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Kategorien-Archiv: Theater

Premiere „Ich bin Muslima – Haben Sie Fragen?“ im Kleinen Haus

15 Montag Apr 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Theater

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Lebhafter Austausch untereinander & mit dem Publikum: 13 muslimische Frauen und Mädchen reden offen über Glauben, Religion, Träume, Ängste und Frausein.
Neugier, Offenheit, Lebensfreude: Mit mal leisen, mal kraftvoll rockigen Liedern singen und trommeln die Frauen alles heraus, was sie bewegt. Fotos: Sebastian Hoppe

Nie den Glauben an sich und seine Träume verlieren

Über ihr Leben mit oder ohne Kopftuch im Spannungsfeld von Traditionen, Religion und eigenen Lebensvorstellungen erzählen, singen, trommeln berührend mit viel Power  dreizehn Frauen und Mädchen in der Aufführung „Ich bin Muslima – Haben Sie Fragen?“ von Martina van Boxen. Die Premiere war am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Sie sehen bezaubernd aus wie aus einem orientalischen Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Sharazad trägt ihr langes, schwarzes Haar offen, eine weiße Seidenbluse und spielt Schlagzeug. Khanssaas Kopf schmückt eine weiße Kappe, sie ist eine der Gitarristinnen. Halas dunkle Locken hält ein rotes Stirnband, wenn sie übermütig trommelt. Hiba singt in weißem Kleid mit wundervoller Stimme. Sie alle haben eins gemeinsam: „Ich bin Muslima – Haben Sie Fragen?“ Die gleichnamige Aufführung von Martina van Boxen, ein Projekt der Bürgerbühne in deutscher und arabischer Sprache, hatte Premiere am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Bühne umgibt eine Ziegelsteinfassade,  durch ein großes Fenster fällt der Blick auf die Frauenkirche und Baukräne. Am Bühnenrand stehen Sofas mit bunten Kissen, auf denen die Akteurinnen Platz nehmen. 13 Frauen aus verschiedenen Ländern, die jüngste zehn, die älteste 67 Jahre alt, erzählen über ihr Leben, ihre Familie, die verlorene Heimat, die Flucht und das Ankommen in einer unbekannten Welt. Sie sind  Bauingenieurin, Anwältin, Künstlerin, Kosmetikerin, Hausfrau, Alleinerziehende, Schülerin und Studentin. Drei der Frauen tragen ein Kopftuch.

Mit schöner Selbstironie posieren die Frauen zunächst wie in einer TV-Talkshow und reden mit hohen, künstlich-verfremdeten Stimmen. Es geht um Vorurteile und Klischees über muslimische Frauen im Spannungsfeld von Tradition, Religion, Fanatismus und eigenen Lebensvorstellungen. Es wird geredet über Kinderehen, Frausein und Frauenrechte im Islam in den Gesprächen der Frauen untereinander und mit dem Publikum, aufschlussreich und nahe gehend unter Regie von Martina van Boxen auf die Bühne gebracht. Anfangs zögerlich, erfüllen bald lebhaftes, babylonisches Stimmengewirr, unverhüllte Neugier, Offenheit und Lebensfreude, Musik und Gesang der 13 Darstellerinnen die Bühne.

Auf die Frage einer Zuschauerin: „Sitzen Aufpasser im Publikum?“, antworten die Frauen: „Möglich.“ Es sind einige arabische Männer unter den Zuschauern. Sie summen mit bei den vertrauten Liedern und einige klatschen Beifall, als Huda, eine junge Frau mit Kopftuch sagt, sie trage es, um ihre Schönheit zu beschützen nur für einen Mann. Zugleich sagt sie, dass die Menschen selber bestimmen können, wie sie mit den Werten des Islam und dem Koran umgehen. Mit Lachen reagieren die muslimischen Frauen auf die Frage, ob Frauen ins Paradies kommen und dann dort auch junge Männer auf sie warten. Sie bewirten die Zuschauer mit süßem schwarzen Tee und lassen es Bonbons regnen bei einer Hochzeitsfeier-Szene. Da wechseln leise, temperamentvolle und kraftvoll rockige Klänge, mit denen die Frauen ihre Traurigkeit und Schmerz um das verlorene Zuhause, alte und neue Grenzen und Zwänge als Geflüchtete in einem fremden Land heraus singen und trommeln. Erscheinen ihre Gesichter in Großaufnahme auf der Leinwand vor der Frauenkirche im Wechsel mit Bildern ihrer zerstörten Heimatstädte in Syrien, Irak und und Afghanistan.

