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Kategorien-Archiv: Theater

SchaubudenSommer: Herrlich schräge Urlaubs(alb)träume

15 Freitag Jul 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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In herrlich verrückte Urlaubs(alb)träume über und unter Wasser und an der Strandmüllhalde verwickelt die Compagnie Buffpapier aus der Schweiz ihr Publikum derzeit beim Scheune-Schaubuden-Sommer. Zwei Männer und eine Frau verblüffen und begeistern in immer neuer, grotesk-komischer Maskerade mit vielen bekannten Film-Zitaten. Einer der Männer lacht immer höhnisch über sich selbst und die allgegenwärtige menschliche Dummheit und Ignoranz und man ist hin und hergerissen zwischen Lachen und Heulen, weil alles eigentlich tieftraurig ist – siehe der schwarze Delfin, der Rettungsanker und Liebesplatz in einem ist. Körpertheater für Geist und Herz vom Allerfeinsten! Schrill, zärtlich, liebevoll verzweifelt. Selten so gelacht.
Diese „Aqua Freak Show“ ist noch am heutigen Freitag abend bis Sonntag (17.7.) auf dem Schaubuden-Platz zu sehen. Rechtzeitig Plätze sichern!

Text + Fotos (lv)

http://www.buffpapier.ch

Heute bis Sonntag ist außerdem die neue Show „Schrödingers Datsche“ der Sängerinnen Annamateur und Cora Frost zu erleben. Leider war der Saal am Sonnabend kurz vor 22.30 Uhr schon proppevoll, schaffte ich es nur bis kurz vor die Tür… So dass ich die Vorstellung nicht sehen konnte. Dem Vernehmen nach soll sie nicht so gut wie letztes Jahr gewesen sein… Wer seine Eindrücke zur Show teilen mag – gerne auch auf diesem Blog.

Schwarzhumoriges Spiel um Glaube, Liebe und Hoffnung mit Cie. Tetes de Mules (Schweiz/Frankreich)

Ein schnauzbärtiger Spielertyp im karierten Anzug unterhält, trickst und führt die Zuschauer nonstop an der Nase herum mal mit Geldscheinen und Smartphones, mit Anrufen und Klingeltönen wie beim Glückslotto. Während hinter ihm eine schwarz verschleierte Gestalt in einem religiösen Andenkenladen jammert, weil ihr keiner etwas abkauft und der Mann zu nichts nutze ist. Er reicht ihr eine rote Rose auf Knien. Eine weiße, geisterhafte Gestalt mit Halskrause und Klotzschuhen schlurft über die Bühne und bewegt sich marionettenhaft, wie die schwarze Gestalt ihm befiehlt. Er stellt sich mit seinem Körpergewicht auf einen Plastbecher, ohne ihn zu zerdrücken und erweicht sie mit seinem Gitarrenspiel. Die schwarze Gestalt tritt ans Mikro, hebt den Schleier und singt mit ergreifender Stimme Fado, während unter ihrem Rock zwei Paar rotbestrumpfte, tanzende Beine zum Vorschein kommen. Schmerz, entfesselte Leidenschaft und Komik liegen nah beieinander bei dieser poetisch rätselhaften Reise in den Süden, die für viel Begeisterung beim Publikum sorgt. Die Show ist am heutigen Sonnabend und Sonntag noch mal zu sehen. Text + Fotos (lv)

http://www.pumcliks.ch

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  Beschwingte Klänge

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Mit fröhlich beschwingten und romantischen Klängen erfreut Akkordeonspieler
Frank Deutscher etwas abseits vom Trubel im Innenhof die Wartenden vor den
Buden vis a vis zum erfrischenden Springbrunnen. Da sieht man auch manch hingebungsvoll tanzendes Tangopaar spätabends unterm Sternenhimmel.

Text + Foto (lv)

Gilgamesch oder „Die göttliche Zähmung des Mannes ohne chirurgischen Eingriff“

Vor männlichkeitsstrotzender Kulisse entführt in anmutigen, kraftvollen und augenzwinkernd erhabenen Tanzbildern zu betörenden Sitarklängen, Gesang und Rezitation der Kathak-Tänzer Ahsan Nadeem Sheikh aus Pakistan in die altindische Sagenwelt.
Zu erleben noch bis Sonntag. Text + Fotos (lv)

http://www.ahsanadeem.de

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 Figurenzauber mit Musik auf dem Glückskarussell

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Fotos (lv)

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Sommertheater mit Puppen: Die kleine Meerjungfrau im Sonnenhäusel Großer Garten

12 Dienstag Jul 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Bianka Heuser spielt mit viel Humor und Liebe

Die Sonne strahlt auf die wundervolle bunte Wasserwelt aus wehenden Tüchern. Ein lispelnder Fisch prahlt, wie er gerade gegen einen Hai kämpfte und einer Riesenkrake die Fangarme verknotete. Einen Moment später ist er im Netz gefangen, wo er cool „abhängt“. Später begleiten der Fisch Fabius und ein gelber Seeigel als humorvolle Beschützer die kleine Meerjungfrau auf ihrer Reise in die Menschenwelt.

Mit viel Witz und Poesie erzählt und spielt die Schauspielerin und Puppenspielerin Bianka Heuser derzeit das Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen im Puppentheater Sonnenhäusel im Großen Garten. (weitere Aufführungen: 13. und 14.7., 10 Uhr, 16.7., 16 Uhr und 17.7., 11+16 Uhr).

Sie ist bereits zum dritten Mal zu Gast beim Sommertheater mitten im Grünen. Da mischen sich Vogelzwitschern und Meerrauschen, sitzt die kleine Meerjungfrau Arielle auf dem roten Korallenriff und sehnt sich verliebt nach dem Prinzen, den sie vor dem Ertrinken rettete. Um Beine wie die Menschen zu bekommen, verkauft sie der Meerhexe ihre Stimme. Alles ist neu und fremd an Land für die Wassernixe und wenn sie die Liebe des Prinzen nicht gewinnt, verliert sie ihr Leben. Doch anders als im Originalmärchen gibt es hier ein Happy End. Ebenso romantisch wie vergnüglich und verständlich für kleine Zuschauer erzählt das Stück, welche Hindernisse zu überwinden sind, wenn zwei verschiedene Welten sich begegnen, bis die Meerjungfrau und der Prinz einander finden.

