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Kategorien-Archiv: Theater

Junges Theater: Premiere „Kopfsache & Herzenstraum“ in der JugendKunstSchule Dresden

07 Freitag Jun 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Auf dem Sprung ins Leben. Junge Leute erzählen, was sie vom Leben wollen.

Wenn die Gefühle kopf stehen

Die Jugendtheatergruppe der JugendKunstschule Dresden hat unter Leitung von Jo Gerbeth ein Stück zu den wichtigen Fragen des Lebens erarbeitet.

Was ist das Wichtigste im Leben? Wie weit kann ich gehen? Wo sind meine Grenzen? Was sind meine Bedürfnisse? Was ist Liebe? Eben all‘ die Fragen, die einen jungen Menschen an der Schwelle des Erwachsenseins beschäftigen.

Die jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspieler im Alter von 14 bis 18 Jahren haben das Stück aus vielen interessanten Puzzleteilen zusammengesetzt: Theaterszenen, die gerade wichtig sind; Zitate aus Büchern, die beeindruckten, verbunden mit etwas Musik; einem ungewöhnlichen Stück Filmmaterial und sehr persönlichen Bildern.

Das Leben ist schön und dennoch sind manchmal die wichtigsten Herzensangelegenheiten einfach nur Kopfsache.

Spieldauer ca. 60 Minuten. Keine Pause. Ab 12 Jahre.

Kartenvorbestellungen unter Telefon 79688510 oder info@jks.dresden.de

Premiere: Sonnabend, 15.06.2019, 19 Uhr
weitere Vorstellung: Sonntag, 16.06.2019, 18 Uhr

Text + Foto: Victoria Braun/JKS

Alle Infos auch im Internet unter www.jks-dresden.de

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Premiere „Demokratie von unten“ im Kleinen Haus

03 Montag Jun 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Ein Stück Geschichte, hochaktuell: Wie geht man mit Unzufriedenheit, Konflikten und verschiedenen politischen Meinungen um? Zeitzeugen vom Herbst 89 erinnern sich.


Bilder von den Bürgerprotesten mit Polizeigroßaufgebot im Oktober 89 und Nachdenken von Zeitzeugen auf der Bühne, wie Mitregieren von unten möglich ist. Fotos: Sebastian Hoppe

Aufbruchstimmung und Clownstränen

Wie kam es zu den Bürgerprotesten im Herbst 89 und was ist aus den Ideen von einst geworden? Das fragt die szenische Lesung „Demokratie von unten“ von Esther Undisz und lässt bekannte und unbekannte Zeitzeugen zu Wort kommen. Die Uraufführung war am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Bühnenwand steht in Schieflage. Davor marschiert eine Menschenschlange, die sich gegenseitig hält, angeführt von einer Frau im Clownskostüm. Sie reißt fröhlich und entschlossen die Arme hoch. Sie haben bange Tage erlebt, voller Angst und Ungewissheit, wie es mit ihnen und ihrem Land DDR weitergeht. Als der Protest auf der Straße immer lauter wurde, konnten sie nicht mehr still zusehen. Einerseits ein Stück Geschichte, andererseits hochaktuell, geht es nicht nur um den Herbst `89 in Dresden in der Aufführung „Demokratie von unten“.

Die szenische Lesung von Esther Undisz hatte eine Woche nach der Wahl zum Europaparlament und den Kommunalwahlen Uraufführung am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Die Regisseurin Esther Undisz führte fast ein Jahr lang Interviews mit unbekannten und bekannten Zeitzeugen. Es ging ihr vor allem um die Motive, die sie zu Handelnden werden ließen. Vor der schrägen Bühnenwand steht ein Wachturm aus Holz mit Leiter. Auf den klettern einzelne Akteure und erzählen, wie sie jene Tage im Oktober und die Grenzöffnung erlebten.

Ein Clowns-Paar, gespielt von Daniel Séjourné, der auch am Klavier und Hardrock auf der Gitarre spielt und Oda Pretzschner, begleitet das Geschehen. Er berichtet als Polizist, Detlef Pappermann von den Demos auf der Prager Straße, wo es chaotisch zuging und er auf Bitte der zwei Kaplane Andreas Leuschner und Frank Richter, der auch als Zeitzeuge auftritt, den damaligen OB Berghofer anrief. Der sollte die Situation deeskalieren. Er tat es: „Okay, ich geh anrufen… Reden ist besser als knüppeln:“

Die Clowns stellen naive Fragen, was ein mündiger Bürger eigentlich ist und darf, sie ziehen rückblickend mit zu den Demos auf der Prager Straße, klopfen mit den Zeitzeugen gemeinsam rhythmisch-kraftvoll auf den Boden und stellen sich mit den festgenommenen Demonstranten mit Händen und Füßen zur Wand. Und sie erleben, wie weh Kompromisse tun können, damit es demokratisch bleibt.

Ernste, traurige, dramatische, aber auch absurdkomische Momente, in denen nichts mehr geht und alles möglich scheint, wo neuer Mut und Hoffnung wachsen, wechseln sich ab in dieser bewegenden wie spannenden Aufführung. Die Rufe „Keine Gewalt!“ und „Wir bleiben hier“ der Demonstranten am 8. Oktober 89, von Polizei eingekesselt, gehen immer noch unter die Haut. Zu sehen sind Originalfilmaufnahmen jener Oktobertage, von der aufgebrachten Menge im Hauptbahnhof, wo die Züge mit Ausreisewilligen nach Prag durchfuhren und manche versuchten aufzuspringen und Fotos von der protestierenden Menschenmasse und Polizei mit Schutzhelmen und Schlagstöcken auf der Prager Straße.

Acht Zeitzeugen auf der Bühne und eine eingespielte Stimme (von Susanne Altmann, Kunsthistorikerin) erinnern sich, wie sie die Ereignisse im Oktober 89 erlebten und wie diese sie veränderten. Sie lesen aus ihren Gedächtnisprotokollen und stellen Situationen von damals nach. Einer von ihnen, der Schauspieler Thomas Förster verliest noch einmal die Resolution der Unterhaltungskünstler, die er am 4. Oktober 89 nach der Vorstellung im Kleinen Haus verlas: „Wir wollen in diesem Land leben, und es macht uns krank, tatenlos mitansehen zu müssen, wie Versuche einer Demokratisierung kriminalisiert werden.“ Erst Stille. Dann tobten die Leute, sprangen auf, klatschten und jubelten. Zwei Tage später verkündete das Schauspielensemble in einer eigenen Resolution, nun aus seinen „Rollen herauszutreten, die Situation im Land zwingt uns dazu.“ Der Schriftsteller Mario Göpfert erzählt, was ihm widerfuhr nach seiner Festnahme am 7. Oktober zusammen mit vielen anderen Demonstranten, die ohne Haftbefehl in die Justizvollzugsanstalt nach Bautzen kamen.

Michael Schaarschmidt war Bausoldat, da er sich eine Totalverweigerung mit drohendem Knast nicht zutraute. Den Demonstranten schloss er sich an, weil er sich „nicht mehr verstecken wollte“. Die Einführung eines zivilen Friedensdienstes war eine zentrale Forderung. Er und Jens Nitsche, die sich in Bautzen kennenlernten, arbeiten heute in einem Verein im Täter-Opfer-Ausgleich zusammen, „was so viel bedeutet, wie acht Stunden am Tag für gesellschaftlichen Frieden zu sorgen.“ Silke Körner stammt aus Hamburg und erlebte die Turbulenzen des Mauerfalls mit ihrem Mann in Ostberlin mit, wo sie mit auf die Mauer am Brandenburger Tor kletterten und es plötzlich egal war, ob man aus Ost oder West kam. Sie singt mit jazziger Stimme den Song „On change my heart“ von Joe Cocker, der im Oktober 89 ein Konzert unweit vom Großen Garten gab, seither heißt der Platz dort Cockerwiese.