Ihr Glaube bedeutet den Muslimas „Freude und innere Zufriedenheit“, ein „Kompass, der mich führt“, andere sehen sich davon in ihrer Freiheit und Selbstentfaltung eingeschränkt. Eine Frau aus einer FB-Gruppe muslimischer Frauen verliest erschütternd, was muslimische Frauen alles nicht dürfen, von nicht rausgehen nach Sonnenuntergang bis zur Kontrolle über ihre Partnerwahl und körperlicher Gewalt bei Ungehorsam. Doch egal wo man lebt, man darf nie den Glauben an sich selbst und seine Träume verlieren, singt Hiba, eine junge Frau aus dem kriegszerstörten syrischen Aleppo mit warmer Stimme. Denn es gibt auch die hoffnungsvoll-unbeschwerten Bilder von muslimischen Frauen und Kindern, die fröhlich in die Kamera lachen im Frühling auf den Elbwiesen in ihrer neuen Heimat. Herzlicher Beifall für einen Abend verschieden schöner, stolzer und starker  Frauenstimmen, die endlich aus dem Verborgenen heraus, in der Öffentlichkeit gesehen und gehört werden.

Text + Foto (1) (lv)

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Matinee zur Uraufführung „Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski an den Landesbühnen Sachsen

13 Samstag Apr 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Rückkehr in ein fremdes Zuhause

Die Matinee zu „Wer seíd Ihr“ von Oliver Bukowski findet am 14. April, um 11 Uhr im Glashaus der Landesbühnen Sachsen in Radebeul statt. Die Uraufführung ist am 26. April, um 19.30 Uhr dort auf der Studiobühne.

In der Matinee zur Inszenierung berichtet das Inszenierungsteam von der spannenden Arbeit mit dem Autor an einem zuvor noch nicht veröffentlichten Text, der Probenarbeit und diskutiert mit Experten über die hochaktuellen Themen des Stückes.

Durch den Vormittag führen Dr. Roland Löffler (Leiter der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung), der Regisseur der Inszenierung Tom Quaas, Ausstatter Tom Böhm und Dramaturgin Judith Zieprig.

Zum Stück

Eine Dorfkneipe in Sachsen. Hierher, in ihr Elternhaus, wird Lisa unfreiwillig zurückgebracht, nachdem sie in Berlin auf der Straße zusammengebrochen war. Vor den Spoilern der Kraftfahrzeuge hatte sie keulen- und bänderschwingend linke Brandreden gehalten. Ihre Eltern und Onkel Ralf, der Lisa mit aufgezogen hat, sind stolz auf die aktive Bloggerin, verleiht sie doch auch ihrer Ost-Herkunft eine Stimme, obwohl sie erst ein Jahr nach dem Mauerfall geboren wurde. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf, und Lisa fragt sich nach ihrer Rückkehr allmählich immer mehr: Wer seid ihr …?

Zum Autor

Oliver Bukowski, 1961 in Cottbus geboren, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften und ernährte nebenbei Frau und Kind mit der Arbeit als Profi-DJ. 1989 begann er, Theaterstücke zu schreiben, anfangs spaßeshalber, neben seinem Doktorat. Sein erstes Stück DIE HALBWERTZEIT DER KANARIENVÖGEL wurde erfolgreich im Juni 1991 an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt uraufgeführt. Seitdem und nach dem Abbruch seines Forschungsstipendiums an der Humboldt-Universität, lebt er als freier Autor in Berlin. Für sein reiches Schaffen als Dramatiker und Hörspielautor wurde Oliver Bukowski mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem «Gerhart Hauptmann Preis», dem «Mülheimer  Dramatikerpreis» 1999 und dem «Lessing-Förderpreis des Freistaates Sachsen» 2001. Bukowskis Stärke ist, Geschichten von «kleinen Menschen» zu erzählen, komisch und tragisch zugleich in ihrem Bemühen, mit sich, der Vergangenheit und den Wünschen und Hoffnungen an die Zukunft klarzukommen. Für die Landesbühnen Sachsen schreibt Oliver Bukowskis nun ein Stück, das heutige Themen aufnimmt und in der Region Sachsen spielt.

In der Matinee zur Inszenierung berichtet das Inszenierungsteam von der spannenden Arbeit mit dem Autor an einem zuvor noch nicht veröffentlichten Text, der Probenarbeit und diskutiert mit Experten über die hochaktuellen Themen des Stückes.

Text: Petra Grubitzsch/LB

Auskünfte und Kartenverkauf:  Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH ,

Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/ 89 54 214, Fax 0351/ 89 54 213, www.landesbuehnen-sachsen.de

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Premiere „In meinem Namen“ im Kleinen Haus

08 Montag Apr 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Theater

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Schneller Szenenwechsel: Wer spricht hier in wessen Namen? Foto: Sebastian Hoppe