Fasziniert und gebannt lauschen kleine und große Zuhörer, der jüngste knapp zwei auf dem Schoß von Oma, dem Märchenzauber. „Wichtig ist mir, dass es für Große und Kleine spannend und unterhaltsam ist“, sagt Bianka Heuser. Reizvoll sei am Puppenspiel auch die andere Art des Spiels. „Zum einen schlüpft man stimmlich und gedanklich immer in eine andere Figur, andererseits muss man sich selbst zurücknehmen. Und erst einmal herausfinden, wie Puppen sich überhaupt bewegen, blicken und sprechen.“ Viel gelernt habe sie hierbei von ihrem gestandenen Puppenspielerkollegen Jörg Bretschneider vom Dresdner Figurentheater, der meist Regie führt und auch mal ohne Puppen mit ihr gemeinsam auf der Bühne steht in Schauspiel- und Comedy-Programmen.

Bianka Heuser bevorzugt eine offene Spielweise und tritt immer mit einer Figur selbst in Erscheinung beispielsweise als böse Meerhexe oder als Mädchen Anna Barbara auf der Suche nach dem Glück in ihrem Lieblingsmärchen „Der goldene Taler“ nach Hans Falladas Geschichte aus der Murkelei. Nach ihrem Schaupielstudium an der HFF Potsdam Babelsberg war sie am Theater in Schwedt und an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul engagiert. Seit 2007 ist Bianka Heuser freiberuflich als Schauspielerin und Puppenspielerin mit ihrer „Theatermanufaktur Dresden“ und über einem Dutzend Stücken für Kinder und Erwachsene im Repertoire unterwegs.

Sie spielt in Theatern und Clubs, bei Straßenfesten wie dem Inselfest Laubegast (am 13./14. August) und dem Hechtfest Ende August und gastierte auch schon bei  Puppentheaterfestivals in Nashville, Taiwan und Iran. Ihre Spiellust und komödiantische Ader lebt Bianka Heuser außerdem im Dresdner Comedy & Theaterclub im Kügelgenhaus aus, wo sie nach der Sommerpause im Herbst wieder in zwei Programmen zu dritt auftritt: im Schauspiel-Kabarett „Und ewig bockt das Weib“ und in “Kaviar, Sex und russisch Brot” sowie ihrer One-Woman-Show „Sex? Aber mit Vergnügen!“ von Franca Rame und Dario Fo unter Regie von Matthias Nagatis ab 23. September im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15. Inzwischen will sie weder das Puppenspiel noch die Schauspielerei missen. „Beides ist erfüllend und macht Spaß, mit allen Strapazen und wird nie langweilig“, sagt Bianka Heuser schmunzelnd.

Text + Fotos (lv)

http://www.theatermanufaktur.de

Kartenvorbestellung für das Sonnenhäusel: 0152 – 295 80 777

Weitere Puppenspiel-Aufführungen

* Der kleine Angsthase mit Jörg Bretschneider am 14.7., 10 Uhr
* Rumpelstilzchen mit Volkmar Funke am 19., 20. und 21.7., 10 Uhr
und  23.7., 16 Uhr, 24.7., 11+16 Uhr
* Zwerg Nase mit Volkmar Funke am  26., 27. und 28.7., 10 Uhr, 30.7., 16 Uhr
und 31.7., 11+16 Uhr
* Der kultivierte Wolf mit Marie Bretschneider am 2., 3. und 4.8.,, 10 Uhr
* Lieschen Radieschen mit Marie Bretschneider, Premiere am 13.8., 16 Uhr
und 14.8., 11+16 Uhr

 

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Sommertheater der Comödie Dresden: „Scharfe Brise“

04 Montag Jul 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Burlesque Späße am Tittisee

Sie sind cool, knackig braun und helfen den Damen gern beim Eincremen. Doch die Badegäste im Freibad am Tittisee bleiben aus, seit in der Nähe ein Freizeitbad mit vielen Attraktionen eröffnet hat. Das soll sich mit einem heißen Event, einer Burlesque-Show, ändern.

Dabei geht es ebenso humorvoll wie offenherzig zur Sache in der Komödie „Scharfe Brise – Die Rettungsschwimmer vom Tittisee“ von Christian Kühn. Die Premiere war am Freitag abend beim nunmehr zweiten Sommer-Open-Air im Innenhof des Hotel Elbflorenz neben der Comoedie Dresden.

Die Stimmung ist zunächst eher lau als heiß und das Stück plätschert wenig spannend vor sich hin (Regie: Oliver Geilhardt). Die Rettungsschwimmer halten mit dem Fernglas vergebens nach hübschen Besucherinnen Ausschau. Ein paar alte, blassblaue und rosa angestrichene Umkleidekabinen, ein Hochsitz und eine Imbissbude dienen als Spielkulisse. Die Zuschauer sitzen rings um den „Badesee“, der eher einer großen Pfütze gleicht. Da nehmen der lässige Möchtegern-Playboy Georg (Christian Backhauss) und der etwas begriffsstutzige, Sprüche klopfende und breit sächselnde Patrick (Philipp Richter) erst einmal den Neuen, den attraktiven Praktikanten Marcus (Jan Kittmann) ins Verhör. Georg wittert in ihm sofort einen Rivalen seiner heimlich verehrten Imbissdame Doris (kess auch als singende Entertainerin: Stefanie Dietrich).