Als prominenter Augenzeuge erzählt Herbert Wagner, ehemals Sprecher der aus Bürgern gebildeten „Gruppe der 20“, die den Dialog mit OB Berghofer anschob und später OB von Dresden, von heiklen Momenten, als der Dialog auf der Kippe stand. Von der Angst vor Konflikten und Blutvergießen bei der Demo zur Stasi mit Besetzung ihres Hauptgebäudes auf der Bautzner Straße. Sein Resümee: „Die erste geglückte friedliche Revolution in Deutschland bleibt ein Wunder.“ Herzlicher Beifall für einen besonderen Theaterabend, der an die Aufbruchstimmung im Herbst 89 erinnert, an die vielen Ideen, Meinungsstreit und Miteinander all der Träumer und Mutigen, die es braucht, um Veränderungen herbeizuführen.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Premiere der Oper „Katja Kabanowa“ von Leos Janácek an den Landesbühnen Sachsen

22 Mittwoch Mai 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Theater

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Gewitter der Gefühle

Die Oper „Katja Kabanowa“ von Leos Janacek nach dem Schauspiel „Das Gewitte“ von Alexander N. Ostrowski hat am 25. Mai, um 19 Uhr an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul Premiere.

Neben seiner Affinität zu russischer Literatur war es vor allem ein persönlicher Bezug, der Leoš Janáček für KATJA KABANOWA zu dem Drama DAS GEWITTER aus dem Jahre 1860 hatte greifen lassen: Denn wie seine platonische Geliebte Kamila Stösslová, die als Muse sein gesamtes Spätwerk inspirierte, ist auch Ostrowskis Katja Kabanowa eine verheiratete Frau und gefangen im Korsett gesellschaftlicher Zwänge. Die Opernhandlung führt in die russische Provinz, an die Wolga.

Katja (Stephanie Krone) hat vor allem unter dem strengen Regime  ihrer Schwiegermutter zu leiden, einem verkleinerten Abbild absolutistischer Zarenmacht, wie Janáčeks Übersetzer Max Brod formuliert. Dieser bewundert  an der Oper vor allem die «Wucht dieses aus einem Zug hingegossenen Musiksturms». Das ganze Werk «hat diesen fortreißenden, unaufhaltsam seinem Ziel zuströmenden Wolga-Charakter», der die Geschichte tragisch enden lässt.

Janáčeks Katja, anrührend in ihrer Sehnsucht nach Freiheit und tief in ihren Empfindungen, gibt sich während einer Reise ihres Gatten heimlich dem Mann hin, den sie wirklich liebt. Ihre Gefühle entladen sich schließlich bei einem Gewitter, das sich über allen aufgestaut hat: Katja gesteht ihren Ehebruch öffentlich! Doch anders als ihre Freundin Barbara, die mit ihrem Geliebten aus der kleinbürgerlichen Misere Richtung Großstadt flieht, zieht es Katja – von allen verlassen – Richtung Wolga.

Die Oper wurde am  23. November 1921 im National Theatre, Brno uraufgeführt.

ES SPIELT DIE  ELBLAND PHILHARMONIE SACHSEN

MUSIKALISCHE LEITUNG: EKKEHARD KLEMM
INSZENIERUNG UND LICHT: SEBASTIAN RITSCHEL
AUSSTATTUNG: STEFAN WIEL

Besetzung:

Katja Kabanowa – Stephanie Krone; Sawjol Prokofjewitsch Dikoj – Paul Song; Boris Grigorjewitsch-Sebastjan Podbregar ; Marfa Ignatjewna Kabanová (Die „Kabanicha“) – Jasmin Etezadzadeh A.G.; Tichon Kabanow– Kay Frenzel; Váňa Kudrjáš – Edward Lee;  Warwara – Katarzyna Wlodarczyk ; Kuligin– Johannes Leuschner;  Glaša – Gundula Ehret; Fekluša – Ausra Pruselaityte; eine Frau aus dem Volk – Suji Kim; Bürger – Opernchor der Landesbühnen Sachsen

Termine:

30.5. und 9.6., 19 Uhr -LANDESBÜHNEN SACHSEN – HAUPTBÜHNE · RADEBEUL

Text: Petra Grubitzsch/LB

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0, Kasse: Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; www.landesbuehnen-sachsen.de

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Heiß umkämpft. Die Wahrheit. Antigone als digitales Medien-Drama im Theater Junge Generation

07 Dienstag Mai 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

≈ Ein Kommentar


Wer herrscht, hat Recht: König Kreon (Ulrich Wenzke).
Hautnah am Geschehen bis zur Schmerzgrenze mit der Kamera: mal Wächter an der Leiche und mal Kameramann (Moritz Stephan) und Lola Mercedes Wittstamm als aufbegehrende Antigone.

Der Vater brüllt seinen Sohn nieder, der meint, er sollte auch die Gegenseite hören und das sei nicht ehrrührig. Ulrich Wenzke als Kreon und Paul Oldenburg als Haimon.
Fotos: Marco Prill

Wettlauf zwischen Wirklichkeit und virtueller Welt

Das antike Drama „Antigone“ von Sophokles erkundet in einer Inszenierung im Theater Junge Generation im Kulturkraftwerk Mitte zwischen Ernst und Komik Chancen und Grenzen, die Welt mittels moderner Kommunikationsmittel besser zu verstehen.

Der Krieg ist aus, die Stadt frei. Doch ein Riss geht durch sie. Als Antigone (gefühlvoll: Lola Mercedes Wittstamm) ihren toten Bruder Polyneikes würdig bestatten will, lehnt sie sich damit gegen den neuen Herrscher Kreon auf, der als nächster Angehöriger den Thron von Theben bestiegen hat. Die Beerdigung eines „Verräters“ wäre ein Politikum. Kreon (übertrieben selbstherrlich: Ulrich Wenzke) beruft sich auf Vernunft und Recht und das Gemeinwohl der Stadt. Soll man Frevler ehren?!, fragt er seine Kritiker. Dies führt zu einem ebenso erbitterten wie absurden Streit mit grausamem Ausgang im antiken Drama „Antigone“ von Sophokles, das in der Nachdichtung von Walter Jens, vorwiegend an junge Zuschauer gerichtet, als modernes, digitales Medien-Drama im Kampf um die Wahrheit auf die Studiobühne des Theaters Junge Generation im Kulturkraftwerk Mitte kam (Regie: Nils Zapfe).

Wie in einer Arena sitzen die Zuschauer auf Holzkästen rings um die Spielfläche. Die mit den Plätzen zugleich verschiedene Perspektiven und Meinungen auf das Geschehen einnehmen. Dieses wird live auf zwei Leinwänden übertragen, im Fernsehen kommentiert und in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter unentwegt diskutiert und mit allen Details ausgeschlachtet. Die Palette der Kommentare reicht von „Die Wächter bewachen den Verräter wie einen König“ bis „Ob Ratten wirklich Aas fressen… Nee, nur Blut trinken“. Die Meinungen wechseln ständig wie die Lager von Symphatisanten oder Gegnern Antigones und Kreons.

Nicht leicht, da den Überblick zu behalten oder schlüssige Antworten auf den Konflikt zu finden. Zu gegensätzlich sind die Positionen, irgendwie hat jeder recht oder unrecht, keiner gibt nach. Die Fronten sind verhärtet. Im Spannungsfeld von Wirklichkeit, eigener Wahrnehmung und der bereits alltäglichen Welt digitaler Medien, wo Fiktion, Fake News und Realität, Tatsachen und Meinungen immer mehr verschwimmen, bewegt sich auch die Inszenierung. Auf der Bühne, vor laufender Kamera, im TV-Nachrichtenstudio und im Musikvideo wird der Konflikt zwischen Kreon und Antigone von allen Seiten beleuchtet, bebildert und hinterfragt. Die Schwelle zwischen Ernst und Komik verwischt ebenso wie Schwarz-Weiß-Denken und starr radikale Standpunkte ironisch gebrochen werden. Denn hier geht es nicht nur um Machtmissbrauch und Zivilcourage, sondern auch um kämpferisches Gegen- oder Miteinander von Männern und Frauen.