Humorvolles Spiel um Macht und Magie
der eigenen Stimme

Wie viel Ich und Wir-Gefühl tut uns gut? Fragt die Inszenierung „In meinem Namen“ von Wojtek Ziemilski und Ensemble. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Was geschieht, wenn andere für uns sprechen oder wir für andere? Wie viel bleibt dann noch von uns selbst übrig? Das erkundet experimentierfreudig, spannend, philosophisch und aberwitzig-komisch die Inszenierung „In meinem Namen“ von Wojtek Ziemilski. Der polnische Regisseur gewann 2017 das Fast Forward-Festival für junge Regie und damit verbunden war eine neue Inszenierung. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Aufführung erzählt, was mit Menschen passiert, die sich unsichtbar fühlen. Drei Frauen, die über ein Casting gefunden wurden, sechs Schauspielerinnen und Schauspieler und vier Musiker gehen auf die Suche nach ihrem eigenen Ausdruck und Handlungsspielräumen in der Gesellschaft. Mittels Bewegung, Stimme, Klängen, Licht- und Schattenspiel erkunden sie ihre Wirkung auf andere ebenso wie Gehört- und Gesehenwerden. Als Kulisse dienen Stellwände voller Bilder, Ausgrabungsstücke und Gemälde aus dem Depot der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die hin und her geschoben, geöffnet und bespielt werden. Eine der Frauen, Sigrid Woehl, ist Archäologin und hält eingangs einen langen Monolog über wieder ans Licht geholte „Dinge, die nie sind, was sie sind, gebrochen und verletzt. Wir geben ihnen eine neue Existenz und Wahrheit.“ Mit leiser Ironie spricht sie für eine gefundene, kleine Tonfigur, verleiht ihr Macht und Magie. Eine Architektin, Jana Lenauer, suchte eine politische Vertreterin und durfte auf einer Podiumsdiskussion der Linken im Namen von Katja Kipping sprechen. Die Videoaufnahme wurde am 8. März aufgezeichnet. Jana Lenauer stoppt das Video und lässt die Schauspielerin Birte Leest stellvertretend für sich souverän, ruhig und charmant auftreten.

„Verstellt euch nicht, bleibt sichtbar!“, ruft sie ermutigend ins Publikum und bekommt Szenenapplaus dafür. Philipp Lux fordert die Zuschauer zu lauten Buh-Rufen auf, um den Widerstand gegen die Unsichtbarkeit zu erhöhen und liest berührende Texte von Mitspielerin Beate Schulz, die sie ihm hinter seinem Rücken zureicht. Mal erscheinen die Frauen in Goldrahmen im Mittelpunkt, mal tanzen sie ausgelassen zum schräg posaunten „Highway to hell“ von AC/DC. Mal steht Archäologin Sigrid Woehl im Hintergrund mit sich selbst redend, während ein Mann vorn in ihrem Namen um Gehör bittet. Mal isst sie genüsslich einen Schokoriegel in „eurem Namen“, mal agieren die drei Frauen als Fürsprecherinnen der Zuschauer, in schnellem Wechsel von Banalem, Alltäglichem und Gewichtigem wie politischer Haltung. Theater und
Wirklichkeit prallen absurd aufeinander. Köstlich die Szene mit Ahmad Mesgarha als lautstarker Chef in Feldherrenart, nebst Indianerhäuptling und Batman, die Architektin Jana aus dem Job drängen, da sie „zu emotional“ sei.

Grotesker Höhepunkt der Aufführung ist schließlich, als alle sechs Schauspieler gleichzeitig behaupten, Beate Schulz zu sein. Und außer Frage steht: Namen sind Schall und Rauch, Worte beliebig einsetz- und Personen austauschbar. Erst ihre eigene Stimme verleiht ihnen echte Identität. Viel Beifall für einen anspruchsvoll vergnüglichen Theaterabend.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Premiere „Die Niere“ in der Comödie Dresden

31 Sonntag Mär 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Hand auf`s Herz: Liebling, was bist du bereit für mich zu tun?
Foto: Dennis Häntzschel

Humorvolle Prüfung auf Herz und Nieren

Für reichlich Turbulenzen im perfekt gestylten Leben zweier Paare sorgt „Die Niere“ in der gleichnamigen Beziehungskomödie vom Stefan Vögel, die am Freitagabend Premiere hatte in der Comödie Dresden.

Gerade träumte er noch vom großen Durchbruch als Architekt, jetzt bangt er um sein Leben. Arnold fällt aus allen Wolken, als seine Frau Katrin eine neue Niere braucht. Beide haben dieselbe Blutgruppe, doch er will kein Risiko eingehen. So entbrennt ein kurioser wie emotionsreicher Streit um die passende Organspende im Stück „Die Niere“ von Stefan Vögel. Die Beziehungskomödie hatte am Freitagabend Premiere in der Comödie Dresden.

Inmitten des kühl-eleganten Appartments mit weiter Terrasse und Lichterkette steht ein rotes Designersofa, das einer Krankenliege ähnelt. Arnold (Hardy Krüger Jr.) ist ein lässig, cooler Durchstarter. Er hält einen phallisch aufragenden Modellturm, sein neuestes Bauprojekt in Paris, vor seinen Körper. Um so mehr geht ihm an die Nieren, als seine Frau Katrin (clever: Lara Joy Körner) ihn mit der benötigten Organspende überrascht. Er verschanzt sich hinter seiner Angst vor möglichen Nebenwirkungen einer Transplantation, selbst wenn diese weniger häufig wie Gewaltverbrechen sind. Als Arnolds bester Freund Götz (naiv-gutmütig: Urs-Alexander Schleiff) sofort bereit ist als Spender einzuspringen, führt dies zu einem witzig-absurden Hahnenkampf der beiden um die Niere.