Da bekommt jeder sein Fett ab, gibt es  überraschende Liebesgeständnisse und Outings, in anderen, wärmeren Gewässern zu fischen. Da hilft Doris, begeistert von einer Burlesque-Show, den Jungs auf die Sprünge, um in Aktion zu treten als Eventbademeister. Statt Schlabberlook tragen sie jetzt knallorangene, enganliegende Badehosen und lassen nacheinander die Hüllen fallen. Mit dem Ruf: „Wir schaffen das!“ verblüffen und erheitern sie in immer neuer Kostümierung zu heißen karibischen und Rock`n`Roll-Klängen: im Glitzerfummel mit Federboa, mit Wasserpistolen ins Publikum zielend, als fesche Matrosen mit Papierschiff, Kraftprotz und Dompteur mit Raubkatze. Die witzig-frivolen Burlesque-Nummern zu mitreißender Musik trösten über die dürftige Handlung hinweg in dieser luftig-leichten Sommerkomödie mit viel Augenzwinkern. Viel Beifall gab es dafür vom Publikum.

Nächste Aufführungen: noch bis 20. August; von Mi – Sa. um 20 Uhr im Innenhof des Hotel Elbflorenz, Rosenstr. 36 in Dresden

Tickets an der Theaterkasse der Comödie Dresden (im World Trade Center): Mo – Sa 10 – 18 Uhr und im Internet: http://www.comoedie-dresden.de

Foto: Robert Jentzsch

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20 Jahre Sommertheater mit Puppen im Sonnenhäusel im Großen Garten

28 Dienstag Jun 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Ein Blick auf die illustre Figurenschar im Puppenspieler-Atelier im Künstlerhaus  auf der Pillnitzer Landstraße in Dresden.

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Lustig, abenteuerlich und erfindungsreich geht es zu im Stück „Pettersson zeltet“ nach Sven Nordqvist mit Puppenspieler Jörg Bretschneider vor vollen Rängen im     Puppentheater Sonnenhäusel mitten im Grünen.

Jörg Bretschneider spielt vor zauberhafter Naturkulisse

Eine Geschichte wie geschaffen für das Puppentheater im Sonnenhäusel: Der liebenswerte Eigenbrötler und Erfinder Pettersson und der kleine, freche Kater Findus leben in einem Häuschen mitten in der Natur. Er probiert seine Flitzbogenwurfangel am See aus und sieht nachts allein in seinem Zelt den Schatten eines riesigen Hechts. Wie das Abenteuer ausgeht? Davon erzählt mit viel Humor und Poesie das Stück „Petterson zeltet“ nach Sven Nordqvist. Damit öffnet das Puppentheater im Sonnenhäusel im Großen Garten wieder seine Türen. Die erste Vorstellung ist am 29. Juni um 10 Uhr für Zuschauer ab vier Jahre.

Auf 20 Jahre Sommertheater blickt der Puppenspieler Jörg Bretschneider inzwischen zurück. Zusammen mit seinem Kollegen Volkmar Funke etablierte er dieses Angebot in der Ferienzeit. Es ist die einzige professionelle Freiluftbühne in Dresden für Familien und sie erfreut sich anhaltend großer Beliebtheit. Ein   uriges Häuschen aus den 1950er Jahren mit zwei großen Türen und einer Spielkulisse umgeben von Bäumen und Naturgeräuschen empfängt die Besucher, die in Bankreihen davor sitzen. Vögel und Eichhörnchen schauen auch zu, die ein alter Mann regelmäßig füttert und eine kleine Mäusefamilie war letztes Jahr zu Gast, erzählt Jörg Bretschneider verschmitzt.

„Dieser Spielort im Grünen hat einen besonderen Charme und da ich selbst am Einlass und hinter der Kasse stehe, ergeben sich auch Gespräche mit den Zuschauern, entsteht ein gemeinsames Theatererlebnis in heiterer und freundlicher Atmosphäre“, so Bretschneider. Er ist diplomierter Puppenspieler und Absolvent der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und nach langjährigem Engagement am Puppentheater Dresden seit 1997 freiberuflich mit seinem Dresdner Figurentheater im In- und Ausland unterwegs.

Mit einem Glöckchen läutet er die Vorstellung ein. Gespielt wird die Geschichte von Pettersson und Findus in einem alten Schrank, der voller Geheimnisse steckt, mit Handpuppen, Tischmarionetten und Silhouetten. Das orientalische Märchen vom „Kleinen Muck“ erzählt Bretschneider als Zauberer mit Turban. Dank seiner magischen Kräfte lässt er Köpfe aus dem Nichts erscheinen, Häuser lösen sich in Luft auf und Figuren verwandeln sich vor den Augen der Zuschauer.

Die Zaubertricks brachte ihm der Zauberkünstler Torsten Pahl bei. Jörg Bretschneider mag das Puppenspiel im Freien. „Im Unterschied zu geschlossenen Räumen können die Kinder hier aus sich heraus gehen, laut rufen und den kleinen Angsthasen vor dem Fuchs warnen, auch mal aufstehen und begeistert auf dem Boden trampeln. Und es ist kein dunkler Raum, so dass auch ängstliche Kinder viel Freude am Puppenspiel haben.“ Zum Sommertheater im Sonnenhäusel kommen Einheimische und Touristen.  Kindergartengruppen und Familien mit Freunden, Eltern und Großeltern, die bereits aus eigenen Kindertagen das Puppentheater kennen. „Einmal kam auch ein blinder Mann mit seiner Frau, um das Theatererlebnis im Freien und Bilder der Erinnerung zu hören“, erzählt Bretschneider. Viele bringen sich Essen zum Picknick draußen mit und die Stammbesucher auch Regensachen.