Kreon ist fassungslos, dass nicht irgendein bestochener Wächter, sondern ausgerechnet seine Nichte Antigone sich ihm widersetzt und ihren Bruder beerdigt hat.
Noch mehr erzürnt ihn, wie aufrecht und gefasst sie ihrer Strafe entgegensieht. Ihre Schwester Ismene und Fernsehmoderatorin (Ulrike Sperberg) hält sie für eine „Törin“, die sie zugleich bewundert und beneidet in ihrem Mut. Seinen Sohn Haimon (weit weiser als der Vater: Paul Oldenburg), der auch den blinden Seher Teiresias spielt, brüllt Kreon nieder, als der ihn bittet, auch die Gegenseite zu hören und nachzugeben. Der Vater wird ihn nie wiedersehen. Antigone geht, begleitet von einem Kameramann (Moritz Stephan), der vorher Wächter an der Leiche war, wie eine Märtyrerin zu pathetischen Klängen zu der Felshöhle, wo Kreon sie lebendig begraben lässt. Sie fragt ins Publikum: „Wer steht auf meiner Seite?“ Mehrere stehen auf. Andere kichern belustigt, als sie sich mit rührenden Worten vom Leben verabschiedet, halten die Szene wohl für einen Gag. Antigone (Lola Mercedes Wittstamm) fühlt sich auch nicht wohl damit: „Ja, weil ihr lacht und ich sterb jetzt!“, entgegnet sie ihnen. Kreons Reue kommt zu spät. Er verliert alle, die er einst liebte. Kaum ist sein Platz frei, setzt sich der Wächter ans Mikro im TV-Studio und verkündet: „Theben braucht nun einen König ohne lange Vorgeschichte. Mein Volk. Ich will, dass wir die Welt nun etwas vernünftiger gestalten. Guten Abend !“ Noch während seiner Worte fliegt ein Flugzeug knapp über seinem Kopf vorbei. Kann sich jeder selbst weiterdenken.
Viel Beifall für einen spannenden, multimedialen Theaterabend.

Text (lv)

http://www.tjg-dresden.de

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Premiere „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller im Schauspielhaus

06 Montag Mai 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Einmal der Größte sein, Erfolg haben, beliebt sein, dann wird`s nie an etwas fehlen. Glaubt Willy Loman, Handlungsreisender. Doch ist das wirkliche Größe? Fotos: Sebastian Hoppe

Der Traum von der großen Freiheit

Wenn der Erfolg auf der Karriereleiter ausbleibt, was bleibt dann noch im Leben? Fragt in traumversponnen schönen, komischen und düsteren Bildern und Szenen die Inszenierung „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller im Schauspielhaus Dresden.

Ein lächelndes Paar im Auto, hinter ihnen schaut ein Kind mit Hund aus dem Fenster auf die Freiheitsstatue in New York. Vor dem romantischen Reklamebild steht Willy Loman (erfolgsbesessen und stur: Torsten Ranft). Er ist Familienvater, fährt als Handelsvertreter tausende Kilometer übers Land und rauft sich das Haar. Beinah hätte er einen Unfall gehabt, da sein Blick einmal in die sonnige Landschaft abschweifte. Er hält einen Moment inne und wird wütend, wenn er daran denkt: „Die Welt ist außer Kontrolle geraten, dieser Wettbewerb ist wahnsinnig!“

Doch Willy Loman macht mit, er kann nicht aufhören. Er misst seinen Wert an seiner Arbeit, an den Erfolgen und dem Umsatz, den er erzielt. Er will es allen zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. In diesem Erfolgsstreben erzieht er auch seine zwei Söhne, Biff und Happy, die buchstäblich aus dem Reklamebild mit dem Familienidyll herausfallen. Der Vater trimmt sie als Basketball-Sportler, dort sollen sie ihm Ehre machen. Ein Sportgeschäft der beiden ist sein Traum. Doch Happy (Yassin Trabelsi) ist ein Tagträumer und schläft wahllos mit Frauen. Biff (sensibler Sonderling: Simon Werdelis) ist durch die Abschlussprüfung gefallen, fühlt sich als Versager und leidet unter dem Leistungsdruck seines Vaters. Er spielt eine Weile das Erfolgs-Spiel mit, um seine Zuneigung zu erlangen, doch er taugt nicht zum Verkäufer und Geschäftsmann. Außerdem steht noch ein Geheimnis aus der Vergangenheit zwischen Biff und seinem Vater, das nach und nach aufgedeckt wird. Immer mehr offenbart sich, dass das ganze vermeintlich erfolgreiche Leben von Willy Loman auf einer Lüge aufgebaut ist.

Davon erzählt dramatisch, tragikomisch und berührend, wobei Traum- und reale Lebensszenen in der Schwebe gehalten sind bzw. Vergangenheit, Erinnerung und Gegenwart sich überlagern, das Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller, in der deutschen Textfassung von Volker Schlöndorff und Florian Hopf, im Schauspielhaus Dresden (Regie: Michael Talke). Mit der Uraufführung 1949 erlebte er seinen Durchbruch als Schriftsteller, für sein Stück erhält er im selben Jahr den Pulitzer-Preis. Es hat bis heute nichts an Aktualität und Ausdrucksschärfe verloren, vielmehr wird die Frage immer brisanter, um den Preis von Erfolg, seine Folgen und was für Werte sonst noch zählen.

Auf der Rückseite des Bühnenbildes mit der heile Familien-Reklame steht der Spruch: „What you will“ (Du kannst es erreichen). Daran hält sich Willy Loman eisern, hat abwechselnd Anfälle von Größenwahn, Wut- und Verzweiflungsausbrüche, dann wieder wird er ganz sanft und still. Im Traum erscheint ihm, wenn er nicht weiter weiß, sein toter Bruder Ben (Hans-Werner Leupelt), ein kraftprotzender Abenteurer mit Fellmütze und Mantel, der Goldgräber in Alaska war und Willy anfeuert mit Sprüchen wie „was riskieren“ und „sich durchschlagen“. Daran klammert er sich und wird immer erschöpfter, depressiver. Seine Frau Linda hält zu ihm, ohne klein beizugeben (stark und feinfühlig: Christine Hoppe), versucht zu schlichten zwischen Söhnen und Vater. Doch die harte Wahrheit, ausgesprochen von seinem Sohn Biff: „Ich bin ein Niemand und du auch!“ erträgt sein Vater nicht. Während die Erkenntnis für Biff eine Befreiung ist: „Ich bin, was ich bin, sonst nichts“, kann Willy Loman nicht damit leben.
Der Traum von der großen Freiheit zerplatzt lautlos wie eine Seifenblase.
Viel Beifall für einen emotionsreichen, spannenden Theaterabend.

Nächste Vorstellung: 6. Mai, 19.30 Uhr im Schauspielhaus.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Zeitreise in die Welt der Hippies: Premiere „Hair“ an den Landesbühnen Sachsen

06 Montag Mai 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Tanz, Theater

≈ 2 Kommentare

Love, Peace und musikalische Power

So aufregend, flippig-bunt und lebendig kann der Einsatz für eine bessere Welt sein! Das Musical „Hair“ feierte am Sonnabend Premiere an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Sie lieben flippige, farbenfrohe Klamotten und lange Haare, rebellieren gegen autoritäre Machtstrukturen und scheinheilige Moralapostel. „Hair“ – The American Tribut Love Rock-Musical lässt die aufregende Welt der Hippies aufleben. 1968 wurde das Stück am Broadway in New York uraufgeführt (Buch und Liedtexte von Gerome Ragni und James Rado, Musik: Galt MacDermot), 1979 von Milos Forman verfilmt.
Nun feierte „Hair“ in der deutschen Fassung von Nico Rabenald und den Liedtexten von Walter Brandin am Sonnabend Premiere an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Gleich zu Beginn warnt einer der Hippies (Alexander Wulke) schon mal vorsorglich vor den „Drogen verherrlichenden Szenen und Sex-Aufforderungen“ als nicht mehr zeitgemäß und auch nicht der westlichen Leitkultur entsprechend.
Um so mehr wird in der Inszenierung unter Regie von Peter Dehler, der musikalischen Leitung von Michael Fuchs und Uwe Zimmermann und opulenter Ausstattung von Stefan Wiel die zeitlose Botschaft von Love, Peace, Flowerpower and Happyness mit unbändiger Lebenslust, Spielfreude und musikalischer Power zelebriert. Zu fetziger Musik schwingen langhaarige Frauen und Männer in bauchfreien, engen Fransenwesten und bunten Schlaghosen fröhlich und lasziv die Hüften. Da wogen im weißen Bühnennebel Körper auf und ab, raucht man Joints, meditiert, betet, geht gemeinsam auf Sinnsuche und tanzt wild im Rausch der Sinne. Da kommt man zur „Kamasutra-Orgie“ zusammen, feiert die freie Liebe und protestiert auf Eisengerüsten mit bunt bemalten Werbeplakaten gegen den Vietnamkrieg, gegen Rassismus und Sexismus.