Sowohl Arnold als auch Götz` Frau Diana (biestig: Katharina Bauer) sind sauer, schließlich ist solch eine Organspende eine intime Sache, und als Apothekerin führt sie noch mehr mögliche Komplikationen ins Feld. Dann werden angeblich auch noch die Laborbefunde vertauscht und Arnold braucht plötzlich eine neue Niere! Nebenbei kommen auch noch ein paar pikante Geheimnisse der zwei Paare ans Licht und lange unausgesprochene, schwelende Konflikte werden ausgetragen. Was unweigerlich die Frage aufwirft: Liebling, was bist du bereit, für mich zu tun? Eine humorvoll-abgründige Prüfung auf Herz und Nieren mit überraschenden Wendungen, die allerdings nicht durchgängig plausibel sind und zu konstruiert wirken, kam unter Regie von Ute Witting auf die Bühne. Dennoch viel Beifall vom Premierenpublikum für diese turbulente Suche nach wahren Werten.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

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Premiere „Ich bin Kain“ im Theater Junge Generation

13 Mittwoch Mär 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Zwei Brüder, zwei Weltsichten: Vom Umgang mit Unterschieden und Konflikten erzählt das Stück „Ich bin Kain“ im TJG. Foto Marco Prill

Wie lange ist für immer?

Die biblische Geschichte über den Brüder- und Glaubenszwist hat als Puppentheater-Stück mit Videoprojektion „Ich bin Kain“ (Regie: Nis Søgaard, ab 12) Premiere am Sonnabend, den 23. März, 18 Uhr, im Kraftwerk Mitte, Kleine Bühne. 

                
Laut Kains Vater Adam ist die Welt kompliziert. Kain möchte sie verstehen und hat viele Fragen: Wieso müssen wir sterben? Ist tot sein besser oder schlechter als lebendig sein? Wo ist meine Heimat? Wie lange ist „für immer“? Diese Neugier findet Kains Vater übertrieben. Und Schlange, ein alter Bekannter aus früheren Tagen, pflichtet ihm bei: „Seht auf jeden Fall zu, dass euer nächster Sprössling anders wird als Kain. Einer, der die Welt nicht komplizierter macht, als sie eh schon ist.“

Dann bekommt Kain tatsächlich einen kleinen Bruder: Abel. Kain will ihm alles beibringen, was er weiß. Aber Abel ist nicht interessiert. Während Kain Antworten auf seine Fragen sucht, forscht und Dinge erfindet, vertraut Abel auf eine unsichtbare Macht: „ER sagt mir alles, was ich wissen muss.“ Die beiden Brüder sind so unterschiedlich, dass die Konflikte nicht lange auf sich warten lassen. Dabei gerät sogar Kains Überzeugung ins Wanken, dass das Leben das Wertvollste ist, was es gibt.

Regisseur Nis Søgaard beschäftigt sich mit den innerfamiliären Konflikten der aus dem Paradies verstoßenen Eltern und ihrer Söhne. Er fokussiert – mit den Mitteln des Puppentheaters und Videos – auf das Zusammenprallen zweier verschiedener Weltsichten und Glaubensweisen.

Text: Norbert Seidel/TJG

Die nächsten Premieren:
Sa 23. Mrz ~ Ich bin Kain ~ von Jens Raschke ~ 12+    
Di 02. Apr ~ #nofilter UA ~ eine analoge Suche nach dem Ich im Digitalen ~ von Sophia Keil und Anna Lubenska ~ 12+
Sa 13. Apr ~ Der starke Wanja ~ nach dem Buch „Die Abenteuer des starken Wanja“ von Otfried Preußler ~ 6+
Sa 25. Mai ~ Auf der Suche nach dem unschätzbaren Wert der Dinge UA ~ von Konradin Kunze ~ eine Zusammenarbeit des tjg. und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ~ 8+        
So 02. Jun ~ Ginpuin – Auf der Suche nach dem großen Glück ~ von Barbara van den Speulhof und Henrike Wilson ~ spartenübergreifend~ 5+        

http://www.tjg-dresden.de                  

 

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Premiere „Die Legende vom heissen Sommer“ im Boulevardtheater Dresden

13 Mittwoch Mär 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Theater

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Mit der Schwalbe, Kassettenrekorder und heißer Ostmusik durch die Zeit vor und nach dem Mauerfall brausen die jungen Darsteller im Stück „Die Legende vom heissen Sommer“ im Boulevardtheater Dresden. Kultverdächtig!
Fotos: Robert Jentzsch

Zündende musikalische Zeitreise mit viel Ost-Feeling

Ostmusik hat eine besondere Aura, da unter besonderen Umständen entstanden. Sie ist und bleibt unverwüstlich, lebendig, Herz und Geist gleichermaßen berührend. Zu erleben im Stück „Die Legende vom heissen Sommer“ im Boulevardtheater Dresden.