Letzten Sommer nahm Bretschneider die Zuschauer auch schon mal mit ins Sonnenhäusel hinter die Bühne, als es während einer Vorstellung stark regnete. Dann wurde weitergespielt. Acht Stücke in sechs Wochen sorgen für eine bunte Vielfalt an Geschichten und Spielweisen. Vier Puppenspieler – neben Bretschneider Volkmar Funke, Bianca Heuser und seine Tochter Marie Bretschneider – teilen sich in die Aufführungen bis 14. August (wochentags um 10 Uhr, sonnabends um 16 Uhr und sonntags um 11 + 16 Uhr). Das Märchen „Die kleine Seejungfrau“ von Hans-Christian Andersen mit Bianca Heuser hat am 11. Juli um 10 Uhr Premiere. Das „Rumpelstilzchen“ taucht mit Volkmar Funke am 19. Juli um 10 Uhr auf und „Zwerg Nase“ am 26. Juli um 10 Uhr. Marie Bretschneider spielt zwei Stücke: „Lieschen Radieschen“ (Premiere am 13. August, 16 Uhr und wieder am 14. August 11+ 16 Uhr) und „Der kultivierte Wolf“ (vom 2. – 4. August, 10 Uhr).

Text + Fotos: Lilli Vostry

Spieltermine unter http://www.dresdner-figurentheater.de

Kartentelefon für das Sonnenhäusel: 0152 – 295 80 777

 

 

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Abschiedslieder-Abend: Auf zu neuen Ufern im Staatsschauspiel Dresden

13 Montag Jun 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Das Ensemble nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise voll wehmütiger Heiterkeit, viel Witz und Charme.

Möwen kreischen, das Abfahrtssignal ertönt. Der Kapitän zählt die Namen der Schauspielerinnen und Schauspieler auf. Nach sieben Jahren versammelten sie sich letztmals an Bord und gingen zusammen auf eine maritime Reise. Mit der Bühnenkulisse aus dem „Schiff der Träume“ nach dem gleichnamigen Fellini-Film, der letzten Inszenierung unter Intendant Wilfried Schulz,  zogen das Ensemble und Gäste des Staatsschauspiels Dresden glänzend aufgelegt noch einmal spielend, singend und tingeltangelnd alle Register mit einem wunderbaren Abschiedslieder-Abend am vergangenen Sonnabend im ausverkauften Schauspielhaus. Mit der neuen Spielzeit wechselt Schulz ans Schauspielhaus Düsseldorf, einige Schauspieler gehen mit ihm, einige andere Wege und ein großer Teil der Mannschaft bleibt hier.

Vom Schiffsbauch bis zum luftigen Oberdeck mit Vollmond und mal strahlend blauem, mal tiefrotem Bühnenhimmel nebelumwallt, wandelte eine bunt schillernde Figurenschar in Abendroben umher und zeigte sich, wie sie das Publikum kennt und liebt, die Wilden, Verwegenen, Weisen, Komödianten, Tragöden, An- und Aufrührer, Träumer und Hingeber, Suchenden… Mit heiterer Wehmut und wehmütiger Heiterkeit und viel Witz und Charme sangen sie, begleitet von exzellenten Musikern und Klängen von Pop, Swing bis Rockpoesie. Lieder über Abschied und Fortgehen, die schwerfallen und wehtun, weil man etwas aufgibt und zurücklässt, nicht weiß was kommt und das Leben als Reise, das immer neue Entdeckungen bereithält, erfrischt und belebt wie der Wind auf dem Meer.

Angefangen von der volksliedhaften Hymne „La nave va“ mit dem ganzen Ensemble über einen übermütig dunkle Geister vertreibenden, getanzten Song von Tom Waits „Everything goes to hell“ mit Tom Quaas und Ina Piontek bis zum packend-aufrüttelnden „Kanonensong“ aus der Dreigroschenoper – „eindeutig zu viel Testosteron!“, kommentierte trocken die so zierliche wie kraftvolle Rosa Enskat im schwarzen Overall und schmetterte ergreifend den Ohrwurm „You make me feel“.

Christine Hoppe überraschte mit dem sanft berührenden Song „Als ich fortging“ von Karussell. Hannelore Koch sang mit warmer tiefer Stimme ein Schlummerlied: „Niemand weiß wohin er fährt und wie lang es währt, was wird morgen…“ Und Yohanna Schwertfeger bat erst mit romantisch säuselnder, dann kratzig trotziger Stimme: „Mr. Sandman, bring me a dream“.

Über das schöne und anstrengende Schauspielerleben mit Hin und Herradeln zwischen Kleinem und Großen Haus, `nen großen Auftritt haben und Text vergessen, vormittags vor 800 Kindern spielen und in die Elbe pullern – „Das ist Freiheit“ und über den Theaterplatz fahren, Pegida, das ist Montag… sangen Yippie Yeah augenzwinkernd die zwei jungen Schauspieler mit Hut und bunten Hemden Jonas Friedrich Leonhardi und Benjamin Pauquet.
Mit poetischen, hypnotisch schönen Songs zu Shakespeare-Versen begeisterten Christian Friedel und seine Band  Woods oft Birnam, und zusammen mit den Musikern von „Kante“ sangen sie aus seiner ersten Inszenierung am Schauspielhaus Dresden, „Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre“ von Goethe dessen Liedtext „Nur wer die Sehnsucht kennt“, gesanglich verstärkt durch Cathleen Baumann und André Kaczmarczyk. Der schwebte im schwarzen Trauerkleid mit Schleier auf einer Schaukel aus dem Bühnenhimmel, entblätterte sich zum glitzernden Entertainer, der mit viel Witz und Power das Publikum mitreißt und mit seiner besonderen Ausstrahlung schon eine Lücke hinterlässt, begleitet von den drei schrägen mitsingenden und tanzenden Matrosen-Girls Rosa Enskat, Cathleen Baumann und Matthias Luckey, der auch als komischer Countertenor glänzte. Dass nichts außer dem Herzen brennen möge und in die Tiefe stürzen außer Tyrannen, gab Thomas Eisen allen mit auf den Weg und dankte dem Publikum für die sieben wunderbaren Jahre. Mit einem heiter-bewegenden Liedermedley löste das Ensemble zuletzt symbolisch die Leinen für den Aufbruch zu neuen Ufern, begleitet von langanhaltendem Beifall, Jubelrufen und stehenden Ovationen des Publikums.