Dabei prallen Ideale und Realität immer wieder aufeinander in der bunten, jungen Hippie-Truppe um den lebenshungrigen, exzentrischen George Berger (Baritenor Benjamin Oeser als Gast), seiner unter seinen Eskapaden leidenden Freundin Sheila (kraftvoll: Christin Rettig) und dem aus bürgerlichen Kreisen stammenden Claude (zerrissen von Zweifeln: Holger Uwe Thews). Dann sind da noch Chrissy (temperamentvoll: Julia Rani), die coole Dionne (Sandra Maria Huimann) und die naive, schwangere Jeanie mit dem Engelshaar (Luca Lehnert), die einen Vater für ihr Baby sucht. Mal versucht sie es bei Claude, mal bei dem komischen Kauz Woof (Grian Duesberg). Claudes spießige Eltern, mit witzigen Pappköpfen (Julia Vincze und Alexander Wulke, beide in mehreren Rollen) wollen einen „richtigen Amerikaner“ aus ihm machen. Doch vom als lebensgroße Marionette auftauchenden „Onkel Sam“ aus dem Dollar-Wunderland wollen die Hippies nichts wissen.

Als „wilder schwarzer Mann“ mit Kraushaar und nacktem Oberkörper, der die anderen erschreckt, tanzt mit viel Witz der Brasilianer Anderson Pinheiro Da Silva als Gast. Dann erhält Claude seinen Einberufungsbefehl nach Vietnam. Gesicht und Arme schwarz bemalt, hin und her gerissen zwischen freiem Leben, Pflichterfüllung, militärischem Drill und der Order andere zu töten, spielt Holger Uwe Thews ergreifend diese Gratwanderung. Grandios und mitreißend in Szene gesetzt, begeistern ebenso die Tanz- und Gesangsszenen (Choreographie und Lichtkonzept: Till Nau), mal solo, zu zweit, dritt oder in der Gruppe mal temporeich, mal leise, traumversunken schwebend auf die Bühne gebracht. Übermütig verwegen springen die flippig-bunten Typen auch mal über die Zuschauersitze.

Die Schauspieler bekommen als Hippies Verstärkung von Studenten der Theaterakademie Sachsen. Hits wie „Aquarius“, „Hare Krishna“ und „Let the Sunshine in“, mit denen die Hippie-Gemeinschaft ansingt gegen soziale Kälte und Gewalt gegen Andersdenkende in der Gesellschaft sorgen für Schwung, gute Laune und reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

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Frivole Märchenwelt: „Na, du kleine Maus?!“ im Kleinen Welttheater Radebeul

04 Samstag Mai 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Joachim Lippmann und Alf Mahlo im Kleinen Welttheater Radebeul.
Foto: Max Patzig

Na, du kleine Maus?!

Das Kleine Welttheater Radebeul zeigt jetzt Märchen P18.

Im Kleinen Welttheater steht heute wieder eine Premiere an. Bisher hieß es „Die schönsten deutschen Märchen… in 70 Minuten“ als fantastisch-komödiantische Reise für jung und alt in die Welt der alten Geschichten. Aber schon als Alf Mahlo im letzten Sommer das Stück seiner Lebensgefährtin und Achim Lippmann aka Clown Lulu präsentierte, bekam er von Zuschauern zu hören: „Das geht ja überhaupt nicht!“ Zu viele Texte waren nicht jugendfrei. Also schrieb Alf das Stück kindgerecht um und so stand der Premiere am Kindertag 2018 nichts mehr im Wege.

Aber jetzt geschah Verwunderliches: „Immer mehr ältere Gäste tauchten im Theater auf, die weder Kinder noch Enkel im Saal dabeihatten“, verrät Mahlo. „Schließlich erinnerte ich mich an eine Szene im Supermarkt, als mein Sohn bereits mit vier Jahren die nicht mehr ganz junge, aber noch ganz ordentlich aussehende Frau hinter uns in der Reihe mit dem Spruch ‚Na, du kleine Maus‘ anmachte.“

Also kam es wie es kommen musste, „alles auf Anfang“. Dafür baute Mahlo das Stück „Die schönsten deutschen Märchen… in 70 Minuten“ noch etwas frivoler aus und ergänzte den Titel um ein „P18“. Kaum war der Premierentermin 4. Mai online, so ging der Run nach Karten los. Regisseurin Henriette Ehrlich dazu: „Ausgerechnet Märchen; das hatte ich so ja gar nicht erwartet. Jetzt ist die Premiere bereits ausverkauft und wir haben eine weitere Veranstaltung für den 14. Juni freigeschaltet.“ Start ist wie immer um 20 Uhr, Möglichkeit eines Dinners besteht ab 18 Uhr im Sonnenhof Altkötzschenbroda. „Und da die Gäste von dort aus trockenen Fußes das Theater erreichen können, ist das doch eine gute Lösung für alle. Es reicht, wenn sie dann im während der Vorstellung feuchte Augen oder sonst wie feucht-‚fröhlich‘ aufgrund der Anspielungen werden“, so Ehrlich weiter.

„Jetzt freuen wir uns auf zahlreiche kleine Mäuse P18 in unserem Kleinen Welttheater. Wir werden da sicherlich gemeinsam genug zum Lachen haben. Achim Lippmann aka Clown Lulu und ich werden die Anspielungen bis dahin nochmals kräftigst ausbauen“, so Mahlo erwartungsvoll.

Weitere Infos: www.kleines-welttheater.de

Text: meeco Communication Services

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Festival-Monat Mai im Staatsschauspiel Dresden

02 Donnerstag Mai 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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„Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“
nach Theodor Fontane. Gastspiel Deutsches Schauspielhaus Hamburg
Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht. Foto: M.©HORN

Von „Effie Briest“ mit Slapstick-Einlagen bis zu Dostojewskis „Schuld und Sühne“

Drei Premieren und viele Gastspiele bieten abwechslungsreiche Kost für Theaterhungrige!

Festival-Monat für das Staatsschauspiel Dresden! Da Staatsschauspiel Dresden ist gleich mit zwei Produktionen zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen ist, mit „Erniedrigte und Beleidigte“ (Regie: Sebastian Hartmann) und „Das große Heft“ (Regie: Ulrich Rasche). „Operation Kamen“ (Regie Florian Fischer) wird bei Radikal jung, der wichtigen Platform für Nachwuchsregie in München präsentiert – „9 Tage wach“ (Regie: Sebastian) Klink eröffnet das 23. Divadelni Flora Festival in Olomouc, Tschechische Republik!

Aber auch das Staatsschauspiel Dresden selbst richtet ein Festival aus:  our stage, das 4. Europäische Bürgerbühnenfestival zeigt vom 18. bis zum 25. Mai elf Produktionen aus zehn Ländern und ein außergewöhnliches Rahmenprogramm mit 38 spannenden Veranstaltungen.

Doch damit nicht genug: Zusätzlich können Sie sich auf drei weitere Premieren freuen. Am 11. Mai, 19.30, feiert „Kasimir und Karoline“ von Ödon von Horváth in der Regie von Nora Schlocker Premiere im Schauspielhaus.

„Früchte des Zorns“ nach dem mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Stück von John Steinbeck, inszeniert von unserer Hausregisseurin Mina Salehpour, steht am Donnerstag, 16. Mai, 19.30 Uhr im Kleinen Haus 1 auf dem Spielplan. Den Abschluss macht am 31. Mai, 19.30 die Premiere von „Schuld und Sühne“ in der Regie von Sebastian Hartmann – nach dem zum Theatertreffen eingeladenen“Erniedrigte und Beleidigte“ ein weiterer von Hartmann inszenierter Dostojewski auf der großen Bühne im Schauspielhaus.