Ein Koffer mit persönlichen Erinnerungsstücken, ein Liebesbrief, Schlafsack und Filmplakate aus zwei legendären Defa-Filmen wecken Erinnerungen und sind die zündenden Zutaten im Stück „Die Legende vom heissen Sommer“ von Michael Kuhn und E.B. Marol. Die Aufführung vereint grandios die 50 größten Amiga-Hits aller Zeiten. Die Premiere war am Sonntagabend im Boulevardtheater Dresden.

Vor der Kulisse einer Kirche mit hohen, regenbogenbunten Fenstern probt eine junge Band. Der umtriebige John (Andreas Köhler), Sohn des ehemaligen Amiga-Produzenten, plant eine Konzerttournee, um das historische Ereignis 30 Jahre Mauerfall und gleichzeitig den Sound des Ostens zu feiern. Für einigen Wirbel sorgt Sängerin Nina (kess-selbstbewusst: Katharina Eirich), die unerwartet aus Hamburg auftaucht, weder Ernst Thälmann noch einen einzigen Osthit kennt, aber im heissen Sommer `89 gezeugt wurde. Neben dem coolen John ist auch der schüchterne Bandleader Richi (Janis Masino) in Nina verliebt, was zu Spannungen führt, so dass das Konzert beinahe platzt.

Liebessongs und echtes Leben kommen sich während der Konzertproben gefühlreich in die Quere, nebenbei werden Ost-West-Klischees humorvoll auf die Schippe genommen in dieser wunderbaren musikalischen Zeitreise unter Regie von Olaf Becker, die Musik kuratierte Jörg Stempel, der letzte Amiga-Chef. Mittendrin im Publikum saßen viele bekannte Ostmusiker, eine Reihe vor mir Dieter „Maschine Birr“ von den Puhdys, neben ihm Jäcki Reznicek, Bassist auch bei „Silly,“ in der Reihe neben mir Wolfgang Ziegler, Petra Zieger, Angelika Mann…

„Tourneemutti“ Helga in Blümchenschürze (trocken humorvoll: Julia Henke bei ihrem  ersten Auftritt im Boulevardtheater) schmiert Fettbemmen, erzählt von früher, auch ungehörige politische Witze, singt und moderiert im schrillen Nina-Hagen-Outfit das Konzert und lüftet ein Geheimnis um John und Ninas Herkunft.

Die Dialoge sind voller Anspielungen auf Amiga-Hits, sie begleiten die Handlung und spiegeln Eindrücke aus der DDR-Zeit und dem Lebensgefühl. Da wechseln Kinderlieder, Kampf- und Arbeiterlieder, Gute-Laune-Medley und das aufrüttelnd-zeitlose „Sag mir wo du stehst“ vom Oktoberklub. Vom ersten bis zum letzten Song sprang der Funke sofort aufs Publikum über, wurde geklatscht und mitgesungen. Begonnen bei Holger Bieges „Sagte mal ein Dichter“ über „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg, “König der Welt“ und „Über sieben Brücken“ von Karat, „Casablanca“, „Purpursonne“ und „Am Fenster“ von City, „Katzen bei Nacht“ von Petra Zieger, „Heute bin ich allein“ von Reinhard Lakomy, „Als ich fortging“ von Karussell bis „Bataillon d`amour“ von Silly. Zu Filmbildern aus „Paul und Paula“ und „Heißer Sommer“ erklingen die Hits „Geh zu ihr“ und „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys und Ohrwürmer von Frank Schöbel.

Stehende Ovationen gab es bei dem berührenden Titel „Gib mir Asyl hier im Paradies“, den Silly-Sängerin Tamara Danz kurz vor ihrem Tod aufnahm. Ob kraftvoll rockig oder liedhaft poetisch, diese Musik kann sich immer noch hören lassen und hat etwas zu sagen. Wer Ost-Feeling erleben und verstehen will, ist hier bestens aufgehoben! Stürmischen Beifall gab es dafür vom Publikum.

Eine Doppel-CD zur Legende vom heissen Sommer mit den
Amiga-Originalen und dem Soundtrack zur Theater-Show erscheint übrigens am 7. Mai und ist im Boulevardtheater erhältlich.

Text und Foto (1) (lv)

http://www.boulevardtheater.de

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Premiere „Mit Herz & Promille – Die Königs von Elbflorenz“ in der Comödie Dresden

13 Mittwoch Mär 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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Eine schrecklich nette Familie: die Königs von Elbflorenz. Foto: Robert Jentzsch

Eine rauschhafte Liebeserklärung an die Stadt

Mit viel schrägem Humor und gefühlvollen Songs erzählt die Musicalcomödie „Mit Herz & Promille“ von bösen und wundersamen Überraschungen einer vom Leben gebeutelten Familie in Dresden-Pieschen.