Nach der Abschiedsvorstellung beginnen nun umfangreiche Sanierungsarbeiten im Schauspielhaus. Die Wiedereröffnung ist am 29. Oktober. Im Kleinen Haus gibt es noch Vorstellungen bis 26. Juni und am 25. Juni ab 15 Uhr ein großes Abschiedsfest der Bürgerbühne vor dem Weggang von Wilfried Schulz, mit Live-Musik, Überraschungsgästen und vielen kleinen Aktionen für die Besucher.

Bevor sich der Vorhang im Schauspielhaus wieder öffnet, spielt das Staatsschauspiel Dresden an verschiedenen Orten in der Stadt. Ein Überblick über die neue Spielzeit erscheint demnächst hier. Schön neugierig bleiben…

 

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Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Edward Albees berühmte Höllenfahrt der Gefühle im Socitaetstheater Dresden

09 Donnerstag Jun 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Foto: Detlef Ulbrich. Mit Philipp Otto, Anna-Katharina Muck, Jan Kittmann und Sarah Bonitz

Eine bitterkomische Schlacht der Gefühle
(erstmals veröffentlicht am 5.6.2016)

Eine Frau wie ein brodelnder Vulkan, Powerfrau und Femme Fatale zugleich steht im Mittelpunkt des Stücks „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ des amerikanischen Dramatikers Edward Albee. Berühmt wurde dieses durch Mike Nichols` Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton im Jahr 1966. Nun hatte Albees berühmte Höllenfahrt zwischen Liebe und Vernichtung am Sonnabend Premiere im Societaetstheater Dresden.

Die Hausherrin ist von schreiender Intensität wie die grell rot-orangenen Ölbilder an der Wand. Auf dem weißen Sofa und Sessel wird bitterkomisch und tief in dunkle Gefühlsabgründe geschaut in dieser Inszenierung unter Regie von Thomas Stecher. Die Hausbar steht voller Flaschen mit Hochprozentigem, wo Lust und Frust abwechselnd begossen werden.

Das lang verheiratete Paar Martha (unheimlich übermächtig und gefühlszerissen: Anna-Katharina Muck) und George (als duldender und zynischer Pragmatiker: Philipp Otto) kommt nachts von einer Uniparty ihres Vaters, dem Dekan, nachhause. Sie hat noch Gäste, Neulinge auf dem Campus, eingeladen ohne Georges Wissen. Ein junges, strahlend schönes  Paar. Die nach außen naiv-unbekümmerte Honey (Sarah Bonitz) und ihr attraktiver und ehrgeiziger Mann Nick, der neue Biologieprofessor an der Uni (Jan Kittmann) geraten unversehens in die Beziehungsschlacht des älteren Paars und müssen sich selbst verdrängten Wahrheiten stellen. Jeder Satz trifft wie ein Pfeil mitten ins Herz und die wunden Punkte des anderen. Georges erschreckt die Frauen mit einem Gewehr mit vorn aufspringendem Regen- oder besser Rettungsschirm.

Für Lachen und Gänsehaut sorgen Spiele wie „Hämmere die Hausfrau“ oder „Blamier den Besuch“ mit gegenseitiger Machtprobe, Erniedrigung bis Partnertausch und Fremdgehen. Martha hat sich in ihrer Scheinwelt verbarrikadiert und beschimpft ihren Mann abwechselnd als Flasche, Versager und Nichts. Und er sie als lautes, vulgäres Ungeheuer und Schandschnauze. Das Ganze eskaliert vor den Augen des jungen Paars, als George im Zorn Martha fast erwürgt. Die Ängste von Männern vor starken, emanzipierten Frauen werden in diesem Stück grotesk dramatisch auf die Spitze getrieben. Allerdings stellenweise zu dick aufgetragen, das viele und wiederholte Schreien und Beschimpfen nervt bald nur noch. Es fehlt an Zwischentönen in den Dialogen. Großartig wird hingegen Schicht für Schicht die Maskerade der Paare messerscharf seziert, hinter die Fassade der Figuren geschaut und Illusionen und Lebenslügen aufdeckt. Dabei bleibt spannend in der Schwebe, wo Wahrheit und Lüge beginnen.

Am Schluss bleibt ein Scherbenhaufen bei beiden Paaren. Martha sitzt fast stumm in der Ecke, gesteht sich endlich ihre eigenen Ängste ein und erstmals keimt Mitgefühl mit ihr beim Zuschauen auf. George hält seine Hand halb abwehrend und zugewandt in Augenhöhe zu ihr. Herzlicher und auch erleichterter Beifall vom Publikum.

Die nächste Vorstellung ist am 6.6. um 20 Uhr, dann erst wieder ab September in der neuen Spielzeit.

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„Die Lebenden Toten“ im Kleinen Haus: Wahnwitzige Parodie über das Flüchtlingsdrama in Europa

29 Sonntag Mai 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Die Zombies kommen!

Eine wahnwitzige Parodie über das Flüchtlingsdrama in Europa im Kleinen Haus in Dresden

Ein riesiges, hungriges und alles verschlingendes Zombiemassenheer steuert auf Europas Küsten zu. Es lässt sich weder von Krieg, Seenot oder EU-Grenzwachen aufhalten. Nur eine gruslige Fiktion oder fast Wirklichkeit? Das fragt das Stück „Die lebenden Toten“ von Christian Lollike, ergänzt mit Textfragmenten von Tanja Diers und Mads Madsen.

Die Premiere in einer Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Viel Zündstoff birgt diese grotesk zugespitzte Aufführung, die berechtigten und diffusen Ängsten vor Fremdem sowie Gründen und möglichen Folgen des gegenwärtigen Flüchtlingsdramas in Europa nachgeht unter Regie von Tilmann Köhler. Dagegen wirkt Houllebecqs ironische politische Fiktion eines islamischen europäischen Staates in seinem Roman „Unterwerfung“, ebenfalls in einer Inszenierung im Kleinen Haus zu sehen, ziemlich harmlos angesichts dieses viel radikaleren Stücks.