Mit „Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ (Regie Barbara Bürk, Clemens Sienknecht) ist am 4. Mai (19.30) und 5. Mai (19.00) ein hochkarätiges Gastspiel des Schauspielhaus Hamburg im Schauspielhaus als Gastspiel zu sehen. Die Inszenierung war 2016 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und erhielt den Theaterpreis Hamburg in der Kategorie Herausragende Inszenierung/Dramaturgie. Ein ungewöhnlicher Theaterabend mit Slapstick-Elementen, Sarkasmus und Parodie, der dennoch die Konflikte und Stimmungen des Romans perfekt einfängt.

Bürgerbühnenfestival our stage

Das 4. Europäische Bürgerbühnenfestival hält vom 18.–25. Mai elf Produktionen aus zehn Ländern und ein Rahmenprogramm mit 38 spannenden Veranstaltungen bereit. 

Eine inklusive Theatergruppe aus Griechenland eröffnet das Festival mit „the fan-man or how to dress an elephant“. Ein gewöhnlicher Theaterabend mit ungewöhnlichen Menschen. Oder andersherum?  Im Schauspielhaus geht es weiter mit „STADIUM“: 53 Fans des französischen Fußballclubs RC Lens machen die Faszination des Stadions auch im Theaterraum erlebbar.  In einer Privatwohnung treffen wir bei „a doll’s house“ gemeinsam mit drei Performer*innen aus Dänemark ein echtes Dresdner Pärchen.  Lucy und ihr 16-jähriger Sohn Readie aus Schottland stellen für uns in „the ballad of the apathetic son and his narcissistic mother“ ihre turbulente Beziehung ins Scheinwerferlicht. 

Wem gehört die Bühne, und was darf gezeigt werden? Das befragt die radikale Tanzperformance „every body electric“ der österreichischen Choreografin Doris Uhlich, in der die Performer*innen ihre Rollstühle und Prothesen als Erweiterung des Körpers verstehen.  In dem interaktiven Gesellschaftsspiel „addressless“ werden Sie als Publikum mit der Situation von Wohnungslosen in Ungarn konfrontiert.  Ebenfalls als Publikum aktiv werden Sie in „pending vote“ aus Spanien, wenn sich der Theaterraum in ein Parlament verwandelt.  In der Tanzperformance „hillbrowfication“, einer südafrikanisch-deutschen Koproduktion von Constanza Macras, kommen Aliens auf die Erde und etablieren eine neue Weltordnung: Wer gut tanzen kann, hat das Sagen. 

Beim Kochen erzählen Ihnen Roma-Frauen in „Long live regina!“ Episoden, die sie als Mütter in ungarischen Krankenhäusern erlebt haben. Das Ensemble tritt bei diesem Festival zum ersten Mal außerhalb Ungarns auf.  Ein generationsübergreifendes Ensemble aus Belgien macht Sie als Publikum in „Invited“ während der Vorstellung unmerklich zu Ko-Autor*innen der Choreografie.  Das Festival endet fulminant mit der Produktion des Schauspielhaus Bochum der „Hamiltonkomplex von Lies Pauwels: Dreizehn 13-jährige Mädchen zeigen sich als Unschuldsengel oder Zombies, mit Misswahl-Schärpen und Maschinengewehren. Und mittendrin ein Bodybuilder, der versucht, der unkontrollierbaren Meute Herr zu werden.

Das Bürgerbühnenfestival wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit der ETC – European Theatre Convention, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste, Societaetstheater.

http://www.buergerbuehnenfestival.de
http://www.facebook.com/buergerbuehnenfestival

Die Premieren

Kasimir und Karoline
von Ödön von Horváth
Premiere 11.5., Schauspielhaus

Die Konjunktur liegt am Boden. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Doch was ist der Mensch ohne Arbeit? Wie sollen sich Sehnsüchte und Träume verwirklichen lassen, wenn sich jedes Gefühl den Gesetzen der Ökonomie unterwerfen und genauestens kalkuliert werden muss? In Horváths Volksstück kasimir und karoline sind alle überfordert. Dabei wollte Karoline doch nur ein wenig Spaß haben und sich auf dem Rummel amüsieren. Doch ihrem Freund Kasimir ist nicht nach Feiern zumute. Er hat seine Stelle verloren. Dass Karoline sich gleich nach etwas Besserem umsieht, macht die Sache nur noch schlimmer: Wütend tigert er zwischen Karoline und Kleinkriminalität umher. Er will mehr vom Leben und weiß doch, er wird es nicht bekommen. Frust macht sich breit inmitten von Verrat und Isolation, der gern mal in Gewalt mündet: Kasimir – der Prototyp eines Wutbürgers?

In Horváths sozialkritischem Drama von 1932, das die Endphase der Weimarer Republik beschreibt und sich zwischen Weltwirtschaftskrise und Kapitalismuskritik bewegt, sind Sätze wie „Die Staaten müssen wieder radikal national werden“ Einfallstore für die Aktualität des Stoffes, ihre Bezüge zum Hier und Jetzt liegen auf der Hand.
Mit Emil Borgeest, Tammy Girke, Jannik Hinsch, Eva Hüster, David Kosel, Raiko Küster, Anja Laïs, Karina Plachetka, Marina Poltmann, Ingo Tomi, Viktor Tremmel und den Musikern Benjamin Arnold, Florian Mayer, Filip Sommer, Georg Wettin, Dietrich Zöllner

Regie Nora Schlocker Bühne Jessica Rockstroh Kostüme Caroline Rössle Harper Musik Marcel Blatti Dramaturgie Julia Weinreich

Früchte des Zorns
Schauspiel in drei Akten nach dem Roman von John Steinbeck von Frank Galati. Deutsch von Gottfried Greiffenhagen und Bettina von Leoprechting
Premiere 16.5.,  Kleines Haus 1

Eine große Dürre hat ihre Lebensgrundlage zerstört. Der Pachtzins kann nicht mehr bezahlt werden, die Grundbesitzer vertreiben sie mit Baggern, und die Familie Joad entschließt sich zu einer Reise ins Ungewisse: Tau­sende Kilometer reisen sie mit wenig mehr als sie am Leib tragen, einmal quer durch die Wüste und über den Kontinent, einer verheißungsvollen Zukunft entgegen. In Kalifornien, so hat man gehört, gebe es Arbeit, Wohlstand und die Hoffnung auf ein besseres Leben, ein kleines Glück. Doch mit jedem Schritt in Richtung des gelobten Landes wachsen Ent­behrung, Ausbeutung und Anfeindung. Die Familie bricht auseinander und verliert sich in einer enttäuschten Schicksalsgemeinschaft von Einwander*innen, in der die Früchte des Zorns reifen.

John Steinbeck schilderte bereits 1939 eindrücklich die Folgen von Großer Depression, Monokultur und Missernten in den Vereinigten Staaten. Die Resonanz war immens: Gegendarstellungen wurden geschrieben, Verbote angestrebt, der Autor als Volksverhetzer diffamiert. Gleichzeitig hatte Steinbeck selbst intensiv recherchiert, war mit einer Gruppe wie der Familie Joad gemeinsam bis nach Kalifornien gereist und wurde als Stimme der Unterdrückten gefeiert. 1940 wurde „Früchte des Zorns mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, 1962 erhielt Steinbeck den Literaturnobelpreis.

Mit Lisa Arnold, Philipp Grimm, Hans-Werner Leupelt, Anna-Katharina Muck, Oliver Simon, Simon Werdelis

Regie Mina Salehpour Bühne Andrea Wagner Kostüme Maria Anderski Musik Sandro Tajouri Dramaturgie Svenja Käshammer/Katrin Schmitz

Schuld und Sühne
nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
Premiere 31.5., Schauspielhaus

„So paradox es klingen mag, ich muss behaupten, dass das Schuldbewusstsein früher da war als das Vergehen, dass es nicht aus diesem hervorging, sondern umgekehrt das Vergehen aus dem Schuldbewusstsein.“(Sigmund Freud)

Sigmund Freud analysierte Verbrecher aus Schuldbewusstsein, die kriminelle Handlungen begingen, eben weil sie verboten waren. Bei Rodion Raskolnikow, verarmter Student und Held von Dostojewskis großem Roman, kommt hinzu, dass er sich eine philosophische Theorie zusammengebaut hat, nach der er die Menschen in ‚gewöhnliche‘ und ‚ungewöhnliche‘ einteilt. Letztere hätten das Recht, die ersteren als Material für ihre Ideen und Vorhaben zu behandeln und zu benutzen und eben auch das Recht zu töten. Den Ideen der ‚großen‘ Menschen ist alles unterzuordnen, da nur sie in der Lage seien, etwas Neues zu schaffen. Raskolnikow testet seine Theorie im realen Leben, er ermordet eine Pfandleiherin und als ‚Kollateralschaden‘ auch noch ihre Schwester. Der Mord steht am Beginn des Romans, der dann die schrittweise Aufklärung der Motive, der Ängste und der Irrungen Raskolnikows als spannenden Krimi erzählt. schuld und sühne bietet meisterhaft komponierte Spannung, es ist aber vor allem einer der großen Ideenromane Dostojewskis: Die nihilistische Philosophie Raskolnikows verweist auf menschliche Abgründe und Denkmuster, die immer wieder den dünnen Mantel humanistischer Zivilisation durchstoßen.