Von der berauschenden Schönheit der Stadt haben sie wenig. Familie König aus Pieschen ist vor allem reich an Sorgen. Sie wohnen im „Souterrain des Lebens“ und der alleinerziehende Familienvater erträgt sein Dasein nur, wenn er blauer als der Himmel ist. Tief ins Glas und ins Leben schaut die Musicalcomödie „Mit Herz & Promille – Die Königs von Elbflorenz“ von Martin Lingnau, Heiko Wohlgemuth und Mirko Bott in einer mit viel Lokalkolorit angereicherten Bearbeitung von Christian Kühn, der auch Regie führt. Die Premiere war am Sonnabend in der Comödie Dresden.

Voll beschwipstem Humor, liebevoll schrullig, turbulent und ehrlich führt die Inszenierung hinter die barocke Dresdner Fassade und erzählt von den Alltagskämpfen einer Unterschichten-Familie. Die manch böse, aber auch wundersame Überraschung erleben und gemeinsam durchstehen. In der Haushaltskasse herrscht ständig Ebbe. Dann droht der siebenköpfigen Familie auch noch die Räumungsklage wegen Mietschulden. Eine Woche bleibt ihnen Zeit, das Geld aufzutreiben.

Der alleinerziehende Familienvater Käpt`n König (umwerfend komisch: Christian Kühn)  ist Stammgast in der Nachtbar Klax im Viertel. Er ersäuft seinen Kummer, wenn er nicht gerade spottlustig philosophiert und politisiert über Kapital und Bourgeoisie, über “Buddha, Marx, Hilbert (OB) und ich.“ Schön ironisch singt er auf dem Tresen mit lustigem Flaschen-Ballett als Backgroundchor. Klaut einen Spielautomaten und stellt ihn in der bröckligen Altbauwohnung auf, flugs verwandelt in „Familie Königs Keller Casino“. Tochter Marie (Lina Gerlitz) kümmert sich rührend um Haushalt und Familie und hat keine Zeit zum Studieren, und soll gar noch strippen wie ihre Mutter früher, um die Haushaltskasse aufzubessern. Ihr Freund Alex (Tom Wagenhammer) hilft die Oma zu betreuen und versucht Marie aus ihrer Tristesse zu holen, außerdem tritt er als rabiater Drogenhändler auf. Schwester Pamela ist allein mit ihrem Baby, flucht gern mit „Fuck!“ und sammelt von ihren Exlovern Geld ein als mögliche Kindesväter.

Dann sind da noch die Zwillingsbrüder Benny und Björn (Nico Went), der eine jobbt als Drogendealer und Björn bringt als Maskottchen im Elefantenkostüm für den Fußballverein FC Aue seinen Vater als Dynamo Dresden-Fan in Rage.
In mehreren Rollen als Wolle Förster vom Klax, Priester auf erotischen Abwegen, Exlover Ranjid mit Turban, Oma und schillernde Glücksfee erheitert köstlich Philipp Richter. Die Nachbarin Nu Nong (amüsant: Dorothea Kriegl), eine schwäbelnde Asiatin, ist fürsorglich, hilfsbereit und scharf auf den Käpt`n, der bei ihr in See stechen soll. Sie bringt ihn gehörig auf Trab, wenn sie rittlings auf ihm sitzt und La paloma ohé singt samt Showballett im Seerosenkostüm. Witzig wie beide hochkant im rosa Wandbett liegen und die Segel neu setzen. Es ist nie zu spät, das Ruder noch einmal herumzureißen. Mit viel schwarzem Humor und  wandlungsreich spielen, singen und tanzen die sieben Darsteller, in einer Szene mit den lichtfunkelnden Dresdner Wahrzeichen im Schlepptau. Reichlich Beifall gab`s zur Premiere für einen mitreißend-unterhaltsamen Abend, der Dresden mal von einer anderen Seite zeigt.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

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Theater-Gastspiele im Schauspielhaus: „Warten auf Godot“ & „Der Auftrag – Erinnerung an eine Revolution“

01 Freitag Mär 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

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„Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. Gastspiel Deutsches Theater Berlin. Im Bild: Wolfram Koch, Samuel Finzi, Christian Grashof, Andreas Döhler.  Foto: Arno Declair

„Der Auftrag – Erinnerung an eine Revolution von Heiner Müller“. Gastspiel Schauspiel Hannover, eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Im Bild: Daniel Nerlich, Corinna Harfouch, Janko Kahle, Sarah Franke, Hagen Oechel. Foto: Katrin Ribbe