Denn es geht noch einen Schritt weiter, indem es ein gleichzeitig irrwitziges wie schmerzhaftes Horrorszenario der schlimmsten Befürchtungen, genährt aus Verunsicherung und schlechtem Gewissen nicht genug zu tun, entwirft: Was passiert, wenn aus dem weiterhin auf Europa zusteuernden Flüchtlingsheer Zombies werden? Jene lebende Untote bestehend aus den Körpern der zahlreichen ertrunkenen Flüchtlinge, die aus dem Meer an Land kommen und blutige Rache nehmen für das Wegsehen und unterlassene Hilfe der „Festung Europa“. Die Inszenierung hinterfragt in intensiven, beklemmenden, bis an die Grenze des Erträglichen gehenden Bildern blutrünstiger Vampire sowie eindringlich spannungsreichem Körpertheater kritisch die aktuelle Flüchtlingspolitik, die Rolle und Verantwortung der Politik, der Medien, des Theaters und jedes Einzelnen.

Die Ausgangssituation: Drei Menschen wollen einen Film zur Flüchtlingskrise drehen. Die Bühne ähnelt einer Sandwüste, ein paar Kisten mit Requisiten, eine Filmleinwand und ein Popcornbecher stehen griffbereit. Die zwei Männer und eine Frau überlegen, wie sie am besten Mitgefühl mit dem Flüchtlingselend erreichen können beim Zuschauer. Sie versuchen es mittels schockierender Filmszenen wie in Vampir- und Horrorfilmen. In so viele Flüchtlinge kann man sich nicht hineinversetzen, lautet ihre These. Die drei hartnäckig um Emphatie und Glaubwürdigkeit ringenden Schauspieler André Kaczmarczyk, Kilian Land und Antje Trautmann sehen sich selbst auf der Leinwand zu und ihren Albträumen. Sie spielen Phrasen dreschende EU-Politiker, böse Geister beschwörende Geistliche und menschliche Zombies mit grusligen Masken, Flüchtlinge in gebrochenem Deutsch und sächselnde Urlauber am Mittelmeer, die von Zombies überfallen werden.

Großartig die wahnwitzige Parodie von Kaczmarczyk eines Mannes, der überall Bedrohung wittert, sich in ein Erdloch verkriecht und die Mauer wiederaufbauen will. Kilian Land berührt als Zombie, der das menschliche Grauen nicht fassen kann. Antje Trautmann taucht in einem mitgefilmten Selbstversuch ihren Kopf in eine Wasserschüssel und ihre Mitspieler lassen sie zappeln, bis sie kaum noch Luft bekommt, damit es echt aussieht. Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Gleichgültigkeit und Abschotten, bevor die schrecklichen Visionen wahr werden ist diese Aufführung. Wie geht man aber nun mit den realen Ängsten um und findet konstruktive Auswege aus dem Flüchtlingsleid? Darauf findet die Inszenierung keine schlüssige Antwort. Bei aller Absurdität in der Darstellung übertriebener Ängstlichkeit von aus ihrem Alltagstrott heraus gerissenen Bürgern blieb ein befreiendes Lachen am Ende aus. Dennoch herzlicher Beifall für einen engagierten Theaterabend.

Es gibt nur noch zwei Vorstellungen: am 13. und 17.6., 19.30 Uhr

Foto: Staatsschauspiel Dresden

Aktuell zur Flüchtlingskrise: Überlebende berichten von Flüchtlingsunglück mit Hunderten Toten http://a.msn.com/01/de-de/BBtBiUO?ocid=se

 

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Höchste Zeit!: eine Heirats-Musicalkomödie

22 Sonntag Mai 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Foto: Robert Jentzsch

Ein humorvoller Hochzeits(alb)traum

Ein Muss für alle frisch Verlobten, Langzeit-Singles und Ehe-Insassen ist diese Inszenierung in der Comödie Dresden.

Eigentlich müsste sie im siebten Himmel schweben. Denn die lebenslustige Karrierefrau Gaby wird gleich ihren Traummann heiraten. Doch seit letzter Nacht ist er spurlos verschwunden und sie weiß nicht, mit wem sie diese verbracht hat. Damit ist für reichlich Herzkribbeln, Aufregung und Spannung gesorgt in der Musicalkomödie  „Höchste Zeit!“ (Buch: Tilman von Blomberg, Liedtexte: Carsten Gerlitz). Die Premiere war am Freitag abend in der Comödie Dresden.

Buchstäblich berauscht stolpert die Braut in spe im schwarzen Minikleid (reichlich gefühlsverwirrt: Charlotte Heinke)aus dem Bad. Sie befindet sich in der Hotelsuite eines Grand Hotels. Dem einzigen Ort, an dem man noch an Märchen glaubt, erklingt süffisant eine Männerstimme aus einem sprechenden, grünflimmernden Spiegel, um wie ein froschverzauberter Traumprinz (Viktor Neumann) kühl-ungerührte und ungenierte Kommentare zu den Liebesturbulenzen abzugeben.