Mit Luise Aschenbrenner, Moritz Kienemann, Philipp Lux, Linda Pöppel, Torsten Ranft, Lukas Rüppel, Fanny Staffa, Nadja Stübiger, Yassin Trabelsi

Regie und Bühne Sebastian Hartmann Kostüme Adriana Braga Peretzki Lichtdesign Lothar Baumgarte musik Samuel Wiese Dramaturgie Jörg Bochow

Einladungen/Extras/Gastspiele

56. Theatertreffen Berlin – 13./14.5. + 19./20.5.

„Was bedeutet bemerkenswert im Theater?“ – unter diesem Gesichtspunkt stellt die Jury jedes Jahr Theaterstücke im gesamten deutsch­sprachigen Raum auf den Prüfstand. „Das große Heft“ (Regie: Ulrich Rasche) und „Erniedrigte und Beleidigte“ (Regie: Sebastian Hartmann) wurden ausgewählt und sind damit als zwei der zehn bemerkenswertesten Stücke der Saison zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Dort ist „Erniedrigte und Beleidigte“ am 13. und 14.5. zu sehen, „Das große Heft“ am 19. und 20.5. Es ist damit Abschlussveranstaltung und letzter außergewöhnlicher Höhepunkt des Theatertreffens. Das Staatsschauspiel Dresden ist das einzige Theater, das mit gleich zwei Stücken vertreten sein wird! Überdies wurde „Erniedrigte und Beleidigte am 9. April 2019 im Schauspielhaus aufgezeichnet – und ist dann am 11.5., 20.15 Uhr auf 3sat zu sehen.

radikal jung 2019 – 04.05.

Das Staatsschauspiel Dresden freut sich über eine weitere Einladung! Regisseur Florian Fischer wird „Operation Kamen“ bei Radikal jung, dieser wichtigen Plattform für Nachwuchsregie in München präsentieren. Entstanden ist „Operation Kamen“ in Koproduktion mit dem Archa Theater Prag. Das Festival Radikal jung fördert junge Talente im Bereich der Theaterregie, die sich mit ihren Arbeiten in der deutschen und europäischen Theaterlandschaft hervorgetan haben. Zu sehen ist „Operation Kamen“ im Rahmen von Radikal jung 2019 am 04.05.2019 im Großen Saal des Volkstheaters München.

23. Divadelní Flora Festival 2019 – 15.05.

Aller guten Dinge sind drei! Am 15.5. ist das Staatsschauspiel Dresden mit „9 Tage wach“ (Regie: Sebastian Klink) als Eröffnungs­inszenierung zum 23. Divadelní Flora Festival in Olomouc, Tschechische Republik, eingeladen. Das Flora Festival ist eines der progressivsten und sich am schnellsten entwickelnden Theaterfestivals der Tschechischen Republik, das insbesondere beim jungen europäischen Theaterpublikum sehr beliebt ist.

#wod: gemeinsam für Vielfalt! – 04.5.

Wir haben die Wahl! Es geht um Freiräume – denn Vielfalt braucht Platz zum Pulsieren, Wachsen, Leben. Es geht um Unterschiede, denn diese bringen uns zusammen, wollen gezeigt, verstanden und gestaltet werden – mithilfe eines breiten Spektrums von Kunst und Kultur. Es geht um uns alle, denn wir wollen frei miteinander agieren, leben und unsere Gedanken austauschen. Für ein positives Miteinander und Lust am Wählen. Die Kulturinstitutionen bieten ein buntes Programm zum Zuschauen und Mitmachen!

Gastspiel Schauspielhaus Hamburg: „Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ – 4. + 5.5.

Diese Inszenierung war 2016 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und erhielt den Theaterpreis Hamburg in der Kategorie Herausragende Inszenierung/Dramaturgie. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Alle Register von Running Gags zu Sarkasmus, Slapstick und Parodie, Kalauern, absichtlichen Versprechern und Tierlauten werden in perfektem Timing gezogen […]. Doch das wirklich Erstaunliche […] ist, dass Geschichte, Konflikte und Stimmungen dieses protestantischen Unliebesromans vollkommen sicher getroffen werden.“

Musik zwischen den Welten – 5.5.

Das wilde und mitreißende Ensemble Kolektif Istanbul verbindet in ihrem Programm „patrrirma yazi“ traditionelle anatolische Rhythmen und Melodien mit Funk, World und Jazz zu einem ebenso schweißtreibenden wie freudespendenden Sound, der mit seiner Kraft und Präsenz und seiner musikalischen Vielfältigkeit an ihre bunte Heimat, den kulturellen Schmelztiegel Istanbul, erinnert. Mit modernen Beats und verschiedensten Folk-Elemente entführen die Musiker ihr Publikum in die Heimat und die angrenzenden Länder am östlichen Mittelmeer.

Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten – 10.5.

Ferdinand von Schirachs neues Buch verwebt autobiographische Erzählungen, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat.

In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und Themen ist es das bislang persönlichste Buch Ferdinand von Schirachs. Außerdem wird er einen Vortrag zum Thema Aufklärung halten.

Poetry Slam Dead vs. Alive – 15.5.

Vier deutschsprachige Slam-Poeten treten mit ihren eigenen Slam-Texten („alive“) in einem gnadenlosen Showdown gegen die toten Klassiker der Weltliteratur („dead“) an. Vier Schauspieler*innen aus dem Ensemble leihen dabei den toten Dichter*innen ihre Körper und Stimmen.

Das neue Wunschkonzert – 30.5.

Jeder kennt sie, die alltägliche Frage: Was zieh’ ich heute an? Bei einem tieferen Blick in den Kleiderschrank stellen Mann und Frau manchmal fest: Das besser nicht mehr! Die geliebte Schlagjeans, das Hawaiihemd aus dem letzten Urlaub – nicht mehr tragbar, aber zu schade, um sie wegzuwerfen. Gibt es einen Song, den Sie mit dem Tragen dieses Kleidungsstücks verbinden? Ein Sommerhit? Oder ein Song ihrer Jugend? Am 30.5. fragen wir im Neuen Wunschkonzert mit „old brown shoe – Lieder meiner modischen Entgleisungen“ nach diesen Liedern! Schicken Sie uns Ihren Liedwunsch mit der passenden Geschichte bis zum 6.5. an dramaturgie@staatsschauspiel.de, und mit etwas Glück, erklingt Ihr Lied am 30.5. im Kleinen Haus.

Bürgerbühne
Neues

Wie könnte eine mobile Bühne für unterschiedliche Akteure aussehen, um sich durch Städte und Dörfer zu bewegen? Der Club der entwerfenden Bürger*innen präsentiert am 11.5. im Rahmen der Ausstellungseröffnung „nachbarschaften 2025 – eine Manufaktur der Visionen für Dresden und Europa „im Kunsthaus Dresden seine Entwürfe, die in Zusammenarbeit mit Construct Lab entstanden sind.

Sie warten auf ihren Vater. Der heißt Odysseus und soll nach zehn Jahren Krieg endlich nach Hause kommen. Währenddessen erzählen sie von den Abenteuern, die ihr Vater angeblich erlebt hat. Und von anderen Vätern und deren Heldentaten. Der Club der dramatischen Bürger*innen I bewegt sich in seiner neuen Werkstattaufführung „Wir. Telemach. Von Odysseus und anderen Vätern“ zwischen griechischem Chor und Performance. Am 15. und 28.5. im Kleinen Haus 3.