Besondere Theaterstücke auf der Bühne

Der März beginnt im Staatsschauspiel Dresden mit einer Uraufführung der Bürgerbühne am 9. März 2019, 19.30 Uhr im Kleinen Haus 1. Ein außergewöhnliches Projekt des Autors Dirk Laucke und des Regisseurs Jan Gehler befasst sich mit einer Stadt ganz in der Nähe von Dresden. Früher war alles, Geschichten von Träumen und Abwicklungen aus Freital heißt die Produktion der Bürgerbühne, die in Kooperation mit der Großen Kreisstadt Freital entsteht. Seit 2015, als die Schlagzeilen über Anschläge auf Asylsuchende in Freital die Zeitungen füllten, kämpft die Stadt mit dem negativen medialen Bild. Die Bürgerbühne beauftragte den Autor Dirk Laucke, ein dokumentarisches Stück zu schreiben, das hinter die Schlagzeilen blickt. Auf dieser Textgrundlage entsteht ein Theaterstück, dessen Protagonist*innen eines eint: Sie hinterfragen angebliche Gewissheiten und ecken an. Besetzt sind die Rollen mit Freitaler Bürger*innen, so dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion weiter verschwimmen.

In der Reihe „Theater zu Gast in Dresden“ freuen wir uns auf ein Gastspiel des Deutschen Theater Berlin, entstanden in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Warten auf Godot von Samuel Beckett, in einer Inszenierung von Ivan Panteleev, ist am 2. (19.30 Uhr) und 3. März 2019 (19.00 Uhr) im Schauspielhaus zu sehen.

Am 16. März 2019, 19.30 Uhr, ist Gelegenheit, Der Auftrag – Erinnerung an eine Revolution von Heiner Müller im Schauspielhaus zu genießen, ein Gastspiel des Schauspiels Hannover, ebenfalls entstanden in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Die Erfolgsproduktion von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner gastierte u. a. am Deutschen Theater Berlin, am Residenztheater München, beim Prager Theaterfestival deutscher Sprache, beim Festival TEART in Minsk, Belarus und bei den Wiener Festwochen. Wir freuen uns, dass Corinna Harfouch, die in Der Auftrag zu sehen ist, in dieser Spielzeit noch ein weiteres Mal im Dresdner Schauspielhaus auf der Bühne stehen wird. Am 16. und 17. Juni 2019 in einem Gastspiel des Deutschen Nationaltheaters, dann gemeinsam mit Susanne Wolff in der Titelrolle von Macbeth von William Shakespeare.

Einer der Höhepunkte des Theaterlebens in Dresden steigt am 30. März: Dann öffnen wieder mehr als 20 Theater ihre Pforten, um von 16.00 Uhr bis 24.00 Uhr zur 8. Langen Nacht der Dresdner Theater einzuladen. Der zentrale Vorverkauf beginnt am 8. März um 10.00 Uhr im Foyer des Schauspielhauses.

Das Staatsschauspiel Dresden präsentiert in diesem Jahr Ausschnitte aus dem Kinder- und Familienstück SOPHIE IM SCHLOSS DES ZAUBERERS, GEÄCHTET, TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN, und CIRCUS SARRASANI  auf der großen Bühne des Schauspielhauses. Im Kleinen Haus zeigen wir BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER, FRÜHER WAR ALLES, MIT FREUNDLICHEN GRÜSSEN EURE PANDORA, OPERATION KAMEN, BILDER OHNE LILA und DIE VERWANDLUNG. Doch nicht nur in den Sälen des Hauses, auch auf den Probebühnen erwartet Sie ein spannendes Programm! Und auch in diesem Jahr freuen wir uns auf die Hochschule für Musik und Ausschnitte aus GIANNI SCHICCI oder DER ARME MATROSE. Als krönenden Abschluss der Langen Nacht laden wir Sie ab 24.00 Uhr (Einlass 23.30 Uhr) wieder auf die Bühne des Schauspielhauses ein zum Tanz unterm Sternenhimmel.

Das detaillierte Programm steht unter www.lange-nacht-der-dresdner-theater.de.

Text: Gertrud Aringer/Staatsschauspiel Dresden

www.staatsschauspiel-dresden.de

 

Das Staatsschauspiel Dresden und die Semperoper Dresden bilden gemeinsam die Sächsischen Staatstheater.

 

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Premiere „Die Bremer Stadtmusikanten“ im Theater Junge Generation

16 Samstag Feb 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Theater

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Vor dem Auftritt: die „Bremer Stadtmusikanten“ bei der Probe. Foto: Marco Prill

Einer für alle, alle für einen!

Das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ (UA, von Lorenz Seib, nach den Brüdern Grimm, spartenübergreifend, ab 6 Jahre) hat am 16. Februar, 16 Uhr Premiere im Theater Junge Generation im Kraftwerk Mitte. 

