnerstag im Schauspielhaus Dresden. Im Stücktitel klingt schon an, dass da einiger Zündstoff dahinter steht. Ja, es geht heftig zur Sache. Fiebrig, pulsierend, grell, zäh. Ein (Alb)traum und doch Wirklichkeit. Verliebte gebärden sich wie Verrückte. Wer zu verquer auftritt, zu laut lamentiert, wird schnurstracks auf die Krankentrage verfrachtet, zum Schweigen gebracht und weggefahren.

Leidenschaftliches, spielbesessenes Theater, drei Stunden lang, mit großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern, die so scheint es gar nicht aufhören wollen, sich zwischendurch auch selbst fragen, was diese oder jene Szene eigentlich soll, dass man die ganze Geschichte endlich auch mal erzählen müsste – was kurz vor Ende sehr russisch wehmütig-ironisch auch passiert bis zum abschließenden: „Habt Ihr noch was?!“. Doch da haben sie längst alles ausgereizt an theatralen Mitteln, was Körper, Stimme und Sprache hergeben (unter Verwendung einer heruntergerasselten Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz, fast ein Sinnbild für das Ringen von Kunst und Sprache um Gehör heutzutage! Auch angesichts allgegenwärtiger Reizüberflutung). Danach hat man keine Lust auf Wein oder Gespräche mehr. Man fühlt sich wie benommen von der Fülle an Eindrücken, dem Gefühlschaos auf der Bühne, dem wilden Gezappel der Körper, die in Schmerz, Ekstase, dahin geschleuderten Geistesergüssen und Verzweiflung sich ergehen.

Das ist nicht leicht auszuhalten, dermaßen zwischen nebulöser Leere mit umher geisternden, dunklen Gestalten, groteskem Wahnwitz und tieftrauriger Melancholie und Verzweiflung, untermalt von sanfter Cello- und Klaviermusik und dröhnenden Bässen, hin und her gerissen als Zuschauer, den Spiegel vorgehalten zu bekommen über die Abgründe der menschlichen Seele. Die Gier nach Macht, Erfolg, Heirat ohne Liebe nur aus materiellen Beweggründen, Gleichgültigkeit gegenüber anderem Leid, Angst vor dem Tod, dem Nichts und dagegen Anspielen, im Dunklen einer Dachkammer den einen, winzigen Sonnenstrahl sehen, der wieder Licht in die Seele bringt, neue Gedanken anstößt… Wunderbar dazu das nach und nach entstehende, vielschichtig übermalte Leinwandbild mit seinen Schwarz-Weiß-Schattierungen von Tilo Baumgärtel mit einem staunend-fragenden Kindergesicht in der Mitte, das Treiben der Erwachsenen beobachtend, zugleich ihre Erinnerungen, Ängste und Träume verkörpernd.

Man fühlt sich streckenweise so allein gelassen und ratlos wie die im dichten Nebel umher irrenden Figuren auf der Bühne mit der bruchstückhaft erzählten, aufgesplitterten, erst gegen Ende einigermaßen verständlichen Geschichte. Nichts ist eindeutig, alles möglich und ungewiss. Das zeigt dieser intensive, schmerzhaft schöne und zwiegespaltene Theaterabend, der garantiert keinen kaltlässt, eindrucksvoll.

Text (lv)

Nächste Vorstellungen:

2.4. und 21.4, 19.30 Uhr; 8.4., 19 Uhr und 29.4., 16 Uhr