Weitere Werkstattaufführungen im Kleinen Haus 3: Am 2.5. zeigt der Club der Dramatischen Bürger*innen II noch einmal „Die Liebe ist tot – es lebe die Liebe!“ und sucht nach einer Antwort auf die wiederkehrende Frage, „was unserem Herz die Welt ohne Liebe ist“. Am 3.5. ist „Gegenwind wieder zu sehen: Der Club der beschleunigten Bürger*innen hat sich Zeit genommen, um Wege zu finden aus den immer gleichen Routinen. Am 11.5. zeigt der Club der lehrenden Bürger*innen „Das Institut“. 18 Lehrkräfte aller Schularten haben diskutiert, gestritten, improvisiert und geprobt – auf der Suche nach der perfekten Gemeinschaft.

Das Montagscafé
Vorbei kommen. Fremde Leute treffen. Einfach so.

Das Montagscafé hat jeden Montag von 15 bis ca. 22 Uhr geöffnet: Von 15 bis 17 Uhr gibt es ein Angebot für Frauen (mit Kinderbetreuung) und ab 17 Uhr öffnet das Café für alle mit dem folgenden Abendprogramm: Am 6.5. reisen wir mit „Kunst am
Kopierer“
zurück in die Zukunft. Unter der Anleitung von Josef Panda zeichnen und kopieren wir unsere eigenen kleinen Magazine. Am 13.5. werden wir die internationalen Spieler*innen des Theaterprojekts „Being hier“ auf der Bühne begrüßen. Sie haben im Rahmen des RAC (Refugee Art Center, HELLERAU) im April ihr zweites Stück in der Regie von Ellen Muriel uraufgeführt und zeigen es nun auch bei uns! Das 4. Europäische Bürgerbühnenfestival OUR STAGE unterstützen wir am Montag, den 20.5. mit kosmopolitischem Kochen und Siebdrucken auf der Terrasse des Kleinen Hauses. Am 27.5. werden wir uns – anlässlich der Europawahl am Tag zuvor – im Montagstalk mit dem Thema Europa beschäftigen und dazu verschiedene Expert*innen an unseren Tischen zum Gespräch einladen.f

Text: Gertrud Aringer/Staatsschauspiel Dresden

Theaterstraße 2, 01067 Dresden
Telefon +49 351 4913 755

www.staatsschauspiel-dresden.de

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Premiere „Hair“ an den Landesbühnen Sachsen

30 Dienstag Apr 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Theater

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Hair – The American Tribal Love Rock-Musical

Buch und Liedtexte von Gerome Ragni und James Rado, Musik von Galt Macdermot, Die Originalproduktion fand in New York unter der Leitung von Michael Butler statt. Nun erlebt das Hippie-Musical seine Premiere am 4. Mai, um 19 Uhr in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul und Open Air am 8. Juni, um 19.30 Uhr auf der Felsenbühne Rathen. 

Junge Leute um die Hippie-Truppe von George Berger suchen ein neues Lebensgefühl: eine Gesellschaft jenseits von Krieg, Rassentrennung und Autorität. Sie hoffen auf ein Zeitalter im Zeichen des Wassermanns, das geprägt ist durch Liebe, Gewaltlosigkeit und Frieden. Der bürgerliche Claude kommt neu dazu und fühlt sich sofort von dem charismatischen Berger und seinen Freunden angezogen. Doch er hat gerade seinen Einberufungsbefehl nach Vietnam erhalten. Soll er pflichtbewusst in einen unsinnigen Krieg ziehen?

Oder soll er seinen Dienst verweigern, und somit eine Gefängnisstrafe und gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen?

Vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges, des Protestes gegen autoritäre Gesellschaftsstrukturen und des Aufkommens der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung schrieben die Schauspieler Gerome Ragni und James Rado, die sich als Schauspieler am Broadway kennengelernt hatten, HAIR als lyrischen Theater-Text. Galt MacDermot, ein ehemaliger Organist und Kirchenmusiker, komponierte die eingängige, bisweilen an gregorianische Gesänge erinnernde Musik.

Der Regisseur der Uraufführung, Bertand Castelli, wurde als Anführer von Friedensmärschen mehrere Male verhaftet. Michael Butler, der sogenannte ≪Hippie-Millionär≫, brachte 1968 das Musical an den Broadway, wo es über 1800 Auffuhrungen erlebte. 1979 wurde es von Miloš Forman verfilmt. Das Musical ist nicht nur eine brillante Show aus Tanz und Musik, auch die Songs von ≪Aquarius ≫ und ≪Hair≫ bis ≪Hare Krishna≫ und ≪Let the Sunshine in≫ gehen bis heute unter die Haut und vermitteln eine Vision, die jetzt ebenso aktuell ist wie zur Zeit der Entstehung: die einer besseren Welt.

Inszenierung: Peter Dehler a.G.; Musikalische Leitung: Michael Fuchs a.G. / Uwe Zimmermann, Choreographie: Till Nau a. G.;  Ausstattung: Stefan Wiel

Besetzung: Claude -Holger Uwe Thews;  Berger – Benjamin Oeser a.G.; Sheila – Christin Rettig; Hud – Anderson Pinheiro a.G.; Ronny – Alexander Wulke; Chrissie– Julia Rani; Dionne -Sandra Maria Huimann; Jeane – Luca Lehnert / N. N.; Woof – Grian Duesberg; Linda- Julia Vincze; Tribe – Michael Berndt-Canana, Johannes Krobbach, Felix Lydike, Iris Stefanie Maier / N. N.;

Studierende der Theaterakademie Sachsen: Lena Beltermann/ Philipp Trant/ Lisa- Marie Breithaupt/ Max Henel/  Natalie Bernhardt / Katharina Apitz/  Lea Göpel/  Teresa Laura Mann-Fimmel

Die Band: Keyboards : Michael Fuchs a.G. / Uwe Zimmermann; Saxofon: Friedemann Seidlitz / Anja Bachmann; Trompeten: Robert Wintzen, lngolf Barth / Stefan Leitner, Christian Rien; Posaune: Joachim Gelsdorf! N.N.; Gitarre: Flonian Naegli / N. N.; Bass: Tino Scholz / N.N.; Drumset: Sascha Mock / Steffen Roth; Percussion: Hendrik Gläßer / Stefan Köcher

Termine:

4.5., 5.5., 19 Uhr;  7.5., 11 Uhr; 11.5. und 12.5., 19.30 Uhr im Stammhaus der Landesbühnen in Radebeul.

Text: Petra Grubitzsch/LB

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0, Kasse: Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213 http://www.landesbuehnen-sachsen.de 

Felsenbühne Rathen, Amselgrund 17, 01824 Kurort Rathen,
Tel. 035024/ 777-0
www.felsenbuehne-rathen.de

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Premiere „Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

28 Sonntag Apr 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Wenn das Ampelmännchen zum Nazi wird

Die Tochter zieht ein Dirndlkleid unter der Lederjacke an, um herauszufinden, was deutsch ist. Die Mutter ruft rebellisch: „Macht kaputt, was euch kaputt macht !“ Doch reicht das, um einander zu verstehen? Über Werte, Aussehen und Haltung wird heftig diskutiert und gerungen im Stück „Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski. Die Uraufführung war am Freitagabend auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Die Bühne hat sich in eine Dorfkneipe irgendwo in Sachsen verwandelt. Mit bunten Lämpchen überm Tresen und Zapfhahn mit dem Schild „Außer Betrieb“. Die Zuschauer sitzen ringsum auf Holzbänken an langen Tischen. Wer mag, kann eine Flasche Bier, Radler oder Himbeerlimonade für einen Euro bestellen bei der feschen Wirtsfrau, die Anke Teickner spielt. Ein Stück Alltag aus dem tiefsten Osten kommt hautnah, ungeschminkt und brandaktuell auf die Bühne mit der Inszenierung “Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski. Entstanden als Auftragsarbeit der Landesbühnen Sachsen in Radebeul, fand die Uraufführung am Freitagabend dort auf der Studiobühne statt.