Der Esel kann die schweren Lasten nicht mehr tragen, der Hund ist seinem Herren als Wachhund keine große Hilfe mehr, die Katze döst lieber herum statt Mäuse zu jagen und der Hahn kräht nicht mehr laut genug. Sie alle sind zu alt und werden vertrieben. In ihrer Not finden sich die vier Tiere zusammen und werden eine Bande, einer für alle und alle für einen. Der Plan: Zusammen werden sie nach Bremen gehen und dort als „Stadtmusikanten“ ihren Unterhalt verdienen. Auf dem Weg dorthin machen sie Halt in einem Wald voller Räuber. Schnell ändern sie ihren Plan und übernehmen das Räuberhaus – mit Musik, Freundschaft und einem weiteren klugen Plan.

In seiner Inszenierung lässt Lorenz Seib vier SpielerInnen gemeinsam das bekannte Märchen erzählen. Einen Schwerpunkt legt er hierbei auf die unterschiedlichen Talente jeder(s) einzelnen. Nicht jede(r) kann alles, aber gemeinsam können sich Handwerk und Profession beflügeln, einer für alle und alle für einen. Und natürlich machen sie dabei noch jede Menge Musik!

Text: Norbert Seidel/TJG

http://www.tjg-dresden.de

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Premiere „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch im Kleinen Haus

12 Dienstag Feb 2019

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater

≈ 2 Kommentare


„Biedermann und die Brandstifter“ auf einer Bank: Wer lacht hier wen aus in brenzliger Lage? Foto: Sebastian Hoppe

Groteskes Spiel um unbequeme Wahrheiten

Auf der Mauer auf der Lauer liegen alle im Stück „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch im Kleinen Haus.

Rote Wäschestücke flattern auf der Leine. Das Wort Benzin steht auf einer Mauer. Drohung oder Warnung? Ein Streichholz genügt und das ganze Haus steht in Flammen. Doch es gibt nur Indizien, Andeutungen, keine Beweise im Stück “Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch. Die Premiere war am Freitagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Frisch selbst bezeichnete seinen Ende der 1950-er Jahre entstandenen Text als „Lehrstück ohne Lehre“. Es geht um den Umgang mit elementaren Ängsten, die alle kennen, zu versagen, das Falsche zu tun, sich lächerlich zu machen. Genau das passiert auch, eingebildete und reale Gefahren sind grandios und beängstigend zugleich in der Schwebe zwischen Spaß und tiefem, bitteren Ernst gehalten in der anderthalbstündigen, spannenden Inszenierung von Nicola Bremer.

“Die beste Tarnung ist immer noch die nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!“, heißt es an einer Stelle im Stück. Als weitere Tarnungen nennt Frisch Humor und Sentimentalität. Ebenso komisch-grotesk, offen und vieldeutig kam die Aufführung auf die Bühne. Dort hat Biedermann, besorgt um seine Sicherheit und aus Angst vor Brandstiftern, eine Schutzmauer um sich herum gezogen, die immer näher ans Publikum heranrückt. Josef Biedermann ist einer, der es allen recht machen will und am Ende alles verliert (tragikomisch: Philipp Grimm). Er ist Haarwasserfabrikant, trägt aber Glatze paradoxerweise. Seine Frau Babette (Eva Hüster) ist auch haarlos, liebevoll-anschmiegsam und wird nachts von Albträumen geplagt.

Biedermann lässt alle Warnzeichen abprallen, ungebetenen Besuch abwimmeln und delegiert Aufgaben weiter an sein Dienstmädchen Anna, ein sprechender Roboter, der Gefühle erläutert und Worte wie „Aufhängen, aufhängen!“ emotionslos nachsagt (unheimlich gut: Anna-Katharina Muck). Ein Obdachloser namens Schmitz im dunklen Kapuzen-Shirt (als verkannter Außenseiter: Philipp Lux)  klopft hungrig bei Biedermann an und tritt immer fordernder auf. Er hockt in einem schubfachähnlichen Mauerteil und erzählt seine traurige Lebensgeschichte. Das geht nahe und löst Mitgefühl aus. Doch als ein zweiter, zwielichtiger Mann im Anzug und Hut (Viktor Tremmel) mit Fässern auftaucht und sie auf Biedermanns Dachboden deponiert, weiß man nicht mehr, was man noch glauben und wem trauen soll.

Unsicher wendet Biedermann sich direkt ans Publikum und fragt: Wie man einen Brandstifter erkennt und ob sie alles glauben, was sie sehen?! Einige antworten scherzhaft, ein Zuschauer sagt, er glaube an das Böse im Menschen. Biedermann lädt die zwei Fremden zum Essen ein, zusammen sitzen sie auf einer Bank und reißen Witze über Brandstifter. Als Sirenenalarm ertönt und der Himmel brennt, frohlockt Biedermann: „Zum Glück ist`s nicht bei uns!“ Und beschwichtigt seine Frau, wirkliche Brandstifter wären doch wohl nicht ohne Streichhölzer?

Viel Beifall für einen aufwühlenden, emotionsreichen Abend, der einen herausfordert, hinter die Fassade zu schauen und selbst erkennbar zu sein.

Text (lv)

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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