Mit Blick auf eine handsignierte CD von Howard Carpendale steigt ein beunruhigender Verdacht in der Braut auf. Während die drei Freundinnen als Brautjungfern in Feierlaune anschwirren und weder mit gut gemeinten Ratschlägen noch giftigen Seitenhieben rund um Liebesromantik und -alltag, Ehe und Treue und ihre Schattenseiten sparen, hat die Braut Zeit sich klar zu werden, was sie eigentlich will. Ihr Motto heißt: „Im Herzen treu, im Leben frei.“

Mit viel Witz und Power, Lust und Wut singt, spielt und tanzt das Damen-Quartett in der Fortsetzung des Musicals „Heiße Zeiten“ unter Regie von Katja Wolff nun wieder samt verrückt spielender Hormone und Gefühle. Die vier sehr verschiedenen Damen lästern, lachen, leiden, streiten, trösten und machen sich gegenseitig Mut und nehmen zu bekannten, umgeschriebenen Popsongs das Ideal von ewiger Liebe und Zweisamkeit humorvoll auf die Schippe. Da ist die vornehme, nach außen forsche und abgeklärte Ehefrau (Heike Jonca), die ihre „Scheidung als vorzeitige Haftentlassung“ betrachtet und wieder frei sein will. Und der Braut einpaukt: „Den Richtigen gibt es nicht, sondern nur den am wenigsten Falschen!“ Da ist die junge Mutter (Wiebke Wötzel), die sehnlichst heiraten will und derart hohe Ansprüche an ihren Freund stellt, dass er sich nicht traut sie zu fragen. Und die üppig-quirlige Hausfrau Doris (Angelika Mann), die ihr Herz auf der Zunge trägt und mit hinreißend bluesig-rockiger Stimme bekennt: „Ich will mehr!“ – als nur für Mann und Haushalt da zu sein.

Das Publikum hat sichtlich Spaß und durchlebt mit der Braut alle Höhen und Tiefen dieses Hochzeits(alb)traums. Wenn die Geschichte auch streckenweise sehr überdreht und widersprüchlich hinsichtlich der Wünsche und Realität der Frauen daherkommt und mehr auf Gags abzielt, bleibt es zumindest amüsant, unterhaltsam und spannend bis zum Schluss. Herzlicher Beifall.

Nächste Vorstellungen: 24. – 28.5. und 31.5., 1. – 11.6, 19.30 Uhr; 12. und 19.6., 15 Uhr und 14. – 18.6., 19.30 Uhr

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Warten auf Godot an den Landesbühnen Sachsen

21 Samstag Mai 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Warten auf bessere Zeiten

Samuel Becketts berühmtes Stück am Sonntag auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Die absurd-komische Geschichte um die beiden Landstreicher Wladimir und Estragon, die auf einen geheimnisvollen Unbekannten namens Godot warten, weil sie nichts zu tun haben und mit dem bestimmt alles besser wird, ist am Sonntag (22.5., 20 Uhr) wieder auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul in der Regie von Peter Kube zu sehen.

Das berühmte Stück von Samuel Beckett über Glück und Lebenssinn, Warten als innere Leere und Stillstand oder Abwarten und Reifen lassen bis die Zeit gekommen ist, stellt immer eine Gratwanderung dar. Passiert doch erst einmal  – nichts. Um so mehr kommen das Imaginäre und Bedeutungsschwere des Augenblicks, jede noch so kleine Geste sowie hin und her ge- und verdrehter Wort- und Spielwitz zum Zuge, den die beiden sehr komödiantischen Hauptdarsteller voll auskosten. Herrlich naiv-komisch und tiefgründig, lustig und traurig zugleich agieren sie in dieser zeitlos aktuellen Geschichte.

Sie laufen auf und ab, vor und zurück auf der runden Spielfläche mit einem kahlen Baum, der seine Schatten wirft. Wladimir (Michael Berndt-Cananá) fragt Estragon (Grian Duesberg) ob er sicher ist, dass sie hier an dieser Stelle warten sollen? Und was eigentlich ihre Rolle sei? Sind sie gebunden und an wen? Worauf warten sie eigentlich? Auf Rettung, einen Erlöser?

Das wissen sie selbst nicht. Die Langeweile quält sie und sie tun alles, um sie zu vertreiben. Vermessen den Platz, überlegen, wo sie überall hin gehen könnten und kommen doch nicht weiter als bis zum Bühnenrand. Denn sie könnten Godot ja verpassen und das wäre unverzeihlich. Sie erfinden Spiele, erörtern verschiedene Möglichkeiten des Selbstmords, philosophieren über das Leben und den Tod. Und tauschen ihre Hüte als ob sie dann ein anderer wären oder sich etwas ändern würde. Ein angeblich von Godot ausgesandter Bote, ein Junge, verkündet, dass sich seine Ankunft verzögern, er aber ganz bestimmt kommen werde. Mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen.

Dann taucht noch ein seltsames Duo auf mit dem reichen, tyrannischen Landsbesitzer Pozzo (Marcus Staiger) und seinem schwer beladenen Diener  Lucky (Mattias Nagatis für den erkrankten Tom Hantschel ), den er wie einen alten Gaul an der Leine führt, zerrt und herumkommandiert. Hungrig muss er zusehen wie Pozzo isst und den Landstreichern die Knochen zuwirft und als Estragon sich der wimmernden, dürren Kreatur mitfühlend nähert, tritt Lucky ihn. Er kann Fremde nicht leiden und gehorcht nur seinem Herrn, kommentiert Pozzo trocken. Er verhöhnt und erniedrigt Lucky, befiehlt ihm zu tanzen und akrobatische Kunststücke vorzuführen.

Plötzlich sprudeln aus ihm wilde Wortkaskaden in einem verächtlich-wahnwitzigen Monolog darüber, wie der Mensch immer kleiner werde und redet sich in Rage bis sein Herr ihm das Seil um den Hals legt. Dafür gab es Szenenapplaus. Die beiden Landstreicher machen sich über Herr und Knecht lustig und ahmen die Kommandos nach, schreien und befehlen sich gegenseitig. Und führen absurde Dialoge im Wechsel von Verzweiflung und Hoffnung.

Als Pozzo und sein Diener wieder vorbei kommen – ist ein Tag vergangen oder Jahre? – ist Lucky stumm und Pozzo blind geworden. Der Herr muss jetzt von seinem Sklaven geführt werden. Sie können sich ebenso wie der Bote nicht entsinnen, Estragon oder Wladimir jemals zuvor begegnet zu sein. Als ob sie gar nicht existieren würden. Oder haben sie sich das alles nur eingebildet, sind die anderen nur Truggestalten? Ist das Leben ein einziger Betrug, eine Illusion und Sinnestäuschung? Sollen sie zusammenbleiben oder auseinander gehen? Was passiert, wenn sie Godot einfach fallen ließen?