Kundschaft verirrt sich kaum hierher. Der Fernseher läuft fast den ganzen Tag. Für Belustigung sorgt ein Beitrag über eine junge Frau, die mitten auf einer Kreuzung in Berlin vor den Autos keulen- und bänderschwingend umhertanzt, dafür Geld verlangt und ihre Wut über die Verhältnisse im Land herausschreit. Plötzlich bricht sie zusammen. Entsetzt erkennen die Leute in der Kneipe Lisa. Ihre Eltern betreiben die Dorfkneipe. Wenig später wird sie unfreiwillig in ihr Elternhaus zurück gebracht. Im Rollstuhl wird Lisa (beklemmend als knallharte Idealistin: Sophie Lüpfert) mit Laptop auf den Knien von ihrer Mutter hereingefahren, blass, dünn, mit flackernden Augen und voller Zorn auf alle. Als sie ihr Haar zu einem blonden Zopf flechtet, unter der schwarzen Mütze, zu Jeans und Lederjacke, spottet Lisa: “Zeig mir wie du aussiehst und ich sage dir, wer du bist!“

Die Mutter (adrett-besorgt: Anke Teickner) versucht ihre Tochter zu ändern, die Wogen zu glätten. Eine versteht die andere nicht. Der Vater (innerlich brodelnd: Michael Heuser) behandelt Lisa wie einen unerbetenen, störenden Gast. Da sie provozierende Fragen stellt, ob sie mitmarschiert seien wie zum Kirchgang mit den Nazis und was mit ihnen passiert sei. Das löst ebenso komisch-absurde wie haarsträubende, hitzige Wortgefechte in der Familie aus, wann jemand ein Nazi ist, da rebellieren Junge gegen Alte und hauen sich gegenseitig ihren Frust, Ängste, Einstellungen und Vorurteile über Flüchtlinge und die sozialen Konflikte im Land um die Ohren in dieser spannenden Inszenierung von Tom Quaas.

Da witzelt Lisas Onkel Ralf (Matthias Henkel) darüber, wie ein „kleiner Nazi“ aussieht: „Wie`s Ampelmännchen, nur  mit Hitlergruß!“ Wenig später zieht er eine Pistole aus dem Bademantel und zielt auf Lisas Freund Fred (besserwisserisch dozierend: Moritz Gabriel) als vermeintlichen Einbrecher. Dann brennt die Dorfkneipe. Die Familie kann gerade so entkommen und genießt die Aufmerksamkeit, die ihr im TV-Studio mit Blick auf die Altdresdner Kulisse zuteil wird. Nur Lisa fehlt. Sie wurde von Rechtsradikalen zusammengeschlagen, dokumentiert in einer Handy-Aufnahme. Am Ende  herrscht minutenlang betroffenes Schweigen. Herzlicher Beifall für eine Aufführung, die viel Zünd- und Gesprächsstoff bietet, manche Fragen offen lässt, beunruhigt und aufrüttelt. Selbst aufzustehen für das, was einem nicht gefällt.

Text (lv)

Nächste Vorstellungen:

3.5., 5.5., 29.5. und 8.6., jeweils 19.30 Uhr.

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

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Willkommen in diesem reichhaltigen Garten der Künste – Hier blüht Euch was! Hier wächst vieles, Schönes und Dorniges, Auffälliges und Verborgenes, Seltenes und Seltsames nebeneinander. Hier erfahrt Ihr das Neueste aus der Dresdner Kultur- und Kunstszene in aller Eigenart und Vielfalt. Sitzt man auf der Gartenbank mit namhaften und weniger bekannten Kulturmenschen und Menschen mit Ideen und Visionen aus anderen Lebensbereichen. Zeigen Künstler beim Atelier-Besuch ihre neuesten Werke, bevor sie in der Ausstellung hängen und erzählen, welche Bilder sie nie ausstellen würden. Wird Neues aus der Bühnen- und Bücherwelt vorgestellt, Augen- und Ohrenschmaus weitergegeben. Es gibt ein Traumtagebuch, für die Bilder der Nacht und Lebensträume. Es ist Platz für Poesie und Kurzprosa, Reisereportagen, Beiträge über das Leben mit anderen Kulturen, über Lebensart und Zwischenmenschliches. Es werden WortRaritäten gesammelt und Wort-Rätsel mit geheimnisvollem Inhalt gelüftet. Und nun: Schaut Euch um, entdeckt, genießt und lasst Euch anregen von der Fülle an Kulturgewächsen. Und vor allem: Bleibt schön neugierig und empfehlt meinwortgarten weiter.
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Lilli Vostry

Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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Kulturkalender, Bildende Kunst, Theater, Literatur, Musik, Unterwegs, Genießen, Traumtagebuch, KünstlerPorträts, Interviews, Kolumne, Comics, Virtuelles Erzählcafé „Lebendige Beziehungen“

Kultur Musik Tiere

TOP-BEITRÄGE & SEITEN

  • Die Sprache des Steins: Ausstellung zum Abschluss des Internationalen Bildhauer-Symposiums auf dem Campus der Fachhochschule Dresden
  • Restaurace "Babicka" eröffnet mit tschechisch-böhmischer Küche in Pirna
  • BilderAlbum: Bilder & Klänge für alle im KlanGLaboR
  • "Mut schöpfen": Kurzgeschichte & Dialog-Szene "Wenn aus Liebe Gewalt wird"
  • Premiere "Leonce und Lena" nach Georg Büchner auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus
  • Ausstellung "Mittendrin" von Peter Pit Müller & André Uhlig im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz
  • Premiere "Die Laborantin" von Ella Road im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden
  • Premiere "Einige fühlen den Regen, andere werden nass" & Festivaltag mit Stücken von Jugendlichen im Theater Junge Generation
  • Ausstellung "Gotthardt Kuehl. Ein Lichtblick für Dresden" auf Schloss Burgk Freital
  • Ein Abend für Thomas Brasch im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul

Top-Beiträge & Seiten

  • Ausstellung "Alles so schön bunt hier!" von Holger John in der Kunsthochschule Dresden & "66 x John" in der Galerie Holger John
  • Schönes bleibt: Gedichte zur Erinnerung
  • Länderabend Indien an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul
  • Beflügelnder Ort: Das Melli Beese-Haus in Laubegast strahlt in frischem Glanz mitten in einem wundervollen, urwüchsigen Garten
  • Atelierbesuch bei Anne Kern in Wehlen, Sächsische Schweiz
  • Premiere im Boulevardtheater Dresden- Herr Lehrer, Fräulein Lustig schwänzt!
  • Premiere "Das Ding - die Friedrichstadt-Revue" im Dresdner Friedrichstatt Palast
  • Viele Facetten & Blicke von Frauen auf die Welt: Im Literaturkreis der Stadtbibliothek Radebeul-Ost im Kulturbahnhof bieten sie reichlich Gesprächsstoff
  • Die Ausstellung "Erotischer Advent" in der Galerie Kunst & Eros wird verlängert
  • Ausstellung "Stille Post" von Gudrun Trendafilov auf Schloss Burgk in Freital

Aktuelle Beiträge

  • Ausstellung „Wer bin ich?“ mit Malerei & Zeichnung von Dorothee Kuhbandner in der Stadtteilbibliothek Radebeul-Ost im Kultur-Bahnhof
  • Premiere vom Theaterjugendclub Döbeln zum Thema „Heimat“ anlässlich des 1045-jährigen Stadtjubiläums
  • Ausstellung „Stille Post“ von Gudrun Trendafilov auf Schloss Burgk in Freital
  • Uraufführung „Träume in Europa“ von Wolfram Lotz im Schauspielhaus Dresden
  • Plenair-Ausstellung auf dem Künstlerhof Kunath in Röhrsdorf bei Meißen
  • Premiere „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ von Peter Turrini frei nach Beaumarchais als Sommertheater Open Air im Innenhof des Japanischen Palais Dresden
  • Ein lebendiger Ort für Geschichten: Erzählcafé & Schreibwerkstatt
  • Gedichte von Abschied & Bleiben
  • Neue MeerGedichte: Farben des Lebens
  • Ausstellung „Alles so schön bunt hier!“ von Holger John in der Kunsthochschule Dresden & „66 x John“ in der Galerie Holger John

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