Darüber darf der Zuschauer alleine weiterrätseln. Das ist auch der Reiz dieses Stückes, es stellt viele elementare menschliche Fragen,  spielt mit Wünschen und Erwartungen an sich selbst und andere und man kann es immer wieder neu und anders sehen. Und es wird nie langweilig. Viel Beifall.

 

 

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Wind.Mühlen.Flügel: Don Quijote im Kleinen Haus

15 Sonntag Mai 2016

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Auf den Flügeln der Fantasie

„Die Realität sind die Windmühlenflügel. Wir kämpfen alle dagegen, merken es nur nicht“, sagt Don Quijote. Kaum einer, der ihn nicht kennt, den Ritter von der traurigen Gestalt. Auch wenn man den dicken Wälzer nicht vollständig gelesen hat, gilt er als d e r Träumer und unverbesserliche Optimist und Weltverbesserer. War er ein Fantast, Depp oder Held oder beides?
Dem geht das Stück „Wind.Mühlen.Flügel.“, ein Rechercheprojekt frei nach Miguel Cervantes` berühmtem Roman „Don Quijote“ nach in einer Produktion der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Jeder der sechs Spielerinnen und Spieler hat seine eigene Version der Geschichte von Don Quijote in dieser witzig, poetisch und einfallsreich in Szene gesetzten Aufführung von Autor und Regisseur Tobias Rausch. Gemeinsam gehen sie auf die Suche nach den Don Quijotes unserer Zeit, musikalisch originell auf Blasinstrumenten von vier jungen Musikern begleitet.
Fantasie und Realität, Episoden aus dem Roman und persönliche Lebensgeschichten mischen sich ständig, wenn sie von ihren Träumen, Siegen und Niederlagen und Erfahrungen im Umgang damit erzählen. Spielkulisse ist ein Bibliotheksraum mit langen Tischen, auf denen sich Buchstaben drehen und bewegen heraus aus den Bücherregalen und später kleine Windmühlen, gebaut aus Pappbechern und Getränkedosen mit Flügeln aus Besteck, projiziert im Schattenriss auf einer Leinwand. Zwei adrette Bibliothekarinnen in weißen Kleidern und schwarzer Schleife sortieren, archivieren und verwalten streng auf Ordnung bedacht die Bände. Eine junge Frau gibt sich als Profigamerin mit Leidenschaft für Fantasyspiele zu erkennen, setzt sich mal eine Blechdose auf den Kopf und mal einen rosa käfigähnlichen Korb wie gefangen in ihren Fantasien. Eine andere Frau erzählt von ihrer Liebe zu Büchern und von Leuten, die sie nur hin und her tragen ohne eine Seite aufzuschlagen.

Früher waren Bücher eine Insel, eine Waffe, sagt Susanna Pervana, sie haben geflüstert, gezischelt und gestichelt. „Heute stehen Bücher vergessen herum, gibt es nur noch ein einziges Buch – Facebook“, sagt sie, die aus einem griechischen Dorf stammt und als Kind mit ihrer Mutter nach Deutschland kam. Sie fühlte sich manchmal allein gelassen und wie in Platons Höhle: „Du bist von Schatten umgeben und weißt nicht mehr, was die Realität ist. Doch unsere Fantasie sucht immer einen Weg durch diese dünne Schicht, die wir Realität nennen“, weiß sie inzwischen. Später schlüpft sie in die Rolle von Sancho Pansa, dem treuen Knappen von Don Quijote, der ihn immer wieder aus dem Schlamassel herausholt. Statt seiner Lanze bringt sie ihm erst mal einen Latte Macchiato, als er mit verwegener Miene und Metalldeckel auf dem Kopf und hohen Schaftstiefeln den Lesesaal stürmt, den Tisch erklimmt und von oben aus seinem Tagebuch liest, heitere, nachdenkliche und anstößige Notate.

Der skurrile wie tollkühne Don Quijote ist eine Paraderolle für Hans Kubach, der als ehemaliger Journalist mit brüchiger Stimme von den Irrungen und Wirrungen seines Lebens und der Wendezeit erzählt, als die Riesen zu Boden gingen, aber auch von übergroßem Liebeskummer und Alkoholzuspruch, der die Wirklichkeit verrückte. Einer wie Don Quijote hat es nicht leicht heute.
In einer Welt voll cooler Gewinnertypen und multimedial umgeben von Verschwörungstheorien, Gewalt und zerstörerischen Fantasien. „Vielleicht müssen wir alle auf kalten Entzug“, sagt Marco Tabor, der als Polizist Don Quijote verhört. Außerdem küsst er auf der Bühne Greta, die noch nie einen Jungen geküsst hat. Ähnlich wie Don Quijote seine unbekannte Geliebte Dulcinea anschmachtet, lebt ihr Traummann nur in ihrem Kopf.
Eine Frau wäre gern Meeresforscherin geworden, untersuchte später als Wissenschaftlerin Gewässer um schließlich zu beweisen, dass sie ihre These nicht beweisen kann. „Ich wollte raus in die Natur und jetzt arbeite ich nur noch mit Daten. Was uns wirklich fehlt, ist eine Resistenz gegen das Gefühl des Scheiterns“, sagt Claudia Seiler. Es sind ihre Ideen, Neugier, ihr Erfindungsgeist und Wagemut, die alle Spieler und ihre Geschichten mit Don Quijote gemeinsam haben. Wie viel vom Erzählten fiktiv oder echt ist, darf sich der Zuschauer selbst aussuchen und seine Fantasie spielen lassen. Viel Beifall.

Nächste Termine: 17.5., 20 Uhr; 5.6., 19 und 17.6., 20 Uhr

 

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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